Diagnostik von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Bei dem Verdacht auf Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) wird der Arzt den Patienten genau nach den Beschwerden, möglichen Auslösern und bestehenden Erkrankungen fragen. Für eine genaue Untersuchung der Herzfunktion stehen mehrere unterschiedliche Testverfahren zur Verfügung.

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Berichtet ein Patient von häufigem Herzrasen, auffällig langsamem Herzschlag oder einem unregelmäßigem Puls, wird der Arzt sich genau über diese Beschwerden informieren. Er wird Puls und Blutdruck messen und Herz und Lungen sorgfältig abhören. Zusätzlich gibt es verschiedene Untersuchungsmethoden, um die möglichen Herzrhythmusstörungen genauer zu erfassen. Zunächst kommen Tests zum Einsatz, die den Herzrhythmus aufzeichnen und die Herzfunktion darstellen. Lässt sich dadurch keine eindeutige Diagnose stellen, können in einem anderen Verfahren die Arrhythmien auch unter Überwachung ausgelöst werden.

Zusätzlich wird der Arzt möglicherweise Blutuntersuchungen vornehmen, um andere Ursachen für die Rhythmusstörungen zu erkennen bzw. auszuschließen.

Passive Tests zur Herzüberwachung

Bei einem EKG wird die elektrische Herzaktivität aufgezeichnet. Es wird gemessen, wie schnell das Herz schlägt und ob es regelmäßig arbeitet. Mit dem EKG lässt sich die elektrische Aktivität an mehreren bestimmten Stellen des Herzmuskels ableiten, sodass der Arzt Hinweise darauf erhält, welche Anteile des Herzmuskels normal oder auffällig arbeiten und ob z. B. die Vorhöfe und Herzkammern koordiniert zusammenarbeiten. Falls während der Ableitung Arrhythmien auftreten, lassen sie sich erkennen.

Beim Langzeit-EKG handelt es sich um ein tragbares EKG-Gerät, das der Patient einen oder bis zu 3 Tage trägt. Die Herzaktivität wird aufgezeichnet, während der Patient seinen Alltagsbeschäftigungen nachgeht. So lassen sich meist Rhythmusstörungen erfassen, die täglich oder zumindest mehrmals wöchentlich auftreten.

Treten die Arrhythmien seltener auf, kann der Patient ein kleines EKG-Gerät bei sich tragen, das keine kontinuierlichen Aufzeichnungen macht, sondern nur bei Auffälligkeiten reagiert bzw. vom Patienten eingeschaltet wird (event recorder). Das Gerät ist so klein, dass es sich problemlos am Gürtel befestigen lässt.

Bei der Echokardiografie wird der Herzmuskel per Ultraschall untersucht. Bei der Stressechokardiografie geschieht diese Untersuchung unter körperlicher Belastung, um mögliche Fehlfunktionen zu erkennen, die in Ruhe nicht auftreten. Die Untersuchung gibt Aufschluss über die Herzstruktur und -funktion. So können Angaben hinsichtlich Herzposition, Herzgröße, Beweglichkeit von Herzklappen und Herzkammern erfasst werden. Zudem wird erkannt, wie schnell das Blut die verschiedenen Herzbereiche durchströmt. Die Untersuchung trifft jedoch keine Aussagen zur elektrischen Aktivität des Herzens.

Tests, bei denen Arrhythmien ausgelöst werden

Folgender Test kann Arrhythmien auslösen, die mittels EKG untersucht werden können:

Stresstest. Bestimmte Arrhythmien werden durch körperliche Aktivität ausgelöst oder verschlechtern sich. Bei einem Stresstest ist physische Anstrengung gefragt und es kommen Laufband oder Ergometer zum Einsatz. Gleichzeitig wird die Herzaktivität mithilfe eines EKG (Belastungs-EKG) registriert. Es ist ebenfalls möglich, das Herz mithilfe eines Medikaments zu stimulieren, sodass es zu einer ähnlichen Anstrengung kommt. Dieses Verfahren ist möglich, wenn Sie körperlich genügend fit für anstrengendes Gehen, Laufen oder Fahrrad fahren sind.

Kipptischuntersuchung (Tilt-Test). Diese Untersuchung wird bei bestimmten Patienten mit wiederholten Ohnmachtsanfällen ausgeführt. Puls und Blutdruck werden kontinuierlich gemessen, während die Betroffenen auf dem Untersuchungstisch liegen. Der Tisch wird in eine aufrechte Position (wie beim Stehen) gekippt. Der Arzt erfasst, wie sich die Änderung der Körperposition auf das Herz und den Teil des Nervensystems auswirkt, der die Herzfunktion kontrolliert. Die Verwendung von Medikamenten, die Symptome auslösen, ist ebenfalls möglich. Die Kipptischuntersuchung ist positiv, wenn typische Symptome aufgrund von niedrigem Blutdruck oder langsamem Puls (Bradykardie) hervorgerufen werden, die durch die Änderung der Körperposition verursacht wurden. Die Therapie hängt vom Ergebnis der Untersuchung ab.

Elektrophysiologische Untersuchungen. Ein dünner, biegsamer Herzkatheter mit Elektroden am Ende wird unter Überwachungs des Patienten durch die Blutgefäße zu verschiedenen Herzbereichen geführt. Sind die Elektroden an Ort und Stelle angekommen, erfassen diese die Ausbreitung der elektrischen Impulse durch das Herz. Darüber hinaus können Herzspezialisten Elektroden einsetzen, um das Herz mit schwachen elektrischen Impulsen zu stimulieren und auf diese Weise eine Arrhythmie auslösen oder stoppen. Damit wird festgestellt, wo die Arrhythmie im Herzen entsteht und welche Mechanismen sie verursacht. Die Fähigkeit, eine Arrhythmie zu initiieren und zu stoppen, lässt sich dafür nutzen, verschiedene Behandlungsmethoden zu testen. Hin und wieder werden Katheter und Elektroden dafür eingesetzt werden, das Areal zu veröden, das die Arrhythmien auslöst (Katheterablation). Diese Therapie hat sich bei vielen Patienten als besonders wirksam erwiesen.

Weitere bildgebende Untersuchungen

Sind die genannten Untersuchungen nicht ausreichend, um eine sichere Diagnose stellen zu können, stehen MRT, CT oder eine Szintigrafie des Herzens zur Verfügung, um Herzstrukturen und Gefäßfunktion noch genauer darzustellen. In einer Koronarangiografie (Herzkatheteruntersuchung der Herzkranzgefäße) lässt sich überprüfen, ob die Durchblutung des Herzmuskels ausreichend gewährleistet ist. Eine mangelnde Durchblutung (Angina pectoris, koronare Herzkrankheit) kann eine mögliche Ursache für Herzrhythmusstörungen sein. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover