Hitzepickel (Miliaria)

Hitzepickel, lat. Miliaria, treten nicht nur im Säuglingsalter auf. Obwohl Miliaria am häufigsten bei Säuglingen auftritt, kommt diese Hauterscheinung auch bei bis zu einem Drittel aller Erwachsenen in tropischen Klimazonen vor und kann in heißem und feuchtem Klima bei jedem auftreten.

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Was versteht man unter Miliaria?

Hitzepickel (Miliaria)1 treten dann auf, wenn die Schweißkanäle in der Haut verstopfen und der Schweiß nicht mehr durch die Haut nach außen gelangt. Die Symptome reichen von oberflächlicher Blasenbildung bis zu tiefgehenden, roten Knoten. Einige Formen von Miliaria können extremen Juckreiz oder stechenden Schmerz auslösen.

In den meisten Fällen geht die Erkrankung von selbst wieder zurück. Bei schweren Formen von Miliaria kann eine medizinische Behandlung erforderlich sein. Die beste Methode zur Linderung des Ausschlags ist es jedoch, die Haut zu kühlen und Schwitzen zu vermeiden.

Symptome

Bei Erwachsenen entstehen Miliaria in Hautfalten und an Stellen, an denen die Kleidung Reibung erzeugt. Bei Säuglingen tritt der Ausschlag in erster Linie an Kopf, Nacken, Schultern, Rücken und Brust auf, kann aber auch in den Achselhöhlen und der Leistengegend auftreten.

Es gibt drei Arten von Miliaria. Sie werden danach klassifiziert, an welcher Stelle die Schweißkanäle blockiert werden. Die Symptome und Anzeichen können zwischen den verschiedenen Arten stark variieren.

Miliaria cristallina: Dies ist die mildeste Form der Miliaria. Der Verschluss der Schweißdrüsen geschieht in der äußersten Hautschicht. Der Zustand manifestiert sich in Form kleiner, deutlich sichtbarer, oberflächlicher Blasen und Flecken, in denen leicht Löcher entstehen. Sie erzeugen keinen Juckreiz oder Stechen. Der Ausschlag verschwindet meist spontan innerhalb weniger Tage, kann aber erneut auftreten, wenn das Wetter weiterhin warm und feucht bleibt. Diese Form der Miliaria kommt zwar am häufigsten bei Neugeborenen vor, aber auch Erwachsene können davon betroffen sein, vor allem dann, wenn sie erst kurz zuvor aus einer gemäßigten Klimazone in eine tropische Gegend umgezogen sind.

Miliaria rubra: Diese Variante der Miliaria entsteht tiefer in den äußeren Schichten der Haut. Miliaria rubra verursacht stark juckende und stechende rote Knoten. Oft sch1witzt die Haut in den Bereichen, die vom Ausschlag betroffen sind, wenig bis überhaupt nicht. Bei Erwachsenen kann sich Miliaria rubra sofort entwickeln, sobald sie heißem Wetter ausgesetzt sind, üblicherweise tritt der Ausschlag jedoch erst nach mehreren Monaten auf. Bei Kleinkindern entsteht diese Art von Miliaria in der Regel zwischen der ersten und dritten Woche nach der Geburt.

Miliaria profunda: Hierbei handelt es sich um eine weniger häufige Form von Miliaria. Sie tritt vor allem bei Erwachsenen auf, die bereits wiederholte Anfälle von Miliaria rubra hatten. Miliaria profunda entwickelt sich in den tieferen Schichten der Haut und zeigt sie sich nach sportlicher Aktivität oder Tätigkeiten, die Schwitzen verursachen. Der Ausschlag ist fest und fleischfarben, ähnlich wie bei einer Gänsehaut. Obwohl sich der Ausschlag nicht unangenehm anfühlt, kann Miliaria profunda die Schweißproduktion deutlich reduzieren.

Ursache

In der Haut kommen zwei Arten von Schweißdrüsen vor, ekkrine und apokrine Schweißdrüsen. Ekrina Drüsen finden sich fast überall am Körper und haben ihre Öffnung direkt an der Hautoberfläche. Apokrine Drüsen kommen an stark behaarten Körperstellen vor, wie z.B. Kopfhaut, Achselhöhlen oder Leistengegend.

Steigt die Körpertemperatur an, regt das vegetative Nervensystem die ekrinen Schweißdrüsen an, Schweiß abzusondern. Der Schweiß gelangt durch die Schweißkanäle an die Hautoberfläche, wo er verdunstet und dadurch den Körper abkühlt. Miliaria tritt dann auf, wenn ein Teil der ekrinen Schweißdrüsen verstopft wird. Anstatt auf der Haut zu verdunsten, verbleibt der Schweiß unter der Haut und verursacht dort Entzündungen und Hautausschläge.

Es ist nicht immer klar, warum es zur Blockierung der Schweißkanäle kommt, aber einige Faktoren scheinen dabei eine Rolle zu spielen, wie z.B. nicht voll entwickelte Schweißkanäle bei Neugeborenen, tropisches Klima, körperliche Aktivität, Kleidung, die verhindert, dass Schweiß normal verdunsten kann, Medikamente, Bakterien oder Überhitzung aufgrund anderer Ursachen.

Arztkontakt

Hitzepickel heilen in der Regel spontan aus und erfordert keinen Arztbesuch. Kontaktieren Sie einen Arzt, wenn bei Ihnen oder Ihrem Kind Symptome auftreten, die länger als drei bis vier Tagen andauern, wenn sich der Ausschlag verschlimmert oder es Anzeichen für eine Infektion gibt. Anzeichen einer Infektion liegen vor, wenn sich Schmerzen, Schwellungen, Rötung oder Wärme im betroffenen Bereich entwickeln, es zu eiternden Ausschlägen kommt, oder wenn geschwollene Lymphknoten in der Achselhöhle, am Hals oder der Leiste, Fieber oder Schüttelfrost auftreten.

Es ist nicht notwendig, Proben zu entnehmen, um Miliaria zu diagnostizieren. Die Diagnose wird anhand des Aussehens gestellt.

Behandlung

Die beste Behandlung für jede Form von Miliaria ist es, das Schwitzen zu reduzieren, indem man sich in klimatisierten Gebäuden aufhält oder, wenn möglich, Ventilatoren verwendet, die eine Luftzirkulation erzeugen, leichte Kleidung aus atmungsaktiven Materialien trägt und die körperliche Aktivität reduziert. Wenn sich die Haut abgekühlt hat, geht der Ausschlag schnell zurück.

Milde Formen von Miliaria erfordern keine weitere Behandlung.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Im Sommer ist leichte Baumwollkleidung zu empfehlen. Vermeiden Sie es, im Winter zu warme Kleidung zu tragen – Kinder sollten nicht mehr Kleidung tragen, als ein Erwachsener tragen würde, um sich wohl zu fühlen.
  • Vermeiden Sie eng anliegende Kleidung, die empfindliche Haut reizen kann.
  • Halten Sie sich bei großer Hitze im Schatten auf, bleiben Sie in klimatisierten Gebäuden oder verwenden Sie einen Ventilator.
  • Halten Sie das Schlafzimmer kühl und gut belüftet.
  • Verwenden Sie beim Baden kaltes Wasser und eine schonende Seife.
  • Vermeiden Sie die Verwendung von Pulvern, Cremes oder Salben. Diese verhindern Miliaria nicht, sondern verschlimmern sogar noch die Verstopfung der Schweißporen und damit den Hautausschlag.

Weiterführende Informationen

Literatur

  1. Altmeyer P. Milaria. Enzyklopädie Dermatologie. Springer, 2016. www.enzyklopaedie-dermatologie.de

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln