Aktinische Keratose

Aktinische Keratose

Aktinische Keratosen sind Tumoren in sonnengeschädigter Haut. Bei etwa 10 % der Fälle entsteht hieraus Hautkrebs. Das Vorkommen steigt mit dem Alter und dem Grad der Sonneneinstrahlung. Menschen mit heller Haut sind besonders gefährdet. Die Erkrankung tritt in Westeuropa bei ca. 5–40 % der Erwachsenen auf.

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Was ist aktinische Keratose?

Aktinische Keratose
Aktinische Keratose

Bei der aktinischen Keratose handelt es sich um einen Tumor, der aus einer Schädigung der Haut durch Sonneneinstrahlung hervorgeht. Er wird auch Solare Keratose oder Lichtkeratose genannt. Die Hautveränderungen bestehen aus kleinen Flecken, die leicht rot, evtl. gelblich sind und schuppen. Sie können leicht hyperpigmentiert (dunkel) sein, ihre Oberfläche ist oft etwas rau und etwas schmerzempfindlich. Die Veränderungen finden sich an sonnenexponierten Stellen, wobei es sich um einen einzelnen Fleck bis hin zu zahlreichen solcher Hautveränderungen handeln kann. Die Erkrankung kann von selbst zurückgehen, wenn eine fortdauernde Sonnenexposition vermieden wird, doch kann sie sich auch zu Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom) weiterentwickeln. Diese Krebsart breitet sich so gut wie nie auf andere Organe aus und ist daher einfacher zu behandeln und ungefährlicher als ein Melanom.

Häufigkeit

Menschen, die über viele Jahre hinweg intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren, tragen das größte Risiko. Mehr als 80 % der aktinischen Keratosen kommen auf Hautpartien vor, die dem Sonnenlicht am stärksten ausgesetzt sind, wie der Kopf, der Hals, die Unterarme und die Hände. Die Erkrankung tritt häufiger mit zunehmendem Alter auf und zeigt sich vermehrt bei Männern und Menschen mit heller Haut. Bei 38 % aller Untersuchten in einer Altersgruppe von über 50-Jährigen hat man eine aktinische Keratose gefunden.

Ursachen

Die Erkrankung wird durch langjährige Sonneneinstrahlung hervorgerufen. Meist tritt sie bei Menschen mit heller Haut auf, bei einer hohen Gesamtbelastung von Sonnenstrahlung auf der Haut kommen solche Veränderungen jedoch auch bei dunkler Haut vor. Typischerweise sind in solchen Fällen Personen betroffen, die sich ungewöhnlich viel im Freien aufhalten. Auch Patienten mit unterdrückter Immunantwort, insbesondere nach Transplantationen, bekommen häufig aktinische Keratosen.

Symptome

In der Regel treten ein oder mehrere rötliche oder gelblichbraune, raue, schuppige Hautveränderungen mit einem Durchmesser von 1 mm bis zu mehreren Zentimetern auf. Die Veränderungen sind oft leichter zu fühlen als zu sehen und finden sich in Bereichen, die der Sonne ausgesetzt sind: Handrücken, Gesicht, Hals, Ohrläppchen und Kopfhaut. In frühen Stadien ist die Haut rau und sandpapierartig, doch allmählich wird sie dicker und bildet Schuppen. Die meisten Flecken verursachen keine Beschwerden, einige rufen jedoch Juckreiz oder ein leichtes Brennen oder Stechen in der Haut hervor.

Krebsrisiko?

Aktinische Keratose kann sich zu einem Plattenepithelkarzinom (Hautkrebs) entwickeln. Die meisten Fälle aktinischer Keratose entwickeln keinen Krebs, wobei eine von vier sich sogar von selbst zurückbildet. Dennoch ist festzustellen, dass bis zu 60 % der Fälle des sogenannten Plattenepithelkarzinoms der Haut aus aktinischen Keratosen entstehen.

Die Schätzungen über die Gefahr, dass ein Plattenepithelkarzinom auftritt, gehen stark auseinander. Nur einer von 1.000 Flecken pro Jahr hat sich einer Studie nach zu einem Plattenepithelkarzinom entwickelt. Ein Risiko von 0,24 % pro Jahr für jede aktinische Keratose stellte eine andere Studie fest. Das Gesamtrisiko unter Berücksichtigung aller Keratosen einer Person für die Entwicklung von Krebs in einem Zeitraum von 10 Jahren liegt wieder einer anderen Studie nach bei 6,1–10,2 %.

Entwickelt sich ein Plattenepithelkarzinom, liegt das Risiko der Streuung des Krebses in andere Organe (Metastasierung) bei 0,5–3,3 %.

Behandlung

Die Patienten sollten weitere Schädigungen durch Sonnenstrahlen vermeiden. Das heißt, sie sollten Kopfbedeckungen tragen, die Schatten auf Gesicht und Ohren werfen, und Sonnenschutzcremes mit einem minimalen Lichtschutzfaktor von 15 verwenden, wenn sie sich in der Sonne aufhalten.

Es gibt drei wesentliche Behandlungsformen aktinischer Keratosen. (1) Die lokale Behandlung mit Cremes: Eine solche eignet sich am besten, wenn viele kleine Veränderungen vorliegen. (2) Die Vereisung (Kryotherapie) mit flüssigem Stickstoff wird häufig angewendet, um vereinzelt auftretende Veränderungen zu entfernen. (3) Die fotodynamische Therapie kann bei jeder aktinischen Keratose angewendet werden. Bei besonders dicken Hautveränderungen oder aber zur Entnahme einer Gewebeprobe bei ungewisser Diagnose kann auch eine Operation nötig sein.

Lokale Behandlung mit Cremes

Es gibt vier infrage kommende lokale Arzneimittel: Imiquimod, Ingenolmebutat, Fluorouracil und Diclofenac. Studien zeigen, dass all diese Präparate wirksamer sind als Placebos (Scheinmedikamente) und in circa 50 % der Fälle zu einer Heilung der Veränderungen führen. Das Problem dieser Behandlungsformen ist ihre Langwierigkeit (mit Ausnahme von Ingenolmebutat) und ihre relativ zahlreichen Nebenwirkungen mit Rötung und Empfindlichkeit der Haut.

Für eine lokale Behandlung mit Cremes kommen alle betroffenen Hautpartien infrage, was sich besonders eignet, wenn große Bereiche behandelt werden sollen.

Imiquimod wird dreimal wöchentlich über 4 Wochen aufgetragen. Haben sich die Veränderungen 4 Wochen nach Ende der Behandlung nicht zurückgebildet, kann die 4-wöchige Kur wiederholt werden. Dieser Wirkstoff aktiviert das Immunsystem der Haut.

Ingenolmebutat wirkt, indem Hautzellen abgetötet werden und das körpereigene Immunsystem lokal rund um die Hautveränderungen zu gesteigerter Aktivität stimuliert wird. Bei diesem Medikament reicht eine 2- oder 3-tägige Kur aus, abhängig von der Stärke des Medikaments und an welcher Stelle sich die Veränderungen befinden. Auch dieses Medikament führt oft zu starken, aber vorübergehenden Hautreaktionen der behandelten Partien.

Fluorouracil ist ein Zellgift, das die Zellvermehrung hemmt. Die Therapie dauert gewöhnlich 2-4 Wochen. Nebenwirkungen sind Schmerzen, Entzündungsreaktionen und Wundbildung, was die Anwendung im Gesicht womöglich nicht wünschenswert macht.

Es gibt auch entzündungshemmende Wirkstoffe (Diclofenac), die eingesetzt werden können. Dies erfordert eine Anwendung über einen langen Zeitraum – 60–90 Tage lang –, führt aber zu weniger Hautirritationen. Diclofenac-Hyaluronsäure-Gel wird in Deutschland als Standard-Therapie bei aktinischen Keratosen angewandt.

Weitere Behandlungen

Die Standardbehandlung isolierter aktinischer Keratosen besteht im Vereisen (Kryotherapie) und evtl. in einer Ausschabung (Kürettage). Diese Behandlungsformen können kombiniert werden. Beim Vereisen sprüht das ärztliche Personal in zwei Durchgängen von je 5–10 Sekunden Dauer flüssigen Stickstoff auf die Hautveränderungen, mit zwischenzeitlichem Auftauen. Wird die Behandlung richtig durchgeführt, ist erwiesen, dass 75–99 % geheilt werden können.

Die fotodynamische Therapie beinhaltet das Auftragen einer lichtempfindlichen (fotosensibilisierenden) Creme auf die Flecken, gefolgt von der Bestrahlung mit Licht einer bestimmten Wellenlänge. Hierdurch stirbt das Gewebe ab. Die fotodynamische Therapie ist gut verträglich und führt zu guten kosmetischen Ergebnissen, ist jedoch kostenintensiver und bedarf viel technischer Ausstattung. Bei 69–93 % führt eine solche Behandlung nachgewiesenermaßen zu einer Heilung. Lokale Nebenwirkungen können auftreten.

Prognose

Aktinische Keratose
Aktinische Keratose

Die therapeutische Wirkung ist gut, doch können neue Veränderungen der der Sonne ausgesetzten Haut auftreten. Es kann an derselben Stelle wie zuvor auch zu einem Rückfall kommen. Bleiben die Hautveränderungen unbehandelt, entwickeln sich einige von ihnen zu Hautkrebs (siehe oben), das Risiko dafür ist jedoch gering. Rund ein Viertel der aktinischen Keratosen bilden sich spontan zurück.

Wichtig ist die Verwendung von Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor, um sich vor der Sonne zu schützen. Exponierte Hautpartien sollten mit Cremes mit einem Lichtschutzfaktor von 15 oder höher eingecremt werden.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Aktinische Keratose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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