Lichen simplex chronicus (Neurodermitis circumscripta)

Lichen simplex chronicus ist ein Reizzustand der Haut mit starkem Juckreiz und Ausschlag auf einem kleineren abgegrenzten Bereich. Die Beschwerden kommen und gehen und scheinen sich in Phasen psychischer Belastung zu verschlimmern.

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Was ist Lichen simplex chronicus?

Lichen simplex chronicus ist eine ortsständige, chronisch-entzündliche, plaqueförmige und lichinoide (knötchenartige) Hauterkrankung, welche in Schüben verläuft und mit starkem Juckreiz einhergeht. Sie ist auch bekannt unter den Namen Neurodermitis cirumscripta, Lichen chronicus vidal oder Vidal-Krankheit.1

Typisch für die Erkrankung ist ein Juckreiz, der es einem nahezu unmöglich macht, mit dem Kratzen aufzuhören. Das Kratzen löst wieder neuen Juckreiz aus. Die Betroffenen sind sich oft nicht bewusst, dass sie sich unentwegt kratzen.

Die Erkrankung zeigt sich bei beiden Geschlechtern meist im Nackenbereich, an den Knöcheln, auf der Kopfhaut, im Genitalbereich, in den Armbeugen und um den Anus. Berichte von erstmalig auftretendem Juckreiz in Stress- oder Angstsituationen oder bei Depression sind nicht ungewöhnlich.

Lichen simplex chronicus ist eine häufige Erkrankung, die in allen Altersgruppen auftritt, bei Frauen etwas häufiger.

Ursachen

Lichen simplex chronicus äußert sich durch einen ortsständigen, starken Juckreiz, welcher auch durch Kratzen nicht gemildert werden kann. Es bilden sich hanfkorngroße, harte und rötlichbraun oder hautfarbene Papeln, welche zu einer flächenhaften Verdickung (Lichenifikation) der Haut führen. Die Patienten geraten in einen Teufelskreis, in dem das Kratzen neuen Juckreiz hervorruft.

Die Ursachen sind nicht geklärt.

Grunderkrankungen können andere Hauterkrankungen, Juckreiz auslösende systemische Erkrankungen (z. B. Niereninsuffizienz), Umweltfaktoren (wie Hitze, Schweiß, Reizstoffe) und psychische Erkrankungen sein.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt zum einen aus den Symptomen (Juckreiz, Lichenifikation und chronischer Verlauf) und zum anderen aus der Histologie. Hierbei wird im Rahmen einer Biopsie eine Gewebeprobe aus dem veränderten Bereich entnommen und histologisch untersucht. Lichen simplex chronicus kann auf diese Weise sicher diagnostiziert werden. Im Vorfeld sollte an mögliche Differentialdiagnosen gedacht werden, z. B. allergisches Kontaktekzem, atopisches Ekzem oder Lichen ruber planus.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung besteht darin, den Juckreiz zu beenden und den lästigen Ausschlag einzudämmen oder zu entfernen. Die Erkrankung kann sehr schwierig zu therapieren sein, was sowohl für die Betroffenen als auch das ärztliche Personal frustrierend sein kann. Eine standardisierte Behandlung gibt es nicht, übliche Maßnahmen sind jedoch lokal angewendete Kortikosteroide, Feuchtigkeitscreme, eine Anpassung des Lebensstils, evtl. ein leichtes Schlafmittel, um den nächtlichen Juckreiz zu dämpfen, und evtl. ein Antihistaminikum gegen den lästigen Juckreiz, das etwa zwei Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen wird.

Man sollte auslösende und verschlimmernde Faktoren wie trockene oder ausgesprochen feuchte Haut, anhaltendes Scheuern enger oder die Haut reizender Kleidung oder evtl. hautirritierende Pflegeprodukte vermeiden. Die Barrierefunktion der Haut kann durch häufiges Eincremen mit parfümfreien Feuchtigkeitscremes oder Lotionen wiederhergestellt und aufrechterhalten werden, z. B. unmittelbar nach dem Duschen. Feuchtigkeitsprodukte sollten mindestens zweimal täglich oder auch häufiger angewendet werden.

Es ist wichtig, den Teufelskreislauf aus ständigem Juckreiz zu durchbrechen, was unter Verwendung starker Kortisonsalben gelingen kann, die den Zwang zum Kratzen dämpfen. Mechanische Verletzungen der Haut sollten vermieden werden, und bisweilen kann für einen Übergangszeitraum eine Bandagierung erforderlich sein. Ein Verband stellt eine physikalische Barriere dar, die den Drang zum Kratzen verringern kann.

Es besteht die Tendenz, dass das Problem zurückkehrt – entweder an derselben Stelle oder anderswo am Körper.

Prognose

Lichen simplex chronicus ist eine oft chronische und wiederkehrende Erkrankung, die unbehandelt ein Leben lang bestehen bleiben kann. Wie bei anderen Erkrankungen mit Juckreiz kann die Wirkung einer Behandlung ungewiss sein, und eine Prognose ist nur schwer zu treffen. Eine Therapie kann über Monate und Jahre erforderlich sein.

Die Erkrankung flammt leicht in Phasen psychischen Stresses auf.

Weiterführende Informationen

 

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Quellen

Referenzen

  1. Altmeyer P. Lichen simplex chronicus. Online Enzyklopädie Dermatologie. Spinger 2016. www.enzyklopaedie-dermatologie.de

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Neurodermitis circumscripta (Lichen simplex chronicus). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Altmeyer P. Lichen simplex chronicus. Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. Springer 2017. www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  2. Lotti T, Buggaiani G, Prignano F. Prurigo nodularis and lichen simplex chronicus. Dermatol Ther 2008; 21: 42-46. www.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Deutsche Dermatologische Gesellschaft. Neurodermitis. AWMF-Leitlinie Nr. 013-027. S2k. Stand 2015. www.awmf.org
  4. Deutsche Dermatologische Gesellschaft. Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus. AWMF-Leitlinie Nr. 013-048. S2k. Stand 2016. www.awmf.org
  5. Lynch PJ. Lichen simplex chronicus (atopic/neurodermatitis) of the anogenital region. Dermatol Ther 2004; 17: 8-19. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Konuk N, Koca R, Atik L, et al. Psychopathology, depression and dissociative experiences in patients with lichen simplex chronicus. Gen Hosp Psychiatry 2007; 29: 232-235. www.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Altmeyer P. Prurigo nodularis. Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. Springer 2017. www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  8. Vaidya DC, Schwartz RA. Prurigo nodularis: a benign dermatosis derived from a persistent pruritus. Acta Dermatovenerol Croat 2008;16:38-44. PubMed