Erröten (Flush)

Ein Flush ist eine anfallartig auftretende Rötung im Gesicht, an den Ohren und oft am Hals. Die Rötung wird oft von einem Kribbeln oder Brennen in diesen Bereichen begleitet. Häufig ist eine emotionale Reaktion der auslösende Faktor.

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Was ist ein Flush?

Der Flush ist ein weitverbreitetes Phänomen, das in etwa gleicher Weise bei Frauen und Männern auftritt. Ein mit Beschwerden einhergehendes Erröten kommt bei den meisten von uns selten vor. Bei manchen Menschen treten Flushs so ausgeprägt auf, dass sie sich zu einem Leiden entwickeln und sowohl das soziale als auch das berufliche Leben negativ beeinflussen können. Die durch das Erröten hervorgerufenen Unannehmlichkeiten können dazu führen, dass man Treffen mit anderen Menschen umgeht, sogar mit Freunden. In einigen Fällen entwickelt sich eine belastende Phobie (= Angst) vor einem Flush, was wiederum zu einer Angststörung – zu einer sozialen Phobie – führen kann.

Wir erröten, weil die Blutgefäße der Haut (die Kapillaren) sich weiten und unter der Oberfläche der Haut somit größere Mengen Bluts strömen können, sodass die Haut rot wird und sich warm anfühlt. In der Regel kommt es im oberen Brust- oder unteren Halsbereich zu Rötungen, doch sie können auch auf das Gesicht übergehen. Vereinzelt kann sich ein Flush auch auf den Körper und die Beine ausweiten.

Ein Erröten tritt unfreiwillig auf, kann nicht kontrolliert werden und schon durch kleinere Gefühlsregungen (Emotionen) ausgelöst werden.

Hilfesuchende können manchmal feststellen, dass ärztliches Personal schlecht über die Behandlungsmaßnahmen unterrichtet ist. Oftmals wird ihnen mitgeteilt, sie sollten im Hinblick auf das Erröten nichts unternehmen, oder sie bekommen Dinge zu hören, wie: „Da wachsen Sie schon noch raus.“

Was geschieht im Körper?

Es gibt eine ganze Reihe von Theorien dazu, weshalb wir erröten. Wenn wir emotionalen Stimuli ausgesetzt sind, kann der Körper mit einer Kampf- oder Fluchtreaktion reagieren, was die Freisetzung zusätzlichen Adrenalins (einem Nebennierenhormon) stimuliert. Adrenalin wirkt auf das sympathische Nervensystem, das einen Teil des nicht willkürlich beeinflussbaren Nervensystems steuert. Wird dieses System stimuliert, führt dies unter anderem zur Erweiterung von Blutgefäßen in Teilen des Körpers, einschließlich des Gesichts, wo die Haut daher rot und warm wird. Bei Personen, die häufig von Erröten betroffen sind, vermuten Fachleute die Ursache in einem überaktiven sympathischen Nervensystem.

Nicht-emotionale Gründe

Über die emotionalen Reaktionen hinaus gibt es auch andere Ursachen für einen Flush, und die müssen ausgeschlossen werden.

  • Körperliche Aktivität oder übermäßige Hitze bewirken, dass sich die Blutgefäße unter anderem der Gesichtshaut erweitern, um dem Körper dabei zu helfen, die Wärme nach unten zu regulieren.
  • Anfallartig auftretende Flushs bei Frauen in den Wechseljahren liegen in einem Abfall des Östrogenspiegels im Körper begründet.
  • Viele Medikamente und Alkohol können einen Flush auslösen, was ebenso für bestimmte Nahrungsmittel gilt.
  • Bei der Hautkrankheit Rosazea kann in einigen Fällen eine Vorgeschichte bestehen, wonach eine erhöhte Errötungstendenz besteht.
  • Es gibt auch seltene Krankheiten, z. B. das Karzinoid-Syndrom, die zum Erröten führen.

Behandlung

Wir erleben alle zwischendurch einmal, dass wir erröten können, etwa wenn wir mit einer begangenen Dummheit konfrontiert werden. Doch nur eine Minderheit ist davon so stark beeinträchtigt, dass Maßnahmen dagegen erwogen werden sollten.

Betroffenen mit starken Flushs, die schon bei geringeren Belastungen ausgelöst werden, stehen mehrere Behandlungsmöglichkeiten offen. Einige entscheiden sich schlichtweg dazu, die Haut kosmetisch abzudecken oder Kleidung mit Rollkragen zu tragen. Andere hingegen ziehen aus einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) Nutzen. Einige versuchen es mit Hypnose. Eine medikamentöse Therapie mit Betablockern kann Flushs vermindern, obwohl es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gibt. Anxiolytika und Antidepressiva können die mit der Farbveränderung verbundenen Ängste lindern, scheinen allerdings nicht das Erröten selbst zu beeinflussen.

In Ausnahmefällen und wo keine Behandlung oder beratende Hilfestellung zu einer Linderung geführt hat, kann eine Operation eine Alternative darstellen. Der entsprechende Eingriff – die thorakoskopische Sympathektomie (ETS) – bedeutet, dass der Chirurg eine Gruppe Nervenfasern (den Sympathikusstrang) in der Brusthöhle durchtrennt. Indem Nervenfasern zu den Schweißdrüsen und Blutgefäßen durchtrennt werden, erreicht man, dass lästiger Handschweiß und Gesichtsrötung abnehmen.

Berichten zufolge wird durch die Operation das Erröten bei 80–90 % der Betroffenen eingedämmt, zudem berichten viele von einer signifikant verbesserten Lebensqualität. Allerdings ist der Eingriff mit vielen Nebenwirkungen verbunden. Die häufigste Nebenwirkung besteht darin, dass an anderen Teilen des Körpers erhöht (kompensiert) Schweiß auftritt. Der Grund dafür ist unbekannt. Vor allem auf Rücken, Brust und Bauch lässt sich verstärktes Schwitzen beobachten. Der Schweregrad variiert, doch mehr als 50 % der Fälle berichten von dieser Nebenwirkung, wovon wiederum 1–2 % empfindlich betroffen sind und den Eingriff bedauern.

Einige klagen auch über Schmerzen im operierten Bereich. Die Operation kann sich auch auf die Nerven auswirken, die den Herzrhythmus regulieren, weshalb es zu einem verlangsamten Puls und schlechterer Kondition nach dem Eingriff kommen kann.

Alle Aspekte rund um das Thema müssen zwingend gründlich mit dem Hausarzt oder dem Chirurgen besprochen werden, bevor man sich zu der Operation entschließt. Ist der Eingriff einmal vorgenommen, lassen sich die Nervenfasern nicht wieder reparieren und in den vorherigen Zustand zurückführen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hyperhidrose der Hände und Erröten. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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