Kleienpilzflechte

Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor)

Die Kleienpilzflechte ist eine nicht ansteckende Hauterkrankung, die vom Hefepilz Malassezia furfur verursacht wird, der natürlicherweise auf der Haut vorkommt.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist die Kleienpilzflechte?

Die Kleienpilzflechte ist eine durch den Hefepilz Malassezia furfur (früher Pityrosporum genannt) hervorgerufene Infektion der Haut. Der Pilz ist bei den meisten Menschen natürlicherweise auf der Haut vorhanden, kann aber in seltenen Fällen eine Hautinfektion verursachen. Die Kleienpilzflechte ist nicht ansteckend.

Zu Beginn der Infektion sind kleine, deutlich abgegrenzte Bereiche mit braun pigmentierten oder hellroten Flecken zu beobachten. Sie bilden sich, da der Hefepilz die normale Entwicklung des Hautpigments stört. In der Regel sind Brust und Rücken betroffen, manchmal auch die Oberarme. Die Schuppenbildung ist üblicherweise dezent, fast staubartig, und macht sich vor allem auf trockener Haut bemerkbar. Auf sonnengebräunter Haut sind die Flecken hell oder blassrosa, auf blasser Haut dagegen bräunlich und schuppig. Daher werden die Flecken meistens im Sommer entdeckt, wenn die übrige Haut von der Sonne gebräunt ist.

Die Hautinfektion tritt häufig in der Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren auf; vor der Pubertät und bei Personen über 65 Jahren ist sie eher selten. In gemäßigten Klimazonen sind schätzungsweise 1–4 % der Bevölkerung betroffen, während in subtropischen und tropischen Gebieten bis zu 50 % der Menschen erkranken können.

Ursache

Der Hefepilz Malassezia furfur ist bei fast allen Erwachsenen natürlich auf Haut und Kopfhaut vorhanden. Wenn der Pilz auf bestimmte, für ihn günstige Bedingungen trifft, wird er „aggressiv“, ändert die Wuchsform und verursacht Hautveränderungen. Zu diesen begünstigenden, den Pilz aktivierenden Faktoren, gehört eine erhöhte Schweiß- und Talgproduktion. Die Infektion tritt daher am häufigsten im Sommer auf, wenn die warme, feuchte Umgebung den Pilz aktiviert. Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind anfälliger für eine Infektion.

Diagnose

Aufgrund des typischen Ausschlags und der Pigmentveränderungen ist die Diagnose in den meisten Fällen einfach zu stellen. Bei Unsicherheit kann der Arzt mit einem Klebestreifen eine Probe der Hautschuppen abnehmen und den Pilz unter dem Mikroskop nachweisen. Mithilfe einer UV-Lampe (Wood-Licht) lässt sich die Kleienpilzflechte von ähnlichen Infektionen unterscheiden.

Therapie

Zur Wahl stehen verschiedene Behandlungsformen. In den meisten Fällen ist eine lokale Therapie mit Cremes oder Shampoos ausreichend. Nach Therapiebeginn kann es mehrere Monate dauern, bis die Pigmentveränderungen auf der Haut verschwinden.

Die einfachste Behandlung ist die Verwendung eines Shampoos mit Selendisulfid oder Ketoconazol, das rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Das Shampoo wird auf die betroffenen Hautpartien einschließlich der Kopfhaut aufgetragen und nach fünf Minuten Einwirkzeit wieder abgeduscht. Das Ketoconazol-Shampoo muss zwei bis vier Wochen lang angewendet werden; anschließend wird eine Langzeitbehandlung einmal pro Monat empfohlen, um das Wachstum des Hefepilzes zu verhindern. Selenhaltiges Shampoo ist mindestens zwei Wochen lang täglich und in den darauffolgenden sechs Monaten einmal pro Woche anzuwenden, um einen Rückfall zu verhindern.

Ein weiteres lokal wirkendes Mittel ist Terbinafin, das zwei Wochen lang 1- bis 2-mal täglich aufgetragen wird. Um einen Rückfall zu verhindern, sollte die Creme im Anschluss an die erste Kur einmal wöchentlich mehrere Wochen lang angewandt werden.

Bei ausgeprägter großflächiger Kleienpilzflechte kann der Arzt auch Tabletten mit dem Wirkstoff Itraconazol verschreiben. 

Eine mehrjährige Langzeitbehandlung einmal pro Monat beugt neuen Schüben vor.

Prognose

Die Prognose ist sehr gut. Die Erkrankung hinterlässt keine bleibenden Narben oder Pigmentveränderungen. Da es häufig zu Rückfällen kommt, ist die oben empfohlene vorbeugende Behandlung äußerst wichtig. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pityriasis versicolor. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Lohnstein M, Eras J, Hammerbacher C. Der Prüfungsguide Allgemeinmedizin - Aktualisierte und erweiterte 3. Auflage. Augsburg: Wißner-Verlag, 2018.
  2. Altmeyers Enzyklopädie Dermatologie. Pityriasis versicolor. Zugriff 04.07.2018 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  3. Burkhart CG. Tinea versicolor. Medscape, last updated Nov 19, 2015. emedicine.medscape.com
  4. Renati S et al., Pityriasis versicolor. British Medical Journal 2015; doi: 10.1136/bmj.h1394. www.bmj.com
  5. Bunyaratavej S, Pattanaprichakul P, Leeyaphan C, The Use of Adhesive Tapes to Transfer Skin-scrapings for Sequential Laboratory Diagnosis of Dermatophytosis Med Mycol J. 2016; 57(1):E9-13. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Hu SW et al., Pityriasis versicolor – A systematic review of interventions. Archives of dermatology 2010, 146, 1132-1140. www.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Gupta AK, Lyons DC. Pityriasis versicolor: an update on pharmacological treatment options. Expert Opin Pharmacother. 2014 Aug. 15(12):1707-13. www.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Gupta AK, Lane D, Paquet M. Systematic review of systemic treatments for tinea versicolor and evidence-based dosing regimen recommendations. J Cutan Med Surg. 2014 Mar-Apr. 18(2):79-90. www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Nenoff P et al., Mykologie – ein Update Teil 3: Dermatomykosen: Topische und systemische Behandlung, Journal of the German Society of Dermatology 2015, doi: 10.1111/ddg.12689. onlinelibrary.wiley.com
  10. FDA Drug Safety Communication: FDA warns that prescribing of Nizoral (ketoconazole) oral tablets for unapproved uses including skin and nail infections continues; linked to patient death. 2016. Zugriff 24.11.2017 www.fda.gov