Eingewachsener Zehennagel (Unguis incarnatus)

Meist wächst der große Zehennagel in die Haut neben dem Nagel ein. Typische Symptome sind Schmerzen sowie zu- und wieder abnehmende Schwellungen an der Zehennagelkante, die meistens nur auf einer Nagelseite bestehen.

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Was ist ein eingewachsener Zehennagel?

Eingewachsene Zehennägel (Unguis incarnatus)

Ein eingewachsener Zehennagel entsteht, wenn die Nagelplatte gegen die Haut neben dem Nagel drückt und sie eventuell durchdringt. Typische Symptome sind Schmerzen sowie zu- und wieder abnehmende Schwellungen an der Zehennagelkante, die meistens nur auf einer Nagelseite bestehen. Untersuchungen ergeben, dass die Schwellung und Entzündung dort auftritt, wo der Nagel in die Haut einschneidet. Bei manchen Personen sind diese Beschwerden nur mäßig, andere wiederum klagen über starke Schmerzen und Schwellungen. Gelegentlich wird auch Eiter aus dem Nagelbereich abgesondert.

Eingewachsene Zehennägel treten relativ häufig auf. Von 1.000 Personen brauchen jährlich 2–4 eine ärztliche Behandlung. Die Erkrankung zeigt sich meistens am großen Zehennagel; Jungen im Pubertätsalter sind davon am häufigsten betroffen.

Ursache

Eine häufige Ursache für eingewachsene Zehennägel ist eine falsche Nagelpflege. Der Nagel sollte fast gerade geschnitten werden, ohne die Kanten dabei nach unten verlaufen zu lassen.

Dieser Umstand kann in Kombination mit engem Schuhwerk oder kleinen Sportverletzungen am Fuß dazu führen, dass der Nagel in die Haut und Unterhaut einschneidet und dort eine lokale, schmerzhafte Schwellung bewirkt, die oft von einer Infektion begleitet wird.

Möglicherweise gibt es für einen eingewachsenen Nagel sogar erbliche Faktoren. Bei Patienten mit Diabetes, Übergewicht, Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankungen können die Schwellungen in den Beinen aufgrund der erhöhten Gewebeflüssigkeit im Körper zu einem eingewachsenen Zehennagel beitragen.

Behandlung

Bei eingewachsenen Zehennägeln werden vorbeugende Maßnahmen empfohlen, um Infektionen oder Verschlimmerungen zu verhindern.

  • Gute Fußhygiene: Waschen Sie die Füße mindestens einmal täglich.
  • Ziehen Sie bequeme Schuhe und luftige Baumwollsocken an, die die Füße trocken halten. Bei engem Schuhwerk, das auf den Nagel drückt, bekommen Sie den Zustand kaum unter Kontrolle.
  • Der Nagel darf an den Seiten nicht zu tief eingeschnitten werden. Ein fachlich geprüfter Fußpfleger kann Ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Eine Infektion sollte behandelt werden.

  • Zur Säuberung des Wundbereichs sind warme Fußbäder mit Seifenlauge empfehlenswert. Sie sollten 1–2 Wochen lang 3-mal täglich für 5–10 Minuten ein warmes seifenhaltiges Fußbad nehmen. Dies genügt oft als Behandlung, damit die Hautreizung verschwindet.
  • Bei Anzeichen einer Infektion können Sie antiseptische Lösungen oder Tinkturen auftragen.
  • Der Wundbereich sollte trocken gehalten werden. Sie können einen Verband anlegen, um Flüssigkeit aufzusaugen.
  • Evtl. kann ein kleines Stück Baumwolle, eine Gummischiene oder ein Pflaster unter der Nagelkante platziert werden.
  • In bestimmten Fällen kann eine starke Kortisonsalbe dazu beitragen, die Reizung bzw. Entzündung zu dämpfen.
  • Wenn sich eitrige Blasen bilden, sind diese oft mit Staphylokokken gefüllt und müssen aufgeschnitten werden, damit der Eiterherd geleert werden kann. 
  • Eine akute, starke Infektion ohne Eiterbildung kann durch Streptokokken verursacht und mit einem Antibiotikum zum Einnehmen behandelt werden.

Ist es nicht möglich, die scharfe Kante abzuschneiden und der Nagel wächst unvermindert weiter nach innen, kann ein Podologe eine Spange einsetzen, deren Prinzip ähnlich einer Zahnspange funktioniert. Dabei verwendet er eine Metall- oder Kunststoffspange, die auf den Nagel aufgeklebt wird und somit dem Nagelwachstum die Richtung vorgibt. Ggf. kann er auch einen kleinen Keil des Nagels im eingewachsenen Bereich wegschneiden.

Behandlung mittels Operation

Wenn Sie das Problem mithilfe einer Lokalbehandlung oder mithilfe eines medizinischen Fußpflegers nicht in den Griff bekommen, kann ein chirurgischer Eingriff erwogen werden. Bei der chirurgischen Behandlung wird der Nagel bzw. Nagelteile entfernt, damit sich nach einigen Monaten ein neuer Nagel bilden kann.

Die Operation wird nach einem Standardverfahren durchgeführt. Dies bewirkt, dass der Nagel zukünftig schmaler wird. Bestimmte Allgemeinärzte führen diese Behandlung ambulant aus, andere Fälle werden an einen Chirurgen überwiesen.

Wenn der gesamte Nagel entfernt wird, muss dafür gesorgt werden, dass der neue Nagel innerhalb von einigen Monaten wieder richtig herauswachsen kann. Wenn der Nagel nachgewachsen ist, sollten Sie ihn so gerade wie möglich abschneiden, um eventuellen Rückfällen vorzubeugen.

Sie müssen für einige Tage nach der Operation mit Schmerzen rechnen. Manche Patienten können auch einen Rückfall erleiden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Eingewachsener Zehennagel. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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