Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge)

Ein Blutgerinnsel kann in die Lunge gelangen, wenn sich ein Blutpfropf (= Blutgerinnsel oder Thrombus), der sich in einer Vene in den Beinen oder im Becken gebildet hat, löst und mit dem Blut zur Lunge transportiert wird. Dort setzt sich dieses Blutgerinnsel dann in einer Arterie fest.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Fakten

  • Bei einer Lungenembolie löst sich ein Blutpfropf (Blutgerinnsel) von dem Ort, wo er sich gebildet hat, und wird mit dem Blut zur Lunge transportiert.
  • Das Blutgerinnsel setzt sich in einer Lungenarterie fest und blockiert den von dieser Arterien versorgten Anteil der Lunge.
  • Kleine Lungenembolien müssen nicht unbedingt Symptome zeigen oder äußern sich lediglich als stechender Schmerz, Husten oder mäßige Atembeschwerden.
  • Bei größeren Gerinnseln kommt es zu stärkeren Atembeschwerden oder Atemnot, Husten und Brustschmerzen, die beim Atmen stärker werden.
  • Der Verlauf hängt von der Größe des Blutgerinnsels ab. Er kann von unkomplizierten, vorübergehenden Beschwerden bis hin zum plötzlichen Tod reichen.

Was ist ein Blutgerinnsel in der Lunge (Lungenembolie)?

Bei einer Lungenembolie löst sich ein Blutpfropf (Blutgerinnsel) – meist in den Blutgefäßen in Wade oder Becken – und wird mit dem Blut zur Lunge transportiert, wo er sich in einer Lungenarterie festsetzt. Das Lungengewebe, das von dieser Arterie versorgt wird, stirbt ab, wenn die Blutversorgung plötzlich aufhört.

Die Symptome bei einem Blutgerinnsel in der Lunge variieren je nach Ort und Größe des Gerinnsels. In der frühen Phase der Erkrankung kann eine Diagnose mitunter schwierig sein, weil die Beschwerden zu vielen Krankheiten passen können. Bei einem Blutgerinnsel in der Lunge treten folgende Symptome auf:

  • plötzlicher, stechender Schmerz in der Brust, der beim tiefen Einatmen oder Husten beginnt oder sich verschlimmert, oft gefolgt von Atemnot,
  • plötzliche, unerklärliche Kurzatmigkeit, eventuell ohne Schmerzen,
  • Husten, eventuell mit blutigem Auswurf,
  • hoher Puls, schnelle Atmung,
  • Angst und Schweißausbrüche,
  • in schweren Fällen Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit.

Kleine Lungenembolien müssen nicht unbedingt Symptome zeigen oder äußern sich lediglich als stechender Schmerz, Husten oder mäßige Atembeschwerden. Bei größeren Gerinnseln kommt es zu stärkeren Atembeschwerden oder Atemnot, Husten und Brustschmerzen, die beim Atmen stärker werden. Jährlich werden etwa 55.000 Menschen in Deutschland wegen einer Lungenembolie im Krankenhaus behandelt.

Ursache

Eine Lungenembolie tritt meist auf, nachdem sich ein Blutgerinnsel in den tiefen Bein- oder Beckenvenen gebildet hat und sich von dort ablöst. Blutgerinnsel im Bein entstehen in der Regel, wenn die Durchblutung in den Venen verlangsamt ist. Gefährdet sind deshalb Personen, die lange liegen (müssen) und sich kaum bewegen. Grundsätzlich entsteht ein Gerinnsel, wenn das Blut in den Venen sich "staut" und dadurch leichter gerinnen kann.

Löst sich der Blutpfropf ganz oder teilweise von der Venenwand ab, wird er mit dem Blut zum Herz transportiert und von dort in die Lungengefäße gepumpt. Die Blutgefäße innerhalb der Lunge werden immer kleiner und je nach Größe des Gerinnsels setzt es sich in einer Arterie fest und verursacht eine Lungenembolie.

In selteneren Fällen kann sich ein Blutgerinnsel auch im Herz bilden (z.B. bei Vorhofflimmern) und von dort in die Lunge gelangen.

Es gibt mehrere Faktoren, die das Risiko einer Lungenembolie erhöhen, darunter:

  • lange Bettlägerigkeit
  • früheres Blutgerinnsel im Bein
  • Bein- oder Beckenbruch
  • andere schwere Verletzungen nach Unfall
  • Herzinsuffizienz
  • Übergewicht
  • Operation
  • Krebs
  • Schwangerschaft
  • Wochenbett
  • Antibabypille
  • Hormonersatztherapie
  • erbliche Blutkrankheiten

Diagnostik

Eine Diagnose kann schwierig sein, weil die Beschwerden nicht typisch sind, sondern auch Folge anderer Krankheiten sein können (s. oben). Bei einem Verdacht auf Lungenembolie aufgrund der Krankengeschichte wird der Patient sofort ins Krankenhaus eingewiesen. Dort werden Blutproben genommen, damit eine andere Erkrankung als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden kann. Bestimmte Marker im Blut können auf eine Thrombose hinweisen. Die Lunge wird sorgfältig untersucht – mittels Röntgenbild, einer speziellen Computertomografie (CT) der Blutgefäße sowie bei Bedarf weiteren Verfahren kann eine eindeutige Diagnose gestellt werden. Auch das Herz wird genau untersucht. Mittels Ultraschall lässt sich zudem nachweisen, ob eine Thrombose in den Beinvenen vorliegt.

Gibt es Hinweise auf eine erbliche Störung der Blutgerinnung, wird auch dies genau untersucht.

Therapie

Prävention

Es ist wichtig, dass Sie sich viel bewegen, denn Blutgerinnsel entstehen oft, wenn Sie länger stillsitzen, z. B. auf langen Flugreisen. Aus diesem Grund wird operierten oder schwer kranken Patienten auch empfohlen, so schnell wie möglich aus dem Bett aufzustehen. Falls das nicht möglich ist, wird der Arzt vorbeugend Blutverdünner verschreiben.

Medikamentöse Therapie

Die Therapie erfolgt mit blutverdünnenden Medikamenten, damit sich keine neuen Blutgerinnsel bilden können. Anfänglich werden die blutverdünnenden Medikamente direkt ins Blut verabreicht. Nach einigen Tagen besteht die Therapie jedoch aus der Gabe von Tabletten (Cumarine). Die Therapie sollte meist über mehrere Monate fortgesetzt werden; es stehen verschiedene Präparate zur Verfügung.

In bestimmten Fällen ist es im Krankenhaus auch möglich, das Gerinnsel mit Medikamenten aufzulösen (Thrombolyse).

Chirurgischer Eingriff

Bei einer lebensbedrohlichen Embolie kann das Blutgerinnsel im Rahmen einer Operation aus dem Blutgefäß entfernt werden, wenn andere Therapieformen nicht angeschlagen haben.

Prognose

Der Verlauf hängt von der Größe des Blutgerinnsels ab. Er kann von unkomplizierten, vorübergehenden Beschwerden bis hin zum plötzlichen Tod reichen. Kurz nach dem Ereignis sterben rund 10% der Betroffenen, miest innergalb von 2 Stunden. Von den Patienten, die die akute Phase überleben, werden zwei Drittel nach der Verabreichung von blutverdünnenden Medikamenten wieder ganz gesund. Rückfälle sind allerdings möglich. Patientinnen, die bereits eine Lungenembolie erlitten haben, sollten die Antibabypille nicht nehmen und auf eine spätere Östrogentherapie verzichten. In Bezug auf eine vorbeugende Therapie wird der Arzt solche Risikopatienten beraten. Zudem ist es besonders bei diesen Patienten wichtig, vorbeugend Blutverdünner zu verwenden, wenn sie längere Zeit im Bett verbringen müssen oder z.B. nach einer Fraktur ein Bein nicht bewegen dürfen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lungenembolie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Lohnstein M, Eras J, Hammerbacher C. Der Prüfungsguide Allgemeinmedizin - Aktualisierte und erweiterte 3. Auflage. Augsburg: Wißner-Verlag, 2018.
  2. Deutsche Gesellschaft für Angiologie. Venenthrombose und Lungenembolie: Diagnostik und Therapie. AWMF S2 Leitlinie Nr. 065-002. Stand 2015 www.awmf.org
  3. Schellhaaß, A, Walther A, Konstantinides S et al. Diagnostik und Therapie bei akuter Lungenembolie. Dt Arztebl 2010; 107: 589-595. doi:10.3238/arztebl.2010.0589 DOI
  4. Konstantinides S, Torbicki A, Agnelli G, et al. Acute Pulmonary Embolism - Diagnosis and Management. ESC Clinical Practice Guidelines. European Society of Cardiology. 2014 www.escardio.org
  5. Hansson PO, Welin L, Tibblin G, et al.. Deep vein thrombosis and pulmonary embolism in the general population. Arch Intern Med 1997; 157: 1665-70. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Silverstein m, Heit JA et al. Trends in the incidence of deep vein thrombosis and pulmonary embolism: a 25-year population-based study. Arch Intern Med. 1998 Mar 23; 158(6): 585-93. www.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Karwinski B, Svendsen E. Comparison of clinical and postmortem diagnosis of pulmonary embolism. J Clin Pathol 1989; 42: 135-9. PubMed
  8. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Diagnosedaten der Krankenhäuser ab 2000. Region: Deutschland, ICD10: I26 Lungenembolie. Stand 6.5.2015 www.gbe-bund.de
  9. Douketis J, Tosetto A, Marucci M, et al. Risk of recurrence after venous thromboembolism in men and women: patient level meta-analysis. BMJ 2011; 342: d813. www.bmj.com
  10. Apenteng PN, Hobbs FR, Roalfe A, et al. Incidence of venous thromboembolism in care homes: a prospective cohort study. Br J Gen Pract 2017 Feb; 67 (655): e130-e137. pmid:28093420 PubMed
  11. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. Pocket-Leitlinie: Lungenembolie (Version 2014) leitlinien.dgk.org
  12. Benz R, Mattle D, Thurnheer R. Akute Lungenembolien - aktuelle Diagnostik und Therapie. Schweiz Med Forum 2014; 14: 195-201. www.medicalforum.ch
  13. Velmahos GC, Spaniola K, Tabbara M, et al. Pulmonary embolism and deep venous thrombosis in trauma: are they related?. Arch Surg 2009; 144: 928-32. PubMed
  14. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Brustschmerz. AWMF S3 Leitlinie Nr. 053-023. Stand 31.1.2011 www.awmf.org
  15. Robert-Ebadi H, Le Gal G, Couturaud FCM et al. Differenses in clinical presentation of pulmonary embolism in women and men. J Thromb Haemost 2010; 8: 693-8. PubMed
  16. Wells PS. Integrated strategies for the diagnosis of venous thromboembolism. J Thromb Haemost 2007; 5 (suppl. 1): 41-50. www.ncbi.nlm.nih.gov
  17. Pollak, AW, McBane, RD. Succinct review of the new VTE prevention and management guidelines. Mayo Clinic Proceedings 2014; 89, 3; 394-408 www.ncbi.nlm.nih.gov
  18. Gibson NS, Sohne M, Kruip MJ, et al. Further validation and simplification of the Wells clinical decision rule in pulmonary embolism. Thromb Haemost 2008; 99: 229-34. www.ncbi.nlm.nih.gov
  19. Le Gal G, Righini M, Roy P-M et al. Prediction of Pulmonary Embolism in the Emergency department: The revised Geneva Score. Ann Int Med 2006; 144: 166-171. PubMed
  20. Hendriksen JMT, Geersin G-J, Lucassen WAM, et al. Diagnostic prediction models for suspected pulmonary embolism: systematic review and independent external validation in primary care. BMJ 2015; 351: h4438. doi:10.1136/bmj.h4438 DOI
  21. Shen J-H, Chen H-L, Chen J-R, et al. Comparison of the Wells score with the revised Geneva score for assessing suspected pulmonary embolism: a systematic review and meta-analysis. J Thromb Thrombolysis 2016; 41: 482-92. pmid:26178041 PubMed
  22. Geersing G-J, Erkens PMG, Lucassen WAM, et al. Safe exclusion of pulmonary embolism using the Wells rule and qualitative D-dimer testing in primary care: prospective cohort study. BMJ 2012; 345: e6564. BMJ (DOI)
  23. ATS Guideline – Evaluation of Suspected Pulmonary Embolism in Pregnancy. Radiology 2012; 262 (2): 635-646 www.ncbi.nlm.nih.gov
  24. van Mens T, Scheres L, de Jong P, et al. Imaging for the exclusion of pulmonary embolism inpregnancy (Review). Cochrane Database of Systematic Reviews 2017;1:1-64. doi:10.1002/14651858.CD011053.pub2 DOI
  25. El Tabei L, Holtz G, Schürer-Maly C, et al. Diagnostische Sicherheit bei der tiefen Bein- und Beckenvenenthrombose in der Hausarztpraxis. Dt Arztebl 2012; 109: 761-766. doi:10.3238/arztebl.2012.0761 DOI
  26. Ridge CA, McDermott S, Freyne BJ, et al. Pulmonary embolism in pregnancy: comparison of pulmonary CT angiography and lung scintigraphy. Am J Roentgenol 2009; 193 (5):1223-7 www.ncbi.nlm.nih.gov
  27. Shahir K, Goodman LR, Tali A, et al. Pulmonary embolism in pregnancy: CT pulmonary angiography versus perfusion scanning. Am J Roentgenol. 2010; 195 (3): W214-20 www.ncbi.nlm.nih.gov
  28. Konstantinides S, Bauersachs J, Mayer E, et al. Kommentar zur 2014-ESC- Leitlinie zum Management der akuten Lungenembolie. Kardiologe 2015; 9: 289-294. leitlinien.dgk.org
  29. The PREPIC Study Group. Eight-year follow-up of patients with permanent vena cava filters in the prevention of pulmonary embolism: the PREPIC (Prevention du Risque d`Embolie Pulmonaire par Interruption Cave) randomized study. Circulation 2005; 112: 416-22. www.ncbi.nlm.nih.gov
  30. Bates SM, Greer IA, Middeldorp S, et al. American College of Chest Physicians. VTE, thrombophilia, antithrombotic therapy, and pregnancy: Antithrombotic Therapy and Prevention of Thrombosis, 9th ed: American College of Chest Physicians Evidence-Based Clinical Practice Guidelines. Chest. 2012 Feb;141(2 Suppl):e691S-736S www.ncbi.nlm.nih.gov
  31. Rodina MT, Pendleton R, Wheeler M, et al. The treatment of venous thromboembolism in special populations Thrombosis Research 2007; 119: 391-402. www.ncbi.nlm.nih.gov
  32. Deneux-Tharaux C, Saucedo M, Bouvier-Colle MH. Pulmonary embolism in pregnancy. The Lancet 2010; 375: 1778-1779. www.ncbi.nlm.nih.gov
  33. Felgendreher R, Bramlage P, Tebbe U. Akute Lungenembolie - Therapie nach Risiko. Dt Arztebl 2015; 112 (Suppl): 8-14. doi:10.3238/PersKardio.2015.03.20.02 DOI
  34. Sharifi M, Bay C, Skrocki L, et al. Moderate pulmonary embolism treated with thrombolysis (from the "MOPETT" Trial). Am J Cardiol 2013; 111: 273-7. PubMed
  35. Chatterjee S, Chakraborty A, Weinberg I, et al. Thrombolysis for pulmonary embolism and risk of all-cause mortality, major bleeding, and intracranial hemorrhage: a meta-analysis. JAMA 2014; 311: 2414-21. doi:10.1001/jama.2014.5990 DOI
  36. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Handlungsempfehlung Bridging. AWMF S1 Empfehlung Nr. 053-027. Stand 13.5.2014 www.awmf.org
  37. Spyropoulus AC. To bridge or not to bridge: that’s the question. The argument FOR bridging therapy in patients on oral anticoagulants requiring temporary interruption for elective procedures. J Thromb Thrombolysis 2010; 29: 192-8. www.researchgate.net
  38. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. IQWiG-Bericht Nr. 256. Apixaban (neues Anwendungsgebiet) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. www.g-ba.de
  39. Pengo V, Lensing A, Prins M. Incidence of Chronic Thromboembolic Pulmonary Hypertension after Pulmonary Embolism. N Engl J Med 2004; 350: 2257-64. doi:10.1056/NEJMoa032274 DOI
  40. Carrier M, Le Gal G, Wells PS et al. Systematic review: case-fatality rates of recurrent Venous Thromboembolism and major Bleeding Events Among Patients treated for venous Thromboembolism. Ann Intern Med 2010; 152: 578-89. www.ncbi.nlm.nih.gov
  41. Klok FA and Huisman MV. Epidemiology and management of chronic thromboembolic pulmonary hypertension. Neth J Med 2010; 68: 347-351. www.ncbi.nlm.nih.gov
  42. Reitter SE, Waldhoer T, Mayerhofer M et al. Long-term survival of patients with a history of venous thromboembolism. Ann Hematol Feb 2011 (online first). www.meduniwien.ac.at