Sonnenbrand und Sonnenekzem, detaillierte Empfehlungen

Es ist schön, die Sonnenstrahlen auf dem Körper zu spüren, seien Sie jedoch vorsichtig!

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Was ist ein Sonnenbrand?

Sonnenbrand ist ein Oberbegriff für verschiedene Hautreaktionen auf Sonnenstrahlen. Ein Sonnenbrand stellt die häufigste Auswirkung von UV-Strahlung auf heller Haut dar. Rund 41 % aller Deutschen erleiden einmal im Jahr einen Sonnenbrand. Sonnenbrände werden als Verbrennungen ersten Grades eingestuft. Es handelt sich um eine entzündliche Reaktion mit Symptomen wie Rötung, Schwellung, Jucken, Brennen und Schmerzen. Die Symptome bilden sich nach einigen Tagen schrittweise zurück. Wenn Sie sich trotz des Sonnenbrands weiterhin der Sonne aussetzen, wird die Verbrennung verstärkt und entwickelt sich zu einem starken Sonnenbrand zweiten – oder sogar dritten – Grades.

Manche Menschen entwickeln beim Sonnenbaden ein Sonnenekzem. Dabei handelt es sich um eine Immunreaktion in überempfindlicher Haut. Eine Bräunung der Haut wird sowohl durch UVA- als auch durch UVB-Strahlung verursacht. UVB stimuliert die Produktion des Farbstoffes Melanin in der Haut, und die UVA-Strahlung nutzt bereits vorhandenes Melanin für den Bräunungseffekt. Ob die Strahlung einen starken Bräunungseffekt oder Hautrötungen verursacht, ist vom jeweiligen Hauttyp abhängig. Für Menschen mit heller Haut ist es schwierig, eine Bräunung zu erreichen, ohne sich zu verbrennen. Bei Menschen mit einem Hauttyp, der die Sonne besser toleriert, ist der Bräunungseffekt größer als die Wahrscheinlichkeit möglicher Hautrötungen.

Die Verwendung von Hydrokortison

Die Behandlung eines schweren Sonnenbrands mit Hydrokortisoncreme gilt als sichere und wirksame Behandlungsmethode. Laut wissenschaftlicher Studien ist die Wirkung jedoch gering. Die Zeitspanne bis zur vollständigen Heilung wird bei einer Behandlung mit 7–8 Tagen angegeben, ohne Behandlung mit 8 Tagen. Der Behandlungseffekt setzt erst nach 3–4 Tagen ein. Dies bedeutet, dass lediglich ein sehr geringer Unterschied zwischen der Heilungsdauer mit einer Hydrokortison-Therapie und der Heilungsdauer eines unbehandelten Sonnenbrands besteht. 

Bei der Behandlung eines Sonnenbrands mit Hydrokortison gilt das gleiche wie sonst auch: Die Creme sollte in einer dünnen Schicht, unter Berücksichtigung der empfohlenen Dosis und nur kurzzeitig angewendet werden.

Die Verwendung von Lokalanästhetika

Lokalanästhetika sind örtlich wirksame Betäubungs-und Schmerzmittel. In Deutschland unterliegen Salben mit dem Wirkstoff Lidocain nicht der Verschreibungspflicht. Diese Mittel wirken schmerzlindernd und juckreizstillend und werden z. B. bei Sonnenbrand und Verbrennungen angewendet. Es wird empfohlen, sich genau an die angegebenen Dosierungen zu halten, da zu hohe Dosen oder zu kurze Abstände zwischen den einzelnen Dosen dazu führen können, dass sich der Wirkstoff im Körper anreichert und so Nebenwirkungen hervorrufen kann.

Nach der Verwendung derartiger rezeptfreier Lokalanästhetika kann eine allergische Kontaktdermatitis auftreten. Wenn Sie wissen, dass Sie auf Lidocain allergisch reagieren, sollten Sie das Mittel nicht verwenden. Die empfohlene Dosierung darf nicht überschritten werden und die Behandlung mit Lidoocain ist bei geringsten Anzeichen eines Hautausschlages unmittelbar abzusetzen.

Wenn Lidocain richtig eingesetzt wird, ist es ein sicheres und wirksames Mittel zur Schmerzlinderung und gegen Juckreiz.

Aloe Vera

Aloe Vera enthält Stoffe, die scheinbar über eine heilende Wirkung bei Hautschäden, einschließlich des Sonnenbrands und des Sonnenekzems, verfügen. In Studien zeigten sich jedoch unterschiedliche Ergebnisse. Einige Studien legen nahe, dass es den Heilungsprozess fördert, andere wiederum, dass es den Heilungsprozess hemmt. Dies ist möglicherweise auf eine unterschiedliche geographische Herkunft und auf Variationen der Pflanzenwirkstoffe zurückzuführen.

Aloe Vera

Aloe-Vera-Gel gilt in einigen Ländern wie Dänemark als anerkanntes Naturheilmittel. Dort wird es zur Behandlung von leichteren Verbrennungen, Sonnenbrand, Erfrierungen und kleineren Wunden eingesetzt. Möglicherweise bewirkt es eine Verdickung der verletzten Hautstellen und gilt bei örtlich begrenzter Anwendung auf der Haut als sicher. Ob es tatsächlich eine positive Wirkung auf Sonnenbrand oder Sonnenekzeme hat, ist wissenschaftlich nicht dokumentiert. Es verfügt über einen sofortigen Kühleffekt, der bei Verbrennungen der Haut als sehr angenehm empfunden werden kann. Es sei darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, zwischen Aloe-Vera-Gel und Aloesaft/Aloelatex zu unterscheiden, da letzteres Giftstoffe enthält.

Sind Burn-Aid-Präparate wirksam?

Burn-Aid ist eine mit Gel auf Wasserbasis getränkte Kompresse, die 1 % Teebaumöl enthält. Das Mittel ist bei leichteren Verbrennungen zu empfehlen, wo es in erster Linie über eine kühlende Wirkung verfügt und außerdem einen Schutz vor Infektionen bieten soll. Im Rahmen einer Studie wurde die kühlende und heilende Wirkung von Wasser und Teebaumöl verglichen. Dabei zeigten sich keine Unterschiede. Wasser ist leicht verfügbar, erfordert jedoch einen häufigen Wechsel der Kompressen, während Burn-Aid-Produkte lediglich einmal pro Stunde zu wechseln sind. Im Gegenzug sind Burn-Aid-Präparate teurer als Wasser. Es liegen keine Studien vor, in denen die Wirkung von Burn-Aid-Produkten bei Sonnenbrand untersucht wurde.

Daraus ergibt sich, dass Burn-Aid-Gel für eine Dauer bis zu einer Stunde über eine kühlende und somit lindernde Wirkung auf Sonnenbrände verfügt, jedoch nicht besser oder wirkungsvoller ist als eine Behandlung mit Kompressen, die mit kaltem Wasser getränkt sind. Bei einem starken Sonnenbrand sollten Sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Empfehlungen für einen Sonnenbrand im Gesicht und einen Sonnenbrand am Körper?

Zwischen den Empfehlungen für die Behandlung eines Sonnenbrands im Gesicht oder am Körper scheint es keine Unterschiede zu geben. Bei einer lokalen Behandlung mit Hydrokortison sollten Sie vorsichtig sein, wenn Sie das Präparat um das Auge herum auftragen.

Es wird empfohlen, Salbe einer Creme vorzuziehen, da Salbe wirkungsvoller als Creme ist. Salbe hat eine dickere Konsistenz. Sollte dies ein Problem darstellen, kann Salbe nachts und Creme tagsüber verwendet werden.

Gelten für Sonnenekzeme die gleichen Empfehlungen wie für Sonnenbrände?

10–20 % der Bevölkerung leiden unter Sonnenekzemen. Wie erwähnt, stellt das Sonnenekzem eine Reaktion des Immunsystems auf UVA-Strahlung des Sonnenlichts dar. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich einige Empfehlungen für die medikamentöse Behandlung von Sonnenekzemen. Meist beschränken sich die Empfehlungen jedoch auf eine schrittweise Gewöhnung der Haut oder den vollständigen Verzicht auf den Aufenthalt in der Sonne.

Für eine vorbeugende Wirkung von Beta-Carotin, Vitamin A und E gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren haben jedoch erwiesenermaßen eine gute Wirkung. Laut einer Einzelstudie reduziert eine Behandlung in Kombination mit Lichtschutzfaktor 15 den Schweregrad von Sonnenekzemen. Ein Schutz, der sich auf den Lichtschutzfaktor bei Sonnencremes beschränkt, hat sich nicht als ausreichend wirksam bei Sonnenekzemen erwiesen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lichtdermatosen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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