Blutgerinnsel in Arm oder Bein, tiefe Venenthrombose (TVT)

Jedes Jahr entwickelt ungefähr 1 von 1.000 Personen, die nicht im Krankenhaus sind, ein Blutgerinnsel in einer Vene. Dies kann zu mehr oder weniger starken Beschwerden führen. Typisch ist jedoch, dass das betroffene Bein schmerzt, anschwillt und warm wird.

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Was ist eine tiefe Venenthrombose?

Venen sind Blutgefäße, die das Blut aus den verschiedenen Geweben und Organen des Körpers zurück zum Herzen transportieren. Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) bildet sich ein Blutgerinnsel in einer großen, tief liegenden Vene des Unter- oder Oberschenkels oder des Beckens, manchmal auch im Arm oder im Schulterbereich. Ist eine Vene durch ein Blutgerinnsel (einen Thrombus) verstopft, ist der Blutfluss zurück zum Herzen in diesem Gefäß erschwert oder auch völlig gestoppt. Im Bereich unterhalb des Blutgerinnsels staut sich daraufhin das Blut. Flüssigkeit tritt aus der Vene in das Gewebe über und das Bein (oder der Arm) schwillt an. Wenn sich das Blutgerinnsel (oder Teile davon) löst und mit dem Blutstrom mitgenommen wird, kann es in eines der Blutgefäße der Lunge gelangen und sich dort festsetzen – dies ist eine Lungenembolie.

Die tiefe Venenthrombose ist eine häufige Gefäßerkrankung. Ab dem Alter von 50 Jahren steigt ihre Häufigkeit deutlich an, doch auch im Jugendalter ist sie nicht ungewöhnlich. Jedes Jahr entwickelt ungefähr 1 von 1.000 Personen im ambulanten Bereich ein Blutgerinnsel in einer Vene; bei älteren Personen und Patienten im Krankenhaus ist die tiefe Venenthrombose häufiger. In den allermeisten Fällen ist der Unter- oder Oberschenkel betroffen, seltener auch der Arm.

Symptome

Eine TVT kann mehr oder weniger starke Beschwerden hervorrufen (manchmal verursacht die Thrombose gar keine Symptome). Häufig schmerzt das betroffene Bein und ist geschwollen, gerötet und warm. Die Schmerzen sind in der Regel nicht stark und können durch Hochlegen des geschwollenen Beins gelindert werden. Die Muskulatur fühlt sich eventuell etwas fester an als normal, und mitunter treten die oberflächlichen Venen besonders deutlich hervor. Manchmal löst sich das Blutgerinnsel auch und wird mit dem Blut in die Lunge getragen, wo es eines der dortigen Blutgefäße verstopft (Lungenembolie). Dies kann lebensgefährlich sein und Brustschmerzen und schwere Atembeschwerden hervorrufen.

Ursachen

Es gibt viele Faktoren, die zur Bildung eines Blutgerinnsels in einer tiefen Vene führen können. Ein besonders wichtiger Faktor ist mangelnde Bewegung, zum Beispiel aufgrund von krankheitsbedingter langandauernder Bettruhe, nach einer Operation oder bei langem Sitzen in Verbindung mit einer Reise. Dadurch verlangsamt sich der Blutfluss, und eventuell werden auch Blutgefäße abgeklemmt. Damit steigt das Risiko, dass sich ein Blutgerinnsel bildet.

Venen und Muskelpumpe
Venen und Muskelpumpe

Besonders hoch ist die Gefahr eines Blutgerinnsels in den ersten 4 Wochen nach einem Knochenbruch, einer Infektionskrankheit oder einer Operation. Das Einsetzen eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks geht mit einem besonders großen Risiko einher. Im Zusammenhang mit solchen Operationen erhalten die Patienten deshalb routinemäßig eine vorbeugende Behandlung gegen Blutgerinnsel. Erhöht ist das Thromboserisiko außerdem bei Personen mit starkem Übergewicht und bei Frauen, die die Antibabypille einnehmen und rauchen oder schwanger sind. Bei Personen, die bereits einmal eine Thrombose hatten, besteht ein erhöhtes Risiko, erneut eine Thrombose zu erleiden.

Zudem gibt es einige angeborene, erbliche Blutgerinnungsstörungen, die die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen. Auch bei verschiedenen Krankheiten besteht ein erhöhtes Thromboserisiko, u. a. etwa im Rahmen einer Krebskrankheit, bei Herz- und Nierenkrankheiten, Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes mellitus oder liegendem Herzschrittmacher oder Venenkatheter.

Blutgerinnsel bei Frauen

Die Einnahme der Antibabypille erhöht bekanntermaßen das Risiko von Blutgerinnseln, vor allem in Kombination mit zunehmendem Alter und dem Rauchen. Frauen, die bereits einmal eine Thrombose hatten oder bei denen in der näheren Familie bereits mehrere Thrombosefälle aufgetreten sind, sollten deshalb nicht die Antibabypille einnehmen. Auch Hormonbehandlungen in und nach den Wechseljahren erhöhen das Thromboserisiko. In der Schwangerschaft ist das Risiko ebenfalls etwas erhöht und steigt mit zunehmendem Alter der Schwangeren weiter an. Bei einer Kaiserschnittgeburt erhöht sich das Risiko zusätzlich.

Diagnostik

Ein Blutgerinnsel im Unterschenkel führt zu einer Schwellung und gleichzeitig oft zu einer etwas erhöhten Temperatur und einer leichten Rötung der Haut. Die meisten Betroffenen haben zudem Schmerzen beim Gehen und in Ruhe. Diese Schmerzen lassen normalerweise nach, wenn das geschwollene und schmerzende Bein hochgelegt und ruhig gehalten wird.

Auch wenn sich der Verdacht auf ein Blutgerinnsel bereits aus der Krankengeschichte und den Befunden der ärztlichen Untersuchung ergibt, sind zusätzlich noch weitere Untersuchungen nötig. Bei Unsicherheit bezüglich der Diagnose kann eine Untersuchung des Blutes auf die sogenannten D-Dimere den Verdacht bestätigen oder entkräften. Endgültig bestätigt wird die Diagnose durch eine Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße im Unter- oder Oberschenkel oder im Becken. Eine mögliche Alternative oder zusätzliche Untersuchung ist eine Gefäßdarstellung per Röntgen, CT oder MRT.

Wenn eine tiefe Venenthrombose festgestellt wird, ohne dass es dafür eine eindeutige Ursache gibt, sollte untersucht werden, ob die Blutgerinnung gestört ist.

Therapie

Die Behandlung wird normalerweise im Rahmen eines kurzen Krankenhausaufenthaltes begonnen, eventuell auch ohne Klinikeinweisung in einer Klinikambulanz. Ziel der Behandlung ist es, eine weitere Vergrößerung des Blutgerinnsels zu verhindern und es schließlich aufzulösen. Durch die Behandlung werden die Beschwerden gelindert, und schweren Komplikationen wird vorgebeugt.

Behandlung in der akuten Phase

In der akuten Phase werden blutverdünnende Medikamente angewendet. Heparin wirkt schnell und wird in den ersten Tagen per Spritze verabreicht. Anschließend werden mehrere Monate lang Blutverdünner in Tablettenform (Cumarin oder andere Arten von oralen Antikoagulanzien/Gerinnungshemmern) eingenommen, um das Blutgerinnsel ganz aufzulösen und neuen Blutgerinnseln vorzubeugen. Während der Behandlung mit Gerinnungshemmern sind regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt nötig, um die Blutverdünnung zu überprüfen und die Dosierung bei Bedarf anzupassen. Schwangeren mit einer Thrombose wird über die gesamte Dauer der Behandlung hinweg niedermolekulares Heparin zur Blutgerinnungshemmung gespritzt (Heparin kann man sich auch selbst spritzen).

Blutverdünnende Medikamente können bei zu hoher Dosierung zu inneren Blutungen und bei zu niedriger Dosierung zu erneuten Blutgerinnseln führen. Deshalb ist es wichtig, sich während der Behandlung an die empfohlene Dosis zu halten.

Bei Patienten, bei denen die Therapie versagt oder die eine Thrombose z. B. im Bereich der Beckenvenen haben, kann es auch sinnvoll sein, mithilfe eines Katheters bestimmte Substanzen direkt in die betroffene Vene zu spritzen, um das Gerinnsel aufzulösen (Thrombolyse).

Prävention

Es gibt mehrere Dinge, die Sie selbst tun können, um der Bildung eines Blutgerinnsels vorzubeugen. Am wichtigsten ist es, nicht länger als nötig Bettruhe zu halten. Achten Sie auf regelmäßige Bewegung. Verbringen Sie nicht den ganzen Tag im Liegen, wenn Sie sich nicht so gut fühlen, sondern stehen Sie immer mal wieder auf und legen Sie lieber einige zusätzliche Ruhepausen ein. Durch die Bewegung und die dadurch bedingte Muskelarbeit werden die Beinvenen regelmäßig zusammengedrückt und das Blut in Richtung Herz befördert (Muskelpumpe, s. Zeichnung oben), was einem Blutgerinnsel vorbeugt

Nach Operationen ist es wichtig, dass Sie wieder auf die Beine kommen und früh mobilisiert werden. Wenn bei Ihnen Risikofaktoren für eine Thrombose vorliegen, erhalten Sie in Verbindung mit Operationen oder Krankheiten, die Bettruhe erfordern, vorbeugend blutverdünnende Medikamente.

Raucher haben ein erhöhtes Thromboserisiko!

Prognose

Die Prognose bei einer TVT ist gut, und die Sterblichkeit liegt bei unter 1 %.

Es können jedoch Komplikationen auftreten: Teile eines Blutgerinnsels können sich lösen und in die Lunge getragen werden. Dies wird als Lungenembolie bezeichnet. Eine Lungenembolie kann eine lebensgefährlich Erkrankung sein, doch durch eine frühzeitige und effektive Behandlung der Venenthrombose kann sie verhindert werden.

Bei bis zu 20–30 % aller Patienten mit einem Blutgerinnsel im Ober- oder Unterschenkel entwickelt sich das sogenannte postthrombotische Syndrom. Dieses Syndrom ist durch eine anhaltende Schwellung, Krampfadern, ein chronisches Ekzem und eventuell offene Wunden am Unterschenkel gekennzeichnet. Der Grund hierfür ist, dass sich das Blutgefäß nach der Thrombose nicht wieder vollständig öffnet und der Druck unterhalb des Blutgerinnsels erhöht ist. Dies führt zum Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe und zu Hautveränderungen. Bis zu einem gewissen Grad kann dem postthrombotischen Syndrom durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen vorgebeugt werden.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Venenthrombose, tiefe. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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