Positionsabhängiger niedriger Blutdruck

Orthostatische Hypotonie ist der Fachausdruck für positionsabhängigen niedrigen Blutdruck. Bei diesem Zustand sinkt der Blutdruck, sobald man aus der liegenden oder sitzenden Stellung aufsteht, sodass es zu Schwindel kommt.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Was ist ein positionsabhängiger niedriger Blutdruck?

Orthostatische Hypotonie ist der Fachausdruck für positionsabhängigen niedrigen Blutdruck. Bei diesem Zustand sinkt der Blutdruck, sobald man aus dem Liegen oder Sitzen aufsteht. Als Patient*in kann man dies unter Umständen als ein Schwindelgefühl oder Schwarzwerden vor Augen spüren.

Zur Diagnosestellung wird der Blutdruck vor und nach dem Aufstehen (Schellong-Test) gemessen. Eine orthostatische Hypotonie liegt vor, wenn innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen der obere (systolische) Blutdruckwert um mindestens 20 mmHg (bei bestehendem Bluthochdruck um 30 mmHg) oder der untere (diastolische) Blutdruckwert um mindestens 10 mmHg abfällt. Darüber hinaus unterscheidet man verschiedene Formen in Abhängigkeit davon, wie schnell der Blutdruck abfällt.

Vorkommen

Der positionsabhängige niedrige Blutdruck kommt in allen Altersgruppen vor, jedoch häufiger bei Älteren und dann vor allem bei kranken oder schwachen Personen. Während in der allgemeinen Bevölkerung rund 5 % betroffen sind, beträgt der Anteil bei über 80-jährigen etwa ein Drittel. Noch häufiger zeigt sich ein positionsabhängiger niedriger Blutdruck bei Patient*innen mit neurologischen Erkrankungen wie dem Parkinson-Syndrom oder bestimmten Formen von Demenz.

Ursachen

Ohne Gegenregulation des Körpers folgt das Blut beim Aufstehen der Schwerkraft und ein Teil, ca. 500–1.000 ml Blut, sammelt sich in den Venen der Beine. Durch den plötzlichen Volumenentzug würde der Blutdruck abfallen und die Durchblutung der Organe abnehmen. Um dies zu verhindern, führt der Körper komplexe Gegenmaßnahmen aus, unter anderem eine Steigerung des Pulses und eine Zunahme der Gefäßwandspannung. Auch das Nervensystem, Hormone und die Muskulatur spielen eine wichtige Rolle. Sind ein oder mehr Parameter verändert, so funktioniert die Gegenreaktion nicht mehr korrekt und es kommt zu Beschwerden. Eine häufige Ursache ist auch, dass zu wenig Flüssigkeit im Kreislauf ist oder durch den Körper umverteilt wurde.

Häufige Auslöser

  • Langes Sitzen oder Liegen
  • Wärme oder Hitze
    • In solchen Situationen kommt es zu einer Erweiterung der Blutgefäße, wodurch der Blutdruck abnimmt. Dies kann auch nach einer heißen Dusche bzw. einem heißen Bad vorkommen. Hinzu kommt, dass durch verstärktes Schwitzen bei Hitze die Flüssigkeitsmenge im Körper abnimmt.
  • Körperliche Belastung
    • Besonders in Kombination mit warmen Temperaturen oder nach dem Essen kann der Blutdruck sinken.
  • Nach Alkoholkonsum
    • Auch Alkohol führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße.
  • Nach einer umfangreichen Mahlzeit
    • Nach dem Essen werden die Verdauungsorgane reichlich durchblutet, um Nährstoffe aufnehmen und weiterleiten zu können.
  • Starkes Erbrechen und Durchfall
    • Hierdurch kommt es zu einem Flüssigkeitsmangel.
  • Krampfadern oder chronische venöse Insuffizienz
    • Die Beinvenen sind erweitert und können so noch mehr Blut als normal aufnehmen.

Seltene Ursachen

Was können Sie selbst tun?

Den meisten Personen wird beim Aufstehen kurzzeitig schwindelig. Dafür gibt es viele harmlose Erklärungen, und es besteht kein Anlass für umfangreiche Untersuchungen.

Folgende Ratschläge können hilfreich sein:

    • Bewegen Sie die Füße vor dem Aufstehen. Vermeiden Sie besonders morgens ein schnelles Aufstehen und geben Sie dem Körper Zeit, sich anzupassen.
    • Stehen Sie langsam aus dem Liegen oder Sitzen auf.
    • Essen Sie weniger und öfter, wenn Sie mit großen Mahlzeiten Probleme haben.
    • Erhöhen Sie Ihre Salz- und Flüssigkeitsaufnahme, wenn Sie ausgetrocknet sind. Trinken Sie ausreichend.
    • Erhöhen Sie ggf. das Kopfende Ihres Bettes um mindestens 10 Grad.
    • Benutzen Sie eventuell Stützstrümpfe, um einer Wasseransammlung in den Beinen entgegenzuwirken. Auch Bauchbinden können helfen.
    • Wenn Sie lange stehen müssen, spannen Sie regelmäßig die Wadenmuskulatur an oder stellen sich auf die Zehenspitzen. Die Anspannung der Muskeln hilft, das Blut aus den Beinen wegzuführen.
    • Trinken Sie nicht mehr als 1 Glas (Frauen) oder 2 Gläser (Männer) alkoholhaltige Getränke.
    • Setzen Sie sich keinen extrem hohen Temperaturen oder heißen Bädern aus.
    • Vermeiden Sie Positionen, bei denen Sie die Arme höher als die Schultern halten.
    • Pressen Sie nicht beim Harnlassen oder beim Stuhlgang.
    • Vermeiden Sie starkes Husten.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

  • Bei anhaltenden Beschwerden
  • Bei der Tendenz, leicht in Ohnmacht zu fallen.
  • Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung

Wie läuft die Untersuchung ab?

Anamnese (Krankengeschichte)

Ihnen werden eventuell folgende Fragen gestellt:

  • Wird Ihnen nur schwindelig, wenn Sie schnell aufstehen, oder auch in anderen Situationen? In welchen Situationen?
  • Können Sie beschreiben, was dabei passiert?
  • Neigen Sie leicht zum Stürzen oder Stolpern?
  • Haben Sie eines der folgenden Symptome:
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
    • Welche Medikamente verwenden Sie?
    • Haben Sie kürzlich ein anderes Medikament bekommen oder wurde die Dosis verändert?
    • Sind bei Ihnen andere Erkrankung bekannt?
  • Haben Sie Brustschmerzen, Herzklopfen, Atemnot, geschwollene Beine oder einen unregelmäßigen Puls?
  • Leiden Sie häufig unter Erbrechen oder Durchfall?

Ärztliche Untersuchung

  • Bei der ärztlichen Untersuchung steht die Blutdruck- und Pulsmessung im Mittelpunkt.
    • Ihr Blutdruck und Puls während Sie sitzen und nach dem Aufstehen werden gemessen und jeweils miteinander verglichen. Wenn der Druck beim Stehen deutlich geringer ist, deutet dies auf positionsabhängigen niedrigen Blutdruck hin.
  • Auch das Herz wird untersucht.
    • Die Herzfrequenz wird gemessen und bewertet, ob das Herz gleichmäßig schlägt; mit dem Stethoskop kann man hören, ob Herznebengeräusche auftreten.
  • In der Arztpraxis wird auch festgestellt, ob Sie ausgetrocknet (dehydriert) sind, also einen Flüssigkeitsmangel haben.
  • Zudem wird Ihr Nervensystem auf Anzeichen einer Erkrankung überprüft.
  • Des Weiteren wird eventuell eine Elektrokardiografie (EKG) durchgeführt.
  • Eine Laboruntersuchung des Blutes kann weitere Hinweise auf eventuelle Störungen geben.

Andere Untersuchungen

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Dietrich August, Dr. med., Arzt, Freiburg im Breisgau

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hypotonie, orthostatische. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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