Zytomegalie

Zusammenfassung

  • Definition:Infektion mit dem Zytomegalievirus (CMV), auch als humanes Herpesvirus 5 (HHV-5) bezeichnet.
  • Häufigkeit:Seroprävalenz ca. 46–48 %. Serokonversionsrate pro Jahr ca. 0,5 %.
  • Symptome:Bei Immunkompetenten verläuft die Infektion in etwa 3/4 der Fälle asymptomatisch. Evtl. unspezifische Symptome eines viralen Atemwegsinfekts. Die Erkrankung kann bei immunkompromittierten Patienten zu lebensbedrohlichen Organschäden führen. Bei Erstinfektion Schwangerer hohes Risiko für schwere Schädigungen des Fetus.
  • Befunde:Evtl. Exanthem, Mononukleose, häufig erhöhte Transaminasen, evtl. Lymphozytose und/oder Thrombozytopenie, evtl. erhöhte Kälteagglutinine. Seltener Tonsillitis, Splenomegalie, Lymphadenopathie oder Anämie.
  • Diagnostik:Diagnosesicherung in der CMV-Serologie. Bei positivem CMV-IgM: Bestimmung der CMV-IgG-Avidität und anti-gB-IgG zur Eingrenzung des Zeitpunkts der Primärinfektion. Ggf. CMV-PCR zur Bestätigung einer aktiven Infektion und Quantifizierung der Viruslast. 
  • Therapie:Bei Immunkomprimittierten virostatische Behandlung zur Hemmung der Virusreplikation. Bei Immunkompetenten nicht erforderlich. In der Schwangerschaft und Stillzeit keine antivirale Therapie empfohlen. Präventive Maßnahmen umfassen Expositionsvermeidung und Händehygiene. Vor allem seronegative Schwangere und Immunkomprimittierte sollten den Kontakt mit Infizierten, besonders mit den Körperflüssigkeiten von Säuglingen und Kleinkindern, meiden.

Allgemeine Informationen

Definition1-2

  • Infektion mit dem Zytomegalievirus (CMV), das auch als humanes Herpesvirus 5 (HHV-5) bezeichnet wird.
    • Verläuft in den meisten Fällen asymptomatisch oder mit unspezifischen Symptomen wie
      • Husten und andere unspezifische Symptome eines Atemwegsinfekts
      • Abgeschlagenheit
      • Fieber.
    • Kann bei immunkompromittierten Patienten zu lebensbedrohlichen Organschäden führen.
    • Kann bei Erstinfektion Schwangerer zu schweren Schädigungen des Fetus führen.

Häufigkeit1

  • Häufigste kongenitale Virusinfektion
  • Die Seroprävalenz ist vom Alter und sozioökonomischen Faktoren der untersuchten Population abhängig, z. B.:
    • Anzahl der Sexualpartner
    • Umgang mit Kleinkindern
    • Hygienebedingungen.
  • Zur allgemeinen Seroprävalenz in Deutschland können derzeit keine genauen Angaben gemacht werden (Stand Mai 2018).
    • Eine Untersuchung von 24.260 Blutspendern in Gießen von 1992–2002 ergab eine Seroprävalenz von 46 %. Der Anteil der Blutspender zwischen 18 und 60 Jahren, die pro Jahr serokonvertieren, lag in dieser Studie bei 0,55 %.3
  • Seroprävalenz bei Schwangeren: ca. 48 %4
  • Serokonversionsraten bei Schwangeren in Deutschland: 0,5 %1, in europäischen Studien bis zu 2,3 %4
  • Seroprävalenz nach Nierentransplantation: 77 %1

Ätiologie und Pathogenese1

  • Ursache: Infektion mit dem Zytomegalievirus (Cytomegalo Virus, CMV)
    • Gehört zur Gruppe der Herpesviren.
  • Virus kann in allen Körperflüssigkeiten enthalten sein, wie
    • Tränenflüssigkeit
    • Speichel
    • Harn
    • Genitalsekrete
    • Muttermilch
    • Blut.
  • Das Virus kann bei Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten übertragen werden  z. B. durch:
    • Küssen
    • Sexualkontakte
      • häufige Neu- oder Reinfektionen mit dem Beginn sexueller Aktivität in Pubertät oder Adoleszenz2
    • Stillen
      • Bei fast allen seropositiven Frauen ist die Muttermilch infektiös. Mehr als 1/3 aller Säuglinge stecken sich damit an.
    • Bluttransfusionen
    • Organ- und Knochenmarktransplantionen.
  • Mutter-Kind-Übertragung während der Schwangerschaft
    • Besonders hohes Risiko für den Fetus bei Primärinfektion der Mutter im ersten Trimenon
      • In 1 von 5 Fällen wird dann der Virus auf den Fetus übertragen.
      • Bei etwa der Hälfte der neu infizierten Feten kommt es zu schweren bleibenden Fehlbildungen.
      • Im 3. Trimenon beträgt die Übertragungsrate 80 %. In dieser Phase verursacht die Infektion aber vermutlich keine fetalen Schädigungen mehr.
    • Auch Zweitinfektionen mit einem anderen CMV-Typ sind möglich.
      • Die klinische Bedeutung ist noch weitgehend ungeklärt.
      • Vermutlich bietet die transplazentare Übertragung mütterlicher IgG-Ak dabei einen partiellen Schutz für den Fetus.
  • Latente Infektion und Reaktivierung
    • Nach einer Primärinfektion persistieren die CMV latent in hämatopoetischen und anderen Zellen, z. B. Monozyten.
    • Nach einer Reaktivierung kann das Virus wieder im Körper replizieren.
    • Eine Ansteckung durch einen seropositiven Träger ist somit intermittierend lebenslang möglich.
  • Virusreservoir
    • Konnatal oder postnatal infizierte Kinder können bis zum 3. Lebensjahr oft hohe Virusmengen ausscheiden.
      • Bei einigen hält die Virusauscheidung bis zum 8. Lebensjahr an.
      • hohes Risiko bei Kontakt zu Schwangeren oder Immunsupprimierten
  • Inkubationszeit
    • bei symptomatischer Erkrankung 4−6 Wochen nach Primärinfektion1 

Disponierende Faktoren

  • Enger Kontakt mit Infizierten, die eine hohe Viruslast aufweisen, z. B. Kleinkinder.
    • exponierte Berufsgruppen in Kinderbetreuungseinrichtungen5-6
    • Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, scheinen durch den Kontakt mit infizierten Erwachsenen kein höheres Risiko zu haben als die Allgemeinbevölkerung.7
  • Unzureichende Hygiene (Händewaschen), z. B. in Kinderbetreuungseinrichtungen8
  • Immunsuppression
    • medikamentös, z. B. im Rahmen einer Transplantation
    • krankheitsbedingt, z. B. bei HIV/AIDS
  • Allgemeinärztlich Tätige kommen am ehesten bei der Behandlung von Patienten mit CMV-bedingter Mononukleose, akuter Hepatitis oder mit opportunistischer Infektion bei HIV/AIDS mit CMV in Kontakt.

ICPC-2

  • A75 Infektiöse Mononukleose
  • A77 Virale Erkrankung NNB, andere

ICD-10

  • B25.- Zytomegalie
    • B25.0 Pneumonie durch Zytomegalieviren
    • B25.1 Hepatitis durch Zytomegalieviren
    • B25.2 Pankreatitis durch Zytomegalieviren
    • B25.80 Infektion des Verdauungstraktes durch Zytomegalieviren
    • B25.88 Sonstige Zytomegalie
    • B25.9 Zytomegalie, nicht näher bezeichnet
  • P35.1 angeborene Zytomegalie
  • B27.1 Mononukleose durch Zytomegalieviren

Diagnostik1-2,9

  • In diesem Abschnitt wird überwiegend auf die CMV-Diagnostik bei Erwachsenen eingegangen. Zur Diagnostik bei Neugeborenen s. auch Artikel Untersuchung des Neugeborenen.

Leitlinie: Labordiagnostik Schwangere und Kinder9

  • Diagnose einer CMV-Primärinfektion
    • Bei Verdacht auf eine CMV-Primärinfektion in der Schwangerschaft soll die labordiagnostische Abklärung durch Bestimmung der CMV-spezifischen Antikörper im Sinne einer Stufendiagnostik mit Kombination verschiedener Testsysteme erfolgen:
      1. Nachweis einer CMV-IgG-Serokonversion. Dies erfordert die Verfügbarkeit von sequentiell abgenommenen Blutproben, wovon die initiale Probe CMV-IgG negativ sein muss. Liegt eine archivierte Serumprobe aus der Vorphase vor, so sollte diese für den Nachweis der Serokonversion eingesetzt werden.
      2. Nachweis von niedrig avidem CMV-IgG in Kombination mit hoch positiven Werten für CMV-IgM
      3. fehlender Nachweis von Antikörpern gegen das CMV-Glykoprotein B (AntigB-IgG mittels Immunblot) in Kombination mit niedrig avidem CMV-IgG und/oder hoch positivem CMV-IgM
      4. Für die Differenzialdiagnose von CMV-Primärinfektion und -Rekurrenz spielt der Nachweis der CMV-DNA (oder -Antigen) im Blut der Schwangeren keine Rolle.
  • Diagnose einer zurückliegenden CMV-Infektion
    • Die Labordiagnose einer länger zurückliegenden CMV-Primärinfektion (Zustand der CMV-Latenz) soll durch Nachweis von hoch avidem CMV-IgG bei gleichzeitig negativen Werten für CMV-IgM erfolgen.
    • CMV-Ausscheidung in Urin und Speichel ist in der Regel nicht nachweisbar.
  • Diagnose einer kongenitalen CMV-Infektion
    • beim Neugeborenen
      • Die Diagnose der kongenitalen Infektion soll beim Neugeborenen durch Nachweis von CMV-DNA und/oder durch CMV-Isolierung aus Urin oder Speichel innerhalb der ersten 2 Lebenswochen erfolgen.
    • retrospektiv beim Kleinkind
      • Beim Kleinkind soll eine kongenitale CMV-Infektion retrospektiv mittels Nachweis der CMV-DNA aus der Trockenblut-Filterkarte (Guthrietest-Karte vom 3. Lebenstag) diagnostiziert werden.
      • Um eine möglichst hohe diagnostische Sicherheit zu gewährleisten, soll für die DNA-Extraktion ein ausreichend großes Filterkartenstück mit Trockenblut eingesetzt werden, damit man auch geringe Genomkopien (< 1000 Kopien/ml Plasma) nachweisen kann.
      • Ein negatives Testergebnis schließt eine kongenitale CMV-Infektion nicht mit Sicherheit aus.
  • CMV-Screening während der Schwangerschaft
    1. Bei allen Schwangeren wird zum Zeitpunkt der Feststellung der Schwangerschaft die Bestimmung des CMV-IgG-Serostatus zur Labordiagnose einer CMV-Latenz empfohlen.*
    2. Nur bei Schwangeren mit erhöhtem Infektionsrisiko durch familiäre oder berufliche CMV-Exposition mit Kindern bis zum 3. Lebensjahr soll zum Zeitpunkt der Feststellung der Schwangerschaft der vollständige CMV-IgG/IgMSerostatus erhoben werden.
      • Bei positivem Nachweis von CMV-IgM soll eine zusätzliche CMV-IgG-Aviditätsbestimmung durchgeführt werden.
    3. Wenn die Schwangere klinische Symptome zeigt, die auf eine CMV-Infektion hinweisen, oder wenn sich spezifische Auffälligkeiten (z. B. hyperechogener Darm) in der Ultraschalldiagnostik zeigen, die auf eine CMV-Primärinfektion hinweisen, soll eine CMV-Diagnostik durchgeführt werden.
    4. Ggf. sollte bei drohender Frühgeburt (GA < 32 + 0) und geschätztem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm eine CMV-Diagnostik durchgeführt werden.
  • Seronegative Schwangere
    • Seronegative Schwangere sollen bezüglich der Hygienemaßnahmen zur Prävention einer CMV-Primärinfektion beraten werden.
  • Weiteres Vorgehen bei CMV-IgM-Positivität
    • In der Schwangerschaft soll jeder positive Nachweis von CMV-IgM durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden:
      • bei positivem CMV-IgG: Bestimmung der CMV-IgG-Avidität
      • bei negativem CMV-IgG: Folgeuntersuchungen zum Nachweis einer möglichen Serokonversion oder Fehlbestimmung
      • In der Frühschwangerschaft wird der Nachweis von anti-gB-IgG zusätzlich empfohlen.

* Ein solches CMV-Screening ist in den Mutterschaftsrichtlinien des G-BA bislang nicht als Routineleistung im Rahmen der Schwangerenvorsorge vorgesehen und daher in den meisten Fällen nur als Privatleistung oder IGEL umsetzbar.10 (Stand Mai 2018)

Diagnostische Kriterien2

  • In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung symptomlos.
    • So z. B. bei 3/4 aller Frauen, die sich in der Schwangerschaft infizieren.1
  • Typisches Mononukleose-Syndrom
    • akute fieberhafte Erkrankung
    • Anstieg der Lymphozyten- oder Monozytenzahl um ≥ 50 % mit mindestens 10 % atypischen Lymphozyten
    • 5–7 % der immunkompetenten Patienten mit diesem Syndrom haben eine akute CMV-Infektion.7
  • Unspezifische Symptome eines viralen Infekts
  • Evtl. weitere unspezifische Symptome
    • Kopfschmerzen
    • Exanthem unter der Behandlung mit Antibiotika wie Ampicillin (sowohl unter EBM- als auch unter CMV-Infektion häufig)
  • Evtl. weitere auffällige Laborbefunde
    • erhöhte Lebertransaminasen (bis zu 92 % der Patienten)11
    • Lymphozytose
    • Thrombozytopenie
    • erhöhte Kälteagglutinine

Differenzialdiagnosen2

Anamnese

  • Fieber, Schüttelfrost?
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit?
  • Halsschmerzen?
  • Husten?
  • Kopfschmerzen?
  • Ggf. Sexualanamnese
  • Häufiger und enger Kontakt zu Kleinkindern?
  • Medikamente?

Klinische Untersuchung

  • Allgemeinzustand?
  • Inspektion
  • Auskultation Herz und Lunge
  • Palpation und Perkussion Abdomen (incl. Leber, Milz), ggf. Sonografie
  • Inspektion Mund- und Rachenraum (incl. Pharynx/Tonsillen)
  • Palpation zervikale Lymphknoten
  • orientierende neurologische Untersuchung
    • grobe Kraft
    • Muskeleigenreflexe
    • Sensibilität
    • vegetative Symptome?
    • kognitive Defizite?

Ergänzende Untersuchungen in der Hausarztpraxis

Serologie

  • CMV-Ak zur Diagnosesicherung1
    • Erstmaliges Auftreten von CMV-IgG ist beweisend für eine Primärinfektion.
    • 2 Serumproben im Abstand von 2 Wochen abgenommen: Wenn die erste negativ, die zweite positiv ist, beweist das eine Serokonversion im untersuchten Zeitraum.
    • Die Bestimmung der Avidität (Stärke der Bindung zwischen Antikörper und Antigen) ermöglicht es, den Zeitpunkt der Infektion einzugrenzen.
    • Die Bestimmung des IgM allein reicht für den Beweis einer kürzlich stattgehabten Primärinfektion nicht aus, da CMV-IgM auch im Zuge der Infektion mit einem anderen Virus oder bei Reaktivierung der CMV-Infektion auftreten kann.
    • Auch ein fehlender Nachweis von Glykoprotein-B-Antikörpern ist nicht beweisend für eine CMV-Primärinfektion, da die Bildung dieser Antikörper bei ca. 20 % aller CMV-Infizierten ausbleibt.
    • Eine Primärinfektion liegt sehr wahrscheinlich vor, wenn
      • die CMV-IgM-Antikörper (hoch)positiv sind und im weiteren Verlauf abfallen – und –
      • die CMV-IgG-Antikörper eine niedrige Avidität zeigen – und –
      • Antikörper gegen Glykoprotein B negativ sind.
  • Ggf. weitere Tests

Diagnostik beim Spezialisten1

Amplifizierung viraler DNA mittels CMV-PCR 

  • In einem Speziallabor
  • Damit kann auch die Viruslast quantifiziert werden.
  • Zur Bestätigung einer aktiven Virusinfektion, z. B. bei Immunsupprimierten
  • Spielt in der Schwangerschaftsdiagnostik eine untergeordnete Rolle, da das Zeitfenster der viralen DNAämie sehr kurz ist und der Virusnachweis zwar eine aktive Infektion, aber nicht die Primärinfektion beweist.

Ggf. weitere virologische Untersuchungen

  • Nachweis des viralen Antigens Tegumentprotein pp65 in Leukozyten , z. B. via Immunfluoreszenzmikroskopie oder Immunhistochemie
  • Viruskultur
    • zur phänotypischen Resistenztestung
    • zur Frage der Infektiosität von Fruchtwasser, Muttermilch oder Urin

Indikationen zur Überweisung

  • Verdacht auf eine akute CMV-Infektion oder eine vor kurzem eingetretene Primärinfektion
    • während Schwangerschaft oder Stillperiode (Gynäkologie und Geburtshilfe)
    • bei Z. n. Organ- oder Knochenmarktransplantation (Transplantationszentrum bzw. Hämatologie/Onkologie)
    • bei immunkomprimittierenden Erkrankungen (z. B. Spezialisten für HIV-Infektion/AIDS)

Therapie1-2,9,13

Therapieziel

  • Bei Risikogruppen Vermeidung von Komplikationen

Allgemeines zur Therapie1

  • Bei immunkompetenten Personen ist keine Behandlung nötig.
  • Bei immunkomprimittierten Personen sowie ggf. bei kongenital infizierten Neugeborenen und Frühgeborenen wird eine akute CMV-Infektion virostatisch behandelt.
  • Die virostatische Behandlung von Schwangeren und Stillenden wird nicht empfohlen.

Empfehlungen für Patienten

  • Prävention einer Primärinfektion Schwangerer oder Immunkompromittierter durch Expositionsprophylaxe einschließlich allgemeiner Hygienemaßnahmen (s. Abschnitt Prävention)

Medikamentöse Therapie

  • Zur Therapie einer aktiven CMV-Infektion bei Immunsupprimierten oder Immungeschwächten, z. B. AIDS-Patienten, wird primär das Virostatikum Ganciclovir eingesetzt.
    • Bei Resistenz gegen Ganciclovir können andere Virostatika wie Foscavir und Cidofovir eingesetzt werden. Cidofovir kann bei Ganciclovir-Resistenz (Mutation im UL97-Gen) eingesetzt werden.
    • Als Erhaltungstherapie kommt Valganciclovir, Ganciclovir, Foscavir oder Cidofovir infrage.
    • Alle Medikamente gehen mit teilweise erheblichen Nebenwirkungen wie Myelo- bzw. Nephrotoxizität einher.
    • Da CMV (wie alle Herpesviren) in die Latenz übergehen, ist mit keinem Medikament eine Elimination zu erreichen, sondern nur eine Hemmung der Virusvermehrung möglich.

  • Therapie von kongenital infizierten Neugeborenen nur in Absprache mit einem neonatologischen Zentrum
    • Alle genannten Medikamente dürfen bei Kindern nur im Rahmen des Off-Label-Use eingesetzt werden.

Prävention

Leitlinie: Prävention von Virusübertragungen in der Schwangerschaft9

  • Jede Schwangere sollte so früh wie möglich hinsichtlich hygienischer Maßnahmen zur Vermeidung der Übertagung von Virusinfektionen beraten und informiert werden. Hierzu zählen:
    1. Die Vermeidung von Speichel-/Schleimhautkontakten (Mund-zu-Mund-Fütterung von Kleinkindern, Küssen auf den Mund, Abwischen und Nase/Mund, Ablecken von Schnullern, Fläschen, Lebensmitteln etc.), regelmäßige Reinigung von Gegenständen/Oberflächen, die Kontakt mit Speichel von Kleinkindern hatten.
    2. Die Vermeidung zu Kontakten mit Urin, insbesondere von Kindern im Alter von unter 3 Jahren, regelmäßige Reinigung von Gegenständen/Oberflächen, die Kontakt mit Urin von Kleinkindern hatten.
    3. das Waschen der Hände mit Wasser und Seife, nach Kontakten mit Speichel/Urin oder Stuhl.
  • Schwangere (besonders CMV-negative) und Immunkompromittierte sollten den Kontakt mit Urin, Speichel und anderen Körperflüssigkeiten – besonders von Kleinkindern – vermeiden.1,9
    • gründliches Händewaschen nach möglicher Exposition wie1
      • Windelwechsel
      • Waschen
      • Füttern
      • Tränen abwischen
      • Nase putzen
      • Kontakt mit Spielzeug, das in den Mund genommen wurde.
    • Zu vermeiden:
      • Küssen auf den Mund
      • gemeinsame Benutzung von Geschirr, Besteck, Zahnbürsten, Handtüchern und Waschlappen.
  • Exponierte in Einrichtungen des Gesundheitswesens
    • Zusätzliche Verwendung alkoholischer Händedesinfektionsmittel mit nachgewiesener begrenzt viruzider Wirksamkeit.

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlauf

  • Bei Immunkompetenten in den meisten Fällen symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen eines viralen Atemwegsinfekts (s. o.) 
  • Unbehandelt persistiert die Infektion lebenslang.
    • latente Infektion in hämatopoetischen Stammzellen und Monozyten ohne nachweisbare Virusreplikation
    • Eine vorübergehende Reaktivierung der Infektion ist jederzeit möglich und verläuft ebenfalls meist symptomlos.
      • Bei Reaktivierung besteht erneut ein Ansteckungsrisiko für Kontaktpersonen.

Komplikationen1

  • Bei Personen mit erworbenem Immundefizit, z. B. AIDS, bei angeborenem Immundefekt oder unter immunsuppressiver Therapie sowie bei Neugeborenen kann die Infektion Komplikationen hervorrufen und zahlreiche Organsysteme schädigen, z. B.:
  • Bei Neugeborenen, die in utero infiziert wurden:
    • Wachstumsverzögerungen
    • Hepatomegalie
    • Mikrozephalie
    • mentale Retardierung
    • Hörschäden
    • Sehstörungen.

Prognose

  • Ohne virostatische Therapie: lebenslange Persistenz der Infektion
  • Bei Primärinfektion und Virusübertragung auf den Fetus im 1. Trimenon kommt es bei mehr als der Hälfte der betroffenen Kinder zu dauerhaften Schäden.
  • Bei HIV/AIDS2,13
    • Vor Einführung der hoch aktiven antiretroviralen Therapie war CMV die häufigste virale opportunistische Infektion HIV-Positiver.
    • Die Prognose korreliert mit der CD4-Zahl. Bei Betroffenen mit einer CD4-Zahl unter 50/mm3 kommt es in 21–45 % der Fälle zu CMV-induzierten Endorganschäden, meist Retinitis.

Verlaufskontrolle

  • Nach kongenitaler CMV-Infektion: regelmäßige apparative Hörtestkontrollen
    • Gehörschädigungen können noch Jahre nach der Primärinfektion auftreten.

Patienteninformationen

Patienteninformationen in Deximed

Patientenorganisationen

Quellen

Leitlinien

  • Gesellschaft für Virologie (GfV). Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. AWMF-Leitlinie Nr. 093-001, Klasse S2k, Stand 2014. www.awmf.org

Literatur

  1. Robert Koch Institut. RKI Ratgeber Zytomegalievirus-Infektion. Stand: 20.01.2014 www.rki.de
  2. Taylor GH. Cytomegalovirus. Am Fam Physician. 2003; 67(3):519-24. PMID: 12588074 PubMed
  3. Hecker M, Qiu D, Marquardt K et al. Continuous cytomegalovirus seroconversion in a large group of healthy blood donors. Vox Sang 2004; 86:41-4. PMID: 14984558 PubMed
  4. Enders G, Bäder U, Bartelt U, Daiminger A: Zytomegalievirus- (CMV) Durchseuchung und Häufigkeit von CMV-Primärinfektionen bei schwangeren Frauen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 2003;46:426–432. DOI: 10.1007/s00103-003-0602-9 DOI
  5. Adler SP. Cytomegalovirus and child day care. Evidence for an increased infection rate among day-care workers. N Engl J Med. 1989;321:1290–6. PMID: 2552316 PubMed
  6. Bale JF Jr, Petheram SJ, Souza IE, Murph JR. Cytomegalovirus reinfection in young children. J Pediatr. 1996;128:347–52. PMID: 8774502 PubMed
  7. Evans AS. Infectious mononucleosis and related syndromes. Am J Med Sci. 1978;276:325–39. PMID: 217270 PubMed
  8. Bale JF Jr, Zimmerman B, Dawson JD, Souza IE, Petheram SJ, Murph JR. Cytomegalovirus transmission in child care homes. Arch Pediatr Adolesc Med. 1999;153:75–9. DOI: 10.1001/archpedi.153.1.75 DOI
  9. Gesellschaft für Virologie (GfV). Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. AWMF-Leitlinie Nr. 093-001, Klasse S2k, Stand 2014. www.awmf.org
  10. Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung („Mutterschafts-Richtlinien“). 2019. www.g-ba.de
  11. Horwitz CA, Henle W, Henle G. Diagnostic aspects of the cytomegalovirus mononucleosis syndrome in previously healthy persons. Postgrad Med. 1979;66:153–8. PMID: 224385 PubMed
  12. Drago F, Aragone MG, Lugani C, Rebora A. Cytomegalovirus infection in normal and immunocompromised humans. A review. Dermatology 2000;200:189–95. PMID: 10828625 PubMed
  13. Hoover DR, Saah AJ, Bacellar H, Phair J, Detels R, Anderson R, et al. Clinical manifestations of AIDS in the era of Pneumocystis prophylaxis. N Engl J Med. 1993;329:1922–6. PMID: 7902536 PubMed

Autoren

  • Thomas M. Heim, Dr. med., Wissenschaftsjournalist, Freiburg