Arteriosklerose (Arterienverkalkung)

Arteriosklerose (auch Arterienverkalkung) tritt häufig bei Menschen in der westlichen Welt auf, insgesamt sind v. a. ältere Menschen betroffen. Die Folge sind Engstellen und verdickte Arterien oft an verschiedenen Stellen des Körpers, was zu unterschiedlichen Beschwerden führen kann. Neben gesunder Ernährung und viel Bewegung können Medikamente wirksam helfen, auch eine Gefäßoperation ist möglich.

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Arteriosklerose

Arterien

Als Arterien werden die Blutgefäße bezeichnet, in denen das sauerstoffreiche Blut vom Herzen aus in die Organe des Körpers strömt. In gesundem Zustand verfügen die Arterien über eine muskuläre und glatte Innenseite mit ausreichender Elastizität, um große Blutdruckänderungen abzufedern und einen freien kontinuierlichen Blutstrom über die Blutgefäße zu ermöglichen.

Atherosklerotische Plaque

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Manchmal bilden sich Ablagerungen an der Gefäßinnenwand von Arterien. Zu Ablagerungen kommt es vor allem an den Stellen, wo sich Arterien verzweigen oder die Gefäßwand vorgeschädigt ist. Eine solche Ablagerung aus Fettpartikeln und anderen Substanzen wird auch als Atherom bezeichnet. Bei der so genannten artherosklerotischen Plaque handelt es sich um eine große Menge von Atheromen. Die Plaquebildung setzt damit ein, dass sich Cholesterin in die Wand des Blutgefäßes „hineinfrisst“. Der Körper versucht, diese Schädigung zu reparieren. Gewebevernarbungen führen dann zu einer Verdickung und Versteifung der Gefäßwand und das Gefäßlumen verengt sich. Nachdem sich weiteres Cholesterin angesammelt hat, werden die Gefäßwände immer dicker und der Blutfluss in den Gefäßen wird weiter reduziert. Dieser Prozess wird in der Medizin mit dem Begriff Arteriosklerose (praktisch synonym mit Atherosklerose verwendet) bezeichnet und ist u. a. Ursache für die koronare Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße), die periphere Verschlusskrankheit (Verengung der Arm- oder Beinarterien und/oder der Hauptschlagader) oder auch der Karotisstenose (Verengung der Halsschlagader).

Häufigkeit und Risiko für Arteriosklerose

Arteriosklerose (auch Arterienverkalkung) tritt häufig bei Menschen in der westlichen Welt auf. Insgesamt leiden Schätzungen zufolge mehr als 10 % der Bevölkerung in solchen Ländern an einer peripheren Verschlusskrankheit, bei den über 70-Jährigen sind jedoch etwa 20 % betroffen. Männer weisen doppelt so häufig wie Frauen eine Verengung der Hauptschlagader und/oder der Arm-/Beinarterien oder auch der Halsschlagader auf.

Risikofaktoren für eine Arteriosklerose sind höheres Alter, männliches Geschlecht, Rauchen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck (nicht effektiv behandelt) , erhöhte Cholesterinwerte im Blut und zu wenig körperliche Aktivität bzw. ein eher sitzender Lebensstil. Während manche dieser Faktoren nicht zu ändern sind, können Sie durch Veränderungen Ihrer Ernährung und Lebensstils andere dieser Risikofaktoren deutlich beeinflussen und damit das Risiko für Folgekrankheiten senken.

Symptome

Bevor die Arterien nicht sehr stark geschädigt sind, verläuft die Arteriosklerose meist lange Zeit nahezu asymptomatisch. Insgesamt zeigen 4 von jeweils 5 Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit keine Beschwerden. Treten Symptome auf, ist dies meist auf eine unzureichende Blutversorgung bestimmter Körperteile zurückzuführen. Die Symptomatik richtet sich also danach, welche Organe unzureichend mit Blut versorgt werden. Sie kann sich durch Schmerzen in den Beinen beim Gehen (seltener in den Armen bei Belastung) oder sogar in Ruhe, einen Schlaganfall, eine chronische Nierenkrankheit, eine Angina pectoris oder einen Herzinfarkt bemerkbar machen.

Bei einer peripheren Verschlusskrankheit treten Schmerzen/Symptome im Allgemeinen zunächst bei Belastung auf. Der Grund hierfür liegt darin, dass das verengte Blutgefäß in Ruhe noch genügend sauerstoffreiches Blut transportieren kann, die Muskeln jedoch bei körperlicher Arbeit mehr Sauerstoff benötigen als sie bekommen können: Diese mangelnde Durchblutung der Muskeln verursacht Schmerzen. Sind die Beingefäße betroffen, leiden die Patienten typischerweise an der „Schaufensterkrankheit“: Nach einigen Schritten müssen sie schmerzbedingt anhalten (Claudicatio intermittens) und stellen sich dann in der Stadt gern vors Schaufenster, um die erzwungene Gehpause zu überbrücken. Kommt es bereits in Ruhe zu Schmerzen, ist die Verengung der Arterien bereits sehr weit fortgeschritten.

Welche Risiken bestehen?

Verminderte Blutversorgung

Die schädlichen Auswirkungen von Arteriosklerose treten oft erst spät zutage. Die meisten Körpergewebe werden von vielen kleinen Arterien mit Blut versorgt. Selbst wenn also eine Hauptarterie eines Organs stark von Arteriosklerose betroffen ist, kann dies dadurch kompensiert werden, dass die kleineren Arterien ihren Blutdurchsatz erhöhen und somit die Blutversorgung in gewissem Ausmaß übernehmen. Aber selbst in Fällen, in denen lediglich eine Arterie die Blutversorgung eines bestimmten Gewebes übernimmt, kann sich das Blutgefäß für zunächst eine Zeit lang unbemerkt verengen.

Bei zunehmender Durchblutungsstörung treten Schmerzen zunächst nur bei Belastung (Gehen, Arbeiten mit den Armen), später jedoch auch in Ruhe auf. Zu ebenfalls ernsten möglichen Komplikationen infolge der andauernden Minderdurchblutung zählen (kalter) Brand (Gangrän) an Fuß oder Arm (also schlecht heilende bzw. absterbende Haut) mit der schlimmsten Folge einer Amputation oder eine Nierenschädigung.

Unterbrechung der Blutversorgung

Demnach kann sich eine Arteriosklerose viele Jahre unbemerkt weiterentwickeln. Arteriosklerose kann aber auch andere, akute Probleme verursachen. So kann es beispielsweise zu einer Plaqueruptur kommen, wobei die Partikel der Plaque in Blutkontakt gelangen und mit dem Blutstrom mitgerissen werden. Dies kann im weiteren Verlauf des Blutgefäßes zu einer plötzlichen und kompletten Arterienblockierung mit einem Blutversorgungsstopp führen. Vollzieht sich dieser Prozess in einer Koronararterie, die den Herzmuskel mit Blut versorgt, wird von einem Herzinfarkt gesprochen. Geschieht dies in einer Hirnarterie, kann es zu einem Schlaganfall kommen. 

Diagnostik

Der Arzt wird genau nach Ihren Beschwerden sowie nach bestehenden Risikofaktoren (Begleitkrankheiten, Ernährungsgewohnheiten, Rauchen, Sport etc. sowie Krankheiten bei Ihren Verwandten). Bei der sorgfältigen körperlichen Untersuchung wird der Arzt die Durchblutung der Haut beurteilen, die Pulse aller erreichbaren Arterien tasten und z. B. die Halsschlagader und das Herz auch abhören. Genauer lassen sich die Gefäße an vielen Stellen des Körpers per Ultraschall untersuchen, um Hinweise auf Engstellen zu bekommen. Mit dem sogenannten Doppler-Ultraschall lässt sich zudem an Gefäßen der Arme und Beine noch genauer die Durchblutung in Ruhe und unter Belastung bestimmen (Knöchel-Arm-Index). Auch verschiedene andere Tests geben Hinweise auf Durchblutungsstörungen. Um abzuschätzen, wie stark die Beschwerden sind, kann der Arzt die Strecke messen, die Sie zügig gehen können, bevor Schmerzen auftreten.

Möglicherweise wird das betroffene Blutgefäß auch anhand eines Computertomogramms oder Magnetresonanztomogramms genau dargestellt. Messung des Blutdrucks und ein EKG sowie die Bestimmung verschiedener Werte im Blut geben Hinweise auf Erkrankungen von Herz oder Nieren.

Was kann dagegen unternommen werden?

Warten Sie mit der Arteriosklerosebehandlung nicht so lange, bis sich Symptome entwickelt haben. Wie erwähnt, ist die Erkrankung meist schon fortgeschritten, wenn sie entdeckt wird. Daher müssen möglichst noch frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden, bevor sich Symptome herausbilden. Sie können mit verschiedenen Maßnahmen einer Arteriosklerose vorbeugen bzw. diese verzögern.

Veränderung des Lebensstils kann helfen

Forschungen zufolge kann die (fortgesetzte) Ablagerung in den Arterien durch den Verzicht aufs Rauchen, eine gesunde Ernährung und ausreichend regelmäßige Bewegung (mindestens 3-mal pro Woche mindestens 30 Minuten) und ggf. Gewichtsreduktion verringert bzw. verzögert werden. Eine intensive Therapie der Arteriosklerose (Lebenstiländerung sowie ggf. weitere Maßnahmen siehe unten) kann das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko senken. Solange keine Symptome auftreten, mangelt es jedoch vielen Menschen an Einsicht. Frühe arteriosklerotische Veränderungen lassen sich nur schwer nachweisen. Deshalb gelten diese Maßnahmen für alle Menschen. Jeder Einzelne kann sich gesund ernähren und regelmäßig bewegen.

Treten erste Anzeichen für eine verringerte Durchblutung der Haut an den Füßen (seltener den Händen) auf, ist eine sehr sorgfältige Fußpflege und Versorgung auch kleinster Verletzungen besonders wichtig, damit keine größeren Wunden entstehen.

Vererbung?

Leiden nahe Angehörige von Ihnen an Herz- oder Kreislauferkrankungen oder weisen einen erhöhten Cholesterinwert auf oder sind Sie selbst von Bluthochdruck oder Diabetes betroffen, dann sollten Sie sich ärztlich beraten lassen. Der Arzt bestimmt Ihren Cholesterinwert sowie insgesamt die Blutfettwerte, den Blutzucker und misst den Blutdruck. Bei erhöhten Werten ist in der Regel eine Therapie mit bestimmten Medikamenten anzuraten.

Medikamente 

Neben den allgemeinen Empfehlungen zur Änderung des Lebensstils werden den meisten Patienten Blutverdünner (zur Vorbeugung von Blutgerinnseln) sowie cholesterinsenkende Medikamente empfohlen. Je nach Grundkrankheit kommen Tabletten gegen Bluthochdruck oder Medikamente bei Diabetes mellitus hinzu. Zudem gibt es verschiedene Wirkstoffe, die die Gefäße erweitern und die Durchblutung verbessern sollen; Ihr Arzt wird Sie beraten können.

 Angioplastie

Sind die oben genannten Optionen nicht ausreichend, ist möglicherweise ein chirurgischer Eingriff angezeigt. Eine kritische Arteriosklerose lässt sich mittlerweile durch eine Erweiterung verengter Bereiche wie z. B. Herzkranzgefäße, Beinarterien sowie enge Halsarterien behandeln. Eine solche Therapie wird als Angioplastie bezeichnet. Für gewöhnlich wird im Rahmen einer solchen Behandlung ein Stent (Stenting) an der verengten Stelle im Gefäß eingesetzt. Dabei handelt es sich um verstärkte Drahtgeflechte, die einen erneuten Verschluss der verengten Bereiche verhindern. Ist eine Angioplastie nicht möglich, können Chirurgen die Gefäßstenose mit einem Bypass versorgen, um die Durchblutung wieder sicherzustellen. Eine Operation dient v. a. dazu, akute Beschwerden zu lindern bzw. einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen. Grundsätzlich sind die oben genannten Therapiemaßnahmen langfristig jedoch mindestens ebenso wichtig.

Prognose

Ist es zu einer deutlichen Verengung von Arterien gekommen, ist das Risiko für Folgekrankheiten recht hoch. Von allen Patienten mit z. B. der Schaufensterkrankheit, werden innerhalb von 5 Jahren 20 % an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall erkranken (ohne daran zu sterben), weil meist auch diese Blutgefäße von der Arteriosklerose betroffen sind. Herzinfarkt und Schlaganfall verlaufen häufig jedoch auch tödlich. Eine weitere schwere Komplikation ist die Notwendigkeit, einen Fuß oder Unterschenkel aufgrund der Durchblutungsstörungen amputieren zu müssen.

Diese Risiken lassen sich verringern, wenn Sie frühzeitig konsequent auf das Rauchen verzichten, sich gesund ernähren und regelmäßig Sport treiben sowie Begleitkrankheiten (BluthochdruckDiabetes) wirksam behandeln. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover