Sonne und Sonnenschutzmittel

Der beste Weg, um die empfangene UV-Strahlung zu reduzieren, ist die Vermeidung der Sonne in den Stunden vor und nach ihrem Höchststand, der im Sommer um 13 Uhr erreicht wird.

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Was sind UVB- und UVA-Strahlen?

Die kurzwelligen UVB-Strahlen sind für Verbrennungen der Haut verantwortlich, während die längeren UVA-Strahlen Sonnenekzeme verursachen können. Die UVA-Strahlen können die Haut ebenfalls verbrennen, jedoch erst ab einer 1.000-mal höheren Energiemenge als UVB-Strahlen. UVB-Strahlen galten lange Zeit als alleiniger Auslöser für Hautkrebs, die Belege dafür sind jedoch nicht mehr eindeutig. Sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen tragen zu einem beschleunigten Alterungsprozess der Haut bei, eine langfristige Auswirkung der UV-Strahlung ist als Lichtalterung bekannt. Im Gegensatz zu UVB-Strahlen werden die UVA-Strahlen kaum in der Atmosphäre gestreut und absorbiert und gelangen somit nahezu ungefiltert auf die Erde. Die UVB-Strahlungsdosis hängt hauptsächlich von der Tageszeit und dem Breitengrad auf der Erde ab, dies ist bei UVA-Strahlen weniger der Fall.

Mehrere Medikamente können die Fotosensibilität, d. h. die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlung, erhöhen.

Wie wirken sie und wie können Sie sich schützen?

UVA-Strahlen (320–400 nm) wirken sich umgehend auf die Pigmentierung der Haut aus, zusätzlich zur bleibenden Hautbräunung, die nach zwei bis drei Tagen sichtbar wird. UVB-Strahlen (290–320 nm) bewirken eine verzögerte, sichtbare Pigmentierung nach drei Tagen, indem sie die Zellen, die den Farbstoff Melanin erzeugen, stimulieren. Zudem wird die Haut infolge der UVB-Bestrahlung dicker und bietet so auch hellhäutigen Menschen Schutz vor UV-Schädigungen.

Sie sollten eine übermäßige Exposition gegenüber Sonnenstrahlung vermeiden. Der beste Weg, um die empfangene Strahlung zu reduzieren, ist die Vermeidung der Sonne in den Stunden vor und nach ihrem Höchststand, der im Sommer um 13 Uhr erreicht wird. Das Abdecken der Haut bietet zwar einen gewissen Schutz, aber UV-Strahlen können dennoch durchdringen.

  • Eine dünne Wolkendecke lässt immer noch 60–80 % der Strahlung durch.
  • Bei feuchter Baumwollkleidung liegt der Wert um 20–30 %.
  • Im Meerwasser während des Badens dringen etwa 50 % der Gesamtmenge an UV-Licht durch.

Ein Sonnenhut mit breiter Krempe hilft das Gesicht zu schützen. Wenn Sie sich in der Sonne aufhalten möchten, können Sie die Haut durch Eincremen mit Sonnenschutzmitteln schützen. Verwenden Sie Sonnenschutzmittel mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 15 und einem UVA-/UVB-Filter.

Vermeiden Sie akuten Sonnenbrand!

Eine vorsichtige Gewöhnung der Haut an die Sonne wird empfohlen. Nach abruptem Übergang zu Tagen oder Gebieten mit hoher UVB-Strahlung ist es besonders wichtig, die Sonne in den Stunden vor und nach ihrem Höchststand zu meiden, d. h. im Sommer etwa von 11.00 bis 15.00 Uhr. Die Bräunung der Haut, die in UVA-Solarien erzielt wird, bietet keinen wirksamen Schutz gegen eine starke UVB-Exposition, da die UVA-Strahlung keine Verdickung der Haut bewirkt.

Sonnenschutzmittel

Lichtschutzfaktor

Sonnenschutzmittel enthalten chemische Filter, die UV-Strahlen absorbieren, und können außerdem physikalische Blocker beinhalten, die die Strahlung reflektieren. Physikalische Blocker enthalten Mikropartikel und Mikropigmente wie Titanoxid und Zinkoxid. Die Wirksamkeit des Produkts wird als Lichtschutzfaktor angegeben. Der Faktor gibt an, wie viel Mal länger die Haut unter Anwendung des Mittels, verglichen mit ungeschützter Haut, der Strahlung ausgesetzt werden kann, bevor Rötungen auftreten. In der Regel wird dabei der UVB-Faktor aufgeführt.

Ständig kommen neue Sonnenschutzmittel in den Handel. Da die Präparate als Kosmetika und nicht als Arzneimittel klassifiziert werden, sind die Produktbeschreibungen häufig unzureichend und lückenhaft.

Sonnenschutzmittel richtig anwenden

Häufig wird die Sonnencreme sparsamer angewendet als empfohlen, wodurch die tatsächliche Wirksamkeit geringer wird. Außerdem werden einige Sonnenschutzmittel durch die Bestrahlung mit der Zeit abgebaut. Wenn zu selten nachgecremt wird, kann die Wirkung geringer als erwartet ausfallen. Viele Sonnencremes bieten einen unzureichenden Schutz vor UVA-Strahlen und der UVA-Faktor wird häufig nicht angegeben. Wenn Sie einen Sonnenschutz mit dem Faktor 15 gegen UVB-Strahlen nutzen, sollten Sie auch einen UVA-Schutz auftragen, damit die Haut nicht durch UVA-Strahlen geschädigt wird. Der UVA-Schutzfaktor sollte mindestens ein Drittel des Lichtschutzfaktors betragen. 

Verwenden Sie in der kalten Jahreszeit Fettcremes. Auf Wasser basierende Lotionen können im Sommer genutzt werden. Insbesondere fetthaltige Sonnenschutzmittel können Akne verschlimmern.

Beginnen Sie die Sonnensaison mit einem hohen Lichtschutzfaktor. Wenn Sie leicht gebräunt sind, können Sie die Filterstärke reduzieren, bis der gewünschte Bräunungsgrad erreicht ist. Dann erhöhen Sie den Lichtschutzfaktor erneut auf die Stufe, mit der Sie begonnen haben, um den Bräunungsgrad zu erhalten und eine zu intensive Strahlung zu vermeiden. Tragen Sie reichlich Sonnenschutzmittel auf. Die meisten Menschen sind bei der Anwendung zu sparsam. Denken Sie daran, dass Sie allergisch auf chemische Sonnenschutzmittel reagieren können. Dies äußert sich mit einer zunehmenden Rötung der Haut und Juckreiz. Viele halten dies für Symptome eines Sonnenbrandes und tragen immer mehr Sonnenschutzmittel auf, wodurch sich die Beschwerden stetig verschlimmern. Wählen Sie in dem Fall ein Sonnenschutzmittel mit einem physikalischen Filter. Verwenden Sie ein Sonnenschutzmittel, das vor UVA- und UVB-Strahlen schützt.

Es ist besonders wichtig, Kinder zu schützen, da die ersten 20 Lebensjahre für die Entwicklung von Strahlenschäden ausschlaggebend zu sein scheinen.

Einstufung der Wasserbeständigkeit

  • „Wasserfest": Der Lichtschutzfaktor ist nach 40 Minuten im Wasser unverändert.
  • „Extra wasserfest": Der Lichtschutzfaktor ist nach 80 Minuten im Wasser unverändert.

Sonnenschäden

Es ist wichtig, sich mit Sonnencremes und Feuchtigkeitscremes zu schützen. Aber was können Sie tun, wenn Schäden auftreten?

  • Bei einem Sonnenbrand bildet sich die Hautrötung nach einigen Tagen zurück. Ist die Haut schmerzhaft und erwärmt, können kühle und feuchte Umschläge, die zu gleichen Teilen mit Wasser und Milch getränkt sind, Linderung verschaffen. Die Milch beugt Hautirritationen vor. Hydrocortison-Cremes können einige Tage lang verwendet werden und sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Mögliche Blasen sollten nicht geöffnet werden. Außerdem sollten Sie das Sonnenbaden einige Wochen lang meiden.
  • Ein Sonnenekzem ist eine Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber Sonnenstrahlen. Durch vorsichtiges Sonnen und die Verwendung von Sonnenschutzmitteln macht der hauteigene Schutz die Haut irgendwann resistent. Eine vorübergehende Anwendung von Hydrocortison-Cremes kann hilfreich sein.
  • Einige leiden unter Sonnenakne im Schulter- und Brustbereich. Diese bildet sich einige Wochen nach dem Aufenthalt in der Sonne zurück.
  • Herpes-Ausbrüche an den Lippen (Lippenbläschen) können durch Sonnenbaden hervorgerufen werden.

Während des Sonnenbadens sollten Sie auf Make-up verzichten, da dies die Haut austrocknen und die Poren vergrößern kann. Parfüm kann Hautrötungen und Irritationen sowie dauerhafte Pigmentflecken verursachen. Einige Medikamente können ebenfalls Hautreaktionen bei einer Exposition mit Sonnenlicht bewirken. In diesem Fall sollten Sie Ihren Arzt oder Apotheker um Rat fragen.

Wenn Sie sich zu intensiv und ungeschützt der Sonne aussetzen, können Sie Verbrennungen mit Blasenbildung, Schüttelfrost und Fieber erleiden. Langfristig kann übermäßiges Sonnen deutliche Falten, gerötete und schuppende Haut, unschöne Altersflecken und Hautkrebs zur Folge haben.

So schützen Sie Ihre Haut

  1. Zeigen Sie Respekt vor dem Wetter. Jedes Wetter hat Auswirkungen auf die Haut und bestimmte Wetterbedingungen können besondere Schutzmaßnahmen erfordern. Eine übermäßige, ungeschützte Sonnenexposition kann die Hautalterung beschleunigen und das Risiko dauerhafter Hautschäden wie Hautkrebs erhöhen.
  2. Wählen Sie Hautpflegeprodukte, die genau auf Ihren Hauttyp abgestimmt sind. Verschiedene Hauttypen (trocken, normal, fettig) benötigen unterschiedliche Hautpflegeprodukte, und Kinder benötigen generell einen besonderen Schutz. Der Lichtschutzfaktor sollte je nach Hauttyp (Empfindlichkeitsgrad) gewählt werden.
  3. Verwenden Sie während des Sonnenbadens Sonnenschutzmittel. Wenn Sie sich eine halbe Stunde in der Sonne aufhalten können, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, können Sie diese Zeit mit dem Lichtschutzfaktor multiplizieren, um zu erfahren, wie lange Sie sich der Sonnenstrahlung aussetzen können (z. B. Faktor 8 mal ½ Stunde = 4 Stunden).
  4. Sonnenschutzmittel sollten sowohl vor UVA- als auch vor UVB-Strahlen schützen. Sowohl die kurzwelligen Strahlen (UVB) als auch die langwelligen Strahlen (UVA) können die Haut schädigen. Die Haut benötigt einen Schutz, der gegen beide Arten von UV-Strahlung wirksam ist. Selbst im Schatten kann die Haut bis zu 50 % UV-Licht ausgesetzt sein.
  5. Hören Sie auf die Signale der Haut. Wenn sich Ihre Haut trocken anfühlt und möglicherweise einen Sonnenbrand erlitten hat, ist es wichtig, dass Sie die Signale ernst nehmen. Hautpflegeprodukte stellen das Gleichgewicht der Haut wieder her. So können Sie neuen Herausforderungen gestärkt begegnen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lichtdermatosen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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