Tinea capitis

Kopfhautpilz (Scherpilzflechte)

Die Scherpilzflechte, Tinea capitis, tritt am häufigsten bei Kindern auf.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist die Scherpilzflechte?

Tinea bedeutet Pilz, capitis bezieht sich auf den Kopf. Pilzorganismen, sogenannte Dermatophyten, infizieren die äußerste Schicht der Kopfhaut; manchmal greifen sie sogar die Haare an.

Pilzinfektionen der Kopfhaut treten in wärmeren Ländern deutlich häufiger auf als in kälteren Regionen.

Ursache

Die Scherpilzflechte wird von Menschen oder Haustieren übertragen, durch direkten Kontakt oder über Mützen, Haarbürsten, Bettwäsche oder Kleidung. Da die Erkrankung ansteckend ist, können in Kindergärten und Schulen kleinere Epidemien auftreten.

Symptome und Beschwerdebilder

Tinea capitis

Das typische Anzeichen für die Scherpilzflechte ist eine haarlose Stelle auf der Kopfhaut mit oder ohne Schuppen. Wenn die Infektion von einem Tier übertragen wurde, ist die Stelle in der Regel rötlich und eher schuppig. Auch der Juckreiz ist dann intensiver. Die Lymphknoten an Nacken und Hals können vergrößert sein. Die Scherpilzflechte ist für weniger als die Hälfte aller Fälle verantwortlich, bei denen Kinder von rundem Haarausfall betroffen sind.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Ein Kind mit juckender Kopfhaut, schuppigem Ausschlag und Haarausfall sollte von einem Arzt untersucht werden, damit geklärt wird, ob eine Pilzinfektion vorliegt. Der Arzt sollte unter anderem eine Schuppenflechte ausschließen. Eine Pilzinfektion der Kopfhaut ist ungefährlich.

Diagnose

Die Diagnose ist in der Regel einfach zu stellen. Es liegt ein runder Haarausfall vor, und der Ausschlag selbst hat meist ein charakteristisches Aussehen. Der Arzt nimmt eine Probe vom Ausschlag und sendet sie zusammen mit ein paar Haaren an ein mikrobiologisches Labor, damit eine Kultur angelegt wird. Die Antwort auf solche Tests kann einige Wochen dauern.

Familienmitglieder und andere, die in engem Kontakt mit der infizierten Person gewesen sind, sollten ebenfalls auf eine Pilzinfektion untersucht werden.

Therapie

Eine Scherpilzflechte wird in der Regel medikamentös mit Tabletten behandelt, eventuell in Kombination mit einer Antipilzcreme oder einem Antipilzshampoo. Es ist nicht notwendig, die Haare abzurasieren.

Kinder

Bei Kindern wird die Scherpilzflechte häufig in Zusammenarbeit mit einem Spezialisten für Hauterkrankungen behandelt. Studien zeigen, dass die Behandlung mit Terbinafin wirksam ist und auch bei Kindern ab vier Jahren sicher durchgeführt werden kann. Kinder, bei denen eine Behandlung begonnen wurde, können die Schule oder den Kindergarten besuchen. Bürsten und Kämme müssen entsorgt werden. Bettwäsche, Mützen und dergleichen sind zu waschen.

Erwachsene

Für Erwachsene empfiehlt sich in erster Linie die tägliche Einnahme einer Tablette Terbinafin (250 mg), wobei die Behandlung je nach Pilzform ein bis drei Monate dauern kann. Im Falle einer Übertragung durch Tiere wird zudem einmal wöchentlich eine Packung mit Ketoconazol-Shampoo empfohlen. Unter Umständen müssen auch symptomfreie Familienmitglieder das Shampoo verwenden.

Nachkontrolle

Die Behandlung der Scherpilzflechte ist langwierig, und um zu beurteilen, ob die Erkrankung ausgeheilt ist, bedarf es an Erfahrung. In den meisten Fällen reicht es allerdings aus, wenn die Tabletten sechs Wochen lang eingenommen werden. Häufig empfiehlt es sich, die wöchentliche Shampoobehandlung ein ganzes Jahr nach Ende der Tablettenkur fortzuführen.

Vorbeugende Maßnahmen

Vermeiden Sie den direkten Kontakt mit infizierten Personen. Benutzen Sie keine Haarbürsten, Kämme oder Kopfbedeckungen von infizierten Personen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tinea capitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Andrews MD, Burns M. Common tinea infections in children. Am Fam Physician 2008; 77: 1415-20. www.aafp.org
  2. Deutsche Dermatologische Gesellschaft. Tinea capitis. AWMF-Leitlinie Nr. 013-033. Stand 2019. www.awmf.org
  3. Kao GF. Tinea capitis. Medscape, last updated Jun 2018 emedicine.medscape.com
  4. Hubbard TW. The predictive value of symptoms in diagnosing childhood tinea capitis. Arch Pediatr Adolesc Med 1999; 153: 1150-3. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Lacarrubba F, Micali G, Tosti A. Scalp Dermoscopy or Trichoscopy. Curr Probl Dermatol. 2015 Feb. 47:21-32. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Fuller LC, Child FC, Midgley G, Higgins EM. Scalp ringworm in south-east London and an analysis of a cohort of patients from a paediatric dermatology department. Br J Dermatol 2003; 148: 985-8. www.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Mounsey AL, Reed SW. Diagnosing and treating hair loss. Am Fam Physician 2009; 80: 356-62. www.ncbi.nlm.nih.gov
  8. P. Altmeyer.E. Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. Zugriff 14.1.2017 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  9. Chen X, Jiang X, Yang M, González U, Lin X, Hua X, Xue S, Zhang M, Bennett C. Systemic antifungal therapy for tinea capitis in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, Issue 5. Art. No.: CD004685. DOI: 10.1002/14651858.CD004685.pub3 onlinelibrary.wiley.com
  10. Sladden MJ, Johnston GA. Common skin infections in children. BMJ 2004; 329: 95-9. www.ncbi.nlm.nih.gov
  11. Shemer A, Plotnik IB, Davidovici B, Grunwald MH, Magun R, Amichai B. Treatment of tinea capitis - griseofulvin versus fluconazole - a comparative study. J Dtsch Dermatol Ges. 2013 Apr 10. www.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Fuller LC, Smith CH, Cerio R, Marsden RA, Midgley G, Beard AL, et al. A randomized comparison of 4 weeks of terbinafine vs. 8 weeks of griseofulvin for the treatment of tinea capitis. Br J Dermatol 2001; 144: 321-7. www.ncbi.nlm.nih.gov
  13. Gupta AK, Adam P, Dlova N, Lynde CW, Hofstader S, Morar N, et al. Therapeutic options for the treatment of tinea capitis caused by Trichophyton species: griseofulvin versus the new oral antifungal agents, terbinafine, itraconazole, and fluconazole. Pediatr Dermatol 2001; 18: 433-8. www.ncbi.nlm.nih.gov