Lungenhochdruck

Die pulmonale Hypertonie, also ein Bluthochdruck im Lungenkreislauf, ist ein komplexer Zustand, der durch unspezifische Symptome und Beschwerdebilder gekennzeichnet ist und verschiedene Ursachen hat.

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Was ist die pulmonale Hypertonie?

Cor pulmonale
Cor pulmonale

Der Lungenkreislauf verläuft von der rechten Herzkammer über die Lungenschlagadern in die Lunge. Das Blut fließt dann durch die Lungenvenen in den linken Vorhof des Herzens zurück. Die rechte Herzkammer pumpt das Blut in den Lungenkreislauf. Umgekehrt pumpt die linke Herzkammer das Blut in den Körperkreislauf. Die meisten Fälle von Herzinsuffizienz werden durch ein Versagen der linken Herzkammer hervorgerufen, seltener durch ein Versagen der rechten Herzkammer.

Die pulmonale Hypertonie, also ein Bluthochdruck im Lungenkreislauf, ist ein komplexer Zustand, der durch unspezifische Symptome und Beschwerdebilder kennzeichnet ist und verschiedene Ursachen hat. Bei unbekannter Ursache liegt eine primäre pulmonale Hypertonie vor, bei bekannter Ursache eine sekundäre pulmonale Hypertonie.

Ein anhaltender Bluthochdruck im Lungenkreislauf führt zur Ausbildung eines Cor pulmonale (cor = Herz, pulmonal = die Lunge betreffend). Bei diesem Zustand ist die rechte Herzkammer vergrößert, da dieser Teil des Herzens das Blut mit mehr Kraft auspumpen muss, um das Blut durch den Lungenkreislauf fließen zu lassen. Das Cor pulmonale kann akut oder chronisch auftreten. Als Folge des Cor pulmonale kann es zu einem Rechtsherzversagen, einer sogenannten Rechtsinsuffizienz, kommen.

Ein unbehandelter Bluthochdruck im Lungenkreislauf führt ungeachtet der Ursache zu einem Rechtsherzversagen.

Häufigkeit

Die primäre pulmonale Hypertonie ist eine sehr seltene Krankheit, von der jährlich ca. 1 bis 2 neue Fälle pro 1 Million Menschen gemeldet werden. Während der Kindheit können keine Geschlechterunterschiede festgestellt werden, aber nach der Pubertät sind mehr Frauen als Männer betroffen (1,7:1). Die Krankheit tritt am häufigsten in der Altersgruppe 20 bis 40 Jahre auf.

Die sekundäre pulmonale Hypertonie tritt häufiger auf, wird aber meist zu selten diagnostiziert. Das Vorkommen lässt sich aufgrund der vielen möglichen Ursachen schwer feststellen.

Das Cor pulmonale als Folge einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung tritt relativ häufig auf und ist die dritthäufigste Herzerkrankung (nach Herzgefäßerkrankungen und Herzerkrankungen aufgrund von Bluthochdruck im Körperkreislauf). So leidet beispielsweise die Hälfte der COPD-Patienten auch unter einem Cor pulmonale. Bei ca. 20 % der Patienten, die mit einer Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert werden, liegt ein Rechtsherzversagen mit gleichzeitigem Cor pulmonale vor.

Ursache

Bei der primären pulmonalen Hypertonie ist die Ursache unbekannt, aber die abnormalen Veränderungen betreffen die Blutgefäße in der Lunge. Die sekundäre pulmonale Hypertonie tritt als Komplikation bei verschiedenen Erkrankungen von Lunge, Herz oder Brusthöhle auf. Das Cor pulmonale ist eine Folge eines anhaltenden Bluthochdrucks im Lungenkreislauf, bei der die rechte Herzkammer vergrößert ist. Die rechte Herzkammer hat verhältnismäßig dünne und relativ schwache Wände. Dadurch kann die rechte Herzseite versagen, wenn der Blutdruck im Lungenkreislauf anhaltend hoch ist. Es kommt zu einem Rechtsherzversagen.

Ein hoher Blutwert bei chronischen Lungenerkrankungen, bei denen die Sauerstoffaufnahme verringert ist, ist ein weiterer Einflussfaktor. Das Blut wird dicker und zähflüssiger, sodass der Blutdruck im Lungenkreislauf weiter steigt.

Verschiedene Zustände können zur sekundären pulmonalen Hypertonie und zu einem Cor pulmonale führen. Die häufigsten sind: COPD, chronisches Asthma, kleine und große Blutgerinnsel, starkes Übergewicht mit Kurzatmigkeit, Lungengefäßerkrankungen aufgrund von intravenösem Drogenmissbrauch, angeborene Herzerkrankung, Lungenfibrose, Entfernung von Lungengewebe bei einer Operation, Muskelschwäche, erheblicher Schiefstand des Rückens, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis).

Symptome

In den meisten Fällen treten die Symptome in Verbindung mit einer auslösenden Ursache auf, z. B. durch Blutgerinnsel oder Lungenentzündungen. Die häufigsten Symptome – deutliche Atembeschwerden bei Anstrengung, Müdigkeit und Schwindelanfälle – sind ein Ausdruck dafür, dass das Herz nicht in der Lage ist, die Pumpleistung bei Zunahme der körperlichen Aktivität zu steigern. Es kann beispielsweise zu einer Angina pectoris kommen, obwohl die Blutgefäße in der Herzwand (Herzkranzgefäße) normal sind.

Erkrankungen der Lungengefäße

Durch ein plötzlich auftretendes Blutgerinnsel in der Lunge können akute, ernste Atembeschwerden entstehen. Aufgrund von chronischen Erkrankungen können Atembeschwerden, trockener Husten, Brustschmerzen und geschwollene Beine auftreten.

Erkrankungen mit Auswirkungen auf die Lungenfunktion

Hier handelt es sich um Erkrankungen wie COPD, chronisches Asthma und Muskelerkrankungen sowie neurologische Beschwerden, welche die Lungenfunktion einschränken. Typische Symptome sind Atembeschwerden, eventuell lockerer Husten (COPD) oder wiederkehrende Atemwegsinfektionen.

Diagnostik

In den meisten Fällen kann eine zugrunde liegende Ursache für die pulmonale Hypertonie und das Cor pulmonale festgestellt werden. Die Symptome hängen jeweils von der auslösenden Ursache ab – es wird zwischen akutem und chronischem Verlauf unterschieden. Für die Diagnose eines Cor pulmonale müssen eine erweiterte rechte Herzkammer und eventuell ein erhöhter Druck in den Lungengefäßen vorliegen.

Bei einem akuten Verlauf ist das Krankheitsbild von akuter Herzinsuffizienz geprägt. Bei einem chronischen Verlauf ist das Krankheitsbild von der zugrunde liegenden Erkrankung geprägt.

EKG und Lungenfunktionsmessungen können zusätzlich durchgeführt werden. Dies gilt auch für verschiedene bildgebende Verfahren wie Röntgen von Herz und Lunge, Echokardiografie, Lungenszintigrafie, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie sowie Messungen der Blutgaswerte. Die meisten Informationen werden bei einer Herzkatheterisierung gewonnen. In manchen Fällen müssen Proben des Lungengewebes genommen werden.

Therapie

Ungeachtet der Grunderkrankung führt ein niedriger Sauerstoffgehalt zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten. Die Therapie richtet sich darum auf die Verbesserung der Sauerstoffaufnahme des Patienten durch beispielsweise eine kontinuierliche Sauerstofftherapie und die Behandlung der eventuell zugrunde liegenden Erkrankung. Tritt beim Patienten ein Rechtsherzversagen auf, müssen harntreibende und herzstärkende Medikamente verabreicht werden.

Unabhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung ist es wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören. Nikotinpräparate (z. B. Nikotinpflaster) sind Alternativen, wenn Sie nicht ganz aufhören können. Sie müssen Aktivitäten meiden, die die Atemnot verschlimmern. Sind Sie übergewichtig, ist eine langsame Gewichtsabnahme notwendig.

Eine Kombination unterschiedlicher Medikamente kann notwendig sein.

Prognose

Für die Prognose ist die zugrunde liegende Erkrankung ausschlaggebend. Eine eventuelle Verschlechterung des Cor pulmonale hängt davon ab, wie zeitig mit der Therapie begonnen wird und wie wirksam diese ist. Komplikationen können Rechtsherzversagen oder ein rechtsseitiger Herzinfarkt sein.

Eine gute Therapie der Grunderkrankung und die Verringerung des Sauerstoffmangels sind für die Vermeidung einer weiteren Verschlechterung der sekundären pulmonalen Hypertonie entscheidend. Die Prognose hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab.

Bei Patienten, die bereits seit Jahren mit der zugrunde liegenden Krankheit leben, kann sich das Cor pulmonale oder Rechtsherzversagen später entwickeln. Tritt bei dem Patienten ein Rechtsherzversagen auf, kann dieses genau wie ein Linksherzversagen behandelt werden.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pulmonale Hypertonie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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