Verdacht auf KHK – welche Untersuchungen kommen für mich infrage?

Bei einer koronaren Herzerkrankung (KHK) sind die Blutgefäße verengt, die das Herz mit Sauerstoff versorgen. Um sie festzustellen, kommen verschiedene Untersuchungen infrage. Nicht alle sind bei jedem Patienten und jeder Patientin sinnvoll. Das hängt auch davon ab, wie wahrscheinlich es ist, dass eine KHK bei Ihnen vorliegt. Dies lässt sich nach einer gründlichen Befragung und einer körperlichen Untersuchung beurteilen.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Welche Untersuchungen soll ich auf jeden Fall erhalten?

Die Ärztin oder der Arzt untersucht Sie körperlich und befragt Sie ausführlich. Dabei spielen Ihre Vorerkrankungen und Beschwerden eine Rolle, aber auch Ihre Lebensumstände und Ihr seelisches Befinden. Mit den Angaben zum Alter und zur Art der Beschwerden lässt sich einschätzen, wie wahrscheinlich eine KHK bei Ihnen vorliegt. Danach richtet sich das weitere Vorgehen: Ist dies sehr unwahrscheinlich, sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach anderen Ursachen für die Beschwerden suchen. Ist eine KHK aber sehr wahrscheinlich, sollten Sie keine weiteren Untersuchungen erhalten, sondern sofort eine wirksame Behandlung.

Welche weiteren Untersuchungen können auf mich zukommen?

Ein sogenanntes Ruhe-EKG und bei Bedarf eine Ultraschalluntersuchung des Herzens helfen, andere Ursachen Ihrer Beschwerden auszuschließen.

Ist nach den ersten Untersuchungen unklar, ob eine KHK vorliegt, gibt es verschiedene weitere Verfahren (siehe unten). Mit ihrer Hilfe lässt sich eine KHK ausschließen oder feststellen. Mit allen empfohlenen Untersuchungen prüfe die Ärzte „von außen“, ob die Blutgefäße am Herzen verengt sind. Eine sogenannte Herzkatheteruntersuchung, bei der ein dünner Schlauch in die Blutgefäße hineingeschoben wird, brauchen Sie zu diesem Zeitpunkt nicht.

Welches Verfahren ist das beste?

Selten werden vor Ort alle unterschiedlichen Untersuchungen angeboten. Nach Einschätzung der Fachleute sind aber alle Verfahren gut geeignet, um eine KHK festzustellen. Nur ein sogenanntes Belastungs-EKG ist weniger aussagekräftig und zieht oft weitere Tests nach sich. Im Verlauf der Behandlung liefert es aber wichtige Informationen. Sicher lässt sich sagen: Das eine, absolut überlegene Verfahren gibt es nicht.

Welches Verfahren ist für mich am günstigsten?

Bei der Auswahl der Untersuchung berücksichtigt die Ärztin oder der Arzt folgende Fragen:

  • Wie hoch ist Ihr persönliches Risiko für eine KHK?
  • Ist das Verfahren vor Ort vorhanden?
  • Hat das Behandlungsteam bereits viel Erfahrung mit diesem Verfahren?
  • Ist die Untersuchung für Sie persönlich gut geeignet (etwa wegen körperlicher Belastung)?
  • Welche Nachteile und Komplikationen hat die Untersuchung?

Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, welche Untersuchungen bei Ihnen empfehlenswert sind. Lassen Sie sich erklären, warum Sie derzeit keine Herzkatheteruntersuchung brauchen.

Übersicht über mögliche Untersuchungen bei Verdacht auf KHK

Bei Verdacht auf KHK empfohlen

Ruhe-EKG

  • Am Brustkorb, an den Armen und den Beinen werden Elektroden befestigt, für gewöhnlich insgesamt 12.
  • Das EKG-Gerät zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf.
  • Beim Ruhe-EKG liegen oder sitzen Sie.
  • Dauer: weniger als 5 Minuten
  • Keine Strahleneinwirkung

Ggf. Ultraschall des Herzens

  • Ein Schallkopf wird auf den Brustkorb gesetzt.
  • Mithilfe von Schallwellen wird auf einem Monitor sichtbar, wie der Herzmuskel arbeitet.
  • Sie liegen dabei auf dem Rücken oder auf der Seite.
  • Dauer: weniger als 5 Minuten
  • Keine Strahleneinwirkung

Bei unklarer Erkrankungswahrscheinlichkeit empfohlen

Belastungs-EKG

  • EKG unter körperlicher Belastung mit dem Standardfahrrad oder Laufband
  • Nur bei eher geringer Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer KHK aussagekräftig und meist mit weiteren Untersuchungen verbunden.
  • Dauer: je nach Höhe der Belastung bis zu 15 Minuten
  • Keine Strahleneinwirkung

Stress-Echokardiografie

  • Herz-Ultraschall unter körperlicher Belastung mit dem Standfahrrad oder Laufband bzw. Belastung des Herzens, hervorgerufen durch bestimmte Medikamente
  • Dauer: 20 bis 30 Minuten
  • Keine Strahleneinwirkung

Myokard-Perfusions-SPECT (Single-Photonen-Emissionstomografie)

  • Untersuchung, um die Durchblutung des Herzmuskels bildlich darzustellen. Dafür wird ein radioaktiver Stoff in die Blutbahn gespritzt. Eine spezielle Kamera macht Aufnahmen vom Herzen.
  • Findet unter körperlicher oder medikamentöser Belastung statt.
  • Dauer: bis zu 4 Stunden, mit längeren Pausen dazwischen
  • Sehr geringe Strahleneinwirkung (ionisierende Strahlen)

Stress-Perfusions-MRT

  • Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist ein bildgebendes Verfahren. Dabei werden keine Röntgenstrahlen verwendet, sondern starke elektromagnetische Felder.
  • Ihnen werden ein gefäßerweiterndes Medikament und ein Kontrastmittel in die Blutbahn gespritzt. Das Perfusions-MRT stellt damit den vom Blut durchströmten Herzmuskel dar.
  • Dauer: 20 bis 30 Minuten
  • Keine Strahleneinwirkung
  • Keine Kassenleistung
  • Bei Menschen mit einem Herzschrittmacher ist vorab zu klären, ob und unter welchen Vorsichtsmaßnahmen die Untersuchung möglich ist.

Dobutamin-Stress-MRT

  • Siehe Stress-Perfusions-MRT.
  • Bei diesem MRT wird das Medikament Dobutamin stufenweise in die Blutbahn gespritzt, sodass sich der Herzschlag nach und nach erhöht.
  • Dauer: 40 bis 60 Minuten
  • Geringe Strahleneinwirkung (Röntgenstrahlung)
  • Keine Kassenleistung

CT-Koronarangiografie

  • Eine Computertomografie (CT) ist ein Röntgen aus verschiedenen Richtungen. Ein Computer verarbeitet die Informationen, die hierbei entstehen, und erzeugt ein räumliches Bild vom Herzen. Dieses Verfahren kann Ablagerungen und Engstellen der Herzkranzgefäße zuverlässig entdecken.
  • Meist werden jodhaltige Kontrastmittel eingesetzt.
  • Dauer: weniger als 5 Minuten
  • Geringe Strahleneinwirkung (Röntgenstrahlen)
  • Keine Kassenleistung

Weitere Informationen

Quellen

  • Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), Gemeinsames Institut von BÄK und KBV – Patienten-Information.de
  • Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK, 5. Aufl.