Druckgeschwüren vorbeugen

Druckgeschwüre sind schwer zu behandeln, sobald sie eingetreten sind. Deshalb ist Vorbeugung wichtig.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist ein Druckgeschwür?

Ein Druckgeschwür entsteht in Folge eines längeren Drucks von außen auf einen Bereich der Haut über Knochenvorsprüngen. Am häufigsten treten Druckgeschwüre am Kreuzbein und an den Sitzbeinhöckern des Gesäßes, an der Hüfte, den Knöcheln und Fersen auf. Besonders pflegebedürftige und bettlägerige Patienten sind anfällig für Druckgeschwüre. Das Risiko ist am höchsten in der Anfangszeit der Bewegungseinschränkung, zum Beispiel nach einer Verletzung, nach einem Schlaganfall oder nach einer Bewusstlosigkeit.

Ein Druckgeschwür kann innerhalb von mehreren Stunden anhaltenden Drucks auftreten. Die Durchblutung in dem Bereich wird gestört und das Gewebe stirbt ab. Fettgewebe und Muskeln unter der Haut sind am stärksten gefährdet, während die eigentliche Hautoberfläche widerstandsfähiger ist. Deshalb können zuerst tiefe Gewebeschädigungen und erst später Geschwüre an der Hautoberfläche entstehen.

Wenn ein Druckgeschwür entstanden ist, ist es nur schwer zu behandeln. Das abgestorbene Gewebe wird nicht ohne weiteres durch neues Gewebe ersetzt. Eine umfangreiche und lang anhaltende Wundbehandlung ist die Folge und das Gebiet wird anfällig für neue Druckgeschwüre.

Die Hauptaufgabe der Familie und des Pflegepersonals ist es daher, die Entwicklung von Druckgeschwüren zu verhindern.

Beobachtung

Die Patienten, die ein Risiko für Druckgeschwüre haben, sollten sorgfältig beobachtet werden. Dies bedeutet, dass Familienmitglieder und das Pflegepersonal täglich, vielleicht mehrmals täglich, die Haut des Patienten an den kritischen Bereichen überprüfen sollten. Sehen Sie nach, ob die Haut rot und geschwollen ist und es Anzeichen von Geschwürbildung gibt. Fühlen Sie auf der Haut nach, ob sie eine normale Festigkeit aufweist. Bei Anzeichen einer beginnenden Geschwürbildung müssen die vorbeugenden Maßnahmen intensiviert werden.

Vorbeugende Behandlung

Die wichtigste Maßnahme besteht darin, den Druck auf betroffene oder gefährdete Hautstellen zu entlasten. Bettlägerige Patienten müssen mindestens alle zwei Stunden umgelagert werden. Verschiedene Formen von Matratzen helfen, den Druck auf die empfindlichen Bereiche der Haut zu reduzieren, aber befreien die Familie und/oder das Pflegepersonal nicht von der Pflicht, den Patienten regelmäßig zu wenden. Die betroffenen Bereiche der Haut können zusätzlich gepolstert werden. Auch vorübergehende Freilagerungen, z. B. im Bereich der Ferse, können hilfreich sein. Patienten, die im Rollstuhl sitzen, sollten die Position im Rollstuhl alle 10–15 Minuten ändern, selbst wenn ein druckentlastendes Kissen verwendet wird. Achten Sie bei Gipsverbänden und Prothesen darauf, dass diese gut sitzen und nicht zu Druckstellen führen.

Eine gute Hautpflege ist wichtig, um die Auflösung der Haut und Infektionen zu vermeiden. Halten Sie die Haut sauber und trocken. Bett- und Nachtwäsche sollten häufig gewechselt werden. Das Bettlaken sollte weich, sauber sowie falten- und knitterfrei sein. Trocknen Sie den Patienten gründlich nach dem Waschen ab. Verwenden Sie keine Vaseline, alkoholische Lösungen, Talkumpuder oder Zinkpaste, da sie die Haut schädigen und belasten.

Die Patienten sollten nicht übermäßig mit Medikamenten ruhig gestellt, sondern lieber zu Aktivitäten ermuntert werden. Wenn es zweckdienlich ist, kann Physiotherapie mit passiven und aktiven Übungen durchgeführt werden – gerne von Familienmitgliedern oder aber von einem Physiotherapeuten. Achten Sie auf eine gesunde, proteinreiche Ernährung! Eine eventuell bestehende Inkontinenz sollte behandelt werden.

Die Verwendung einer Spezialmatratze wird empfohlen. Dabei werden verschiedene Druck entlastende Matratzen verwendet. Membranen mit Luftzirkulation führen unter anderem zu einer „schwimmenden“ Oberfläche, aber der Patient wird Hilfe brauchen, um sich aus einem Bett mit solch einer Membran zu erheben und aufzustehen. Normalerweise wird dies Patienten angeboten, die die meiste Zeit des Tages im Bett verbringen. Es gibt auch andere Arten von Matratzen, die sicherstellen, dass sich der Druck auf die verschiedenen Körperteile ständig ändert. Sie bestehen aus einer oder zwei Schichten wechselnd gefüllter Lufttaschen. Druck entlastend wirken auch Matratzen, Auflagen und Kissen aus Formschaum oder mit einer Füllung aus Fasern, Gel, Wasser oder Luft.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Dekubitus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Bluestein D, Javaheri A. Pressure ulcers: prevention, evaluation, and management. Am Fam Physician 2008; 78: 1186-94. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege. Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2. Aktualisierung 2017 www.dnqp.de
  3. Eberlein-Gonska M, Petzold T, Helaß G, Albrecht DM, Schmitt J: The incidence and determinants of decubitus ulcers in hospital care—an analysis of routine quality management data at a university hospital. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(33–34): 550–6. DOI: 10.3238/arztebl.2013.0550 www.aerzteblatt.de
  4. Tomova-Simitchieva T. Akdeniz M, Blume- Peytavi U. Die Epidemiologie des Dekubitus in Deutschland: eine systematische Übersicht. Gesundheitswesen 2019; 81(06): 505-512 www.thieme-connect.com
  5. Robert Koch Institut. Gesundheitliche Ungleichheit in verschiedenen Lebensphasen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. RKI Berlin 2017 www.rki.de
  6. Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie. Querschnittspezifische Dekubitusbehandlung und -prävention. AWMF-Leitlinie Nr. 179-008. Stand 2017. www.awmf.org
  7. Chou R, Dana T, Bougatsos C, et al. Pressure ulcer risk assessment and prevention: a systematic comparative effectiveness review. Ann Intern Med 2013 Jul 2;159(1):28-38. doi: 10.7326/0003-4819-159-1-201307020-00006. DOI
  8. National Pressure Ulcer Advisory Panel, European Pressure Ulcer Advisory Panel und Pan Pacific Pressure Injury Alliance. Prevention and Treatment of Pressure Ulcers: Quick Reference Guide. Emily Haesler (Hrsg.). Cambridge Media: Osborne Park, Western Australia; 2014. www.epuap.org
  9. Jäger C, Reiding K, Ledig T. Herausforderung komplexe Wunde – eine Übersicht über Wundauflagen. Deutscher Ärzte-Verlag. Z Allg Med .2012; 88 (7/8) www.online-zfa.de
  10. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 2005 · 48:1061–1080 DOI 10.1007/s00103-005-1126-2 © Springer Medizin Verlag 2005 www.rki.de
  11. Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF. Händedesinfektion und Händehygiene. AWMF-Leitlinie Nr. 029 - 027. Stand 2016. www.awmf.org
  12. Schülke & Mayr GmbH: Wichtige Information zur Arzneimittelsicherheit von Octenisept: Ödematöse Schwellungen und Gewebeschädigungen nach Einbringen unter Druck in Stichwunden bei handchirurgischen Eingriffen. Rote-Hand-Brief vom 7. Februar 2008. www.akdae.de
  13. Dumville JC, Stubbs N, Keogh SJ, et al. Hydrogel dressings for treating pressure ulcers. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Feb 17;2:CD011226. Cochrane (DOI)
  14. BVMed - Bundesverband Medizintechnologie e.V. Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgungsstruktur für Menschen mit chronischen Wunden in Deutschland. Stand 2019 www.bvmed.de
  15. Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie. Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. S. 175 ff. AWMF-Leitlinie 082-006. S2k, Stand 2017. www.awmf.org
  16. Bergstrom N, Horn S D, Rapp M. Preventing Pressure Ulcers: A Multisite Randomized Controlled Trial in Nursing Homes. Ont Health Technol Assess Ser. 2014; 14(11): 1–32. www.ncbi.nlm.nih.gov
  17. Deutsche Dekubitusliga; der DDL-Leitfaden; Kapitel 4.3, 2009 www.deutsche-dekubitusliga.de. www.deutsche-dekubitusliga.de
  18. Kirman CN. Pressure ulcers and wound care. Medscape, last updated Apr 01, 2020 emedicine.medscape.com