Druckgeschwür (Dekubitus)

Druckgeschwüre werden auch als Wundliegegeschwüre oder Dekubitalgeschwüre (Dekubitus) bezeichnet. Druckgeschwüre können bei zu früh geborenen Säuglingen auftreten, können im Zusammenhang mit Operationen oder lang andauernder Bettlägerigkeit entstehen und kommen besonders häufig bei Personen vor, die im Rollstuhl sitzen.

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Was ist ein Druckgeschwür?

Druckgeschwüre entstehen durch lang anhaltenden Druck auf einen Bereich der Haut über einem Knochenvorsprung. Durch den Druck wird die Durchblutung im betreffenden Bereich vermindert, was dazu führt, dass Unterhautfettgewebe und Muskeln „absterben“ und sich Wunden in der Haut bilden. Tiefere Druckgeschwüre entstehen ebenfalls dadurch, dass Muskelzellen aufgrund von Druck gegen Knochen und Verschiebung von Gewebe gedehnt werden und die Muskelzellen dadurch durchlässiger für schädliche Stoffe werden. Druckgeschwüre können leichter bei Personen auftreten, die Druck oder Schmerzen nicht wahrnehmen (Störungen der Schmerzempfindung), pflegebedürftig, gelähmt oder inkontinent sind oder für längere Zeit bettlägerig oder auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Druckgeschwüre sind in Krankenhäusern, Pflegeheimen und bei Menschen, die zu Hause gepflegt werden, keine Seltenheit.

Ursache

Druckgeschwüre entstehen infolge von langanhaltendem Druck gegen eine exponierte Oberfläche der Haut. Die Körperstellen, an denen Druckgeschwüre am häufigsten auftreten, sind das Kreuzbein, das Sitzbein, der Oberschenkelhals sowie die Knöchel und Fersen. Besonders hoch ist das Risiko während der ersten zehn Tage der Immobilisierung, z. B. nach Operationen, Verletzungen, Schlaganfällen oder bei anderen Ursachen für eine eingeschränkte Mobilität.

Besonders gefährdet sind Menschen, die die Fähigkeit verloren haben, Schmerzen und Druck wahrzunehmen, die uns normalerweise dazu bewegen, unsere Position im Bett oder Rollstuhl zu ändern. Bei sehr dünnen Menschen scheint das Risiko für Druckgeschwüre am Rumpf erhöht zu sein, bei sehr kräftigen Personen besteht dagegen ein erhöhtes Risiko von Geschwüren an den Fersen. Ein schlechter Ernährungszustand, Blutarmut und/oder Infektionen sind Risikofaktoren für Druckgeschwüre und Inkontinenz. Die Blutzirkulation im Körper kann auch insgesamt beeinträchtigt sein, was eine schlechtere Sauerstoffversorgung der Haut zur Folge haben kann.

Bei Personen mit eingeschränkter Mobilität können sich Druckgeschwüre in kurzer Zeit entwickeln. Faktoren wie Reibung, Reizung durch Urin oder Kot sowie ungünstige Bedingungen im Bett/Rollstuhl wie z. B. zerknitterte Laken, Nähte oder Katheter können in manchen Fällen zur Bildung von Druckgeschwüren beitragen. Feuchtigkeit aus Schweiß oder Urin führt zu einer Aufweichung der Haut, was die Entstehung von Druckgeschwüren begünstigt.

Anzeichen

  • Dekubitus Grad I: Das erste Anzeichen eines Druckgeschwürs ist eine deutliche Rötung der Haut, die bei Druck nicht verblasst.
  • Dekubitus Grad II: Kennzeichnet sich durch eine oberflächliche Hautabschürfung oder eine Blase.
  • Dekubitus Grad III: Eine vollständige Zerstörung der Haut, also eine tiefere Wunde, die aber nicht die Muskelhaut durchdringt.
  • Dekubitus Grad IV: Eine tiefe Schädigung aller Hautschichten, oft mit abgestorbenem Gewebe (Nekrose), die häufig auch das Unterhautfett sowie das Muskelgewebe betrifft. Kann bis auf das Knochengewebe hinabreichen.

Behandlung

Das Wichtigste ist die Vorbeugung von Druckgeschwüren. Lesen Sie hierzu die separate Beschreibung. Auch bei der Behandlung von Druckgeschwüren sind Präventionsmaßnahmen von Bedeutung, um zu verhindern, dass sich bestehende Druckgeschwüre weiter verschlimmern.

Sobald sich ein Druckgeschwür entwickelt, ist es notwendig, alle vorbeugenden Maßnahmen zu ergreifen, um den Umfang der Schädigung zu begrenzen. Diese Maßnahmen umfassen eine lokale Entlastung an der druckbelasteten Stelle, die Verwendung spezieller Matratzen und Sitzkissen, sorgfältige Hautpflege, eventuell Nahrungsergänzungsmittel und, wenn möglich, Krankengymnastik oder körperliche Aktivität. Wenn die Druckentlastung früh genug erfolgt, lässt sich verhindern, dass sich Druckgeschwüre von Grad I zu tieferen Wunden entwickeln. Dies gilt auch für Dekubitus Grad II.

Reinigung der Wunde: Die Wunde wird gründlich mit körperwarmem Leitungswasser gereinigt. Bei Verdacht auf starkes Bakterienwachstum in der Wunde wird eine spezielle Desinfektionslösung empfohlenen.

Entfernen von abgestorbenem Gewebe: Abgestorbenes Gewebe in der Wunde oder an den Wundrändern sollte regelmäßig entfernt werden. Dies kann mit verschiedenen Methoden erfolgen, sollte aber ausschließlich von erfahrenem Personal durchgeführt werden.

Lokale Behandlung der Wunde: Oberflächliche Wunden können mit Standardverbänden behandelt werden, wie z. B. Verbänden aus Polyurethanschaum oder Hydrokolloidverbänden.

Bei starkem Bakterienwachstum/starker Infektion der Wunde sollte ein antiseptischer Verband gewählt werden, z. B. ein Verband mit PHMB (Polyhexamethylenbiguanid), medizinischem Honig, Jod oder Silber.

Bei größere Wunden, bei denen große Taschen unter der Haut vorliegen und/oder Muskeln und Knochen angegriffen sind, kann eine chirurgische Reinigung erforderlich sein. Angegriffenes Knochengewebe muss eventuell mit einem Skalpell entfernt werden. Manchmal wird eine Hauttransplantation durchgeführt (spezielle Transplantation eines Hautstücks aus dem umliegenden Bereich). Dies erfordert nach dem chirurgischen Eingriff eine langfristige Druckentlastung, gemäß spezieller Pflegeprogramme.

Bei Verdacht auf eine Infektion im umliegenden Gewebe oder im Körper (systemische Infektion) werden Antibiotika eingesetzt.

Prognose

Einige der Patienten, die von Druckgeschwüren betroffen sind, können kritisch kranke und sterbende Patienten sein. Bei anderen Betroffenen können Druckgeschwüre infolge akuter Bewusstlosigkeit, in Verbindung mit Operationen, in der Intensivpflege oder bei im Rollstuhl sitzenden Patienten aufgrund fehlender Entlastung entstehen. Druckgeschwüre bei Langzeiterkrankten – vor allem, wenn sie größtenteils bettlägerig sind – können eine langfristige Behandlung erforderlich machen, bei der eine ständige Kontrolle und Druckentlastung der Patienten notwendig ist, um die Entwicklung neuer Druckgeschwüre zu verhindern. Dabei ist entscheidend, dass das Umfeld – Familie, häusliches Pflegepersonal, Personal in Pflegeheimen oder Krankenhäusern – die Patienten sorgfältig überwacht und mindestens einmal täglich kontrolliert, so dass sich keine Druckgeschwüre entwickeln können.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Dekubitus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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