Keratosis pilaris (Reibeisenhaut)

Viele Menschen haben diese Hautstörung, die umgangssprachlich auch Reibeisenhaut genannt wird; bei Kindern sind es sogar über 50 %. Es handelt sich um Ansammlungen von kleinen Knötchen (Gänsehaut) zumeist auf den Streckseiten der Oberarme und Oberschenkel. Die Hautveränderungen treten häufig erstmals im Kindes- und Jugendalter auf, und stellen keine eigentliche Krankheit dar; und es gibt keine wirksame Behandlung. Sie verschwinden jedoch bei vielen Betroffenen von selbst wieder.

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Was ist Keratosis pilaris (Reibeisenhaut)?

Keratosis pilaris oder Hyperkeratose pilaris ist eine Verhornungsstörung der Haut (Keratinisierung) um die Haarfollikel. Dabei treten viele kleine Knötchen auf den Streckseiten der Oberarme (Außenseite) und Oberschenkel (Vorderseite) sowie an Wangen und am Gesäß auf. Die betroffenen Hautstellen erinnern an Gänsehaut und fühlen sich rau an wie ein Reibeisen (daher der Name); an den Stellen erscheint die betroffene Haut haarlos.

Verursacht werden die Hautveränderungen durch Ablagerungen von Keratin, die zu einer Verstopfung der Haarfollikel (Haarbälge) auf der Haut führen. Dadurch kommt es zu den kleinen Knötchen, in denen sich manchmal noch ein verkrümmtes kurzes Haar finden lässt, wenn man es vorsichtig aufkratzt.

50–80 % aller Kinder und Jugendlichen leiden unter der Reibeisenhaut, die ab einem Alter von 10 Jahren auftreten kann. Betroffen sind vor allem Mädchen und junge Frauen in der Pubertät. Bei vielen heilt die Hautstörung von allein aus, sodass Keratosis pilaris bei Erwachsenen deutlich seltener vorkommt. Die Störung tritt bei allen Ethnien auf. Möglicherweise sind Frauen etwas häufiger betroffen als Männer. Während einige Betroffene die Hautveränderung als kosmetisch sehr störend empfinden, fällt sie anderen kaum auf.

Die Diagnose wird anhand der typischen Symptomatik gestellt. Tests oder andere Untersuchungen sind nicht erforderlich.

Ursachen

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Querschnitt der Haut

Die Ursache dieser Hautstörung ist nicht bekannt, sie tritt jedoch oft als Begleitsymptom von trockener Haut auf, wie bei der Ichthyose, bei dem atopischen Ekzem (Neurodermitis) und bei allergischen Erkrankungen. Die Hautstörung ist auf eine Überproduktion von Keratin zurückzuführen, das Bestandteil der äußeren Hautschicht (Hornschicht) ist und auch in den Nägeln und Haaren vorkommt. Bei der Reibeisenhaut verklumpt das Keratin zu kleinen Knötchen und kann so die Haarfollikel verstopfen. Die Störung ist ungefährlich, jedoch können die betroffenen Hautstellen als kosmetisch störend empfunden werden.

In 30–50 % der Fälle haben auch die anderen Familienmitglieder eine Reibeisenhaut.

Behandlung

Die Keratosis pilaris ist nicht heilbar, und es gibt keine allgemein wirksame Behandlung. Oft bildet sich die Störung im Lauf der Jahre zurück, und in manchen Fällen verschwindet sie spontan ohne Behandlung. Über die Wirksamkeit von Behandlungsmethoden liegen nur wenige Studien vor. Viele Menschen haben seit ihrer Kindheit diese Haut ohne Beschwerden. In einigen Fällen kann sie sich während der Pubertät verschlimmern. Intensives Schrubben oder Waschen der betroffenen Hautstellen kann zu Reizungen und Entzündungen führen, ebenso Jucken und Kratzen. Solange keine Anzeichen einer Entzündung bestehen, ist eine Behandlung nicht notwendig.

Bei einer Entzündung der Follikel rötet sich die Haut, wird etwas wärmer, und es kann zu leichten Beschwerden kommen.

Es gibt viele Empfehlungen zur Behandlung, jedoch keine bestimmte, die als nachweislich wirksam gilt. Die Liste mit Lotionen und Cremes, die getestet werden können, ist lang. Feuchtigkeitscremes oder rückfettende Salben, die Salicylsäure, Lactat oder Harnstoff enthalten, können Wirkung zeigen. Allgemein empfehlen Ärzte den Betroffenen, sich mit milder Seife zu waschen und die Haut regelmäßig mit feuchtigkeitsbindenden Lotionen einzucremen.

Zwar lassen sich die störenden Verhornungen damit eindämmen, jedoch sollte man nicht erwarten, dass sie vollständig verschwinden. Bei andauernder Verwendung von Feuchtigkeitslotionen können die Störungen (Knötchen) für eine Zeit verschwinden, sie kehren jedoch schnell wieder zurück, wenn die Behandlung abgebrochen wird. Sollten die Störungen im Erwachsenenalter zu Beschwerden führen, suchen Sie eine Ärztin/einen Arzt auf, um sicherzustellen, dass keine andere Erkrankung vorliegt.

Auch wenn keine vollständige Heilung möglich ist, versuchen einige, eine Besserung mittels dermatologischer Verfahren wie Abschleifen der Haut, Micropeeling und Laser-Behandlungen zu erreichen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Keratosis pilaris. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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