Brustschmerzen – Anzeichen für einen Herzinfarkt

Plötzlich einsetzende Schmerzen in der Brust, die über mehrere Minuten anhalten, können auf einen Herzinfarkt hinweisen. Bei starken Beschwerden oder großer Besorgnis sollte unverzüglich medizinische Hilfe geholt werden, am besten telefonisch über die Notrufnummer 112. Nicht jeder Brustschmerz rührt aber vom Herzen her. Der Beschwerdecharakter sowie das individuelle Risikoprofil helfen bei der Einschätzung der Situation.

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Brustschmerzen – Könnte es ein Herzinfarkt sein?

Sie verspüren Schmerzen in der Brust. Der Zustand setzte plötzlich ein. Sie waren vielleicht gerade dabei, die Garage aufzuräumen. Ihr Hausarzt hatte Ihnen vor ein paar Monaten Pillen gegen die hohen Cholesterinwerte verschrieben. Er hatte Ihnen auch wiederholt geraten, mit dem Rauchen aufzuhören und ein paar Kilo abzunehmen. Die Schmerzen in der Brust strahlen in den Hals aus. Und sie bekommen schlechter Luft. Könnte es ein Herzinfarkt sein? Sollten Sie die Notrufnummer 112 wählen?

Ein anderer Fall. Sie haben gerade Ihr Studium beendet. Während der Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen haben Sie kaum den Schreibtisch verlassen. In der letzten Zeit hatten Sie häufig Nackenverspannungen. Seit ein paar Tagen haben Sie zudem stechende Schmerzen über dem Brustbein. Die Schmerzen sind immer da, nehmen aber bei bestimmten Bewegungen zu. Die Stelle ist auch von außen druckempfindlich. Außer dem Prüfungsstress haben Sie keine gesundheitlichen Probleme. Es geht Ihnen aber durch den Kopf, dass Ihr Vater mit Anfang sechzig einen leichten Herzinfarkt erlitt. Könnten auch Sie einen Herzinfarkt haben? Sollten Sie in die Notaufnahme eines Krankenhauses gehen?

Brustschmerzen sind das wichtigste Zeichen eines Herzinfarktes. Sie sind aber auch ein häufiges Symptom, das sehr unspezifisch ist und von vielen verschiedenen Erkrankungen herrühren kann. Woher wissen Sie, ob Sie sich ernsthaft Sorgen machen sollten und rasche medizinische Hilfe benötigen oder ob die Beschwerden harmlos sind?

Die Entscheidung, Hilfe zu suchen, kann Ihnen niemand abnehmen. Eine Orientierung in der Frage, ob Ihre Beschwerden auf einen Herzinfarkt hinweisen oder nicht, bieten indes die genauen Merkmale Ihrer Symptome und Ihr allgemeines Herzinfarktrisiko.

Warnsymptome, verdächtig für einen Herzinfarkt

  • Plötzliches Einsetzen von Schmerzen oder einem Druckgefühl im Brustkorb.
  • Die Schmerzen strahlen aus in den linken Arm, die linke Schulter, in Hals, Unterkiefer, Nacken, Rücken oder Oberbauch.
  • Die Schmerzen halten mehrere Minuten an.
  • Die Beschwerden setzten unmittelbar nach körperlicher Belastung oder in einer Stresssituation ein.
  • Die Schmerzen traten plötzlich bei kalten Außentemperaturen auf.
  • Möglich ist auch, dass Sie plötzlich in Ruhe, ohne erkennbare auslösende Ursachen, von den Beschwerden überrascht wurden.
  • Die Schmerzen nehmen nicht zu bei bestimmten Bewegungen oder beim Einatmen.
  • Wenn Sie bereits unter Angina pectoris leiden: Die Schmerzen lassen diesmal nicht von selbst in Ruhe nach und sie reagieren nicht auf Nitroglyzerin.
  • Sie haben gleichzeitig Luftnot.
  • Sie verspüren zusätzlich Übelkeit oder haben sich übergeben.
  • Ihnen ist schwindlig, Sie sind kaltschweißig, Sie drohen, in Ohnmacht zu fallen.
  • Sie haben große Angst oder eine innere Nervosität.
  • Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Kaltschweißigkeit können auch die einzigen Beschwerden sein. Das kommt besonders häufig bei Frauen, älteren Menschen sowie Diabetikerinnen und Diabetikern vor.

Bei einem Herzinfarkt müssen nicht alle Symptome auftreten. Halten die Symptome über mehrere Minuten an, sollten Sie umgehend den Rettungsdienst unter der Nummer 112 informieren. Mehr über die Symptome eines Herzinfarktes erfahren Sie im Artikel Herzinfarkt, Symptome.

Erhöhtes Herzinfarktrisiko

Es sind mehrere Faktoren bekannt, die mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko verbunden sind. Einige darunter sind unveränderlich, zum Beispiel das Alter, auf andere kann durch individuelle Lebensgewohnheiten Einfluss genommen werden, zum Beispiel Rauchen. Das individuelle Risiko für einen Herzinfarkt steigt mit der Anzahl vorhandener Risikofaktoren.

  • Höheres Alter.
  • Männliches Geschlecht: Vor dem 70. Lebensjahr erleiden Männer fünf Mal häufiger einen Herzinfarkt als Frauen. In höherem Alter sind auch die Frauen recht häufig betroffen und der Unterschied gleicht sich aus.
  • Frauen nach der Menopause.
  • Herzinfarkte bei näheren Familienangehörigen.
  • Vorerkrankungen: Koronare Herzkrankheit (KHK) und andere arteriosklerotische Erkrankungen (zum Beispiel Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Nierenarterienstenose), Diabetes, Gelenkrheuma, andere rheumatische Erkrankungen, schwere Schuppenflechte, chronische Nierenkrankheit, chronische Depression, Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie).
  • Bluthochdruck.
  • Hohe Cholesterinwerte.
  • Übergewicht.
  • Rauchen.
  • Bewegungsmangel.
  • Stress und psychische Belastung.
  • Konsum großer Alkoholmengen.

Die zwei Fallbeispiele – Herzinfarkt?

Den spezifischen Beschwerdebildern und Risikofaktoren der beiden obengenannten Fallbeispiele nach zu urteilen, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt im ersten Beispiel hoch, im zweiten gering. Zu den Krankheiten, die Brustschmerzen verursachen können, aber nicht dringend behandelt werden müssen, gehören z.B. Verspannungen der Muskulatur des Brustkorbs, nach vorne ausstrahlende Schmerzen, die von der Brustwirbelsäule ausgehen oder auch Schmerzen, die von einer Reizung/Entzündung des Lungenfells ausgehen (atemabhängige Verstärkung der Schmerzen).

Im individuellen Fall können aber nur Sie entscheiden, ob Sie eine Abklärung der Beschwerden wünschen. Viele Patienten mit einem Herzinfarkt aber haben so starke Beschwerden, dass die Dringlichkeit außer Frage steht. Zudem gibt es im Bereich des Herzens und der großen Blutgefäße auch andere Krankheiten, die akute Brustschmerzen verursachen und ebenfalls dringend oder gar notfallmäßig behandelt werden müssen. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Herzinfarkt. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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