Cholera

Zusammenfassung

  • Definition:Cholera ist eine akute Durchfallerkrankung, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird.
  • Häufigkeit:Cholera kommt in Epidemien in Ländern oder Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen vor.
  • Symptome:Die Krankheit zeichnet sich durch plötzlich auftretende, wässrige Diarrhö und Erbrechen aus. Meist milder Verlauf.
  • Befunde:Klinische Befunde sind ein reduzierter Allgemeinzustand bis hin zu Lethargie und ggf. Bewusstlosigkeit, Dehydratation.
  • Diagnose:Die wichtigsten Tests in der akuten Phase sind Elektrolyte, Säure-Basen-Status und Nierenfunktion. Der Erreger wird mittels Mikroskopie aus Stuhl oder Erbrochenem nachgewiesen. Bestätigung mittels Kultur.
  • Behandlung:Zur Therapie wird eine Flüssigkeitssubstitution empfohlen, evtl. auch Antibiotika.

Allgemeine Informationen

Definition

  • Cholera ist eine akute Durchfallerkrankung, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird.
  • Zwei Serogruppen (O1 und O139) sind dafür bekannt, die Krankheit zu verursachen.
    • Serogruppe O1 mit den Untergruppen: klassischer Typ und El Tor sowie den Serotypen Inaba, Ogawa und Hikojima
    • Serogruppe O139: Serotyp Bengal
  • Humanmedizinische Bedeutung innerhalb der Gattung Vibrio besitzen ferner Vibrio cholerae non-O1-/non-O139-Stämme, V. vulnificus, V. alginolyticus und V. parahämolyticus.1
  • Das Bakterium verursacht Diarrhö-Epidemien insbesondere in Zusammenhang mit Naturkatastrophen und schlechten hygienischen Bedingungen.

Häufigkeit

  • Cholera tritt in Epidemien und Pandemien auf.
    • Cholera ist seit Jahrhunderten in Südasien endemisch, insbesondere in der Region des Gangesdelta.
    • Epidemien treten vor allem auf, wenn es zu großen Menschenansammlungen auf kleiner Fläche kommt, wie z. B. in Flüchtlingslagern, bei Kriegen und Hungersnöten.
    • Es wurden 7 Cholera-Pandemien dokumentiert; die erste 1817‒1823 in Asien und Russland.
    • Die 7. Pandemie hält seit 1961 an und wird vom Serotyp El Tor verursacht (Serogruppe O1).
    • Seit 1992 breitet sich eine neue Serogruppe (O139) ausgehend vom indischen Subkontinent aus.
    • 2017 kam es im Jemen zu einem großen Choleraausbruch mit über 600.000 Verdachtsfällen.
    • Die WHO schätzt, dass 1,3–4 Mio. Menschen jedes Jahr von der Cholera betroffen sind, von denen 21.000‒143.000 sterben.2
  • Europa
    • In Europa werden nur vereinzelte importierte Cholerafälle beobachtet, so auch in Deutschland (Infektionsländer waren hauptsächlich Indien, Pakistan und Thailand).1 
    • In Deutschland wurde 2014 (wie 2013) ein Cholerafall gemeldet. Betroffen war eine 26-jährige ungeimpfte Frau nach Aufenthalt in Ghana (Vibrio cholerae O1). Im Vorjahr handelte es sich um eine 59-jährige Frau, die die Infektion während einer Rundreise in Indien erworben hatte (Vibrio cholerae O1, Biovar El Tor, Serotyp Ogawa).1
    • 2011 waren es 4, 2014 6 gemeldete Fälle in Deutschland.1 
  • Saisonale Variation
    • Cholera ist stark saisonabhängig.
    • In Bangladesch, wo die Krankheit endemisch ist, gibt es zwei Hauptrisikozeiten pro Jahr, die der heißen Jahreszeit vor und nach dem Monsun entsprechen.
  • Alter
    • In Cholera-endemischen Gebieten weisen Kinder im Alter von 2–4 Jahren die höchste Inzidenz auf, während in Gebieten mit neu aufgetretener Krankheit alle Altersgruppen betroffen sind.

 

Ätiologie und Pathogenese

  • Die Krankheit wird durch durch eine toxinbildende Spezies des Bakteriums Vibrio cholerae verursacht.
  • Ausbrüche sind normalerweise mit schlechten hygienischen Verhältnissen und kriegerischen Auseinandersetzungen assoziiert, die zu verunreinigtem Trinkwasser führen.

Mikrobiologie

  • Vibrio cholerae ist ein gramnegatives, gekrümmtes Stäbchenbakterium.
  • Es wird mithilfe biochemischer Tests klassifiziert und in Serogruppen basierend auf dem O-Antigen eingeteilt.
  • Es gibt über 200 Serogruppen. Nur O1 und O139 wurden als Ursache für Epidemien und Pandemien nachgewiesen.
  • Die übrigen Vibrio-cholerae-Bakterien, die nicht zu O1 und O139 gehören, können pathogen sein und zu kleineren Ausbrüchen von Diarrhö-Erkrankungen führen.
  • Natürlicher Lebensraum aller Vibrionen ist das Meer, sie sind halophil, d. h. salzliebend.1 

Ansteckung

  • Cholera wird meist durch verunreinigtes Wasser übertragen und kann schnell zu großen Epidemien führen, die Bakterien können aber auch durch kontaminierte Lebensmittel (Fisch, Schalentiere und Obst oder Gemüse, das mit verunreinigtem Wasser gewaschen wurde) übertragen werden.31
  • Vibrio cholerae überlebt in der Natur auf Algen, Plankton usw. und geht in eine Ruhephase über, die resistent gegen eine Chlorbehandlung ist. 
  • Die zur Infektion benötigte infektiöse Dosis hängt vom Ansteckungsmedium ab: in Wasser werden 103–10Erreger benötigt, in Lebensmitteln 102–10.4
  • Nicht jeder Infizierte wird krank.
    • Die meisten Personen (80 %), die sich mit Vibrio cholerae infizieren, sind asymptomatisch oder erleiden nur eine leichte Diarrhö.2
    • Die Anzahl der Erkrankten im Vergleich zur Anzahl Infizierter variiert von 1 von 3 bis 1 von 100.
    • Immunität: Eine frühere Infektion mit Vibrio cholerae sowie das Stillen haben sich in endemischen Gebieten als wirksamer Infektionsschutz erwiesen.
    • Menschen mit verminderter Magensäure (Helicobacter-pylori-Infektion, Magen-OP, Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren) haben ein erhöhtes Infektionsrisiko.4
  • Die Erregerausscheidung ohne sichtbare Zeichen einer Infektion ist sehr häufig. Auch nach Ablauf der Erkrankung können die Erreger noch einige Wochen lang ausgeschieden werden.1 
  • Dauerausscheider von Vibrio cholerae sind aber sehr selten und daher für die Infektionsübertragung von nur geringer Bedeutung.
  • Die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten.4

Pathogenese

  • Cholerabakterien kolonisieren den Dünndarm und binden sich an die Rezeptoren in der Schleimhaut. Bei diesem Prozess kommt es weder zu einer Invasion noch zu einer Entzündung oder Zerstörung.
  • Alle pathogenen Stämme produzieren das Choleratoxin (CT), das wässrigen Durchfall verursacht. Das Toxin bindet sich teilweise an die Zellmembran, dringt aber auch in die Zelle ein. Es verursacht Veränderungen in der Zellbiochemie, die zu einer erhöhten Ausscheidung von Kalium, Chlor, Bikarbonat und Wasser führen.

Klinische Folgen

  • Schweregrad
    • Hängt von vielen Faktoren ab, vor allem von der lokalen Immunität in der Darmschleimhaut, von der Menge der Bakterien, die aufgenommen wurde, von der Wirksamkeit der Säurebarriere im Magen sowie von der Blutgruppe des Patienten.
    • Aus bisher nicht bekannten Gründen weisen Patienten mit der Blutgruppe 0 ein höheres Risiko für eine Cholera-Erkrankung durch Infektion mit dem El-Tor-Bakterium auf.4
  • Flüssigkeitsverlust
    • Das Toxin verursacht eine Hypersekretion von Wasser und Chloridionen und kann zu einem Durchfallvolumen von bis zu 15 Litern oder mehr pro Tag führen.
    • Bei einer Hypovolämie kann es zum Tod kommen.

Prädisponierende Faktoren

  • Naturkatastrophen, Flüchtlingslagern 
  • Reduktion Magensäure
  • Blutgruppe 04

ICPC-2

  • D70 Gastrointestinale Infektionen, Viren

ICD-10

  • A00 Cholera
    • A00.0 Cholera durch Vibrio cholerae O:1, Biovar cholerae
      • Klassische Cholera
    • A00.1 Cholera durch Vibrio cholerae O:1, Biovar eltor
    • A00.9 Cholera, nicht näher bezeichnet

Diagnostik

Diagnostische Kriterien

  • Starke wässrige Diarrhö ohne Blut oder Eiter („Reiswasserstuhl‟)
  • Schnelle Dehydrierung
  • Reiseanamnese in endemische Gebiete oder Kontakt zu infizierten Personen
  • Nachweis von Bakterien in Stuhl oder Erbrochenem

Differenzialdiagnosen

Anamnese

  • Die Inkubationszeit beträgt normalerweise 2–3 Tage, kann aber von 2 Stunden bis zu 5 Tagen dauern.2
  • Die meisten Infektionen zeigen einen milden Verlauf mit mäßiger Diarrhö über wenige Tage. Sie können daher mit anderen Darminfektionen verwechselt werden.
  • Die heftigen Krankheitsverläufe sind gekennzeichnet durch eine plötzlich auftretende Diarrhö und Erbrechen.
    • Die Diarrhö ist ausgeprägt, häufig, wässrig (bis zu 1 Liter pro Stunde), in der Regel ohne Bauchschmerzen.
    • Der Stuhl ist grau und trübe („Reiswasserstuhl‟) und ohne Stuhlgeruch, Blut oder Eiter.
    • Anfänglich sind die Patienten unruhig und sehr durstig, dann aber, wenn es zum Volumenmangel kommt, werden sie apathisch und schließlich bewusstlos.
    • Dehydrierung, Hypotonie und Azidose können sich schnell entwickeln.

Klinische Untersuchung

  • In der Regel tritt kein Fieber auf.
  • Dehydrierung und eingeschränkter Allgemeinzustand, schließlich Lethargie und Bewusstlosigkeit.
    • Anzeichen für Dehydrierung: trockene Schleimhäute, stehende Hautfalten, eingefallene Augen und abnehmende Diurese
    • Bei erheblichem Blutdruckabfall hat der Patient bereits mehr als 10 % des Körpergewichts verloren.
  • Atmung
    • Kußmaul-Atmung und Keuchen sind Anzeichen einer metabolischen Azidose.

Einstufung der Dehydrierung

  • Erst wenn die Patienten etwa 5 % ihres Körpergewichts verloren haben, zeigen sich klinische Dehydratationszeichen.
  • Nicht dehydriert:
    • Die Patienten sind wach und wirken gesund.
    • Die Augen sind unauffällig.
    • Tränen sind vorhanden (nur bei Kindern relevant).
    • Mund und Zunge sind feucht.
    • Die Patienten trinken normal und sind nicht durstig.
    • Eine Überprüfung des Hautturgors zeigt, dass die Haut sich schnell strafft.
  • Leicht dehydriert (2 oder mehr dieser Anzeichen, davon mindestens 1 mit * gekennzeichnet):
    • Die Patienten sind unruhig und gereizt.
    • Die Augen sind eingefallen.*
    • Keine Tränen vorhanden (nur bei Kleinkindern relevant).*
    • Mund und Zunge sind trocken.*
    • Die Patienten sind durstig und trinken gierig.
    • Eine Überprüfung des Hautturgors zeigt, dass die Haut sich langsam strafft.
  • Stark dehydriert (zwei oder mehr dieser Anzeichen, davon mindestens eines mit * gekennzeichnet):
    • lethargisch oder bewusstlos, schlapp
    • Die Augen sind sehr eingefallen und trocken.*
    • Keine Tränen vorhanden (nur bei Kleinkindern relevant).*
    • Mund und Zunge sind sehr trocken.
    • Die Patienten trinken schlecht oder sind nicht in der Lage zu trinken.
    • Eine Überprüfung des Hautturgors zeigt, dass die Haut sich sehr langsam strafft.
  • Ältere Kinder können einen fehlenden Radialispuls sowie niedrigen Blutdruck aufweisen.

Diagnostik beim Spezialisten

  • Die weitere Untersuchung erfolgt in der Regel im Krankenhaus.
  • Mikroskopie
    • Charakteristisch sind die „chaotischen“ Bewegungen der Vibrio cholerae, die sich bei einer Mikroskopie des Stuhls in großen Mengen finden.
    • Die Bakterien können durch die direkte Zugabe eines spezifischen Antiserums immobilisiert werden (O1- oder O139-Antiserum, falls vorhanden).
  • Kultur
    • Das Agens kann in Stuhl oder Erbrochenem nachgewiesen werden.
    • Das Bakterium überlebt im Stuhl für ein paar Stunden, wenn dieser feucht gehalten wird. Bei längerer Transportzeit ist ein Transportröhrchen mit einem speziellen Medium (Cary-Blair-Lösung) zu verwenden.
  • Serologie
    • Es gibt serologische Schnelltests.
  • Differenzierung 
  • Laboruntersuchungen
    • Elektrolyte (Na, K, Ca) und Säure-Basen-Status, Nierenfunktion

Indikationen zur Überweisung

  • Bei Krankheitsverdacht 

Therapie

Therapieziel

  • Eine schwere und lebensbedrohliche Dehydrierung verhindern.

Allgemeines zur Therapie

  • Ein Behandlungsalgorithmus bei akuter Diarrhö findet sich in der Leitlinie „Akuter Durchfall“ der DEGAM.5
  • Prüfen Sie den Flüssigkeitsverlust.
    • Bei schwerer Dehydrierung muss man davon ausgehen, dass der Patient etwa 10 % seines Körpergewichts verloren hat.
    • Bei mäßiger Dehydrierung wird angenommen, dass 5,0‒7,5 % des Körpergewichts zu ersetzen sind.
    • Bei leichterem Flüssigkeitsverlust kann der Patient peroral behandelt werden.
  • Messen Sie den Flüssigkeitsverlust.
    • Um den Flüssigkeitsverlust zu messen, ist es wichtig, die Diarrhö-Menge pro Stunde genau festzuhalten (Cholerabett mit Loch in der Mitte und Eimer darunter).
    • Auch die Stundendiurese ist sorgfältig zu dokumentieren.
  • Therapie
    • Flüssigkeitstherapie, zunächst intravenös bei schwerer Erkrankung, dann peroral, ist der wichtigste Teil der Behandlung.
    • Verabreichen Sie die Nahrung langsam über mehrere Stunden, sobald die Patienten in der Lage sind zu essen. Es gibt keinen Grund, den Darm „in Ruhe zu lassen“.
    • Kinder können weiter gestillt werden.
    • Bei mildem Verlauf ist eine Antibiotikatherapie in der Regel nicht notwendig. 
    • Antibiotika sind einer Metaanalyse zufolge sinnvoll, um die Dauer der Diarrhö um 1–2 Tage zu verkürzen; sie reduzieren die Notwendigkeit einer intravenösen Flüssigkeitsgabe (Ia). 6

Flüssigkeitszufuhr

  1. Rehydrierungsphase (die ersten vier Stunden)
    • Ziel ist es, bereits verlorene Flüssigkeit zu ersetzen. Da normale Kochsalzlösung eine Azidose nicht behebt und kein Kalium enthält, ist diese nicht geeignet.
    • Ringer-Laktat mit Kalium (10 mmol/l) gilt als beste Anfangsbehandlung.
    • Diese Elektrolytmischung weist etwa die gleiche Elektrolytzusammensetzung auf, wie über den Stuhl verloren geht.
    • Muss bei stark dehydrierten Patienten schnell infundiert werden, d. h. 50‒100 ml/kg/h (5 l pro Stunde bei Erwachsenen). Häufig sind mehrere Infusionszugänge nötig.
    • Das gesamte Volumen sollte über zwei bis vier Stunden verabreicht werden.
  2. Erhaltungsphase (bis die Diarrhö aufhört)
    • Das Ziel ist es, den weiteren Flüssigkeitsverlust Liter für Liter zu ersetzen.
    • Oft reichen 500‒1000 ml/h perorale Elektrolytlösung über eine nasogastrische Verweilsonde aus. Die Trinklösung von UNICEF und WHO verfügt über die richtige Zusammensetzung.
    • Eine glukosepolymer-basierte Lösung (mit Reis oder Weizen) kann etwas effektiver sein als die Trinklösung.7

Medikamentöse Therapie

  • Für Fluorchinolone wurden von der Europäischen Arzneimittel-Agentur Anwendungsbeschränkungen empfohlen: Besondere Vorsicht bei Älteren und bei Patienten mit Nierenfunktionseinschränkung. Keine Kombination mit Kortikosteroiden. Nicht empfohlen als Mittel der 1. Wahl zur Behandlung leichter und mittelschwerer Infektionen.8
  • Antibiotika
    • Können die Diarrhö-Periode und den Flüssigkeitsbedarf reduzieren, sind aber normalerweise in leichten Fällen nicht notwendig (Ia).6
    • Werden dehydrierten Patienten verabreicht, sobald das Erbrechen aufhört.
    • Ohne Antibiotika, jedoch mit einer Flüssigkeitstherapie, erholt sich der Patient innerhalb von vier bis fünf Tagen. Mit Antibiotika dauert die Rekonvaleszenz zwei bis drei Tage.
    • Antibiotika sollten nicht bei asymptomatischen Patienten mit Kontakt zu Cholera-Patienten oder prophylaktisch gegeben werden wegen des Risikos einer Resistenzentwicklung.
  • Die Therapie 1. Wahl ist Doxycyclin oder Tetracyclin.
    • Tetracyclin Tabl. 500 mg: 1 Tabl. 4 x täglich über 3 Tage
      • Es wurden vor allem in Indien und Ostafrika Resistenzen nachgewiesen.
    • Doxycyclin Tabl. 100 mg: 3 Tabletten als Einzeldosis bei Erwachsenen
    • Azithromycin als Einzeldosis von 1 g ist eine etwas teurere Alternative. Azithromycin hat sich als gute Alternative bei jüngeren Kindern erwiesen, die Tetracyclin oder Doxycyclin nicht nehmen können.9
  • Zinkzufuhr
    • 30 mg täglich
    • Hilft nachweislich zur Verkürzung der Diarrhö bei Kindern im Alter von drei bis 14 Jahren, die mit Cholera ins Krankenhaus eingeliefert wurden (Ib).10
    • Die Diarrhö-Dauer wurde um durchschnittlich 8 Stunden reduziert.

Prävention

  • Trinkwasserhygiene ist am wichtigsten.
  • Die Krankheit kann auch durch kontaminierte Lebensmittel übertragen werden.
  • Wichtige Maßnahmen bei einem Aufenthalt in endemischen Gebieten:
    • Abkochen oder Desinfektion des Trinkwassers
    • Schalentiere und Salate vermeiden.
    • Obst und Gemüse (das nicht geschält wird) mit desinfiziertem Wasser waschen.
    • Nur in chlorierten Schwimmbecken baden.
  • Im Umfeld von Erkrankten: Umgebungsuntersuchungen bei Kontaktpersonen, ggf. Absonderung für fünf Tage.1 
  • Nach § 42 Abs. 1 IfSG dürfen Personen, die an Cholera erkrankt sind oder den Erreger ausscheiden, nicht beschäftigt werden mit dem Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen von Lebensmitteln, in Küchen von Gaststätten oder sonstigen Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung.1 

Schutzimpfung bei Reisen

  • Es stehen ein Totimpfstoff und ein attenuierter Lebendimpfstoff zur Verfügung, die einen partiellen Schutz für einige Monate bieten, aber von der WHO nicht generell empfohlen werden.1 In Deutschland ist nur der Totimpfstoff zugelassen.
  • Reiseindikation laut STIKO (Ständigen Impfkommission): Aufenthalte in Infektionsgebieten, speziell unter mangelhaften Hygienebedingungen bei aktuellen Ausbrüchen, z. B. in Flüchtlingslagern oder bei Naturkatastrophen1 
  • Empfohlen ist die Impfung in besonderen Epidemie-Situationen.
    • In erster Linie für Hilfspersonal im Einsatz bei Naturkatastrophen und Kriegen.
    • Für Personen, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben müssen.
    • Für Patienten, die zu wenig Magensäure haben oder säurehemmende Medikamente einnehmen.
    • Seeleute, für die an einigen Orten Impfungen vorgeschrieben sind.
  • Oraler Totimpfstoff11
    • Hitze-inaktivierter Impfstoff, der über sekretorische Antikörper die Kolonisation und die Toxinwirkung im Intestinaltrakt verhindert. 
    • Schützt zu ca. 80 % während der ersten sechs Monate und zu ca. 50‒60 % innerhalb der ersten zwei Jahre nach der ersten Impfung.12-13
      • Danach abnehmende Impfwirkung mit ca. 40 % Schutz im dritten und ca. 25 % im vierten Jahr.13
    • Das Standardverfahren bei Erstimpfung gegen Cholera besteht bei Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren aus zwei Dosen. Kinder von zwei bis unter sechs Jahren sollten drei Dosen erhalten. Die Dosen sind in Abständen von mindestens einer Woche zu verabreichen.11 
      • Für Kinder unter zwei Jahren ist der Impfstoff nicht zugelassen.
      • Impfschutz eine Woche nach Impfung2
    • Der Cholera-Impfstoff weist eine Kreuzreaktivität gegen ETEC auf. Der Einsatz kann für gezielte Risikogruppen (CED-Patienten, Patienten mit eingeschränkter oder reduzierter Magensäuresekretion) erwogen werden.11
  • Wann ist ein erneuter Schutz nötig?
    • Innerhalb von fünf Jahren nach Erstimpfung reicht der Booster mit einer Impfdosis aus.
    • Erneute Grundimpfung (s. oben), wenn mehr als fünf Jahre nach der letzten Impfung vergangen sind.  

Meldepflicht

  • Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an Cholera gemäß § 6, Abs. 1 Nr. 1 IfSG und bei direktem oder indirektem Nachweis von Vibrio cholerae O1 oder O139 in Verbindung mit einer akuten Infektion gemäß § 7, Abs. 1 IfSG.1 

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlauf

  • Die Inkubationszeit beträgt 2 Stunden bis 5 Tage.
  • Die meisten Patienten zeigen einen milden Verlauf.
  • Der Verlauf kann so rapide sein, dass der Patient aufgrund des hohen Wasserverlusts innerhalb weniger Stunden stirbt. Die meisten Todesfälle sind am ersten Tag zu verzeichnen.

Komplikationen

Prognose

  • Unbehandelt ist die Sterblichkeit bei einem schweren Verlauf hoch. Letalität der unbehandelten Erkrankung bis zu 60 %.1 
  • Mit der richtigen Flüssigkeitszufuhr ist die Prognose sehr gut mit einer Überlebensrate von beinahe 100 %. Dies hängt aber davon ab, ob die Behandlung früh genug begonnen wurde.

Patienteninformationen

Worüber sollten Sie die Patienten informieren?

  • Eine Impfung bei Reisen ist nur in besonderen Situationen empfohlen.
  • Das Infektionsrisiko ist für Reisende gering. Eine Aufklärung zur Vermeidung einer fäkal-oralen Infektion ist wichtig.

Patienteninformationen in Deximed

Quellen

Leitlinien

  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Durchfall, akut. AWMF-Leitlinie Nr. 053-030. Stand 2013. www.awmf.org 
  • Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple. AWMF-Leitlinie Nr. 021-024. Stand 2015. www.awmf.org

Literatur

  1. Robert-Koch-Institut. Cholera, Vibrionen. Stand Juli 2015. www.rki.de
  2. World Health Organization. Cholera. Last updated January 2019 www.who.int
  3. Snow J, Frost WH, Richardson BW. Snow on cholera. New York: Commonwealth Fund, 1936.
  4. Handa S. Cholera. Medscape, February 2016. emedicine.medscape.com
  5. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Durchfall, akut. AWMF-Leitlinie Nr. 053-030. Stand 2013. www.awmf.org
  6. Leibovici-Weissman Y, Neuberger A, Bitterman R, et al. Antimicrobial drugs for treating cholera. Cochrane Database Syst Rev 2014 Jun 19;6:CD008625. Cochrane (DOI)
  7. Gregorio GV, Gonzales MLM, Dans LF, Martinez EG. Polymer-based oral rehydration solution for treating acute watery diarrhoea. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 2. Art. No.: CD006519. DOI: 10.1002/14651858.CD006519.pub2 DOI
  8. BfArM: Fluorchinolone: Einschränkungen in der Anwendung aufgrund von möglicherweise dauerhaften und die Lebensqualität beeinträchtigenden Nebenwirkungen 16.11.18. www.bfarm.de
  9. Saha D, Karim MM, Khan WA, Ahmed S, Salam MA, Bennish ML. Single-dose azithromycin for the treatment of cholera in adults. N Engl J Med 2006; 354: 2452-62. New England Journal of Medicine
  10. Roy SK, Hossain MJ, Khatun W, et al. Zinc supplementation in children with cholera in Bangladesh: randomised controlled trial. BMJ 2008; 336: 266-8. PubMed
  11. European Medicines Agency. Dukoral, cholera vaccine (inactivated, oral). Stand Mai 2015. www.ema.europa.eu
  12. Sinclair D, Abba K, Zaman K, Qadri F, Graves PM. Oral vaccines for preventing cholera. Cochrane Database of Systematic Reviews 2011, Issue 3. Art. No.: CD008603. DOI: 10.1002/14651858.CD008603.pub2 DOI
  13. Bi Q, Ferreras E, Pezzoli L, et al. Protection against cholera from killed whole-cell oral cholera vaccines: a systematic review and meta-analysis. Lancet Infect Dis 2017; 17: 1080–88. pmid:28729167 PubMed
  14. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple. AWMF-Leitlinie Nr. 021-024. Stand 2015. www.awmf.org
  15. Saha D, Khan WA, Karim MM, et al. Single-dose ciprofloxacin versus 12-dose erythromycin for childhood cholera: a randomised controlled trial. Lancet 2005; 366: 1085-93. PubMed

Autoren

  • Birgit Wengenmayer, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Freiburg
  • Ingard Løge, spesialist i allmennmedisin, redaktør NEL
  • Svein Gunnar Gundersen, spesialist i indremedisin og infeksjonssykdommer, overlege ved Infeksjonsmedisinsk avdeling, Ullevål sykehus, professor i internasjonal helse, Institutt for allmennmedisin og samfunnsmedisin, Universitetet i Oslo