Chronische Nagelfalzentzündung

Die Nagelfalzentzündung (Paronychie oder Umlauf) ist eine Entzündung des weichen Gewebes rund um den Fingernagel. Sie kann akut oder chronisch verlaufen.

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Was ist eine Nagelfalzentzündung?

Die Nagelfalzentzündung (Paronychie) ist eine Entzündung des weichen Gewebes rund um den Fingernagel oder Zehennagel. Sie kann akut oder chronisch sein.

Typische Symptome sind Schmerzen, Empfindlichkeit, Schwellungen einer der seitlichen Nagelfalten, manchmal mit Eiteransammlungen unter der Nagelfalte.

Die Erkrankung kommt häufig vor. Bei rund 35 % aller Handinfektionen handelt es sich um eine Nagelfalzentzündung, sie ist damit die häufigste Infektion der Hand. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, eine Erkrankung ist in jedem Alter möglich. Bei einigen Menschen kommt es zu einer chronischen Entzündung. Insbesondere Personen, die bei der Arbeit mit Feuchtigkeit/Nässe in Berührung kommen, z. B. Reinigungspersonal, neigen zu derartigen Entzündungen.

Ursache

Die häufigste Ursache für Nagelfalzentzündungen sind kleine Wunden, welche die physische Barriere zwischen dem Nagel und der umliegenden Haut zerstören. So können Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze in den Nagelfalz oder das Nagelbett gelangen, sich vermehren und eine Infektion hervorrufen. Eine solche Entzündung kann durch Bagatellen wie eine ausgefranste Nagelhaut oder aber durch Nägelkauen, Fingersaugen, übertriebene oder unprofessionelle Maniküre sowie die Verwendung von Kunstnägeln entstehen.

Insbesondere Personen, die beruflich mit Feuchtigkeit/Nässe zu tun haben, neigen zu derartigen Entzündungen. Hierzu zählen zum Beispiel Reinigungs- und Küchenpersonal, Fischer, Floristen, Barkeeper, Bäcker und Schwimmer. Auch Personen mit Diabetes, Übergewicht, starkem Handschweiß oder Immunschwäche sind vermehrt von Nagelfalzinfektionen betroffen.

Chronische Verläufe entstehen häufig infolge einer Entzündungsreaktion auf Allergene und Reizstoffe. Sehr häufig wird eine chronische Nagelfalzentzündung durch eine Infektion mit Hefepilzen (Candida) verursacht. Auch ein eingewachsener Zehennagel kann eine Nagelfalzentzündung hervorrufen. Insbesondere Personen, die in sogenannten Feuchtberufen tätig sind, also häufig oder wiederholt mit Feuchtigkeit oder reizenden Substanzen (Lebensmittelindustrie, Lösungsmittel) in Berührung kommen, neigen zu chronischen Infektionen.

Diagnose

Häufig geht der chronischen Infektion eine akute Nagelfalzentzündung mit Schmerzen sowie Druckempfindlichkeit und Schwellung der Nagelwälle seitlich des Nagels voraus. Hält eine solche Entzündung über mehr als sechs Wochen an, so spricht man von einer chronischen Nagelfalzentzündung. Es können ein oder mehrere Nägel betroffen sein. Entzündung, Schmerzen und Schwellung können kommen und gehen, häufig verschlimmern sich die Beschwerden, nachdem die Hände starker Feuchtigkeit und Kälte ausgesetzt waren.

Bei der Untersuchung kann der Arzt eine Rötung und Schwellung des betroffenen Bereichs feststellen, der Nagelwall ist druckempfindlich. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf kommt es zur Verdickung und Verfärbung der Nagelplatte, zudem können Querrillen entstehen. Die Nagelhaut löst sich auf, wodurch die Nagelwälle offenbleiben und weitere Mikroorganismen in die Haut eindringen können. Zur Sicherung der Diagnose muss der Arzt etwas Eiter aus einem Abszess oder Wundsekret aus dem geschwollenen Nagelwall entnehmen. Über das Anlegen einer Kultur kann schließlich der genaue Erreger bestimmt werden.

Therapie

Die Behandlung zielt auf die Abtötung der Mikroorganismen und somit die Heilung der Entzündung ab. Darüber hinaus sollten prophylaktische Maßnahmen ergriffen werden, um eine erneute Infektion zu vermeiden.

Vermeiden Sie den Kontakt mit übermäßiger Feuchtigkeit und Substanzen, die zu einer Hautreizung führen können. Die entzündete Stelle muss trocken und warm gehalten werden, um eine adäquate Heilung zu gewährleisten.

In leichten Fällen genügt es, den betroffenen Finger oder Zeh mehrmals täglich mit warmem Seifenwasser zu reinigen und die Wunde mit einem Antiseptikum wie Chinosol zu desinfizieren. Zusätzlich können Sie den Finger in Kaliumpermanganat-Lösung baden und Salbenverbände mit Polyvidon-Jod oder Natriumbituminosulfonat anlegen. Bei stärkeren Beschwerden kann eine lokale Behandlung mit Kortisonsalbe, der Medikamente zur Bekämpfung von Pilzinfektionen beigesetzt sind, sinnvoll sein.

Bei einer schweren chronischen Nagelfalzentzündung ist unter Umständen eine kleine Operation erforderlich. Dabei wird das gesamte entzündliche Gewebe sowie ein Teil des Nagels entfernt. Die Wundränder werden mit einem Wundverband bedeckt, der alle zwei bis drei Tage erneuert werden muss. Nach zwei bis drei Wochen ist die Operationswunde normalerweise soweit abgeheilt, dass der Verband entfernt werden kann. Der Nagel wächst innerhalb von sechs bis neun Monaten nach, selten kann es auch bis zu einem Jahr dauern.

Prognose

Eine chronische Nagelfalzentzündung muss ordnungsgemäß behandelt werden, um Folgekomplikationen zu verhindern. Achten Sie darauf, dass Ihre Hände trocken und warm sind. Schlimmstenfalls kann eine berufliche Neuorientierung erforderlich sein.

Der Heilungsprozess bei einer chronischen Nagelfalzentzündung kann sehr langwierig sein. Mitunter dauert es mehrere Wochen bis Monate, ehe die Infektion komplett abgeklungen ist. Selbst bei leichten bis mäßigen Entzündungen ist häufig eine bis zu zehnwöchige Behandlung erforderlich. In besonders hartnäckigen Fällen kann die Entfernung des querverlaufenden Nagelwalls mitsamt des Nagels zu einer dramatischen Zustandsverbesserung führen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Paronychie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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