Lyme-Borreliose

Zusammenfassung

  • Definition:Von Bakterien der Gattung Borrelia ausgelöste Infektionskrankheit. Die Ansteckung erfolgt durch einen Zeckenstich. Lediglich nach etwa 1 % aller Zeckenstiche kommt es zur manifesten Borreliose (meist Erythma migrans).
  • Häufigkeit:Je nach Bundesland wird in Deutschland die jährliche Inzidenz zwischen 30 und 260 Fälle pro 100.000 Einwohnern angegeben (alle Formen der Borreliose, in 90 % Erythema migrans). Nach einem Zeckenstich kommt bei 2,6–5,6 % der Betroffenen zu einer Borrelien-Infektion, charakterisiert durch die Serokonversion, also das Auftreten von Antikörpern im Blut. Insgesamt ist bei 0,3–1,4 % der Zeckenstiche mit Krankheitssymptomen zu rechnen. Es besteht keine bundesweite Meldepflicht.
  • Symptome:Leitsymptom im frühen Stadium: eine plötzlich auftretende, scharf abgegrenzte Hautrötung – Erythema migrans. Nach einigen Wochen können bei unbehandelten Patienten Gelenk- und Kopfschmerzen, ggf. neurologische Ausfälle auftreten. Neurologische Frühmanifestation und neben dem Erythema migrans die häufigste Manifestation der Borreliose ist eine Fazialisparese.
  • Befunde:Erythema migrans (auch als Wanderröte bezeichnet): Rote Fläche oder roter Ring, der flach oder leicht angeschwollen sein kann und scharf abgegrenzt ist. Ggf. disseminierte Hauterscheinungen, Differenzialdiagnostik teilweise umfangreich. Borrelien-Lymphozytom. Organmanifestationen.
  • Diagnostik:Beim tpyischen Erythema migrans sind in der Regel keine weiteren Untersuchungen notwendig; später ggf. serologische Untersuchungen. Bei der Neuroborreliose auch Liquordiagnostik.
  • Therapie:Antibiotikatherapie mit sehr guter Prognose: Ausheilung ohne Folgen in etwa 95–100 % der Fälle, auch bei Neuroborreliose. Bei Spätmanifestationen jedoch auch Ausheilung mit Residuen möglich. Ausreichende Therapiedauer 14–21 Tage, maximale Behandlungszeit jedoch 30 Tage. Orale Therapie in der Regel ausreichend, beste Evidenz für Doxyzyklin und Amoxicillin. Ggf. Beta-Laktam-Antibiotika intravenös.
  • Prognose:Die Existenz eines Posttreatment-Lyme-Syndroms ist umstritten und wissenschaftlich nach heutigem Stand der Erkenntis nicht anzuerkennen. Wiederholte und insbesondere Dauer-Antibiotikatherapien sind ohne Erfolgsaussichten und aufgrund erheblicher Nebenwirkungsraten abzulehnen.

Allgemeine Informationen

Definition

  • Die Lyme-Borreliose, eine bakterielle Multiorganerkrankung, ist in Europa die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung.2
    • Sie wird hervorgerufen durch Spirochäten aus dem Borrelia-burgdorferi-sensu-lato-Komplex, die durch Zecken übertragen werden.
    • In Europa geschieht dies durch Ixodes (I.) ricinus, in Osteuropa zusätzlich durch I. persulcatus.
    • Fünf humanpathogene Spezies der Spirochäten wurden in Europa beschrieben:
      1. B. burgdorferi sensu stricto
      2. B. afzelii
      3. B. garinii
      4. B. bavariensis
      5. B. spielmanii.3-4
  • Die klinische Symptomatik der Multisystemerkrankung Lyme-Borreliose kann sehr vielgestaltig sein und umfasst insbesondere Symptome an Haut, Nervensystem, Gelenken und Herz.2
  • Die hauptsächlichen klinischen Manifestationen werden eingeteilt in:
    • frühe und lokalisierte (Erythema migrans, Borrelien-Lymphozytom)
    • frühe und disseminierte (multiples Erythema migrans, frühe Neuroborreliose, akute Arthritis und Karditis) und
    • Spätformen (Acrodermatitis chronica atrophicans, akute Lyme-Arthritis und späte Neuroborreliose).2
  • Organtropismus3
    • Das Erythema migrans wird durch alle 5 Genospezies von Borrelia hervorgerufen.
    • Bei Acrodermatitis chronica atrophicans wird fast ausschließlich B. afzelii nachgewiesen.
    • B. garinii und B. bavariensis findet man besonders häufig bei neurologischen Manifestationen.
    • B. burgdorferi sensu stricto befällt bevorzugt Gelenke.
  • Die Lyme-Krankheit bzw. Lyme-Borreliose wurde nach dem Ort Lyme (Connecticut, USA), in dem gehäuft Gelenkentzündungen nach Zeckenstichen auftraten, benannt.
    • In den USA treten ausschließlich Infektionen mit B. burgdorferi sensu stricto auf.
    • Die Hautmanifestationen der Lyme-Borreliose wurden in Europa bereits Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben, aber erst 1981 wurde der Erreger von W. Burgdorfer entdeckt.
  • Infektionsweg: Die Übertragung erfolgt in Mitteleuropa durch den Stich der Schildzecke I. ricinus (Holzbock).5
    • Das Erkrankungsrisiko steigt deutlich mit der Dauer des Saugaktes.2
    • In bestimmten Regionen sind jedoch bis zu 35 % aller Zecken Träger des Bakteriums.5
    • Nur ein kleiner Teil aller Zeckenstiche (etwa 1–2 %) verursacht jedoch tatsächlich eine Lyme-Borreliose in verschiedenen Ausprägungen.
  • In Deutschland spricht man in der Regel von der Borreliose oder auch Lyme-Borreliose, international wird diese Erkrankung vor allem als Lyme-Krankheit (Lyme Disease) bezeichnet.6-8

Diagnostik

Leitlinien

Therapie

Verlauf, Komplikationen und Prognose 

Verlaufskontrolle

Patienteninformationen 

Illustrationen