Herzinsuffizienz: Wie viel trinken? Wie viel salzen?

Die übliche Ernährung in den Industrieländern enthält eher zu viel als zu wenig Kochsalz. Grundsätzlich ist es also sinnvoll, an Salz zu sparen. Allerdings gelten für Patienten mit Herzinsuffizienz laut aktuellen Empfehlungen diesbezüglich keine besonders strengen Regeln. Wichtig allerdings ist, das geschwächte Herz nicht mit zu viel Flüssigkeitszufuhr zu belasten.

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Herzinsuffizienz

Als Herzinsuffizienz wird eine Schwäche des Herzmuskels aus unterschiedlichen Gründen bezeichnet, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Während ein gesundes Herz keine Probleme hat, selbst bei einem plötzlichen Sprint rasch schneller zu schlagen und effektiver mehr Blut durch den Körper zu pumpen, kann sich ein Patient mit leichter Herzinsuffizienz nicht plötzlich stark belasten ohne an Luftnot zu leiden. Bei stärkerer Beeinträchtigung der Funktion fällt bereits das langsame Gehen schwer, eventuell besteht sogar in Ruhe Luftnot, weil das Herz nicht genügend Blut zur Aufnahme von Sauerstoff in die Lunge und den übrigen Körper pumpen kann. Je kraftloser der Herzmuskel pumpt, desto schlechter lässt sich ein hohes Blutvolumen in den Gefäßen befördern: also „drückt" Flüssigkeit aus den Blutgefäßen ins Gewebe (Beinödeme oder auch Lungenödem).

Ziel jeder Therapie ist es also, zum einem den Herzmuskel zu stärken, zum anderen dessen Belastung zu reduzieren. Also darf der Körper nicht mit Flüssigkeit überladen werden: Herzinsuffiziente sollten also nicht viel trinken. Da ein hoher Salzkonsum grundsätzlich eher den Blutdruck erhöht und damit das Herz gegen einen hohen Druck ankämpfen muss, raten viele Experten bei Herzinsuffizienz zudem dazu, weniger Kochsalz zu essen. Zu streng brauchen Patienten dabei aber wohl nicht zu sein, empfehlen Fachleute jedoch in den aktuellen Richtlinien zur Therapie der Herzinsuffizienz. 

Wie hoch ist der übliche Salzkonsum?

Das aufgenommene Salz aus der in Industrieländern verbreiteten Ernährungsweise stammt zum größten Teil aus bereits verarbeiteten Nahrungsmitteln. Berechnungen zeigen, dass in etwa 

  • 10 % aus unverarbeiteten Rohstoffen stammen
  • 70–80 % aus industriell verarbeiteten Fleischprodukten, Brot, Margarine, Milch und Käse stammen
  • 10–15 % sich aus dem Salz, das als Gewürz über das Essen gestreut wird, ergeben.

Unser Körper benötigt 1,5 g Salz täglich. Natrium und Chlorid, die Bestandteile des Speisesalzes, sind für viele Funktionen im Körper wichtig. Dabei enthält 1 g Speisesalz etwa 0,4 g Natrium. Allerdings nehmen die meisten Menschen in Deutschland mehr als 6 g Salz täglich, fast die Hälfte sogar mehr als 10 g/Tag zu sich. Viele Experten empfehlen grundsätzlich einen Konsum von etwa 6 g Kochsalz täglich, also auch für herzgesunde Menschen. Studien zufolge lässt ein eher hoher Salzkonsum nämlich sowohl bei ansonsten gesunden Personen mit bestehendem Bluthochdruck und auch solchen mit normalem Blutdruck die Blutdruckwerte etwas ansteigen. Zudem gibt es Personen, deren Blutdruck besonders empfindlich auf viel Salz im Essen reagiert (salzsensitiv). Langfristig geht erhöhter Blutdruck mit einem höheren Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems einher.

Die Frage aber, ob nun der Verzicht auf viel Salz im Essen ansonsten gesunde Menschen auch tatsächlich länger leben lässt, ist in verschiedenen Studien insgesamt unterschiedlich beantwortet worden. Die Autoren der aktuellen Leitlinie für die Behandlung einer Herzinsuffizienz äußern sich daher eher vorsichtig zum Thema Salzrestriktion; sie raten eher ab von einem sehr strengen Umgang mit der Salzzufuhr. Zu bedenken ist ihrer Meinung nach gerade bei Patienten mit Herzinsuffizienz, dass Salz für viele Menschen die Mahlzeiten erst schmackhaft macht – zu wenig Salz also dazu führt, dass Betroffene weniger essen. Und gerade unter den Herzinsuffizienten gibt es einige Patienten, die aufgrund der Krankheit eher unterernährt sind und in keinem Fall noch mehr abnehmen sollten.

Also: Grundsätzlich ist der Salzkonsum unserer Ernährung eher zu hoch. Eine hohe Salzzufuhr geht im Allgemeinen mit einem etwas erhöhten Blutdruck einher; also ist generell geboten, den Salzkonsum eher einzuschränken. Ein sinnvoller Zielwert kann 6 g/Tag sein. Allerdings empfehlen Experten aktuell bei Herzinsuffizienz keine noch strengere Salzrestriktion. Hier stehen ausreichende Nahrungszufuhr und vor allem kontrollierte Flüssigkeitszufuhr eher im Vordergrund.

Wie lässt sich sinnvoll an Salz sparen?

Der größte Anteil an Speisesalz, den wir konsumieren, stammt aus Fertigprodukten. Deshalb zahlt es sich aus, zu frischen Zutaten zu greifen oder verarbeitete Lebensmittel mit einem geringeren Salzgehalt zu wählen. Fleisch, Brot und Milchprodukte sind zentrale Bausteine jeder Ernährungsweise, doch der Salzkonsum lässt sich durch den bewussten Verzicht auf die Lebensmittel mit dem höchsten Salzgehalt beträchtlich reduzieren. Besonders salzhaltig sind geräucherte Lebensmittel. Der Verzehr selbstgebackenen Brotes und das Zubereiten von Speisen aus frischen Zutaten wirken sich sehr positiv aus.

Achten Sie beim Einkauf von Lebensmitteln auf den Salzgehalt (zu finden auf den Nährstofflisten). Salz wird entweder als Salz oder Natrium in Gramm pro 100 g angegeben. 

Sind die Lebensmittel mit Zutatenlisten anstelle von Nährstoffangaben ausgezeichnet, ist die Stelle, an der das Salz in der Zutatenliste genannt wird, ein guter Indikator für den Salzgehalt: Je früher das Salz genannt wird, desto mehr ist tatsächlich enthalten.

Eine einfache Maßnahme zur Reduzierung des Salzkonsums ist das Einsparen oder der Verzicht auf das Salz, das wir über die Speisen streuen oder bei der Zubereitung hinzugeben. Dies kann den Salzkonsum um 10–15 % in der durchschnittlichen Ernährungsweise senken. 

10 Tipps zur Reduzierung des Salzkonsums in der Ernährung

  1. Verwenden Sie frische Zutaten (unmariniertes Fleisch- und Fischfilet).
  2. Essen Sie mehr Obst und Gemüse: Diese Lebensmittelgruppe hat einen natürlichen niedrigen Salzgehalt.
  3. Bereiten Sie Kartoffeln, Pasta und Gemüse ohne die Zugabe von Salz im Kochwasser zu.
  4. Salzen Sie die Speisen nicht bereits bei der Zubereitung, sondern erst beim Verzehr. Nach dem Probieren der Speisen können Sie mit wenig Salz nachwürzen.
  5. Verwenden Sie verarbeitete Lebensmittel mit geringerem Salzgehalt. Kaufen Sie ungesalzene Butter. Greifen Sie bei der Verwendung von Fertigprodukten zu salzreduzierten Suppen und Soßen.
  6. Verwenden Sie frische oder getrocknete Kräuter beim Kochen anstelle von Salz. Zitrone, Zwiebeln, Chili, Knoblauch, Essig, Öl, Gewürze und Kräuter können anstelle von Salz als Geschmacksträger verwendet werden.
  7. Ziehen Sie Leitungswasser Mineralwasser, das beträchtliche Mengen an Natrium beinhalten kann, als Durstlöscher vor.
  8. Backen Sie Ihr eigenes Brot. Verwenden Sie 1 Teelöffel Salz auf 1 l Flüssigkeit.
  9. Achten Sie beim Einkauf auf besonders salzreiche Lebensmittel: Geräuchertes Fleisch und geräucherter Fisch, verarbeitete Fleischprodukte (Frikadellen, Würstchen), Käse (Feta, Parmesan), Brühe, Sojasoße, Gewürzmischungen und Snacks (Chips, gesalzene Nüsse).
  10. Der Salzkonsum ist häufig reine Gewohnheitssache und der Bedarf kann reduziert werden. Versuchen Sie eine Zeit lang den Salzkonsum zu reduzieren und beobachten Sie, ob das Verlangen, die Speisen zu salzen, nachlässt.

Flüssigkeitszufuhr bei Herzinsuffizienz

Wie bereits beschrieben, ist es für Patienten mit Herzinsuffizienz ganz entscheidend, nicht zu viel zu trinken. Die genauen Empfehlungen für die tägliche Trinkmenge sind im Einzelfall je nach Patient, Ausprägung der Herzinsuffizienz und auch der Nierenfunktion unterschiedlich. Hier wird der Arzt genau beraten können. Zu vermeiden sind aber auf jeden Fall Trinkmengen von mehr als 3 Litern täglich. Meist wird die Empfehlung auf etwa 1 Liter täglich, bei ausgeprägter Erkrankung auch weniger hinauslaufen.

Wichtig ist es für Patienten, sich täglich zu wiegen: Eine sehr schnelle Gewichtszunahme von zum Beispiel 1 kg über Nacht oder 2 kg in nur 3 Tagen ist ein Zeichen dafür, dass sich Flüssigkeit im Gewebe angesammelt hat (Ödem), das Herz also nicht mehr in der Lage ist, das Blutvolumen effektiv zu pumpen. In solchen Situationen sollten Patienten weniger trinken und zeitnah ihren Arzt konsultieren.   

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen