Warum sollten Sie das Rauchen aufgeben, und wie gelingt es?

Der wiederholte Konsum von Nikotin macht abhängig, Rauchen verursacht hohe Kosten und ernsthafte Gesundheitsrisiken. Sich das Rauchen abzugewöhnen, erfordert Durchhaltevermögen; es gibt jedoch viele unterstützende Maßnahmen dafür.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Wie gefährlich ist das Rauchen?

Das Tabakrauchen ist die größte vermeidbare Einzelursache für Krankheit und Tod in Deutschland. Nach Angaben der Drogenbeauftragten sterben in Deutschland über 100.000 Menschen jährlich einen zu frühen, eigentlich vermeidbaren Tod durch Rauchen. Lebenslanges Rauchen verkürzt die Lebenszeit; für Männer wurde dies schon lange gezeigt, für Frauen erst vor einigen Jahren: Raucherinnen verlieren im Durchschnitt 11 Lebensjahre im Vergleich mit Frauen, die nie geraucht haben. Hört eine Frau vor dem 30. Geburtstag auf zu rauchen, kann sie diesen Schaden fast ganz wieder rückgängig machen. Gibt sie im Alter von 35–40 Jahren das Rauchen auf, erhöht sich ihre Lebenserwartung schätzungsweise um rund 9 Jahre. Raucherentwöhnung kann die Lebenserwartung aber auch bei jenen noch erhöhen, die älter als 65 Jahre sind. Die gesundheitlichen Risiken nehmen zwar mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten immer weiter zu, dennoch hat ein Rauchstopp in jedem Alter sowohl sofort (nach wenigen Minuten bis Stunden) eintretende als auch später (nach einigen Jahren) wirksame günstige Effekte auf die Gesundheit

Die Risiken für Raucher*innen sind verglichen mit Nichtraucher*innen deutlich erhöht für:

  • tödliche Herzerkrankungen: höheres Risiko bei jüngeren Raucher*innen
  • ebenfalls deutlich erhöhtes Risiko für Gefäßkrankheiten wie arterielle Durchblutungsstörungen 
  • Lungenkrebs: Expert*innen schätzen, dass durch Rauchen 9 von 10 Bronchialkarzinomen bei Männern und etwa 6 von 10 bei Frauen verursacht werden.
  • Krebs u. a. von Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Niere, Blase und Gebärmutterhals
  • Schlaganfälle und Magengeschwüre (die schlechter heilen als bei Nichtraucher*innen)
  • verminderte Knochendichte (Osteoporose) mit erhöhtem Frakturrisiko
  • Katarakt (grauer Star).

Weitere durch das Rauchen verursachte Probleme sind Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmackssinns und vermehrte Faltenbildung. Zudem entwickeln Raucher*innen mit Diabetes mellitus im Vergleich zu Nichtraucher*innen eher Nierenschäden. Raucher*innen schädigen zusätzlich zu sich selbst auch ihre Umgebung: Passivrauchen erhöht das Risiko z. B. von Bronchialkarzinomen und Herzerkrankungen.

Insbesondere Schwangere schädigen mit jeder Zigarette direkt ihr ungeborenes Kind, da die Inhaltsstoffe auch die Blutversorgung des Fötus beeinträchtigen und damit dessen Wachstum hemmen: Kinder von rauchenden Eltern haben ein geringeres Geburtsgewicht, bei ihnen treten häufiger Infektionen der Atemwege auf, ihre Lungenfunktion ist schlechter, sie neigen vermehrt zu chronischen Mittelohrentzündungen und ihr Risiko, später selbst zu rauchen, ist erhöht.

Wenn Sie das Rauchen aufgeben, verringern Sie Ihr Risiko, einen Schlaganfall, tödlichen Herzinfarkt oder andere Durchblutungsstörungen zu erleiden, und auch die Gefahr für Lungenveränderungen wie chronische Bronchitis nimmt ab. Eine beeinträchtigte Lungenfunktion verbessert sich. Falls Sie operiert werden müssen, werden Ihre Wunden üblicherweise deutlich schneller heilen, wenn Sie einige Wochen zuvor mit dem Rauchen aufgehört haben. Selbst wenn Sie bereits z. B. an Lungenkrebs leiden, lohnt ein Rauchverzicht noch: Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Gewebe steigen und die meisten Betroffenen vertragen die Krebsmedikamente besser, wenn sie nicht mehr rauchen.

Wie schaffen Sie es, mit dem Rauchen aufzuhören?

Strategien

Ihre Motivation ist entscheidend dafür, ob Sie mit dem Rauchen aufhören können: Sie müssen wirklich mit dem Rauchen aufhören wollen. Bevor Sie es aufgeben, sollten Sie eine Bilanz ziehen: Wie, wie oft und in welchen Situationen rauchen Sie? Haben Sie schon früher versucht aufzuhören? Was hat Ihnen dabei geholfen? Wie kam es zu Rückfällen?

Sie sollten eine Strategie entwickeln: Entscheiden Sie sich für ein bestimmtes Datum – am besten innerhalb von 2 Wochen. Verringern Sie stufenweise die Anzahl der gerauchten Zigaretten bis zu diesem Tag und arbeiten Sie gezielt daran, Ihre Rauchgewohnheiten zu ändern. Informieren Sie Familie, Freund*innen, Arbeitskolleg*innen und bitten Sie um Verständnis und Unterstützung. Vermeiden Sie während dieser Zeit, an Orten zu rauchen, an denen Sie viel Zeit verbringen (z. B. zu Hause, im Auto). Vollständige Abstinenz ist absolut notwendig – Sie können sich nach Ablauf der Frist keinen einzigen Zug mehr erlauben. Wenn Ihre Familienangehörigen auch rauchen, ist es sinnvoll, auch diese zum Aufhören zu motivieren und eventuell im Voraus bestimmte Strategien zu vereinbaren, um die Raucherentwöhnung gemeinsam durchzustehen.

Entwickeln Sie Maßnahmen, um einen Rückfall zu verhindern: Vermeiden Sie Risikosituationen. Entwickeln Sie alternative zufriedenstellende Gewohnheiten. Seien Sie sich über Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und das Verlangen zu rauchen bewusst. Nehmen Sie es in Kauf, wenn Sie an Gewicht zunehmen; vier von fünf Personen nehmen leicht zu. Bei den meisten handelt es sich um 2–5 kg. Das Trinken von Alkohol ist oft mit Rückfällen verbunden, und in der Zeit, in der Sie versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören, kann es sinnvoll sein, den Alkoholkonsum auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Nehmen Sie Hilfe von Ärzt*innen an, wenn Sie versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören. Diese werden Sie bei Ihrem Entschluss unterstützen, und Sie können mit ihnen über Probleme sprechen, die Sie auf dem Weg der Raucherentwöhnung erleben.

Medikamente, die Ihnen helfen

Studien haben gezeigt, dass die Behandlung mit Nikotinersatzprodukten die Erfolgsrate bei der Raucherentwöhnung erhöht. Nikotinersatzprodukte können besonders wichtig sein für diejenigen, die mehr als 10 Zigaretten am Tag rauchen. Bei niedrigerem Zigarettenkonsum wirken diese Mittel eher nicht.

Nikotin kann beispielsweise über Pflaster, Kaugummi, Schmerztabletten oder Mundspray (alle nicht verschreibungspflichtig) aufgenommen werden. Pflaster bieten eine einheitliche und anhaltende Nikotinzufuhr und sind gut geeignet, um ein andauerndes Verlangen zu lindern. Kaugummi wird nach etwa 30 Minuten ausgespuckt und ergibt ungefähr die gleiche Nikotinkonzentration wie eine mittelstarke Zigarette in dieser Zeit. Mundspray oder ein Nikotininhalator eignen sich ebenfalls als Nikotinersatz.

Je nach Art des Nikotinersatzes sind unterschiedliche Nebenwirkungen möglich, lassen Sie sich am besten ärztlich dazu informieren. Grundsätzlich ist es wichtig, die Nikotinpräparate im Haus sicher zu verwahren; Nikotin ist ein gefährliches Gift und kann gerade bei Kleinkindern schon in geringen Mengen schwere bis lebensgefährliche Folgen haben, wenn diese es versehentlich aufnehmen.

Andere Medikamente, die unterstützend bei der Raucherentwöhnung wirken, sind Bupropion und Vareniclin. Beide sind rezeptpflichtig, und wenn sie mit motivierender Unterstützung und Nachsorge kombiniert werden, werden sie von den Krankenkassen bezahlt. Bupropion ist eigentlich ein Wirkstoff gegen Depression, wird aber hauptsächlich zum Nikotinentzug eingesetzt. Vareniclin bindet an die Bindungsstellen von Nervenzellen, an die auch Nikotin bindet, jedoch ohne die für Nikotin typischen positiven Gefühle auszulösen. Daher haben weitere Zigaretten, die während der Einnahme von Vareniclin geraucht werden, nicht mehr den eigentlich gewohnten Effekt. Es stehen auch weitere Substanzen zur Verfügung; diese sind jedoch in Deutschland nicht zugelassen und können nur in bestimmten Situationen verschrieben werden. Auch alle diese Wirkstoffe können mit jeweils bestimmten Nebenwirkungen einhergehen, über die Sie Ärzt*innen informieren können.

In der Schwangerschaft

Wenn Sie während der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufhören wollen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Am besten ist es in dieser Situation, nur mit Beratung und Unterstützung von Expert*innen (also ohne Medikamente) erfolgreich aufzuhören; es können aber auch Nikotinersatzstoffe angewendet werden. Lassen Sie sich in Ihrer Frauenarztpraxis beraten.

Kurse, die Sie beim Aufhören unterstützen

Es gibt Kurse, die auf den gleichen Prinzipien basieren wie die oben genannten Hinweise. In diesen Kursen erhalten Sie eine systematische pädagogische Beratung und außerdem Unterstützung durch andere, die genau wie Sie mit dem Rauchen aufhören wollen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen