Tinea inguinalis

Tinea inguinalis tritt häufig bei Sportlern auf sowie bei Trägern von eng sitzenden Hosen und bei übergewichtigen Personen. Die Erkrankung äußert sich in einem roten, juckenden Hautausschlag. Leichtere Formen der Tinea cruris können mit Antipilzcremes behandelt werden. Bei aggressiveren Formen kann eine Medikation mit Tabletten und eventuell Antibiotika erforderlich sein.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Tinea inguinalis?

Tinea inguinalis ist eine verbreitete Pilzinfektion, welche die Genitalien, die Innenseite der Oberschenkel und das Gesäß betrifft, bei Männern insbesondere auch die Hdensackgegend. Im angloamerikanischen Sprachraum wird das Gesundheitsproblem fälschlich als Tinea cruris bezeichnet, was wörtlich ‚Unterschenkel-Flechte‘ bedeutet. Die Infektion äußert sich durch einen juckenden, roten und oft ringförmigen Ausschlag in der Leiste. Tinea inguinalis ist eng verwandt mit anderen Formen von Pilzinfektionen der Haut, darunter:

Tinea cruris
  • Fußpilz (Tinea pedis). Diese Pilzinfektion tritt in den feuchten Zehenzwischenräumen und manchmal am Fuß selbst auf.
  • Ringelflechte (Tinea corporis). Diese Pilzinfektion bildet rote, schuppige Ringe oder Kreise auf der Haut, normalerweise an Rumpf, Oberarmen und Oberschenkeln. Die Ringelflechte kann auch im Gesicht auftreten.
  • Scherpilzflechte (Tinea capitis). Diese Form betrifft vor allem Kinder und äußert sich auf der Kopfhaut durch rote, juckende Flecken an Stellen, wo das Haar ausfällt.

Tinea inguinalis ist vor allem bei männlichen Sportlern verbreitet, im Prinzip kann aber jeder daran erkranken. Auch bei übergewichtigen oder stark schwitzenden Personen tritt die Erkrankung auf. Der Zustand ist zwar unangenehm und schmerzhaft, aber ungefährlich. Die Therapie besteht in der Regel daraus, die Leistengegend sauber und trocken zu halten und lokal Antipilzmittel aufzutragen.

Symptome und Beschwerdebilder

Symptome und Beschwerdebilder von Tinea inguinalis sind:

  • Juckreiz und Rötung in der Leistengegend – auch an Genitalien (unter dem Hodensack), Oberschenkelinnenseiten, Gesäß und After.
  • Brennendes Gefühl in der Leistengegend.
  • Schuppen- und Rissbildung der Haut in der Leistengegend.
  • Unterwäsche und eng sitzende Kleidung verursachen Unbehagen. Körperliche Aktivität kann den Ausschlag verschlimmern und verstärkt die Beschwerden.

Ursache

Tinea inguinalis wird durch Mikroorganismen (Fadenpilze bzw. Dermatophyten) verursacht, die sich von den Zellen der obersten Hautschicht ernähren. Eine Übertragung von Tinea inguinalis ist möglich, die Krankheit ist aber nicht ausgesprochen ansteckend. Die Infektion ist übertragbar, wenn Sie Handtücher oder Kleidung mit einer infizierten Person teilen, oder wenn Sie direkten Kontakt oder Geschlechtsverkehr mit Infizierten haben.

Dermatophyten sind die häufigste Ursache, aber auch Hefepilze (Candida) können Tinea cruris verursachen. Außerdem ist die durch die Pilzinfektion beschädigte Haut ein Nährboden für andere Mikroorganismen, wodurch sekundäre bakterielle Infektionen hinzukommen können.

Ein Erythrasma ist eine Infektion der Haut, die einer Pilzinfektion sehr ähnlich ist. Es wird durch das Bakterium Corynebacterium minutissimum verursacht. Da diese Infektion häufig in Verbindung mit der Pilzinfektion vorkommt, kann sie an den gleichen Stellen auftreten: zwischen Fingern und Zehen, in der Gesäßfalte, unter den Achseln oder den Brüsten. Der Ausschlag besteht aus kleinen, rötlich-braunen Flecken, die zu größeren Flächen mit exakter Abgrenzung gegenüber der gesunden Haut zusammenwachsen können. Der Hautausschlag kann beschwerdefrei sein, aber auch jucken.

Risikofaktoren

Tinea inguinalis tritt häufig bei Männern auf, die eng anliegende Unterwäsche tragen oder Suspensorien verwenden, die nicht oft genug gewaschen werden. Übergewichtige oder stark schwitzende Personen haben ein erhöhtes Risiko, an Tinea inguinalis zu erkranken. Bei einigen Menschen besteht eine erbliche Disposition für derartige Infektionen, und Personen mit Immunschwäche sind anfälliger als andere. Menschen mit Neurodermitis sind ebenfalls anfälliger für Tinea cruris, da die normalerweise schützende Hautbarriere gegen Viren, Bakterien und Pilze geschwächt oder zerstört ist.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn sich der Ausschlag nicht innerhalb weniger Wochen verbessert. Möglicherweise benötigen Sie ein Rezept für ein Antipilzmittel oder ein Antibiotikum (bei einem Erythrasma).

Diagnose

Die Diagnose ist in der Regel einfach zu stellen. Für den Arzt ist es wichtig, zwischen Tinea cruris und Ekzemen oder Schuppenflechte zu unterscheiden. Der Arzt kann dem entzündeten Bereich ein paar Hautschuppen entnehmen und sie unter dem Mikroskop untersuchen. Deutet die Probe auf eine Pilzinfektion hin, kann ein Antipilzmittel gegeben werden. Wenn der Test negativ ist, der Arzt aber trotzdem eine Pilzinfektion vermutet, wird eine Probe an ein mikrobiologisches Labor gesandt, um eine Pilzkultur anzulegen. Dies ist ebenfalls indiziert, wenn sich die Erkrankung mit der Behandlung nicht bessert. Es dauert einige Wochen, bis das Ergebnis der Kultur vorliegt.

Ein Erythrasma ist, wie bereits erwähnt, eine bakterielle Infektion in der Leistengegend, die der Tinea inguinalis ähnelt. Der Arzt kann diese Erkrankung einfach ausschließen, indem er den Ausschlag mit einer sogenannten Wood-Lampe beleuchtet. Durch das Erythrasma erhält der Ausschlag eine korallenrote Farbe.

Therapie

Der wichtigste Tipp zur Hygiene: „Halten Sie die Haut trocken und vermeiden Sie eng anliegende Unterwäsche!“

Normale Fälle von Tinea inguinalis sind lokal mit Antipilzmitteln zu behandeln. Tragen Sie ein bis zwei Wochen lang z. B. Terbinafin-Creme auf. Alternativ können Sie mit einem Imidazolderivat (z. B. Econazol, Clotrimazol, Miconazol) cremen; die normale Behandlungsdauer beträgt hier vier bis fünf Wochen (oder bis eine Woche nach Verschwinden der Symptome). Die Cremes sollten auch ein wenig über die sichtbare Rötung hinaus aufgetragen werden. Bei heftigem Juckreiz können für die erste Woche Kombipräparate mit Cortison verschrieben werden.

Wenn die Pilzkultur positiv ausfällt und Sie gleichzeitig Fußpilz haben oder die lokale Behandlung nicht erfolgreich ist, kann eine Therapie mit rezeptpflichtigen Tabletten indiziert sein. Die Tabletten können Nebenwirkungen haben; zu den häufigsten gehören Magenverstimmungen, Ausschläge und Auswirkungen auf die Leberfunktion. Die Einnahme anderer Medikamente wie säureneutralisierende Mittel kann die Aufnahme von Antipilzmitteln beeinträchtigen. Wenn Sie blutverdünnende Medikamente (z.B. Marcumar) nehmen, können Antipilztabletten die Wirkung des Blutverdünners herabsetzen.

Ein Erythrasma wird am besten mit Erythromycin in Tablettenform behandelt. Darüber hinaus kann die lokale Behandlung mit Clindamycin verschrieben werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Tinea inguinalis können Sie wie folgt vorbeugen:

  • Die Gefahr einer Infizierung mit Tinea inguinalis steigt, wenn Ihre Leistengegend dauerhaft feucht ist oder wenn Sie Kontakt mit infizierten Menschen haben.
  • Duschen Sie täglich und nach dem Training, nach der Teilnahme an sportlichen Aktivitäten und nach starkem Schwitzen. Waschen Sie Ihre Hände häufig, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern.
  • Halten Sie die Leistengegend so trocken wie möglich. Achten Sie darauf, dass Sie Genitalien und Oberschenkelinnenseiten nach dem Duschen und Schwimmen gründlich mit einem sauberen Handtuch abtrocknen. Verwenden Sie etwas Puder in der Leistengegend, um die Feuchtigkeit zu reduzieren. Der Puder sollte ein Antipilzmittel enthalten (rezeptfrei).
  • Wechseln Sie die Unterwäsche mindestens einmal pro Tag oder auch öfter, wenn Sie viel schwitzen. Eventuelle Suspensorien sollten häufig gewaschen werden.
  • Teilen Sie persönliche Hygieneartikel nicht mit anderen Personen. Lassen Sie andere nicht Ihre Kleidung, Handtücher oder andere persönliche Gegenstände benutzen und verleihen Sie diese Dinge auch nicht.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tinea inguinalis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Andrews MD, Burns M. Common tinea infections in children. Am Fam Physician 2008; 77: 1415-20. www.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Wiederkehr M. Tinea cruris. Medscape, last updated Nov 18, 2015 . emedicine.medscape.com
  3. Wiederkehr,M. Tinea Cruris.Medscape 2016 emedicine.medscape.com
  4. Altmeyer, P. Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. Tinea unguinalis Zugriff 15.1.2017. www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  5. El-Gohary M, van Zuuren EJ, Fedorowicz Z, et al. Topical antifungal treatments for tinea cruris and tinea corporis. Cochrane Database Syst Rev. 2014 Aug 4;8:CD009992. www.ncbi.nlm.nih.gov