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Ratschläge zum Krafttraining bei Herzkrankheiten

Es gibt viele gute Gründe, warum Herzpatienten Krafttraining betreiben sollten – jedoch mit einigen Ausnahmen.

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Gemäß einer Empfehlung, die in der Fachzeitschrift Circulation1 veröffentlicht wurde, gibt es für Herzpatienten viele gute Gründe, Krafttraining zu betreiben – jedoch mit einigen Ausnahmen. In diesem Artikel betrachten wir einige der Effekte, die Krafttraining auf die Herzgesundheit hat und erörtern, wer solche Trainingsformen vermeiden sollte.

Reduzierte Muskelmasse und wenig körperliche Aktivität tragen zur Erhöhung des Risikos für Übergewicht, Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, einen erhöhten Cholesterinspiegel und Bluthochdruck bei. Der Grundumsatz ist abhängig von der Muskelmasse. Mehr Muskelmasse kann daher viele der Risikofaktoren für Herz- und Gefäßerkrankungen reduzieren. Studien zeigen, dass eine erhöhte Muskelkraft dem Tod durch alle Ursachen und Vorkommen von metabolischem Syndrom vorbeugt – unabhängig davon, wie gut die Kondition ist. Die Erkenntnisse, welche zeigen, dass Krafttraining das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen reduziert, sind jedoch zweideutig.

Senkung des Blutdrucks

Laut der Empfehlung beeinflusst Krafttraining nicht die Fähigkeit des Herzens, Blut zu pumpen. Zwei Metaanalysen ergaben, dass Krafttraining den Blutdruck um ca. 2 bis 4 Prozent senkt. Auch wenn diese Senkung gering erscheinen mag, kann sie das Sterberisiko aufgrund einer Herzerkrankung um 5 bis 9 Prozent, die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, um 8 bis 14 Prozent und das allgemeine, von der Ursache unabhängige Sterberisiko um 4 Prozent verringern.

Auch wenn Krafttraining keine große konditionelle Belastung darstellt, haben einige Studien gezeigt, dass es zu einer mäßigen Erhöhung der maximalen Sauerstoffaufnahme und zu einer Senkung von Puls und Blutdruck führt.

Patienten mit Herzfehlern wurde bisher üblicherweise empfohlen, Krafttraining zu vermeiden. Der Grund hierfür war die Befürchtung, dass dies zu einer weiteren Schwächung der linken Herzkammer und zu damit verbundenen, potenziell negativen Ereignissen führen könnte. Nun deutet einiges darauf hin, dass Krafttraining ruhig als Teil des Rehabilitationsprogramms für Herzpatienten verwendet werden kann, auch wenn noch weitere Forschungen zu diesem Thema notwendig sind.

Besonders günstig für Patienten mit Funktionsstörungen

In Studien mit gesunden Erwachsenen und Herzpatienten mit geringem Risiko konnten keine negativen Effekte durch das Krafttraining festgestellt werden. Diese Trainingsvariante scheint auch für Patientin mit hohem Blutdruck, die durch eine Behandlung gut eingestellt sind, sicher zu sein.

Durch die Einführung von Krafttraining als Teil der Rehabilitation für Herz- und Gefäßpatienten zeigen Studien, dass dieses Training die Muskelkraft und Ausdauer erhöht. Patienten mit Herz- und Gefäßerkrankungen verbessern ihre Kraft um 24–90 Prozent und die Ausdauer beim Gehen um 15 Prozent. Egal ob man mit hoher oder mäßiger Intensität trainiert, ist die Kraftzunahme gut. Krafttraining ist besonders günstig für Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung körperlich beeinträchtigt sind. Sowohl für Frauen als auch Männer, die bereits Herz- und Gefäßerkrankungen hatten, derzeit aber keine Beschwerden wie Angina oder Herzinsuffizienz haben, sind Krafttraining und Fitnesstests unbedenklich, wenn sie an einem Rehabilitationsprogramm mit professionellen Trainern teilnehmen.

Ratschläge zum Krafttraining bei Herzkrankheiten

  • Wenn Sie bisher noch kein moderates Krafttraining betrieben haben, sollten Sie nicht mit intensivem Krafttraining beginnen – unabhängig von Alter, Gesundheitszustand oder dem sonstigen Fitnesszustand.
  • Bei Unbehagen in der Brust oder (ungewöhnlicher) Kurzatmigkeit während des Krafttrainings sollten Sie das Training abbrechen und medizinischen Rat suchen.
  • Falls bei Ihnen Einschränkungen des Bewegungsapparates vorliegen, Sie unter fortgeschrittener Gicht, schwerer Osteoporose, Neuropathie oder neurologischen Folgeschäden aufgrund eines vorangegangenen Schlaganfalls leiden, besteht bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für körperliche Komplikationen durch Krafttraining. Sie können jedoch trotzdem enorm vom Krafttraining profitieren und Sie sollten nicht automatisch auf solche Aktivitäten verzichten.
  • Wenn Sie vor Kurzem einen Schlaganfall hatten und/oder sich aufgrund verengter Koronararterien einer Herz-OP oder anderen chirurgischen Eingriffen am offenen Herzen unterziehen mussten, sollten Sie das Krafttraining am besten innerhalb eines überwachten Herzrehabilitationsprogramms durchführen.
  • Für Herzpatienten, ältere, schwache und untrainierte Menschen sind Fitnessgeräte besser geeignet als das Training mit freien Gewichten. Fragen Sie einen Trainer oder Physiotherapeuten um Rat, damit Sie lernen, die Übungen korrekt auszuführen, die Geräte für Sie richtig eingestellt werden, Sie beraten werden, welche Übungen für Sie geeignet sind und sie außerdem die notwendige fachliche Begleitung erhalten.
  • Gesunden Menschen wird üblicherweise empfohlen, bei jeder Krafttrainingseinheit 3–4 Durchgänge und innerhalb jedes Durchgangs 8–12 Wiederholungen zu absolvieren. Personen mit Herz- und Gefäßerkrankungen sollten die Intensität reduzieren und dafür eher die Anzahl der Wiederholungen erhöhen. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass man die Luft anhält und sich überanstrengt.
  • Bei allen Formen von Krafttraining sollten die Teilnehmer einen sicheren, jedoch nicht zu festen Griff um die Gewichte haben, um einem zu stark erhöhten Blutdruck vorzubeugen.
  • Sie sollten absolut kein Krafttraining betreiben, wenn Sie eine instabile Angina Pectoris, eine Herzinsuffizienz, Herzarrythmie, Herzklappeninsuffizienz, akute Herzmuskelentzündung, Endokarditis, Perikarditis oder einen schlecht eingestellten, zu hohen Blutdruck haben. Krafttraining mit hoher Intensität sollte ebenfalls nicht betrieben werden, wenn Sie an bestimmten Augenkrankheiten leiden (Retinopathie und diabetische Retinopathie).

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Literatur

  1. Williams MA, Haskell WL, Ades PA, Amsterdam EA, Bittner V, Franklin BA, Gulanick M, Laing ST, Stewart KJ. Resistance exercise in individuals with and without cardiovascular disease. Circulation 2007; 116: 572-84. PubMed

 

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln