Systemische Sklerose (Sklerodermie)

Die Erkrankung ist auch als Sklerodermie bekannt; diese systemische Bindegewebserkrankung (systemisch = den gesamten Körper betreffend) verläuft fortschreitend.

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Was ist systemische Sklerose?

Die Erkrankung ist auch als Sklerodermie bekannt und ist eine systemische Bindegewebserkrankung (systemisch = den gesamten Körper betreffend). Da an ganz verschiedenen Stellen im Körper Bindegewebe vorhanden ist, sind bei der systemischen Sklerose neben der Haut und Unterhaut auch verschiedene andere Organe betroffen. Die Krankheit führt zu einer Veränderung des Bindegewebes (Fibrose, Sklerose). Der Hauptbestandteil des Bindegewebes, das Kollagen, vermehrt sich, und es kommt zu Ablagerungen verschiedender Substanzen im Bindegewebe. Im Verlauf wird das Gewebe dadurch immer fester/straffer; es kommt zu einer chronischen Entzündung und Durchblutungsstörungen. Diese Veränderungen führen zu deutlichen Beschwerden und können bei Befall innerer Organe, z. B. der Lunge, lebensbedrohlich werden.

Von der systemischen Sklerose mit ausgeprägtem Befall verschiedener Organe, wie Speiseröhre, Herz, Lungen, Nieren, ist eine eingeschränktere Form zu unterscheiden. Hierbei zeigen sich nur an der Haut und Unterhaut sowie an der Speiseröhre Veränderungen. Eine weitere Form ist die sog. zirkumskripte Sklerodermie, die nur die Haut und Unterhaut betrifft. Je nach Ausprägung werden jeweils noch weitere Subtypen abgegrenzt.

Bei allen Formen liegen auch Störungen des Immunsystems vor.

Die Erkrankung ist selten; von 1 Million Menschen in Deutschland leiden etwa 100–150 an der systemischen Sklerodermie. Die Krankheit tritt in der systemischen und der zirkumskripten Form deutlich häufiger bei Frauen als bei Männern auf, die systemische Verlaufsform meist bei 20- bis 50-Jährigen. Die zirkumskripte Sklerodermie kann jedoch auch schon bei Kindern vorkommen.

Ursachen

Die Ursache der systemischen Sklerose ist nicht geklärt. Neben verschiedenen Veränderungen des Immunsystems trägt eine Reihe unterschiedlicher von Faktoren zur Entwicklung der Krankheit bei, z. B. die genetische Veranlagung, Umweltbedingungen, Veränderungen der Blutgefäße, Gifte, Virusinfekte, Verletzungen sowie Veränderungen des Nervensystem oder des Hormonstoffwechsels.

Im Gewebe vermehrt und verhärtet sich zum einen das Bindegewebe (Sklerose, Fibrose), zum anderen entwickelt sich eine chronische Erkrankung der (kleinen) Blutgefäße (Vaskulopathie). Wegen der veränderten und verengten Blutgefäße verschlechtert sich die Durchblutung der betroffenen Haut und Organe zunehmend; der Körper ist jedoch nicht in der Lage, genügend neue Blutgefäße als Ersatz zu bilden. Starke Ablagerungen von Kollagen führen zusätzlich zu Veränderungen in der Haut und den inneren Organen (Sklerose) und sind charakteristisch für systemische Sklerose.

Symptome

Systemische Sklerose ist eine Krankheit, die sich auf viele unterschiedliche Arten manifestieren kann. Sie schädigt sowohl die Haut als auch zahlreiche innere Organe, und die Symptome variieren von Patient zu Patient. Beispiele für Symptome sind:

Systemische Sklerose
Systemische Sklerose
Systemische Sklerose
Systemische Sklerose
  • Hautveränderungen und Juckreiz treten häufig auf. Häufig sind Arme, Gesicht, Hals oder Finger betroffen. Geschwüre/Wunden an den Fingerspitzen sind ein wichtiger Befund. Auch violette Hautveränderungen am Rumpf oder den Extremitäten sind häufig.
  • Infolge der Verfestigung der Haut (s. Abbildungen) sind Mimik und Beweglichkeit der Hände und Finger immer weiter eingeschränkt.
  • Das Raynaud-Syndrom tritt ebenfalls häufig auf. Bei diesem werden aufgrund von Durchblutungsstörungen die Finger weiß oder bläulich, wenn sie Kälte ausgesetzt sind. Es kommt zu Schmerzen in den Fingern. Nach einer gewissen Zeit (und Wärmezufuhr) wird die Durchblutung meist wieder besser.
  • Schluckbeschwerden bei Befall der Speiseröhre. Auf Schwierigkeiten beim Schlucken fester Nahrung können nach einer Zeit auch Probleme beim Trinken folgen. Ebenfalls üblich sind Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen, Durchfall und Schwierigkeiten, den Stuhlgang zu kontrollieren (Inkontinenz).
  • Atemnot bei körperlicher Anstrengung, später auch im Ruhezustand
  • Reizhusten (Veränderungen der Lungen)
  • Uncharakteristische Schmerzen in der Brust, Lethargie, Kurzatmigkeit, Bluthochdruck bei Befall des Herzens
  • Gelenkschmerzen, eingeschränkte Mobilität, Schwellungen der Gelenke, Muskelschmerzen. Die Erkrankung beginnt bei 15 % der Betroffenen mit Gelenkschmerzen, bei 10 % mit einer Muskelentzündung.
  • Allgemeine Schwäche liegt bei 80 % der Patienten vor.

Bei der limitierten Form der systemischen Sklerose und der zirkumskripten Form sind die Symptome deutlich begrenzter; hier sind die Veränderungen der Haut führend, ggf. noch Schluckbeschwerden oder Gelenkschmerzen.

Diagnose

Die Diagnose basiert auf den typischen Veränderungen, insbesondere Hautveränderungen (s. u.), aber auch Blutuntersuchungen (Entzündungszeichen, spezielle sog. Antikörper). Röntgenaufnahmen und andere Untersuchungen sind wichtig, um festzustellen, welche Form der Erkrankung ​​vorliegt und ggf. andere Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden auszuschließen.

Je nach Beschwerden bzw. betroffenem Organ sind sehr genaue Untersuchungen von Lungen, Herz, Nieren, Speiseröhre und Blutgefäßen etc. angezeigt, um das Ausmaß der Veränderungen beurteilen zu können. Manche dieser Untersuchungen können nur in spezialisierten Praxen bzw. Kliniken erfolgen. 

Die Hautveränderungen durchlaufen meist drei Phasen: Zunächst sind sie von Schwellungen (Ödemen) geprägt, anschließend zeigt sich eine Verdickung mit entzündlichem Charakter, und schließlich eine Atrophie (Abbau des Gewebes) – die Haut wird schließlich glatt, fest/hart und dick (sklerotisch). Typisch sind auch Hautstellen mit veränderter Pigmentierung (braun-lila Farbton), die sich ausbreiten und schließlich zentral wieder verblassen. Die betroffenen Stellen sind zudem verhärtet.

Man unterscheidet verschiedene Haupttypen der systemischen Sklerose. Die beiden häufigsten sind die diffuse systemische Sklerose, die limitierte systemische Sklerose und die zirkumskripte Form. Es gibt jedoch auch zahlreiche Zwischenformen je nach Ausprägung der Symptome. Allerdings wurde ein Übergang von einer zunächst zirkumskripten Form in eine fortschreitende systemische Form bisher nicht beobachtet.

Diffuse systemische Sklerose

Das Raynaud-Phänomen tritt häufig etwa ein Jahr vor den Hautveränderungen auf. Die Haut an Brustkorb, Armen und Beinen verdickt und verhärtet sich. Es können Flecken mit sowohl erhöhter als auch verringerter Pigmentierung vorkommen. Bei einige Patienten kommt es zu Sehnen-, Muskel- und Gelenkbeschwerden. Innere Organen wie Lunge, Nieren, Verdauungssystem und Herz werden oft bereits früh geschädigt.

Limitierte systemische Sklerose

Die Erkrankung kennzeichnet sich durch sklerotische Veränderungen an Händen, Gesicht, Füßen und Unterarmen. An den Nasenflügeln und den Lippen ist die Haut zudem dünn und spröde. Die kleinen Blutgefäße in der Haut erweitern sich. Es kann zu Kalkausfällungen in der Haut kommen. Typisch für die limitierte Form ist das sog. CREST-Syndrom, das sich durch Kalkablagerungen in der Haut, Raynaud-Phänomen, Schluckbeschwerden, Bewegungsstörungen der Finger infolge der Hautverhärtung und auffällig veränderte Blutgefäße in der Haut auszeichnet. Während die Speiseröhre oft mitbetroffen ist, sind andere Organe bei dieser Form ausgespart.

Zirkumskripte Form

Hier kommt es nur zu Hautveränderungen unterschiedlicher Form und Ausmaß. Es können hauptsächlich dunkelviolette Flecken mit verhärteten Hautstellen an Rumpf und Extremitäten vorliegen, die Hautveränderungen können auch streifenförmigen Verhärtungen, v. a. an Stirn oder Extremitäten entsprechen. Nur selten sind bei diesem Typ neben der Haut auch die Unterhaut oder auch die Muskelfaszien betroffen.

Behandlung

Es gibt unterschiedliche Behandlungsansätze. Die Wahl ist abhängig von den Symptomen und deren Komplexität. Ziel ist es immer, das Fortschreiten der Gewebeveränderungen aufzuhalten oder zu verlangsamen; heilen lässt sich die Krankheit nicht.

Es kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, von denen jedoch keines offiziell zur Therapie der systemischen Sklerose zugelassen ist. Dennoch besteht Erfahrung mit diesen Präparaten und Methoden.

Zur Behandlung der Hautveränderungen werden Kortisoncremes und feuchtigkeitsspendende Cremes verordnet. Kortison wirkt hier, weil es die überschießenden Reaktionen des Immunsystems eindämmt (sog. Immunsuppression); für diesen Zweck stehen auch zusätzlich speziellere Wirkstoffe zur Verfügung. Eine weitere Behandlung der Haut kann mithilfe einer Lichttherapie (Phototherapie) erfolgen.

Die Symptome bei Raynaud-Syndrom lassen sich durch Vermeiden von Kälte bzw. warme Kleidung, Rauchstopp und bestimmte gefäßerweiternde Medikamente lindern.  

Bei ausgeprägteren Beschwerden kommt Kortison in Form von Tabletten zum Einsatz, wobei es auch hier entsprechend noch spezieller wirkende Medikamente gibt.

In Abhängigkeit von den vorliegenden Organfunktionsstörungen kommen weitere Präparate zum Einsatz, um vor einem weiteren Funktionsverlust zu schützen.

Je nach Krankheitsphase und Ausprägung von Hautveränderungen können plastische/kosmetische Operationen die Veränderungen etwas korrigieren. Physiotherapie zum Erhalt der Beweglichkeit, v. a. auch bei Schluckstörungen bildet eine wichtige Basis der Therapie.

In Einzelfällen wurde eine intensive immunsuppressive Therapie mit anschließender Knochenmarktransplantation durchgeführt. Dieses Vorgehen kann den Verlauf deutlich positiv beeinflussen, ist aber mit einem hohen Risiko verbunden.

Je nach begleitenden Beschwerden (Depression, Erschöpfung etc.) kommen zusätzliche Medikamente oder auch eine Psychotherapie zum Einsatz.

Prognose

Systemische Sklerose ist eine Erkrankung, die sich meist langsam entwickelt und mit der Zeit immer stärker ausprägt. Sie kann die Lebenserwartung reduzieren. Insbesondere die Auswirkungen auf Nieren, Herz und Lunge verursachen schließlich oft schwere Probleme. Systemische Sklerose prädisponiert zudem für verschiedene Arten von Krebserkrankungen.

Die Prognose hängt davon ab, unter welcher Art der systemischen Sklerose Sie leiden. Bei limitierter systemischer Sklerose kann der Zustand für viele Jahre stabil bleiben. Bei diffuser systemischer Sklerose kann es schneller zu einer Verschlimmerung kommen, sodass eine Intensivbehandlung erforderlich wird. Allerdings hat sich die Prognose durch den Einsatz von immunsuppressiven Medikamenten insgesamt deutlich verbessert. 

Die zirkumskripte Form bleibt auf Haut und Unterhaut, ggf. die Gelenke beschränkt und ist nicht lebensbedrohlich.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Systemische Sklerose (Sklerodermie). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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