Oberflächliche Venenthrombose (Venenentzündung)

Bei der Thrombophlebitis zeigt sich eine lokal begrenzte schmerzhafte Rötung, da eine oberflächlich gelegene Vene entzündet und durch ein Blutgerinnsel verstopft ist. Sie tritt meistens im Bereich von Krampfadern an den Beinen auf.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist eine Entzündung der oberflächlich gelegenen Venen (Thrombophlebitis)?

qr-code_30451.png

Bei einer Thrombophlebitis handelt es sich um eine Gefäßentzündung einer oberflächlich gelegenen Vene, also eines Blutgefäßes, das das Blut aus dem Körper zum Herzen zurückführt. Die Gefäßwand der betroffenen Vene ist in einem begrenzten Bereich (einige Zentimeter) entzündet und im Gefäß hat sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) gebildet.

Eine Entzündung der oberflächlich gelegenen Venen ist normalerweise keine schwerwiegende Erkrankung. In den meisten Fällen sind die Gefäße der Beine betroffen, dann in der Regel in Verbindung mit Aussackungen der oberflächlichen Venen, auch Krampfadern (Varizen) genannt. Studien zufolge tritt eine Thrombophlebitis bei bis zu 10 % der Bevölkerung irgendwann im Leben auf, durchschnittlich im Alter von 60 Jahren. Frauen sind häufiger betroffen, da sie öfter unter Krampfadern leiden.

Ursachen

Krampfadern (Varizen) sind häufig die Ursache für eine Entzündung der oberflächlichen Beinvenen. Etwa 70 % aller Patienten mit einer Entzündung der oberflächlich gelegenen Venen weisen auch Krampfadern auf.

An den Venen der Arme wird eine Thrombophlebitis meist durch eine Venenverweilkanüle für eine intravenöse Infusion (Tropf) oder durch in das Gefäß injizierte Medikamente ausgelöst.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Faktoren, die die Gerinnbarkeit des Blutes und hierdurch auch die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombophlebitis erhöhen, beispielsweise Ruhigstellung der Beine nach Operationen oder auf langen Flugreisen, Einnahme der Verhütungspille und Rauchen. Das Gleiche gilt für einzelne chronische Erkrankungen wie z. B. Krebs und vererbte Erkrankungen der Blutgerinnung wie die Thrombophilie.

Symptome

Zu den typischen Beschwerden im Bereich der entzündeten Vene zählen Schmerzhaftigkeit und ein unangenehmes Gefühl über dem betroffenen Gefäß. Allmählich entsteht eine leichte Schwellung. Die Haut ist angespannt, und es kommt zu einer Erwärmung und Hautrötung. Häufig ist die verstopfte Vene als dicker Strang zu ertasten, z. B. an der Hand, am Arm oder Fuß.

Eine Schwellung des gesamten Unterschenkels oder Beines kann auf eine Thrombose der tiefen Beinvenen hinweisen. Atemnot und Brustschmerzen können Anzeichen einer Verschleppung des Blutgerinnsels in die Lungenarterien im Rahmen einer sogenannten Lungenembolie sein. Da es sich hierbei um möglicherweise gefährliche Komplikationen handelt, ist in diesen Fällen eine eilige Abklärung erforderlich.

Diagnose

Die Symptome und Untersuchungsbefunde sind oft eindeutig. Gelegentlich wird darüber hinaus eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um auszuschließen, dass die tiefliegenden Venen ebenfalls betroffen sind. Weitere Abklärungen sind in der Regel nicht nötig.

Therapie

Eine oberflächliche Thrombophlebitis geht meist innerhalb von ein bis zwei Wochen vorüber. Sind die Beinvenen betroffen, so fördert Bewegung wie Spaziergänge die Auflösung des Blutgerinnsels und ein Abklingen der Entzündung. Eine früher oftmals empfohlene Bettruhe ist nicht hilfreich, sondern verstärkt im Gegenteil die Bildung von Blutgerinnseln! Auch Kompressionsverbände fördern die Abheilung. Ist die Thrombophlebitis erst vor Kurzem entstanden, so kann versucht werden, das Blutgerinnsel mithilfe eines kleinen Schnittes zu entfernen. War ein venöser Katheter die Ursache, so sollte dieser entfernt werden. Zur Schmerzstillung sind in der Regel einfache Schmerzmittel wie Ibuprofen ausreichend. Darüber hinaus hilft Kühlen des betroffenen Bereichs, um die Entzündung zu begrenzen und Schmerzen zu lindern.

Tritt Fieber auf, kann dies ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion des Blutgerinnsels hinweisen. In diesem Fall ist möglicherweise eine weitere Abklärung und die Gabe von Antibiotika notwendig. Ist die Vene über eine lange Strecke verschlossen, sind große oder tiefliegende Venen betroffen, oder ist die Patientin/der Patient bettlägerig, so wird eine Hemmung der Blutgerinnung („Blutverdünner“) für eine begrenzte Zeit empfohlen.

Prognose

Die meisten Entzündungsfälle der oberflächlich gelegenen Venen heilen unbehandelt ab. Bei ausgedehnten Fällen wird die Auflösung des Gerinnsels durch gerinnungshemmende Medikamente beschleunigt. Ein Anschwellen des Beines deutet auf einen Befall der tiefliegenden Venen hin und sollte schnellstmöglich abgeklärt werden. In einigen Fällen kann ein Blutgerinnsel verschleppt werden und zu einer Lungenembolie führen. Da es sich hierbei um eine lebensbedrohliche Komplikation handeln kann, ist eine weitere Abklärung im Krankenhaus unverzichtbar.

Weitere Informationen

Autoren

  • Dietrich August, Dr. med., Arzt, Freiburg im Breisgau

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Venenthrombose, oberflächliche (Thrombophlebitis). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Marchiori A, Mosena L, Prandoni P. Superficial vein thrombosis: risk factors, diagnosis, and treatment. Semin Thromb Hemost 2006; 32: 737-43. PubMed
  2. Woitalla-Bruning J. Thrombophlebitis und Varikothrombose: Wann wie therapieren? Phlebologie 2018; 47(01): 32-36. DOI: 10.12687/phleb2409-1-2018 DOI
  3. Pugh CM, Dewitty RL. Mondor's disease. J Natl Med Assoc 1996. www.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Khan UD. Mondor disease: a case report and review of the literature. Aesthet Surg J 2009. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Öztürk H. Penile Mondor's disease. Basic Clin Androl 2014. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Leon L, Giannoukas AD, Dodd D et al. Clinical significance of superficial vein thrombosis. Eur J Vasc Endovasc Surg 2005; 29: 10-7. PubMed
  7. Decousus H, Epinat M, Guillot K et al. Superficial vein thrombosis: risk factors, diagnosis, and treatment. Opin Pulm Med 2003; 9: 393-7. PubMed
  8. van Doormaal FF, Atalay S, Brouwer HJ, van der Velde EF, Büller HR, van Weert HC. Idiopathic superficial thrombophlebitis and the incidence of cancer in primary care patients. Ann Fam Med 2010; 8: 47-50. PubMed
  9. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2020. Stand 20.09.2019; letzter Zugriff 30.09.2019. www.dimdi.de
  10. Cesarone MR, Belcaro G, Agus G et al. Management of superficial vein thrombosis and thrombophlebitis: status and expert opinion document. Angiology 2007; 58(suppl 1): 7-15. www.ncbi.nlm.nih.gov
  11. Nasr H, Scriven JM. Superficial thrombophlebitis (superficial venous thrombosis). . 2015. www.bmj.com
  12. Deutsche Gesellschaft für Angiologie. Venenthrombose und Lungenembolie: Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 065-002, Stand 2015 www.awmf.org
  13. Decousus H, Leizorovicz A. Superficial thrombophlebitis of the legs: still a lot to learn. J Thromb Haemost 2005; 3: 1149-51. PubMed
  14. Di Nisio M, Wichers IM, Middeldorp S. Treatment for superficial thrombophlebitis of the leg. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018; 2: Art. No.: CD004982. DOI: 10.1002/14651858.CD004982.pub6. The Cochrane Library
  15. Belcaro G, Nicolaides AN, Errichi BM et al. Superficial thrombophlebitis of the legs: a randomized, controlled, follow‐up study. Angiology 1999;50(7):523‐9. PMID: 10431991 PubMed
  16. Boehler K, Kittler H, Stolkovich S and Tzaneva S. Therapeutic effect of compression stockings versus no compression on isolated superficial vein thrombosis of the legs: a randomized clinical trial. EJVES 2014; 48: 465-471. PMID: 25116277 PubMed
  17. Deutsche Gesellschaft für Phlebologie. Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), Phlebologischem Kompressionsverband (PKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK). AWMF-Leitlinie Nr. 037-005, Klasse S2k, Stand 2018. www.awmf.org
  18. Di Nisio M, Wichers IM, Middeldorp S. Treatment for superficial thrombophlebitis of the leg. Cochrane Database Syst Rev 2013 Apr 30;4:CD004982 Cochrane (DOI)
  19. Decosus H, Prandoni P, Mismetti P, et al. Fondaparinux for the treatment of superficial-vein thrombosis in the legs. N Engl J Med 2010; 363: 1222-32. New England Journal of Medicine
  20. Beyer‐Westendorf J, Schellong SM, Gerlach H, Rabe E, Weitz JI, Jersemann K, et al. Prevention of thromboembolic complications in patients with superficial‐vein thrombosis given rivaroxaban or fondaparinux: the open‐label, randomised, non‐inferiority SURPRISE phase 3b trial. Lancet Haematology 2017;4(3):e105‐13. PMID: 28219692 PubMed
  21. Hsieh HF: Graduated compression stockings as prophylaxis for flight-related venous thrombosis: systematic literature review. J Adv Nurs 2005; 51, 83-98. PMID: 15941464 PubMed
  22. Scurr JH, Machin SJ, Bailey-King S et al. Frequency and prevention of symptomatic deep vein thrombosis in long-haul flights: a randomized trial. Lancet 2001; 357: 1485-1489. PMID: 11377600 PubMed
  23. Decousus H, Quéré I, Presles E, et al. Superficial venous thrombosis and venous thromboembolism: a large, prospective epidemiologic study. Ann Intern Med 2010; 152: 218-24. PubMed