Läuse

Läuse treten beim Menschen in drei Arten auf: Kopfläuse, die am häufigsten sind, Filzläuse in der Schambehaarung und Kleiderläuse. Der Juckreiz wird durch den Speichel der Läuse verursacht. Es kann mehrere Wochen dauern, bis der Juckreiz beginnt.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was sind Läuse?

Es gibt drei Arten von Läusen, von denen der Mensch befallen werden kann.

  • Kopfläuse sind 2–3 mm lang und grau, braun oder schwarz. Sie können auch rot sein, nachdem sie Blut gesaugt haben. Die ausgewachsenen Läuse sind flügellos, haben sechs Beine und hakenförmige Krallen, mit denen sie sich an die Haare klammern. Kopfläuse leben ausschließlich auf der menschlichen Kopfhaut und sind am ehesten in den Nackenhaaren und hinter den Ohren zu finden. Sowohl Läuse als auch deren Eier sind mit bloßem Auge zu erkennen.
  • Filzläuse sind kürzer und breiter als Kopfläuse. Sie gedeihen an Stellen mit starker Körperbehaarung, v.a. in Schamhaaren, Augenbrauen und Wimpern. Aufgrund der Substanzen im Speichel der Läuse kann man bläuliche Bisswunden in der Haut erkennen.
  • Kleider- oder Körperläuse ähneln Kopfläusen und leben in den Fasern von Kleidungsstücken, von wo sie auf den Körper wandern, um Blut zu saugen. Sie sind in Mitteleuropa eher selten. Ein Befall durch Kleiderläuse entsteht durch mangelnde Hygiene. Kleiderläuse können verschiedene Krankheiten übertragen, z. B. Fleckfieber und Läuserückfallfieber.

Die Läuse ernähren sich von menschlichem Blut und bewegen sich entlang von Haarsträhnen.

Symptome

Die Läuse verursachen Juckreiz, da die Inhaltsstoffe des Läusespeichels eine allergische Reaktion hervorrufen. Direkt nach der Ansteckung ist der Juckreiz in der Regel noch nicht vorhanden, oft setzt er erst nach einigen Wochen ein. Bei einer erneuten Ansteckung kann der Juckreiz jedoch schnell zurückkehren.

Wenn Sie von Filzläusen befallen werden, erkennen Sie diese normalerweise, bevor der Juckreiz eintritt. Auch Kopfläuse und ihre Eier (Nissen) sind gut zu erkennen, manchmal auch die Ausscheidungen der Läuse, die wie schwarzes Pulver aussehen.

Häufig besteht ein Hautausschlag. Durch Kratzen können kleine Wunden in der Haut entstehen. Die Lymphknoten können anschwellen. Bei Filzläusen sind bläuliche Bissspuren auf der Haut zu sehen.

Kopfläuse haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun und können nicht mit normalem Shampoo entfernt werden.

Häufigkeit

Läusekamm
Läusekamm

Epidemien von Kopfläusen treten sehr häufig auf und zwar meistens in Kindergärten, Schulen und an solchen Orten, wo Kinder engen Kontakt haben. Überwiegend befallen werden Kinder im Alter von 5–13 Jahren, jedoch können auch Erwachsene betroffen sein. Es ist selten, dass nur eine Einzelperson Kopfläuse bekommt, denn durch den Kontakt zu Mitmenschen, z. B. in einer Familie, können die Kopfläuse schnell weiterverbreitet werden. Außerhalb der Kopfhaut überleben Kopfläuse maximal 2 Tage.

Auch Filzläuse treten gelegentlich auf. Sie sterben nach 1–2 Tagen ohne Wirt.

Kleiderläuse kommen in Mitteleuropa nur selten vor.

 

Ausbreitung

Läuse verbreiten sich nur durch engen Kontakt. Kopfläuse leben ausschließlich auf der menschlichen Kopfhaut. Menschliches Blut ist die einzige Nahrung der Kopfläuse, welche sie alle 3–6 Stunden zu sich nehmen. Dies kann Juckreiz auslösen, die meisten Patienten bleiben jedoch lange symptomfrei. Die Läuse legen ihre Eier (Nissen) am Haarschaft ab. Nach 7–10 Tagen schlüpfen die jungen Läuse, die nach 9–12 Tagen geschlechtsreif werden. Der Lebenszyklus dauert ca. 30 Tage.

Kopfläuse können weder springen noch fliegen, kriechen aber gern von einem Kopf zum anderen. Sie breiten sich häufig zwischen Kindern aus, die beim Spielen ihre Köpfe zusammenstecken. Die Läuse können gelegentlich auch durch das Benutzen fremder Mützen oder Kämme übertragen werden. Wenn eine Mütze einen Tag lang nicht getragen wurde, kann sie in der Regel keine Ansteckung mehr bewirken. Wir empfehlen jedoch, bei Läusebefall Mützen und andere Kopfbedeckungen sowie Kämme nicht untereinander auszuleihen.

Filzläuse besiedeln vornehmlich Erwachsene und sind an die Behaarung der Schamgegend, der Achselhaare, Augenbrauen und Wimpern angepasst. Sie werden durch engen Körperkontakt (v. a. Sexualkontakt) oder Benutzung gemeinsamer Bett- und Handtücher übertragen. Filzläuse überleben nicht länger als 24 Stunden ohne Blutmahlzeit.

Ein Befall durch Kleiderläuse entsteht durch mangelnde Hygiene. Dies kommt in Mitteleuropa nur selten vor. Kleiderläuse sterben innerhalb einer Woche außerhalb des Wirtes.

Diagnose

Bei einer Untersuchung versucht die Ärztin, die Läuse und Eier in der Kopfhaut und an anderen Stellen mit Symptomen zu finden. Die Läuse legen die Eier (Nissen) dicht an der Haarwurzel ab, wo sie dann am Haar festkleben. Am wachsenden Haar bewegen sie sich somit etwa 1 cm pro Monat weiter. Wenn Sie die Entfernung von der Kopfhaut bis zur äußersten Nisse messen, können Sie die Dauer der Infektion bestimmen.

Beim Kämmen der nassen Haare sehen Sie die Läuse auf dem Kamm und, wenn Sie sich ein weißes Handtuch um die Schultern legen, auch dort. Benutzen Sie einen richtigen Läusekamm und kämmen Sie das Haar möglichst in hellem Licht. Legen Sie beim Kämmen ein Handtuch über die Schultern und verwenden Sie, wenn möglich, eine Lupe.

Suchen Sie sowohl Kamm als auch Handtuch nach Läusen und Eiern ab. Die Eier sitzen oft so fest im Haar, dass beim Kämmen das Haar mitsamt Eiern herausgerissen wird.

Sie können den Läusekamm auch im trockenen Haar nutzen. Halten Sie den Kopf über weißes Papier, sodass eventuelle Läuse und Eier sichtbar werden.

Sobald Sie Läuse vorfinden, muss der Kamm heiß ausgespült werden. Auch das Handtuch sollte entweder bei 60 Grad gewaschen oder für mindestens vier Stunden eingefroren werden, um die Läuse und Eier abzutöten.

Filzläuse lassen sich im Schamhaar oder evtl. in den Augenbrauen oder Wimpern durch Inspektion, ggf. mit einer Lupe, erkennen.

Behandlung

Das erste Beinpaar von Läusen ist krallenförmig entwickelt. Damit halten sich die Tiere so gut an den Haaren fest, dass sie durch Waschen, Baden oder Duschen nicht entfernt werden können.

Das Kämmen mit dem Läusekamm entfernt zwar nicht die lebenden Eier, aber es reduziert die Anzahl geschlechtsreifer Läuse. Bei Kopflaus-Epidemien sollten Sie versuchen, alle infizierten Personen gleichzeitig mit Medikamenten und Kämmen zu behandeln.

Filzläuse werden mit den gleichen Medikamenten therapiert wie Kopfläuse, jedoch ist kein Kämmen notwendig. 

Bei Kleiderläusen reichen eine gründliche Körperwäsche und das Waschen der Kleidung in der Regel als Therapie aus.

Medikamente

Mit Medikamenten sollten nur diejenigen behandelt werden, die wirklich von Läusen befallen sind. In Deutschland gibt es Arzneimittel mit den Wirkstoffen Allethrin, Permethrin und Pyrethrum.

Alternativen werden zunehmend wichtiger, da Resistenzen gegen bekannte Wirkstoffe auftreten. In Deutschland sind Resistenzen jedoch noch selten. Zunächst können Sie die sogenannten Medizinprodukte einsetzen. Diese sind, außer dem Läusekamm, Dimeticon (Silikon-Lösung) und pflanzliche oder ätherische Öle. Dimeticon tötet die Läuse vermutlich dadurch, dass sie abgedeckt und verklebt werden, sodass sie ersticken. Das Produkt wird in das Haar und die Kopfhaut einmassiert und muss eine bestimmte Zeit lang einwirken. Es sind bislang keine Nebenwirkungen bekannt, allerdings bleibt das Haar kurzzeitig leicht entflammbar. Sie sollten daher beim Föhnen vorsichtig sein. Derartige Präparate bekommen Sie rezeptfrei in der Apotheke. 

Permethrin kann für Kinder ab 6 Monaten und auch während der Schwangerschaft verwendet werden, einige Läuse sind jedoch gegen den Wirkstoff resistent. Permethrin ist ein Nervengift für Läuse. Das Shampoo wird gut in das feuchte Haar einmassiert und nach 10 Minuten Einwirkungszeit gründlich mit Wasser ausgespült.

Die Behandlung muss nach 8–10 Tagen wiederholt werden.

Kämmen Sie das Haar mit dem Läusekamm während der Behandlungszeit und nach Abschluss der Behandlung regelmäßig noch mindestens zwei Wochen, damit wirklich alle Läuse entfernt sind. Nachdem die Läuse verschwunden sind, kann der Juckreiz noch einige Tage anhalten.

Filzläuse werden mit den gleichen Medikamenten behandelt wie Kopfläuse. Permethrin Creme oder Pyrethrin werden auf sämtliche Körperregionen aufgetragen, die mit Filzläusen befallen sind, und nach 10 Minuten abgewaschen. Die Behandlung soll nach 7–10 Tagen wiederholt werden. Zusätzlich sollten die Eier mit einer Pinzette entfernt werden. Bei Filzläusen in den Wimpern sollten Läuse und Eier manuell entfernt und die Lidkante regelmäßig mit Vaseline versehen werden. Waschen Sie Kleidung, Bettwäsche, Handtücher usw. in der Waschmaschine bei mindestens 60 °C oder verschließen Sie sie für mindestens 3 Tage luftdicht in Plastiktüten.

Kämmen

  • Kämmen kann als alleinige Therapie angewandt werden, insbesondere, wenn die Medikamente nicht wirken oder nicht vertragen werden.
  • Dabei muss der Patient 12–14 Tage lang systematisch und gründlich jeden oder jeden zweiten Tag gekämmt werden. Nach der letzten Behandlung sollte das Haar für weitere drei Wochen untersucht werden, vorzugsweise täglich.
    • Diese Methode ist vor allem für Kinder geeignet, die kurzes oder mittellanges, glattes oder gewelltes Haar haben.
    • Verwenden Sie einen handelsüblichen feinen Kunststoffkamm oder einen Läusekamm.
    • Waschen Sie zunächst das Haar mit normalen Shampoo, legen Sie ein weißes Handtuch über die Schultern und kämmen Sie darauf das noch feuchte Haar. Die Läuse fallen auf das Handtuch und sind dort leicht zu erkennen.
    • Auch zwischen den Zinken des Kamms können sich kleine Läuse oder Nissen befinden.
    • Sowohl Kamm und Handtuch müssen anschließend bei mindestens 60 °C gewaschen oder eingefroren werden, um die Läuse zu töten.
  • Kämmen in trockenem Haar ist eine Alternative und wahrscheinlich nahezu so wirksam wie in feuchtem Haar.
    • Beugen Sie dabei den Kopf über einen weißen Untergrund, so dass dort die ausgekämmten Läuse zu sehen sind.
    • Die Läuse sind in trockenem Haar nicht so klebrig, jedoch besteht die Gefahr, sie beim Kämmen weit zu verstreuen.
  • Anderen potenziellen Kontakten, die nicht medikamentös therapiert werden, wird ebenfalls empfohlen, sich täglich zu kämmen, um eine Infektion auszuschließen.
  • Wenn Sie den Kopflausbefall aussschließlich mit Kämmen behandeln, wird empfohlen, Bettwäsche und Kleidung, die in Kontakt mit dem entsprechenden Hautbereich kommen, bei mindestens 60 °C zu waschen.

Kindergarten und Schule

  • Kinder mit Kopfläusen dürfen nur dann weiter in die Schule oder den Kindergarten gehen, wenn mit der Therapie begonnen wurde.
  • Die Eltern müssen den Leiter der Gemeinschaftseinrichtung unverzüglich informieren.
  • Leitungen von Gemeinschaftseinrichtungen sind nach Paragraph § 34 Abs. 1 IfSG (Infektionsschutzgesetz) verpflichtet, das Gesundheitsamt über einen mitgeteilten oder selbst festgestellten Kopflausbefall namentlich zu benachrichtigen.
  • Die Eltern sollten ihre Kinder während der Therapie regelmäßig zu Hause auf Läuse untersuchen. Auch die anderen Geschwister sollten untersucht werden, jedoch sollten nur infizierte Kinder therapiert werden.
  • Im Kindergarten können Kinder sich durch direkten Kontakt mit dem Kopf eines infizierten Kindes anstecken oder auch z. B. durch die gemeinsame Benutzung von Kopfbedeckungen. Bei älteren Kindern ist es daher recht einfach, Infektionen zu vermeiden.
  • Auf Kuscheltieren oder luftig hängender Kleidung überleben Läuse nicht länger als etwa 24 Stunden.
  • Läuse sterben ebenfalls durch Einfrieren oder Erhitzen über 60 °C.
    • Frieren Sie Kleidungsstücke, in denen sich Läuse befinden können, in einer Plastiktüte für mindestens vier Stunden ein oder
    • Waschen Sie sie bei mindestens 60 °C.

Prognose

Die meisten Patienten sind nach gewissenhafter Durchführung der Therapie läusefrei. Der häufigste Grund für Therapieversagen ist nicht Resistenz, sondern Nachlässigkeit bei der Behandlung.

Kinder in besonders gefährdeten Umgebungen sollen regelmäßig auf Läuse untersucht werden. Mindestens einmal im Monat sollte eine Nachkontrolle durch Kämmen erfolgen.

Weitere Informationen

  • Läuse – Informationen für ärztliches Personal

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Läuse. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Flinders DC, de Schweinitz P. Pediculosis and scabies. Am Fam Physician 2004; 69: 341-50. PubMed
  2. Meister L, Ochsendorf F: Headlice—epidemiology, biology, diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 763–72. www.aerzteblatt.de
  3. Robert-Koch-Institut. Ratgeber für Ärzte. Kopflausbefall. Stand 2008. Zugriff 16.04.2018 www.rki.de
  4. Richter J, Müller-Stöver I, Walter S, Mehlhorn H, Häussinger D: Kopfläuse – Umgang mit einer wieder auflebenden Parasitose. Dtsch Arztebl 2005; 102: 2395–8 www.aerzteblatt.de
  5. Salavastru C. M. et al.. European guideline for the management of pediculosis pubis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venerology 2017; 31: 1425-1428. www.iusti.org
  6. Bradley N. Bragg, Leslie V. Simon. Pediculosis Humanis (Lice, Capitis, Pubis). Treasure Island: StatPearls Publishing LLC, 2017. www.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Meinking TL, Entzel P, Villar ME, Vicaria M, Lemard GA, Porcelain SL. Comparative efficacy of treatments for pediculosis capitis infestations. Arch Dermatol 2001;137:287-92. PubMed
  8. Pollack RJ, Kiszewski A, Armstrong P, Hahn C, Wolfe N, Rahman HA, et al. Differential permethrin susceptibility of head lice sampled in the United States and Borneo. Arch Pediatr Adolesc Med 1999;153:969-73. PubMed
  9. Burgess IF, Brown CM, Lee PN. Treatment of head louse infestation with 4% dimeticone lotion: randomised controlled equivalence trial. BMJ 2005; 330: 1423. British Medical Journal
  10. Heukelbach J, Pilger D, Oliveira FA et al. A highly efficacious pediculicide based on dimeticone: Randomized observer blinded comparative trial. BMC Infectious Diseases 2008; 8: 115. PubMed
  11. Burgess IF, Lee PN, Matlock G. Randomised, controlled, assessor blind trial comparing 4% dimeticone lotion with 0,5% malation liquid for head louse infestation. PLoS ONE 2007; 2: e1127. PubMed