Transitorische ischämische Attacke, TIA

Bei einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) handelt es sich um eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns, die zu neurologischen Funktionsausfällen führt. Häufig kommt es zu halbseitigen Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen. Die Symptome einer TIA bilden sich üblicherweise innerhalb einer Stunde wieder zurück, jedoch ist ein solches Ereignis ein Warnzeichen für einen drohenden Schlaganfall.

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Fakten

  • Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) beruht auf einer vorübergehenden Durchblutungsstörung in einem Teil des Gehirns.
  • Eine TIA beginnt plötzlich und dauert nur kurz an. Nach einer TIA funktioniert der Körper wieder normal.
  • Typische Symptome sind eine plötzliche halbseitige Schwäche oder Lähmung, eine undeutliche oder verwaschene Sprache oder plötzliche Sehstörungen und Schwindel.
  • Etwa ein Drittel der Patienten, die eine TIA erleben, erleiden im Laufe ihres Lebens auch einen Schlaganfall.
  • Das Ziel besteht darin, die zugrundeliegende Ursache zu beheben und  das Risiko eines Schlaganfalls zu verringern.

Was ist eine transitorische ischämische Attacke (TIA)?

Bei einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) handelt es sich um eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns. Es entstehen plötzliche Funktionsausfälle, wie z. B.  halbseitige Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen, die von alleine wieder verschwinden. Man spricht gelegentlich auch von einem "kleinen Schlaganfall". Zwar hält eine TIA nicht lange an und hinterlässt auch keine bleibenden Schäden, aber es handelt sich um ein klares Warnzeichen für einen drohenden Schlaganfall. Zur Vorbeugung eines tatsächlichen Schlaganfalls sollten rechtzeitig entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome, die durch eine TIA verursacht werden, dauern normalerweise nur wenige Minuten an und bilden sich daraufhin komplett zurück. Die Symptome einer TIA gleichen den Funktionsausfällen im Rahmen eines Schlaganfalls:

  • Schwäche oder Ungeschicklichkeit auf einer Körperhälfte
  • Herabgesetztes Gefühl in einer Hälfte des Körpers
  • Sprechschwierigkeiten oder Störungen des Sprachverständnis
  • Reduziertes Gleichgewichtsgefühl und ungeschickte Bewegungen
  • Schluckbeschwerden
  • Kontrollverlust bei Harnentleerung und Stuhlgang
  • Schwierigkeiten beim Erinnern, Denken und beim Lösen von Problemen
  • Veränderungen des Sehvermögens

Eine TIA kann mehrmals auftreten, und die Symptome müssen nicht immer identisch mit denen der vorherigen Episode sein.

Ursachen

Hirninfarkt (Schlaganfall durch Gefäßverschluss)

Hirninfarkt (Schlaganfall durch Gefäßverschluss)

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) beruht auf einer vorübergehenden Durchblutungsstörung in einem Teil des Gehirns. In den meisten Fällen dauert sie nur wenige Minuten.

Die TIA wird also durch denselben Mechanismus hervorgerufen wie ein Hirninfarkt, ein Schlaganfall, der durch ein Blutgerinnsels im Gehirn entsteht. Die meisten Schlaganfälle werden durch ein solches Blutgerinnsel verursacht, deutlich seltener liegt eine Hirnblutung zugrunde. Im Gegensatz zum Schlaganfall, bei dem es aufgrund einer länger anhaltenden Durchblutungsstörung zum Absterben der Nervenzellen und damit zu bleibenden Hirnschäden kommt, bilden sich die Schäden einer TIA wieder zurück. Eine TIA ist jedoch ein deutliches Warnzeichen für das Risiko eines unmittelbar drohenden Schlaganfalls. Aus dem Grunde sollte eine TIA niemals ignoriert werden.

Der TIA liegt oftmals eine Arterienverkalkung zugrunde. Bei der sogenannten Arteriosklerose lagern sich Fett und Kalk an den Gefäßinnenwänden der für die Versorgung des Gehirns verantwortlichen Arterien ab. Dies führt zu einer Verengung der Blutgefäße, was wiederum die Bildung von Blutgerinnseln begünstigt. Ein solches kann mit dem Blut mitgeschwemmt werden, bis es in einem Blutgefäß hängen bleibt und dieses blockiert.

Risikofaktoren

Die Faktoren, die die Entstehung einer TIA begünstigen, entsprechen im Grunde den Risikofaktoren für einen Schlaganfall.

Einige dieser Faktoren können durch Veränderung der Lebensgewohnheiten oder eine Kontrolle und Behandlung verschiedener Grunderkrankungen günstig beeinflusst werden. Insbesondere nach einer TIA sollten Maßnahmen ergriffen werden, um einem manifesten Schlaganfall vorzubeugen.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Kontaktieren Sie umgehend einen Arzt, wenn Sie bei sich oder Angehörigen Symptome oder Anzeichen einer TIA vermuten. Wie bei einem Schlaganfall weisen die meisten Betroffenen Symptome auf, die mit dem sogenannten FAST-Schnelltest auch von medizinischen Laien erkannt werden können. Die Abkürzung FAST steht für die englischen Worte Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit):

FAST-Test

Face (Gesicht) – Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen?

Arms (Arme) – Fordern Sie die betroffene Person auf, beide Arme gleichzeitig zu heben, die Handflächen nach oben zu drehen, und die Arme so für einige Sekunden zu halten. Sinkt ein Arm allmählich ab?

Speech (Sprache) – Bitten Sie die betroffene Person einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage, oder ist die Aussprache verwaschen?

Time (Zeit) – Sollte der Betroffene mit einer der genannten Aufgaben Probleme haben, zählt jede Minute! Je schneller der Patient behandelt wird, desto geringer sind die zu erwartenden Folgeschäden. Rufen Sie in diesem Fall den Notruf 112!

Diagnostik

Typisch für eine transitorische ischämische Attacke (TIA) sind der plötzliche Beginn und die kurze Dauer der Symptome. Häufig ist der Betroffene beim ersten Kontakt mit einem Arzt wieder beschwerdefrei. Die Diagnose wird daher oft anhand der geschilderten Ereignisse gestellt. Die ärztliche Untersuchung ist mitunter komplett unauffällig.

Bei einigen Patienten lassen sich nach einer TIA allerdings klare Anzeichen für eine Grunderkrankung, z. B. eine Gefäßverengung entdecken. In der Regel handelt es sich dabei um die Halsschlagadern. Nach einer TIA oder einem Schlaganfall werden in der Regel einige Untersuchungen durchgeführt, um die Ursache zu klären.

  • Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße: Mittels Ultraschall lässt sich feststellen, ob eine Verengung (Stenose) in einer der beiden vorderen Halsarterien (Karotisarterien) vorliegt.
  • Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns: Diese Untersuchungen erfolgen bei Betroffenen, bei denen eine TIA zum ersten Mal auftritt oder ein Schlaganfall als Ursache der Symptome in Frage kommt. Mithilfe der bildgebenden Untersuchung soll auch ausgeschlossen werden, dass die Symptome von einer anderen Erkrankung des Gehirns herrühren.
  • Echokardiografie: Bei der Echokardiografie wird das Herz mittels Ultraschall untersucht. Sie wird für die Suche nach Blutgerinnseln im Herzen, die sich lösen und mit dem Blutstrom ins Hirn gelangen können, und anderen Herzveränderungen wie z. B. Herzklappenfehlern verwendet.

Therapie

Nach einer TIA wird nach der Ursache für die Erkrankung gesucht und nach Möglichkeit behoben. Die Behandlung zielt also darauf ab, einen Schlaganfall und andere Gefäßerkrankungen zu verhindern. In einigen Fällen ist dazu eine medikamentöse Therapie oder sogar eine operative Behandlung an der Halsschlagader nötig.

Medikamentöse Therapie

Verschiedene Arzneimittel können das Risiko eines Schlaganfalls nach einer TIA senken. Welches Medikament im jeweiligen Fall zum Einsatz kommt, hängt von der Ursache der TIA ab. Die beiden üblichen Arzneimittelgruppen sind:

  • Präparate, die die Verklumpung von Blutplättchen verhindern (Thrombozytenaggregationshemmer): Diese Medikamente verhindern, dass sich die Blutplättchen im Blut verklumpen und Blutgerinnsel ausbilden. Der gängigste Wirkstoff dieser Gruppe ist die Acetylsalicylsäure oder ASS. Für Patienten, die keine Acetylsalicylsäure vertragen, kommt Clopidogrel als Alternative infrage.
  • Gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulantien): Oft eingesetzte Wirkstoffe dieser Gruppe sind Cumarine wie z. B. Marcumar und einige neuere Präparate. Sie beeinflussen die Gerinnungsfaktoren im Blut und verhindern auf diesem Wege die Blutgerinnung. Derartige Medikamente werden häufig bei Vorhofflimmern eingesetzt.

Vorbeugung

Einer TIA oder einem Schlaganfall kann vorgebeugt werden, indem die entscheidenden Risikofaktoren kontrolliert werden. Viele davon hängen mit den Lebensgewohnheiten zusammen. Folgende Maßnahmen können das Risiko effektiv senken:

  • Rauchen: Rauchen ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Schlaganfälle und sollte nach Möglichkeit komplett beendet werden.
  • Bewegung: Schon mildes körperliches Ausdauertraining, beispielsweise durch Spaziergänge und Fahrradfahren, beugt Schlaganfällen vor.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann das Risiko reduzieren. Empfohlen werden mindestens fünf Mal pro Tag frisches Obst und Gemüse, ausreichend Ballaststoffe und einmal pro Woche Fisch.
  • Übergewicht: Bei starkem Übergewicht wirkt sich eine Gewichtsabnahme positiv auf das Schlaganfallrisiko aus. 
  • Alkohol: Als Grenze für den gefährlichen Alkoholkonsum gelten bei Frauen 1 Glas, bei Männern 2 Gläser alkoholhaltiger Getränke pro Tag.
  • Blutdruck: Eine gelegentliche Kontrolle des Blutdrucks kann sinnvoll sein. Bluthochdruck ist in der Regel asymptomatisch und lässt sich oftmals nur durch regelmäßige Blutdruckmessungen nachweisen.
  • Grunderkrankungen: Andere Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Fettstoffwechselstörungen mit erhöhten Blutfetten und Diabetes mellitus erhöhen das Risiko für Schlaganfälle. Durch korrekte Behandlung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen dieser Erkrankungen lässt sich das Schlaganfallrisiko senken.

Weitere Informationen

Autoren

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schlaganfall und TIA. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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