Krampfadern

Krampfadern (Varizen) sind erweiterte oberflächlich Venen (Blutgefäße) der Beine. Sie sind meist harmlos, können jedoch als kosmetisch störend empfunden werden.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was sind Krampfadern?

Krampfadern sind ausgeweitete Blutgefäße (Venen) direkt unter der Haut, die besonders häufig an den Beinen und der Innenseite der Oberschenkel auftreten. Die Gefäße verlaufen meist geschlängelt und bilden Knäuel. Fachsprachlich werden Krampfadern als Varizen bezeichnet. Krampfadern gelten als ungefährliche Erscheinung, die meist keiner Behandlung bedürfen. Sie können allerdings leichte Beschwerden wie ein Schweregefühl in den Beinen und Krämpfe hervorrufen. Darüber hinaus werden sie häufig als kosmetisch unangenehm empfunden. 

Krampfadern sind häufig und treten bei 10–20 % aller Männer und 25–35 % aller Frauen auf. Frauen suchen häufiger als Männer ärztliche Hilfe aufgrund von Krampfadern, daher werden Krampfadern auch in der Öffentlichkeit eher mit Frauen verbunden. Das Alter beim ersten Auftreten variiert: Bei manchen Betroffenen entwickeln sich bereits im Jugendalter Krampfadern, allerdings steigt die Häufigkeit deutlich mit dem Alter.

Ursache

Venen sind Blutgefäße, die das Blut aus den verschiedenen Geweben des Körpers zurück zum Herzen leiten. Venen enthalten Klappen, die wie Ventile funktionieren. Mit diesen Klappen soll sichergestellt werden, dass das Blut nur in eine Richtung, nämlich zum Herzen, strömen kann. Besonders wichtig sind diese in den Beinvenen, da das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen fließen muss. Sind die Venenklappen defekt, strömt Blut in die Gegenrichtung und sammelt sich in den Beinvenen. In der Folge erhöht sich der Druck in den Venen, sie weiten sich aus, werden überdehnt und sind leichter zu erkennen.

Venen in den Beinen
Venen in den Beinen

Manche Personen neigen eher zur Ausbildung von Krampfadern. Dazu können mehrere Faktoren beitragen.

  • Die Anlage kann erblich bedingt sein. Häufig haben bereits mehrere Personen in der Familie Krampfadern.
  • Frauen entwickeln häufig während der Schwangerschaft Krampfadern.
  • Ausgedehntes Stehen erhöht den Druck in den Beinvenen und kann so zu Krampfadern führen.
  • Auch starkes Übergewicht begünstigt die Entwicklung von Krampfadern.

Krampfadern können zu oberflächlichen Gefäßentzündungen, zur Entwicklung von Ausschlägen und zu Wunden an den Beinen beitragen. Das Risiko für schwere Komplikationen wie Blutgerinnsel in den Beinen (tiefe Venenthrombose) ist gering.

Symptome

Krampfadern sind vor allem ein kosmetisches Problem, was auch die Hauptursache für den Besuch beim Arzt ist. Manche Betroffene haben auch Sorgen vor Komplikationen, die aber nur äußerst selten auftreten.

Bei einigen Patienten verursachen Krampfadern aber auch Beschwerden. Manche Betroffene haben das Gefühl, dass die Beine besonders schwer sind, insbesondere beim Stehen. Die Beschwerden sind häufig am Ende des Tages und bei warmem Wetter stärker und werden durch Hochlegen der Beine gelindert. Manche Betroffene entwickeln Ausschläge, Juckreiz oder Wadenkrämpfe. Kleine Blutungen aus den Krampfadern können zu einer Verfärbung der Haut an den Beinen führen. Krampfadern können dazu beitragen, dass Wunden an den Beinen schlecht heilen.

Diagnostik

Die Diagnose kann durch das typische Bild der sich schlängelnden Venen an Füßen, Beinen und möglicherweise Oberschenkeln gestellt werden. Soll das genaue Ausmaß bestimmt werden, beispielsweise vor einer Operation, so ist eine Ultraschall Untersuchung die Methode der Wahl.

Typisch geschlängelte Krampfadern
Typisch geschlängelte Krampfadern

Therapie

Krampfadern sind ungefährlich. Daher ist in den meisten Fällen keine Behandlung nötig. Nur sehr wenige Betroffene entwickeln Wunden an den Beinen oder andere Komplikationen. 

Sie können selbst Maßnahmen ergreifen, um mögliche Beschwerden zu lindern. Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen - günstiger ist laufen oder Radfahren. Beim Sitzen kann es helfen, die Beine hochzulagern. Elastische Strümpfe (Kompressionsstrümpfe) drücken die Gefäße zusammen und verhindern so einen Blutstau in den Beinen. Falls Sie unter Übergewicht leider kann es helfen, Gewicht abzunehmen. Bei Ekzemen oder Wunden an den Beinen sollten Sie einen Arzt aufsuchen um eine korrekte Behandlung sicherzustellen.

Eine chirurgische Behandlung der Krampfadern kann dann angezeigt sein, wenn Sie starke Beschwerden haben oder die Neigung zur Bildung von Hautwunden besteht. Auch kosmetisch störende Krampfadern können ein Anlass für eine Operation sein.

Bei der klassischen Operation werden die oberflächlichen Blutgefäße dadurch entfernt, dass die Blutgefäße in der Leiste und an den Knöcheln geöffnet werden. Dann wird ein Draht durch das Blutgefäß geführt und das gesamte Blutgefäß herausgezogen („Stripping“). Der Nachteil dieses Eingriffs ist, dass es zu Blutergüssen mit bläulicher Verfärbung in dem Bereich kommt, aus dem die Vene herausgezogen wurde. Diese Blutergüsse verschwinden normalerweise innerhalb von zwei bis drei Wochen. Einige Patienten leiden aufgrund von Nervenschädigungen an Taubheitsgefühlen und Kribbeln in den Beinen. Es besteht immer ein Risiko, dass die Krampfadern nach einer solchen Operation wiederkommen, weil sich andere Venen ausdehnen. Diese neuen Krampfadern sind jedoch normalerweise kleiner als die ursprünglichen.

Statt Blutgefäße und Krampfadern chirurgisch zu entfernen, wird inzwischen immer häufiger ein Verfahren angewendet, bei dem das Gefäß von innen erhitzt und damit zerstört wird. Durch die Haut wird eine Sonde ins Blutgefäß eingeführt. Das Blutgefäß wird einer Wärmebehandlung unterzogen (mit elektromagnetischen Wellen wie Laser- oder Radiowellen), sodass sich das Gefäß zusammenzieht oder durch ein Gerinnsel verschlossen wird. Diese Behandlung kann, im Gegensatz zur klassischen Operation, unter lokaler Betäubung durchgeführt werden, und die Patienten leiden nach dem Eingriff nicht unter unangenehmen Blutungen unter der Haut. Die sonstigen Ergebnisse sind bislang ähnlich gut wie bei der klassischen Operation.

Verödung von Krampfadern mittels Laser
Verödung von Krampfadern mittels Laser

Es ist auch möglich, Krampfadern mit Injektionen, also dem Einspritzen von Substanzen, zu veröden. Diese Behandlung besteht in der Injektion einer lokal reizenden Substanz in flüssiger oder aufgeschäumter Form in die Vene. Dies führt dazu, dass die Krampfader zerstört wird und kollabiert. Dieses Verfahren ist zunächst ebenso effektiv wie eine Operation und eignet sich am besten für kleine Krampfadern. Allerdings zeigte sich in manchen Studien ein erneutes Auftreten von Krampfadern nach einigen Jahren. 

Prognose

Krampfadern sind in der Regel ungefährlich. Allerdings haben sie die Tendenz, über die Jahre größer zu werden und können Beschwerden zu verursachen. Bei etwa jedem fünften Patienten treten sie Jahre nach einer operativen Entfernung wieder auf.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Varizen, Beine. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Jones RH, Carek PJ. Management of varicose veins. Am Fam Physician 2008; 78: 1289-94. American Family Physician
  2. Campbell B. Varicose veins and their management. BMJ 2006; 333: 287-92. PubMed
  3. Callam MJ. Epidemiology of varicose veins. Br J Surg 1994; 81: 167-73. PubMed
  4. Bergan JJ, Sparks SR, Owens EL, Kumins NH. Growing the vascular surgical practice: venous disorders. Cardiovasc Surg 2001; 9: 431-5. PubMed
  5. Lee AJ, Evans CJ, Allan PL, Ruckley CV, Fowkes GFR. Lifestyle factors and the risk of varicose veins. J Clin Epidemiol 2003; 56: 171-9. PubMed
  6. Brand FN, Dannenberg AL, Abbott RD, et al. The epidemiology of varicose veins: the Framingham study. Am J Prev Med 1988; 4: 99-101. PubMed
  7. Sadick NS. Advances in the treatment of varicose veins: ambulatory phlebectomy, foam sclerotherapy, endovascular laser, and radiofrequency closure. Dermatol Clin 2005; 23: 443-55. PubMed
  8. Bergan JJ, Schmid-Schönbein GW, Smith PD, Nicolaides AN, Boisseau MR, Eklof B. Chronic venous disease. N Engl J Med 2006; 355: 488-98. New England Journal of Medicine
  9. Clarke GH, Vaskedis SN, Hobbs JT, Nicolaides AN. Venous wall function in the pathogenesis of varicose veins. Surgery 1992; 111: 402-8. Surgery
  10. Beebe-Dimmer JL, Pfeifer JR, Engle JS, Schottenfeld D. The epidemiology of chronic venous insufficiency and varicose veins. Ann Epidemiol 2005; 15: 175-84. PubMed
  11. Campbell WB, Decaluwe H, MacIntyre J, Thompson JF, Cowan AR. Most patents with varicose veins have fears or concerns about the future, in addition to their presenting symptoms. Eur J Vasc Endovasc Surg 2006; 31: 332-4. PubMed
  12. Teruya TH, Ballard JL. New approaches for the treatment of varicose veins. Surg Clin North Am 2004; 84: 1397-1417. PubMed
  13. Bradbury A, Evans C, Lee A, Rukley CV, Fowkes FGR. What are the symptoms of varicose veins? Edinburgh ven study cross sectional population survey. BMJ 1999; 318: 353-6 British Medical Journal
  14. Mercer KG, Scott DJA, Berridge DC. Preoperative duplex imaging is required before all operations on primary varicose veins. Br J Surg 1998; 85: 1495-7. PubMed
  15. Darke SG, Vetrivel S, Foy DMA, Smith S, Baker S. A comparison of duplex scanning and continuous wave Doppler in the assessment of primary and uncomplicated varicose veins. Eur J Vasc Endovasc Surg 1997; 14: 457-61. PubMed
  16. Smith JJ, Brown L, Greenhalgh R, Davies AH. Randomised Trial of Pre-operative Colur Duplex Marking in Primary Varicose Vein surgery: Outcome is not improved. Eur J Vasc Endovasc Surg 2002; 23: 336-43. PubMed
  17. Dwerryhouse S, Davies B, Harradine K, Earnsahw. Stripping the long saphenous vein reduces the rate of reoperation for recurrent varicose veins: five-year results of a randomized trial. Eur J Vasc Surg 1999; 29: 589-92. PubMed
  18. Rasmussen LH, Bjørn L, Lawaetz M et al. Randomized trial comparing endovenous laser ablation of the great saphenous vein with high ligation and stripping in patients with varicose veins: short-term results. J Vasc Surg 2007; 46: 308-15. PubMed
  19. Michaels JA, Brazier JE, Campbell WB, MacIntyre JB, Palfreyman SJ, Ratcliffe J. Randomised controlled trial comparing surgery with conservative treatment for uncomplicated varicose veins. Br J Surg 2006; 93: 175-81. PubMed
  20. Ratcliffe J, Brazier JE, Campbell WB, Palfreyman S, MacIntyre JB, Michaels JA. Cost effectiveness analysis of surgery versus conservative treatment for uncomplicated varicose veins in a randomised controlled trial. Br J Surg 2006; 93: 182-6. PubMed
  21. Brittenden J, Cotton SC, Elders A. A Randomized Trial Comparing Treatments for Varicose Veins. N Engl J Med 2014;371:1218-27. DOI: 10.1056/NEJMoa1400781. DOI
  22. Sam RC, Silverman SH, Bradbury AW. Review. Nerve Injuries and Varicose Vein Surgery. Eur J Vasc Endovasc Surg 2004; 27: 113-20. PubMed
  23. Dwerryhouse S, Davies B, Harradine K, Earnshaw JJ. Stripping the long saphenous vein reduces the rate of reoperation for recurrent varicose veins: five year results of a randomized trial. J Vasc Surg 1999; 29: 589-92. PubMed
  24. Rass K, Frings N, Glowacki P, et al. Comparable effectiveness of endovenous laser ablation and high ligation with stripping of the great saphenous vein. Arch Dermatol 2011; : doi:10/1001/archdermatol.2011.272.
  25. Lurie F, Creton D, Eklof B, Kabnick LS, Kistner RL, Pichot O, et al. Prospective randomized study of endovenous radiofrequency ablation (Closure procedure) versus ligation and vein stripping (EVOLVeS): two-year follow-up. Eur J Vasc Endovasc Surg 2005; 29: 67-73. PubMed
  26. Rautio T, Ohinmaa A, Perala J, Ohtonen P, Heikkinen T, Wiik H, et al. Endovenous obliteration versus conventional stripping operation in the treatment of primary varicose veins: a randomised controlled trial with comparison of the costs. J Vasc Surg 2002; 53: 958-65. PubMed
  27. Mundy L, Merlin TL, Fitridge RA, Hillier JE. Systematic review of endovenous laser treatment for varicose veins. Br J Surg 2005; 92: 1189-94. PubMed
  28. Bountouroglou DG, Azzam M, Kakkos SK, Pathmaraj M, Young P, Geroulakos G. Ultrasound-guided foam sclerotherapy combined with sapheno-femoral ligation compared to surgical treatment of varicose veins: early results of a randomised controlled clinical trial. Eur J Vasc Endovasc Surg 2006; 31: 93-100. PubMed
  29. Cabrera J, Cabrera J Jr, Garcia-Olmedo MA. Treatment of varicose long saphenous veins with sclerosant in microfoam form: long-term outcomes. Phlebology 2000; 15: 19-23. PubMed
  30. Tisi PV, Beverley C, Rees A. Injection sclerotherapy for varicose veins. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 4. Art. No.: CD001732. DOI: 10.1002/14651858.CD001732.pub2. DOI
  31. Deutsche Gesellschaft für Phlebologie. Sklerosierungsbehandlung der Varikose. AWMF-Leitlinie Nr. 037-015, Stand 2012 www.awmf.org