Erythema nodosum

Das Erythema nodosum (Knotenrose) ist eine entzündliche Erkrankung des Unterhautfettgewebes. Die Erkrankung zeigt sich als geschwollene rote Knoten, die sehr druckempfindlich sind.

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Was ist ein Erythema nodosum (Knotenrose)?

Das Erythema nodosum (Knotenrose) ist eine entzündliche Erkrankung des Unterhautfettgewebes (Pannikulitis). Die Erkrankung zeigt sich als geschwollene rote Knoten, die sehr druckempfindlich sind. Die meisten Knoten sind symmetrisch verteilt an der Vorderseite der Unterschenkel. Die Ursache für ein Erythema nodosum lässt sich nicht immer herausfinden, aber in vielen Fällen tritt es als Begleiterscheinung verschiedener Grunderkrankungen auf, z. B. bei akuten Infektionen oder bestimmten Autoimmunerkrankungen. Es ist wichtig, diese zu erkennen und, wenn möglich, zu behandeln. Dadurch geht auch das Erythema nodosum zurück. Ein Erythema nodosum, das im Rahmen eines Infekts auftritt, heilt in der Regel von selbst aus.

Das Erythema nodosum kommt in Mitteleuropa bei 100–200 pro 100.000 Einwohner vor. Bei Erwachsenen tritt das Erythema nodosum häufiger bei Frauen als bei Männern auf (6:1). Bei Kindern sind Mädchen und Jungen annähernd gleich häufig betroffen. Am häufigsten ist die Erkrankung bei Menschen im Alter von 20–40 Jahren, kann jedoch in jedem Alter auftreten.

Symptome

 

Erythema nodosum
Erythema nodosum

 

Die Erkrankung beginnt meist mit einem berührungsempfindlichen Hautausschlag an den Unterschenkeln, dem häufig Fieber, Schwäche und Gelenkschmerzen vorausgegangen sind. Die Knoten bei einem Erythema nodosum variieren in der Größe von 2–10 cm Durchmesser und sind nicht deutlich abgegrenzt. Knötchen auf der Vorderseite der Unterschenkel sind am häufigsten, allerdings können auch Ausschläge auf den Streckseiten der Unterarme, der Oberschenkel und am Rumpf auftreten. Zu Beginn sind diese Knötchen fest, werden aber mit der Zeit weicher. Einzelne Knoten können 2 Wochen lang bestehen bleiben, während bis zu 6 Wochen lang neue hinzukommen können. Es kann etwa 1–2 Monate dauern, bis die Knötchen vollständig verschwunden sind. Die Farbe der Knoten wechselt von leuchtend rot bis rot-violett und kastanienbraun, und in der letzten Phase ähneln sie häufig Blutergüssen. Die Knoten entwickeln sich nicht zu wunden Stellen und bilden sich normalerweise zurück, ohne eine dünne Haut (Atrophie) oder Narbengewebe zu hinterlassen.

Dem Ausbruch des Erythema nodosum gehen oft unterschiedliche Beschwerden (sogenannte Vorboten oder Prodrome) voraus. Erste Krankheitszeichen zeigen sich häufig bereits 1–3 Wochen vor dem Hautausschlag. Solche Symptome können sein:

Bei einigen Betroffenen können die Gelenkschmerzen andauern, nachdem das Erythema nodosum abgeklungen ist. Zudem können Symptome oder Anzeichen zugrunde liegender Erkrankungen vorliegen (siehe Ursachen).

Ursachen

Das Erythema nodosum ist wahrscheinlich eine Form von allergischer Reaktion in der Unterhaut, die aufgrund einer anderen Erkrankung auftritt. Es ensteht eine Entzündung des Bindegewebes im Unterhautfettgewebe, eine sogenannte Pannikulitis.

Häufig (in bis zu 50 % der Fälle) wird keine Ursache für das Erythema nodosum gefunden, aber es gibt viele mögliche Auslöser. Früher war die Erkrankung ein bekanntes Anzeichen für Tuberkulose, heute sind jedoch andere Ursachen häufiger. Eine Streptokokken-Infektion (Mandelentzündung) ist heutzutage der häufigste Auslöser, insbesondere bei Kindern (bis zu 48 % der Fälle). Andere Arten von Infektionen können ebenfalls ein Erythema nodosum auslösen. Medikamente (3–10 %) – z. B. orale Kontrazeptiva („Pille“) – und hormonelle Reaktionen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und Sarkoidose (bis zu 25 %) sind häufige Ursachen bei Erwachsenen. Krebserkrankungen (z. B. Leukämie) sind nur selten die Ursache von Erythema nodosum.

Diagnose

Die Diagnose wird auf Grundlage der vorliegenden typischen Symptome gestellt, mit den charakteristischen Knötchen in der Haut. Häufig ist eine Untersuchung des gesamten Körpers notwendig, um alle eventuellen zugrunde liegenden Ursachen zu erkennen. Zudem sind Blutuntersuchungen sowie ggf. ein Abstrich aus dem Hals oder eine Stuhlprobe sinnvoll. Ein Tuberkulin-Hauttest kann ebenfalls erwogen werden. Röntgenaufnahmen von Lunge und Brustkorb können eine Tuberkulose oder Sarkoidose aufzeigen.

Die Entscheidung, ob weitere Untersuchungen, wie z. B. Gewebeproben der Haut, durchzuführen sind, hängt davon ab, ob eine Erklärung für die Symptome gefunden wird.

Behandlung

Das Erythema nodosum heilt in der Regel von selbst aus und muss nicht behandelt werden. Die Symptome können aber gelindert werden. Wenn eine zugrunde liegende Erkrankung die Ursache des Erythema nodosum ist, konzentrieren sich die Ärzte auf die Behandlung dieser Krankheit. Wenn der Hautausschlag durch Medikamente verursacht wurde, sollten diese abgesetzt werden.

Sie können selbst zur Linderung der Symptome beitragen, indem Sie die Beine hoch lagern. Bei einigen Betroffenen helfen auch Stützstrümpfe oder elastische Binden. Teilweise sind die Schmerzen so stark, dass Bettruhe erforderlich ist. Zur Linderung der Schmerzen können Sie Schmerzmittel einnehmen.

In seltenen Fällen ist eine Behandlung mit Kortison (als Salbe oder Tabletten) erforderlich.

Prognose

Das Erythema nodosum klingt in den meisten Fällen von selbst ab. Die Dauer der Erkrankung beträgt meist 6–8 Wochen, in Einzelfällen kann sich der Krankheitsverlauf jedoch länger hinziehen. Wenn die zugrunde liegende Ursache weiterhin vorliegt, kann auch die Hauterkrankung bestehen bleiben.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Erythema nodosum. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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