Therapie von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Wurde eine Arrhythmie (Herzrhythmusstörung) diagnostiziert, sind verschiedene Therapieverfahren möglich. Herkömmlicherweise ist eine Behandlung dann angezeigt, wenn deutliche Beschwerden vorliegen oder ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer ernstzunehmenden Arrhythmie oder eine Arrhythmiekomplikation besteht.

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Verschiedene Formen von Herzrhythmusstörungen

Als Herzrhythmusstörung bezeichnet man alle Formen eines unadäquaten Herzschlags. Ein regelmäßiger, zu schneller Puls (Tachykardie) kann bei körperlicher Anstrengung ganz normal sein, ist in Ruhe oder bei sehr rascher Frequenz aber gefährlich, weil der Herzmuskel dann nicht mehr genügend Zeit hat, sich in den Pausen mit Blut zu füllen und dieses in den Körperkreislauf zu pumpen. Zu wenige regelmäßige Herzschläge (Bradykardie) reichen hingegen auch nicht aus, um die Blutzirkulation zu gewährleisten. Sowohl bei einer Tachykardie als auch Bradykardie können die Herzvorhöfe und -kammern unter Umständen auch verschieden schnell schlagen (etwa bei Vorhofflimmern, bei dem aber nicht jeder Schlag auf die Herzkammern weitergeleitet wird). Einen unregelmäßigen Rhythmus nennen Ärzte Arrhythmie (auch Tachyarrhythmie oder Bradyarrhythmie): kontrahiert sich der Herzmuskel unregelmäßig, ist ebenfalls eine effektive Blutzirkulation im Körper nur schwierig zu gewährleisten.

Die im Folgenden genannten Therapiemöglichkeiten richten sich nach der Rhythmusstörung und auch nach der zugrunde liegenden Ursache. In einigen Fällen sind die Herzrhythmusstörungen jedoch auch Folge von akuten Krankheiten (etwa Störungen der Schilddrüsenfunktion, hohes Fieber bei einer Infektion) oder Störungen im Mineralstoffhaushalt des Körpers: Sobald diese Krankheiten erfolgreich behandelt und/oder die Konzentrationen der Mineralstoffe wieder ausgeglichen sind, normalisiert sich auch der Herzrhythmus wieder.

Vagusmanöver

Einer supraventrikulären Tachykardie kann durch besondere Maßnahmen Einhalt geboten werden: Atem anhalten, pressen wie beim Toilettenbesuch (Bauchpresse) oder husten. Über das genaue Vorgehen kann Sie Ihr Arzt informieren. Ein hoher Puls lässt sich auch anderweitig eindämmen. Diese Maßnahmen beeinflussen einen für die Steuerung des Herzschlags entscheidenden Nerv (Nervus vagus) und bremsen die Herzfrequenz. Häufig lässt sich das Herz dadurch „beruhigen". Wenn Sie wiederholt ohne körperliche Anstrengung einen sehr schnellen Puls spüren, sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen. 

Medikamente

Verschiedene Medikamente stoppen, dämpfen oder verhindern Arrhythmien (Antiarrhythmika). Die Auswahl des Präparats hängt davon ab, ob es sich um eine akute Situation, eine Langzeitbehandlung oder eine Komplikation der Arrhythmie handelt. Die meisten Antiarrhythmika verlangsamen die Herzfrequenz auf eine von zwei verschiedenen Weisen. Zum einen wird die Aktivität/Reizbarkeit des Reizleitungssystems im Herzmuskel gedämpft, das die zu schnellen Impulse auslöst. Zum anderen wird die Übertragung der schnellen Impulse im Herzen verzögert.

In der akuten Situation (Notfall) können Ärzte in der Klinik unter genauer Überwachung des Herzrhythmus bestimmte Medikamente spritzen, um den Herzschlag zu stabilisieren. Die Behandlung sollte über einige Stunden im Krankenhaus überwacht erfolgen. Schlägt die medikamentöse Therapie an, kann das gleiche oder ein ähnliches Präparat zur erhaltenden Behandlung, also für eine längere Zeit, eingesetzt werden, wenn der Patient wieder zu Hause ist.

Antiarrhythmika können gelegentlich zu lästigen Nebenwirkungen führen. Hin und wieder können antiarrhytmisch wirksame Präparate selbst Arrhythmien von dem Typ erzeugen, gegen den sie eingesetzt werden. Zudem können sie neue Arrhythmien hervorrufen, die genauso gravierend oder sogar schlimmer als die ursprünglichen Arrhythmien sind. Nebenwirkungen, die nicht mit dem Herzen in Verbindung stehen, sind ebenfalls möglich. Bei der Wahl der Medikamente wird der Arzt also sehr sorgfältig vorgehen.

Elektrokardioversion

Bei einer Vorhoftachykardie – hierzu zählt u. a. das Vorhofflimmern – kann von ärztlicher Seite eine so genannte Elektrokardioversion (elektrische Kardioversion) durchgeführt werden, damit das Herz wieder in seinem natürlichen Rhythmus schlägt. Dauert eine solche Arrhythmie über eine längere Zeit an, empfiehlt sich in der Regel die Gabe blutverdünnender Medikamente, damit sich im Herzen keine Blutgerinnsel bilden.

Die Kardioversion erfolgt unter leichter Narkose über Elektroden, die vorübergehend auf dem Brustkorb positioniert werden. Mit einem synchronisierten Elektrostoß werden die unregelmäßigen Signale verhindert und wieder ein normaler Rhythmus beim Patienten hergestellt. Nach der Behandlung (elektrische Kardioversion zur Herzrhythmisierung) ist in vielen Fällen für längere Zeit eine Behandlung mit Antiarrhythmika angeraten, um den normalen Rhythmus zu stabilisieren. Auch wenn die meisten Herzen aufgrund der Kardioversion wieder im normalen Rhythmus schlagen, kann es schwierig sein, ein über längere Zeit bestandenes Vorhofflimmern im normalen Rhythmus zu halten. Dazu werden verschiedene Antiarrhythmika getestet, um das passende Medikament zu finden. Manchmal gelingt dies nicht. Stattdessen muss dann die Herzfrequenz während des Vorhofflimmerns reguliert werden, damit die Herzkammern entsprechend langsamer schlagen trotz Vorhofflimmern.

Katheterablation

Dieses Verfahren kommt infrage, wenn sich durch Untersuchungen herausgestellt hat, dass es im Herzmuskel Bereiche gibt, die fälschlicherweise Reize für eine Kontraktion des Muskels auslösen. Bei diesem Verfahren werden ein oder mehrere Katheter durch die Blutgefäße in die Hohlräume des Herzens geschoben. An den Kathetern befinden sich Elektroden. Diese erfassen, wo sich im Herzen das Areal befindet, das die Rhythmusstörung auslöst. Die Elektrode an der Katheterspitze wird mithilfe von Hochfrequenzwellen erhitzt. Das Areal, das die Rhythmusstörungen auslöst, wird verödet. In der Regel klingen die Arrhythmien damit ab. Eine Katheterablation kann bei Patienten zum Einsatz kommen, bei denen zusätzliche (akzessorische) oder gestörte Leitungsbahnen vorliegen wie z. B. beim Wolf-Parkinson-White-Syndrom, bei einer AV-Knoten-Reentrytachykardie oder beim Vorhofflattern. Die Katheterablation wird in steigendem Umfang auch bei Patienten mit anfallsartigem (paroxysmalem) Vorhofflimmern eingesetzt.

Zu Komplikationen kommt es kaum. Bisweilen können sich Herzschädigungen, Infektionen oder Blutgerinnsel herausbilden. Im Normalfall verursacht eine Katheterablation keine oder geringe Beschwerden während des Eingriffs. Sie lässt sich in der Regel unter Zuhilfenahme leichter Beruhigungsmittel sowie Lokalanästhesie durchführen. Hin und wieder sind bei einer Ablation des Vorhofflimmerns schmerzstillende Medikamente nötig. Die Katheterablation findet deshalb als Behandlungsmethode immer häufiger Verwendung.

Herzschrittmacher

Bei einem unangenehm langsamen Puls (Bradykardie) mit Symptomen, der nicht durch eine behandelbare zugrunde liegende Erkrankung oder Nebenwirkungen von Medikamenten verursacht wurde, kann ein Herzschrittmacher nötig sein. Bei einem Herzschrittmacher (Pacemaker) handelt es sich um ein kleines batteriebetriebenes medizinisches Gerät, dass etwas unterhalb des Schlüsselbeins operativ unter die Haut eingebracht wird. Eine oder mehrere Elektroden verlaufen vom Schrittmacher über die Blutgefäße zur rechten Herzinnenseite. Ein verlangsamter Herzrhythmus oder Herzstillstand wird vom Herzschrittmacher registriert. Daraufhin werden elektrische Impulse ausgesendet, die das Herz wieder mit normaler Frequenz schlagen lassen. Ein Herzschrittmacher schreitet also nur im Bedarfsfall ein und befindet sich ansonsten im Ruhemodus. Herzschrittmacher können so programmiert werden, dass sie auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sind.

Implantierbarer Defibrillator

Implantierbarer Defibrillator

Dieses Gerät wird dann eingesetzt, wenn eine erhöhte Gefahr für gefährliche Herzrhythmusstörungen in der Herzkammer und/oder für einen Herzstillstand besteht. Der Defibrillator ist batteriebetrieben und wird subkutan (unter die Haut) unterhalb des linken Schlüsselbeins implantiert. Ein oder mehrere Kabel mit einer Elektrode am Ende verlaufen über Blutgefäße zum Herzen. Der Defibrillator überwacht kontinuierlich den Herzrhythmus. Bei einem zu langsamen Rhythmus kann er das Herz genau wie ein Herzschrittmacher stimulieren. Tritt eine gefährlich schnelle Rhythmusstörung am Herzkammerausgang auf, sendet er einen Niedrig- oder Hochenergieschock aus, mit dem der normale Herzrhythmus wiederhergestellt wird. Eine Defibrillatorbehandlung hat sich bei solchen Patienten als effektiver als eine medikamentöse Behandlung herausgestellt, die ein höheres Risiko für gefährliche Arrhythmien der Herzkammer oder einen Herzstillstand aufweisen.

Chirurgischer Eingriff

Maze-Operation (Labyrinth-Operation). Bei diesem chirurgischen Eingriff werden labyrinthartige Schnitte an den Herzvorhöfen von Patienten mit einer ausgeprägten Vorhofflimmer-Symptomatik gesetzt, bei der keine Katheterablation angezeigt ist. Die Schnitte verheilen mit Narbenbildung. Die elektrischen Impulse vom Sinusknoten bis zum AV-Knoten müssen demzufolge ein Labyrinth durchlaufen und eine geordnete Weiterleitung wird ermöglicht. Diese Methode wird jedoch immer seltener eingesetzt.

Koronararterien-Bypass. Bei einer ernsthaften Koronarerkrankung kommt es aufgrund des immer wieder auftretenden Sauerstoffmangels des Herzmuskels oft zu Herzrhythmusstörungen. In solchen Fällen kann ein Koronararterien-Bypass oder eine Ballondilatation (PCI, perkutane koronare Intervention) angeraten sein. Diese Behandlungsverfahren können die Blutversorgung zum Herzen verbessern und damit die Neigung zur Herzkammertachykardie reduzieren.

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen