Bypass-Operation des Herzens (Koronararterien-Bypass)

Bei einer Bypass-Operation (Koronararterien-Bypass) wird der Brustkorb geöffnet und ein oder mehrere Blutgefäße eingesetzt, um verengte Herzkranzgefäße zu umgehen. Diese Blutgefäße werden vorher an einer anderen Stelle des Körpers entnommen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Koronare Herzkrankheit

Das Herz ist ein starker Muskel, der das Blut durch den Körper pumpt. Da dieser Muskel ununterbrochen arbeitet, benötigt er eine kontinuierliche Zufuhr von Sauerstoff und Nährstoffen. Diese Versorgung wird durch das Blut gewährleistet, welches durch die Herzkranzgefäße (Koronararterien) zum Herzmuskel gelangt. Zwei Herzkranzgefäße entspringen vom ersten Teil der Hauptschlagader. Das linke Gefäß teilt sich kurz nach dem Abgang in zwei Gefäße auf. Diese drei Koronararterien versorgen nahezu das gesamte Herz mit Blut, indem sie sich weiter in kleinere Äste aufzweigen. 

Im Laufe des Lebens kommt es bei vielen Menschen in westlichen Ländern im Rahmen einer Arteriosklerose zu Fettablagerungen und Entzündungen in den Gefäßwänden. Derartige Fettablagerungen, auch Plaque genannt, können den Blutfluss durch die Gefäße behindern. Betrifft die Arteriosklerose die Herzkranzgefäße spricht man von einer koronaren Herzkrankheit. Durch die Einengung der Gefäß kommt es zu einer Unterversorgung von Teilen des Herzmuskels mit Sauerstoff und Nährstoffen. Dies kann Beschwerden in Form von anfallsartigen Brustschmerzen, Angina pectoris (Brustenge) genannt, verursachen. Bei einem Herzinfarkt wird ein Herzkranzgefäß durch ein Blutgerinnsel vollständig verschlossen - das dahinter liegende Herzmuskelgewebe droht abzusterben.

Angina pectoris Beschwerden durch Einengung eines Herzkranzgefäßes
Angina pectoris Beschwerden durch Einengung eines Herzkranzgefäßes

Koronararterien-Bypass

Eine Behandlungsmöglichkeit bei fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit stellt die Koronararterien-Bypass-Operation (engl. bypass = Umleitung, Umgehung) dar. Hierbei wird ein Blutgefäß aus dem Bein oder Brustkorb zum Herzen verpflanzt, um die Engstelle des Herzkranzgefäßes zu überbrücken. Eine solche Operation wird nur in Erwägung gezogen, wenn sich bei einer Herzkatheter-Untersuchungen massive Verengungen in einem oder mehreren Herzkranzgefäßen gezeigt haben.

Ablauf der Operation

Der Koronararterien-Bypass ist ein großer Eingriff, der unter Narkose erfolgt. Zunächst wird das Brustbein eröffnet, um Zugang zum Herzen zu bekommen. Gleichzeitig zur Eröffnung des Brustkorbs erfolgt die Entnahme des zu verpflanzenden Blutgefäßes. Dieses wird anschließend mit einem Ende an die Hauptschlagader (Aorta) angenäht und mit dem anderen Ende mit dem Herzkranzgefäß hinter der Engstelle verbunden. In vielen Fällen werden mehrere neuen Blutgefäße verpflanzt. Während der Operation wird das Herz meist in einen künstlichen Stillstand versetzt und seine Funktion durch eine sogenannte Herz-Lungen-Maschine übernommen.

Herz mit Bypässen der linken und rechten Koronararterie
Herz mit Bypässen der linken und rechten Koronararterie

Der Patient kann meist etwa eine Woche nach der Operation aus dem Krankenhaus entlassen werden. Häufig schließt sich eine Rehabilitation an, in welcher der Patient wieder trainiert.

Nach der Operation

Auch die neu verpflanzten Gefäße können sich wieder verschließen. Um dies zu verhindern, wird empfohlen lebenslang sogenannte Plättchenhemmer wie Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin) einzunehmen. Darüber hinaus wirken sich Betablocker und Cholesterin-senkende Medikamente wie Statine positiv auf den Verlauf der koronaren Herzerkrankung aus.

Vor- und Nachteile der Bypass-Operation

Eine Bypass-Operation ist derzeit der einzige Eingriff, der die Lebenserwartung eines Patienten mit koronarer Herzkrankheit verbessern kann. Insbesondere bei Patienten mit Diabetes mellitus kann sie die Prognose verbessern. Bei manchen Patienten können so Herzinfarkte verhindert werden. Darüber hinaus lindert eine solche Operation bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten die Beschwerden. 

Allerdings handelt es sich um eine große Operation mit den entsprechenden Gefahren: Es kann zu Blutungen und Infektionen kommen, Wunden können schlecht heilen, Schmerzen auftreten und Patienten können bei der Operation Schlaganfälle erleiden. Auch ist die Rehabilitation und der Weg zurück in den Alltag oft langwierig. 

Alternativen

In den letzten Jahren hat die Zahl der Bypass-Operationen in Deutschland zugunsten von Herzkatheter-Eingriffen abgenommen. Hierbei führt man einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) in ein Blutgefäß der Leiste oder des Handgelenks ein. Dieser wird bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Das verengte Blutgefäß wird durch Aufblasen eines Ballons geweitet. Meist setzt man auch ein Röhrchen aus Drahtgeflecht, den sogenannten Stent, in das Gefäß ein, um es dauerhaft offenzuhalten. Der Eingriff erfolgt mit lokaler Betäubung an der Einstichstelle, während der Patient bei Bewusstsein ist.

Ballondilatation mit Stent Einsatz
Ballondilatation mit Stent Einsatz

Durch Erweiterung der Herzkranzgefäße mit Herzkatheter können Beschwerden gelindert werden, allerdings seltener als durch eine Bypass-Operation. Bisher konnte jedoch nicht bewiesen werden, dass das Einsetzen eines Stents auch die Lebenserwartung verbessert oder Herzinfarkte verhindert. Nebenwirkungen sind bei Herzkatheter-Eingriffen seltener als bei Bypass-Operationen.

Ein Kardiologe kann individuelle Ratschläge zur jeweils besten Behandlungsform geben. Auch informiert eine Patientenbroschüre der Nationalen VersorgungsLeitlinie über die Vor- und Nachteile beider Behandlungsmethoden (s. u.).

Weitere Informationen

Autoren

  • Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Bypass. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Herzchirurgische Eingriffe, letzter Zugriff 21.3.17. www.dgthg.de
  2. European Society of Cardiology and the European Association for Cardio-Thoracic Surgery. Guidelines on myocardial revascularization, Stand 2014. www.escardio.org
  3. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK, Stand 2015. www.awmf.org
  4. Fitzgibbon GM, Kafka HP, Leach AJ, Keon WJ, Hooper GD, Burton JR. Coronary bypass graft fate and patient outcome: angiographic follow-up of 5,065 grafts related to survival and reoperation in 1388 patients during 25 years. J Am Coll Cardiol 1996; 28: 616 - 26. PubMed
  5. Campeau L, Enjalbert M, Lesperance J, Vaislic C, Grondin CM, Bourassa MG. Atherosclerosis and late closure of aortocoronary saphenous vein grafts: sequential angiographic studies at 2 weeks, 1 year, 5 to 7 years, and 10 to 12 years after surgery. Circulation 1983; 68: II1-7. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Shahian DM, O'Brien SM, Sheng S, et al. Predictors of long-term survival after coronary artery bypass grafting surgery: results from the Society of Thoracic Surgeons Adult Cardiac Surgery Database (the ASCERT study). Circulation 2012; 125:1491. Circulation
  7. Wu C, Camacho FT, Wechsler AS, et al. Risk score for predicting long-term mortality after coronary artery bypass graft surgery. Circulation 2012; 125:2423. Circulation
  8. Gorenoi V, Schonermark MP, Hagen A. Perkutane Koronarinterventionen zusätzlich zur optimalen medikamentösen Therapie bei stabiler Angina Pectoris. GMS Health Technol Assess 2011;7:Doc07. www.egms.de
  9. Thomas S, Gokhale R, Boden WE, et al. A meta-analysis of randomized controlled trials comparing percutaneous coronary intervention with medical therapy in stable angina pectoris. Can J Cardiol 2013;29(4):472-82. www.ncbi.nlm.nih.gov
  10. Stergiopoulos K, Boden WE, Hartigan P, et al. Percutaneous Coronary Intervention Outcomes in Patients With Stable Obstructive Coronary Artery Disease and Myocardial Ischemia: A Collaborative Meta-analysis of Contemporary Randomized Clinical Trials. JAMA Intern Med 2014;174(2):232-40. www.ncbi.nlm.nih.gov
  11. Pursnani S, Korley F, Gopaul R, et al. Percutaneous coronary intervention versus optimal medical therapy in stable coronary artery disease: a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Circ Cardiovasc Interv 2012;5(4):476-90. www.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Stergiopoulos K, Brown DL. Initial coronary stent implantation with medical therapy vs medical therapy alone for stable coronary artery disease: meta-analysis of randomized controlled trials. Arch Intern Med 2012;172(4):312-9. www.ncbi.nlm.nih.gov
  13. Jeremias A, Kaul S, Rosengart TK, et al. The impact of revascularization on mortality in patients with nonacute coronary artery disease. Am J Med 2009;122(2):152-61. www.ncbi.nlm.nih.gov
  14. Yusuf S, Zucker D, Peduzzi P, et al. Effect of coronary artery bypass graft surgery on survival: overview of 10-year results from randomised trials by the Coronary Artery Bypass Graft Surgery Trialists Collaboration. Lancet 1994;344(8922):563-70. www.ncbi.nlm.nih.gov
  15. Kapoor JR, Gienger AL, Ardehali R, et al. Isolated disease of the proximal left anterior descending artery comparing the effectiveness of percutaneous coronary interventions and coronary artery bypass surgery. JACC Cardiovasc Interv 2008;1(5):483-91. www.ncbi.nlm.nih.gov
  16. Aziz O, Rao C, Panesar SS, et al. Meta-analysis of minimally invasive internal thoracic artery bypass versus percutaneous revascularisation for isolated lesions of the left anterior descending artery. BMJ 2007;334(7594):617. www.ncbi.nlm.nih.gov
  17. Kapur A, Hall RJ, Malik IS, et al. Randomized comparison of percutaneous coronary intervention with coronary artery bypass grafting in diabetic patients. 1-year results of the CARDia (Coronary Artery Revascularization in Diabetes) trial. Journal of the American College of Cardiology 2010;55(5):432-40. id.elsevier.com
  18. Li X, Kong M, Jiang D, et al. Comparing coronary artery bypass grafting with drug-eluting stenting in patients with diabetes mellitus and multivessel coronary artery disease: a meta-analysis. Interact Cardiovasc Thorac Surg 2014;18(3):347-54 www.ncbi.nlm.nih.gov
  19. Yusuf S, Zucker D, Peduzzi P, Fisher LD, Takaro T, Kennedy JW et al. Effect of coronary artery bypass graft surgery on survival: overview of 10-year results from randomised trials by the Coronary Artery Bypass Graft Surgery Trialists Collaboration. Lancet 1994; 344: 563 - 70. PubMed
  20. Veldkamp RF, Valk SD, van Domburg RT, van Herwerden LA, Meeter K. Mortality and repeat interventions up until 20 years after aorto-coronary bypass surgery with saphenous vein grafts. A follow-up study of 1041 patients. Eur Heart J 2000; 21: 747 - 53. European Heart Journal
  21. Cameron A, Kemp HG, Green GE. Bypass surgery with the internal mammary artery graft: 15 year followup. Circulation 1986; 74 (suppl 3): 30-6. www.ncbi.nlm.nih.gov
  22. Wilson YG. Vein quality in infrainguinal revascularisation: assessment by angioscopy and histology. Ann R Coll Surg Engl 1998; 80: 3 - 15. PubMed
  23. Steen S. Preservation of the endothelium in cardiovascular surgery - some practical suggestions - a review. Scand Cardiovasc J 2001; 35: 297 - 301. PubMed
  24. Bourassa MG, Campeau L, Lesperance J. Changes in grafts and coronary arteries after coronary bypass surgery. Cardiovasc Clin 1991; 21: 83 - 100. PubMed
  25. Maniar HS, Sundt TM, Barner HB, Prasad SM, Peterson L, Absi T et al. Effect of target stenosis and location on radial artery graft patency. J Thorac Cardiovasc Surg 2002; 123: 45 - 52. PubMed
  26. Endo M, Nishida H, Tomizawa Y, Kasanuki H. Benefit of bilateral over single internal mammay artery grafts for multiple coronary artery bypass grafting. Circulation 2001; 104: 2164 - 70. Circulation
  27. Lytle BW, Loop FD. Superiority of bilateral internal thoracic artery grafting. It's been a long time comin'. Circulation 2001; 104: 2152 - 4. Circulation
  28. Loop FD, Lytle BW, Cosgrove DM, Stewart RW, Coormastic M, Williams GW, et al. Influence of the internal-mammary-artery graft on 10-year survival and other cardiac events. N Engl J Med 1986; 314: 1 - 6. PubMed