Aortenaneurysma

Bei einem Aortenaneurysma ist die Gefäßwand der Hauptschlagader (Aorta) in einem begrenzten Abschnitt aufgedehnt bzw. erweitert. Bei recht großen Aneurysmen besteht eine erhöhte Gefahr einer lebensbedrohlichen Blutung, weil die Gefäßwand einreißen kann.

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Was ist ein Aortenaneurysma?

Bauchaortenaneurysma

Bei einem Aortenaneurysma ist die Gefäßwand der Hauptschlagader (Aorta) des Körpers im Bauchraum in einem begrenzten Abschnitt aufgedehnt bzw. erweitert. Der ausgeweitete Bereich muss laut Definition dabei mindestens 1,5-mal breiter als der angrenzende normale Bereich der Aorta sein. Konkret bedeutet das eine Ausweitung der Hauptschlagader in der Bauchhöhle auf mehr als 3 cm. Das Aneurysma kann spindel- oder sackförmig ausgeprägt sein.

Die Angaben zur Häufigkeit dieser Erkrankung sind unsicher. Es gibt höchstwahrscheinlich eine Dunkelziffer durch plötzliche Todesfälle, die auf den Riss eines nicht diagnostizierten Aortenaneurysmas zurückzuführen sind. Laut Schätzungen leiden etwa 2 % der über 50-Jährigen an einem Aortenaneurysma. Männer sind etwa 5-mal so häufig betroffen wie Frauen.

Ursache

Eine Arteriosklerose oder Gewebsveränderungen, die die Gefäßwand schwächen, sind wichtige Ursachen. Risikofaktoren für die Ausbildung eines Aneurysmas sind andere Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck und vor allem Rauchen sowie eine familiäre Vorgeschichte mit Bauchaortenaneurysmen. Seltenere beitragende Faktoren sind Verletzungen, Gefäßentzündungen, Syphilis und Bindegewebserkrankungen.

Grundsätzlich wird zwischen einem Aneurysma der Aorta im Bereich des Brustkorbs (thorakal) und einem Aneurysma der Aorta im Bauchraum (abdominal) unterschieden. Bauchaortenaneurysmen sind häufiger.

Symptome und Diagnostik

Eine Ultraschalluntersuchung der Aorta wird allen Männern ab dem 65. Lebensjahr als Vorsorgeuntersuchung empfohlen. Die Kosten dieser Untersuchung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Die meisten Aneurysmen sind normalerweise symptomlos, falls sie sich nicht rasch ausweiten oder reißen. Beschwerden können aber auf dem Druck beruhen, den das Aneurysma auf die umgebenden Strukturen ausübt. So kann ein Bauchaortenaneurysma zu Rücken- und Bauchschmerzen führen, die häufig lange anhalten. Manchmal kommt es zu Schmerzen in der Leiste oder im Bein, weil sich kleine Blutgerinnsel vom Aneurysma lösen und im Blut zu den unteren Extremitäten mitgenommen werden und dort die kleine Gefäße verstopfen. Ein Aneurysma im Brustanteil der Aorta kann zu Brustschmerzen oder zu Symptomen führen, die durch den Druck gegen die Speiseröhre, den Stimmbandnerv oder die großen Hohlvenen bedingt sind. Infolgedessen kommt es möglicherweise durch zusammengedrückte Atemwege oder Bronchien zu blutigem Husten oder zu Heiserkeit durch den Druck auf den Stimmbandnerv auf der linken Seite.

Ein Bauchaortenaneurysma kann zufälligerweise als pulsierende Geschwulst im Bauch entdeckt werden. Ein schnell wachsendes Aneurysma kann zu Bauchschmerzen führen. Ein Aneurysma im Brustanteil der Aorta ist meist ein Zufallsbefund bei einer radiologischen Diagnostik des Brustkorbs.

Ein Ultraschalluntersuchung kann die Größe und Ausdehnung des Aneurysmas zeigen. Vor allem Bauchaortenaneurysmen sind im Ultraschall deutlich zu erkennen. Die Untersuchung dient auch zur Kontrolle, ob es eventuell zu einer Zunahme gekommen ist. Mit einer Computertomografie (CT) ist eine präzise Messung möglich. Sie zeigt die genauen anatomischen Gegebenheiten und ist daher eine mögliche Alternative zur Ultraschalluntersuchung. Vor einer möglichen Operation ist möglicherweise auch eine Röntgenuntersuchung der Aorta mit einem Kontrastmittel zu empfehlen.

Falls ein Aortenaneurysma reißt, kommt es akut zu heftigen Schmerzen und meist Schock des Betroffenen, es besteht wegen der starken Blutung Lebensgefahr. Die Mehrheit der betroffenen Patienten stirbt an einer solchen Blutung.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung einer normal funktionierenden Aorta, falls die Gefahr eines Risses besteht. Dies ist in der Regel der Fall, wenn ein Bauchaortenaneurysma breiter als 5,0–5,5 cm (bei Frauen weniger) ist oder wenn es sich recht schnell ausdehnt (>1 cm/Jahr). Auch wenn das  Aneurysma zu Beschwerden führt, wird meist eine Therapie empfohlen. Wenn das Aneurysma bereits gerissen ist, muss sofort in einer Notfalloperation versucht werden, das Leben des Patienten zu retten.

Bauchaortenaneurysma

Die Behandlung besteht in einer Operation, die entweder durch Verstärkung des Gefäßes von innen oder als offener gefäßchirurgischer Eingriff erfolgt. Bei einer offenen Operation wird der zerstörte Teil der Aorta entfernt und durch ein künstliches Gefäß, eine sogenannte Gefäßprothese, ersetzt. Einige Aneurysmen lassen sich durch eine Verstärkung von innen mit einem sogenannten Stent behandeln, der über ein Gefäß in der Leiste vorgeschoben und dann eingesetzt wird. Ob eine solche Stent-Behandlung möglich ist, ist abhängig von der Ausformung des Aneurysmas, von der Lokalisation und der Erfahrung des Krankenhauses mit diesem Operationsverfahren.

Beide Verfahren können auch bei einer Undichtigkeit oder einer Rissbildung des Aneurysmas zum Einsatz kommen. Weitere Gründe für eine operative Behandlung können Schmerzen, eine Blockierung des Harnabflusses im Harnleiter infolge des Aneurysmas oder ein Blutgerinnsel sein, das vom Aneurysma abgegangen ist. Wenn bei Kontrollen festgestellt wird, dass das Aneurysma wächst (mehr als 1 cm pro Jahr) oder dass seine Größe 5,5 cm überschreitet, ist auch dies ein Grund für eine Operation. Es handelt sich um große, umfassende Eingriffe mit hohem Risiko für Komplikationen. Die folgenden Faktoren sprechen aufgrund des hohen Komplikationsrisikos eher gegen eine operative Behandlung: ein Herzinfarkt in den letzten sechs Monaten, Herzinsuffizienz, Lungeninsuffizienz mit Schweratmigkeit in Ruhe, Krebserkrankungen mit geringer Überlebenschance und Nierenversagen.

Ein Aortenaneurysma ist bei den meisten Betroffenen ein Anzeichen dafür, dass auch Blutgefäße in anderen Bereichen des Körpers durch Arteriosklerose geschädigt sind. Daher ist es sehr wichtig, diese zunehmende Verengung der Gefäße mit allen verfügbaren Mitteln zu bremsen. Das bedeutet unter anderem, dass es besonders wichtig ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Dies ist nicht nur wichtig, um die weitere Entwicklung der Erkrankung positiv zu beeinflussen, sondern auch, um den Körper in Hinsicht auf eine mögliche Operation zu stärken. Außerdem ist eine cholesterinsenkende Behandlung, eine sorgfältige Blutdrucktherapie bei erhöhtem Blutdruck und eine Behandlung mit Blutverdünnern zu empfehlen.

Prognose

Ein Aortenaneurysma kann über das gesamte Leben symptomfrei bleiben. Große Aneurysmen, die sich weiter ausweiten, können aber mit der Zeit zu Symptomen wie Schmerzen im Rücken/Oberbauch oder zu Symptomen führen, die darauf beruhen, dass die großen Hohlvenen des Körpers, die Speiseröhre oder die Luftröhre zusammengedrückt werden. Wenn das Aneurysma größer wird, kommt es oft zu einem Riss, und die dadurch entstehende Blutung ist akut lebensgefährlich.

Die Langzeitprognose beruht auf der Größe und der Lokalisation des Aneurysmas. Bei einem Bauchaortenaneursyma unter 5 cm Ausdehnung besteht keine sehr große Gefahr, dass es reißt. Größere abdominale Aneurysmen gehen mit einem höheren Risiko einher, bei einer Ausdehnung >7 cm reißen statistisch gesehen 3 von 4 Aneurysmen innerhalb von 5 Jahren. Bei einem Aortenaneurysma im Bereich des Brustkorbs besteht eine deutlich erhöhte Rupturgefahr ab einer Ausdehnung von 6 cm. Mit einem erfolgreich operierten Aneurysma bestehen die gleichen Überlebenschancen wie in der Normalbevölkerung, vorausgesetzt, dass die Patienten nicht gleichzeitig unter anderen schweren Krankheiten leiden.

Komplikationen eines Aneurysmas sind lebensbedrohliche Blutungen, unzureichende Blutzufuhr zu anderen Brust- und Bauchorganen (Herz, Niere, Darm) oder auch Schlaganfall. Komplikationen bei einer Operation sind u. a. Blutgerinnsel, Durchblutungsstörungen, eine Infektion der Gefäßprothese, Narbenbrüche und Undichtigkeiten der Gefäßprothese. Da es sich in der Regel um eine komplizierte Operation handelt, ist auch das Sterberisiko im Vergleich zu anderen Eingriffen relativ hoch. 

Hinweise für Patienten

Patienten mit einem Aortenaneurysma sollten schweres Heben und Krafttraining meiden, mäßig anstrengender Ausdauersport ist jedoch erlaubt. Rauchen ist ein starker Risikofaktor: Insbesondere Personen, deren enge Verwandte an Gefäßkrankheiten leiden, sollten nicht rauchen. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Aortenaneurysma. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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