Diphtherie

Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die in der Vergangenheit sehr verbreitet war. Seit der allgemeinen Einführung von Impfstoffen ist die Erkrankung stark zurückgegangen. Heutzutage werden in Deutschland und anderen westlichen Ländern nur noch sehr selten Erkrankungsfälle gemeldet.

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Was ist Diphtherie?

Diphtherie ist eine akute Infektionskrankheit, die durch Diphtheriebakterien (Corynebacterium diphtheriae) ausgelöst wird. Die Bakterien verursachen eine Schleimhautentzündung im Rachen, oft auch direkt am Kehlkopf und in den Luftwegen, gelegentlich kommt es auch zu einer Infektion von vorbestehenden Wunden der Haut. Ein von den Bakterien produziertes Gift kann sich über die Blutbahn im Körper verteilen und Komplikationen an Herz und Gehirn nach sich ziehen. 

Die Infektionskrankheit war in der Vergangenheit recht verbreitet, nicht selten kam es zu großen Epidemien mit vielen Todesfällen. Die letzte große Epidemie trat während des Zweiten Weltkriegs auf. Die Impfung gegen Diphtherie ist seit langem Teil des deutschen Kinder-Impfprogramms. Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Sechsfachimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus influenzae Typ b (HiB), Polio und Hepatitis B im Alter von 2, 3, 4 und 11–14 Monaten. Auffrischimpfungen werden im Alter von 5–6 und 9–17 Jahren für Tetanus, Diphtherie und Pertussis empfohlen; für Polio einmalig im Alter von 9–17 Jahren. Vor allem in den westlichen Ländern liegt die Impfquote bei 90–95 %, sodass Diphtherie in sehr vielen Ländern nur noch sehr selten auftritt.

In vielen anderen Gegenden der Welt ist die Erkrankung auch heute noch verbreitet, v. a. in Afrika, Asien, Südpazifik, Osteuropa und Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Es besteht daher das Risiko einer Infektion mit Diphtheriebakterien, wenn sich ungeimpfte Personen in Risikozonen aufhalten und Menschen in Länder reisen, in denen die Erkrankung vorkommt. Ein Typ der Corynebakterien (C. ulcerans) wird auch heutzutage noch etwas häufiger in westlichen Ländern gemeldet; die Infektion erfolgt über Haustiere und Nutztiere innerhalbs des Heimatlandes.

Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion über Erkrankte, beispielsweise durch Husten, gemeinsame Benutzung von Gläsern, Küssen usw. Auch über infizierte Wunden ist eine Ansteckung möglich. Es gibt auch Träger der Bakterien, die selbst gar keine Symptome aufweisen, aber ansteckend sind. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Symptome beträgt 2–5 Tage.

Diagnostik

Die Bakterien verursachen eine Schleimhautentzündung vor allem in Hals und Bronchien. Leichte Krankheitsverläufe äußern sich ähnlich wie eine normale Mandelentzündung. Es sind jedoch auch schwere Krankheitsverläufe möglich. Charakteristisch hierfür sind gelblich-grauweiße Beläge auf den Schleimhäuten. Diese Beläge sitzen sehr fest: Wenn man versucht, sie abzustreifen, beginnt die Schleimhaut zu bluten. Die Patienten leiden unter Husten und Schmerzen in Hals und Rachen. Ist der Kehlkopf mitbetroffen, kommt es zu dem typischen bellenden Husten (Krupp-Husten), Atemnot, Unruhe, Angst und evtl. Bewusstlosigkeit. Die Betroffenen können ohne Therapie wegen dieser Symptomatik ersticken. Bei Kleinkindern und Personen > 40 Jahre ist das Risiko an einer Diphtherie zu sterben, erhöht (im Durchschnitt 5–10% bei allen Patienten). 

Das von den Bakterien produzierte Gift kann zum Herzen und ins Gehirn gelangen, mit der Folge von Herzversagen und Lähmungserscheinungen.

Therapie

Besteht der Verdacht auf eine Diphtherie, sollte der Betroffene rasch in eine Klinik aufgenommen, überwacht und sofort mit einem wirksamen Gegengift (Antitoxin) behandelt werden. Darüber hinaus wird eine Antibiotika-Therapie empfohlen. Befallen Hautstellen können lokal antibiotisch bzw. desinfizierend behandelt werden. 

Möglicherweise müssen die Beläge im Rachen chirurgisch entfernt werden. Falls die Infektion zu einer Blockade der Luftwege führt, kann eine Intensivversorgung erforderlich werden. Mit einer modernen Therapie bestehen sehr gute Heilungschancen.

Kontaktpersonen von Erkrankten sollten ebenfalls mit Antibiotika behandelt werden, um einer Infektion vorzubeugen. Alle Träger von Diphtheriebakterien (Erkrankte und gesunde Träger) sollten sofort Gemeinschaftseinrichtungen (Schule, Kindergarten etc) fernbleiben und zu Hause oder in der Klinik isoliert behandelt werden. Von ihnen genutzte Räume und Gegenstände müssen entsorgt bzw. ausreichend desinfiziert werden, um eine weitere Verbreitung zu stoppen. Erst nach Abschluss der Antibiotikatherapie, wenn 24 Stunden später in 2 Blutkulturen keine Bakterien mehr nachweisbar sind, können die Betroffenen wieder aus der Isolation entlassen werden. 

Vorbeugung

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung der Erkrankung besteht im Durchlaufen des Impfprogramms. Vier Impfungen werden im ersten Lebensjahr verabreicht, zwei Auffrischimpfungen sollten bis zum Alter von 17 Jahren erfolgen. Auffrischimpfungen sollten dann alle 10 Jahre erfolgen. Eine Boosterimpfung (d. h. eine Extradosis) wird außerdem Erwachsenen empfohlen, die in Ländern, in denen Diphtherie verbreitet ist, arbeiten oder sich dort aufhalten. Eine Boosterimpfung sorgt für einen vollständigen Schutz auch dann, wenn seit der Grundimmunisierung viele Jahre vergangen sind.

Weitere Informationen

  • Diphtherie – Informationen für ärztliches Personal

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Diphtherie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Robert Koch Institut. Diphtherie. RKI-Ratgeber für Ärzte. Berlin Stand 2018. www.rki.de
  2. RKI: Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut / Stand: 2017 www.rki.de
  3. World Health Organization. Diphtheria. Stand Mai 2018 www.who.int
  4. Robert Koch Institut, Impfquoten bei bei den Schuleingangsuntersuchungen 2016. zugriff 26.05.2018 www.rki.de
  5. Moore LSP, Leslie A, Meltzer M, Corynebacterium ulcerans cutaneous diphtheria. Lancet Infect Dis 2015;15:1100– 07 www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Bishai W, Suttorp N. Diphtherie. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage 2016 Thieme-Verlag S.1190ff.
  7. Altmeyer P. Online Enzyklopädie Dermatologie. Diphtherie der Haut. Zugriff 26.052018 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  8. Nelson TG. Mitchell CD. Cutaneous ulcers in a returning traveller: a rare case of imported diphtheria in the UK. Clin Exp Dermatol 41:57-59.2016 www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Halsschmerzen. AWMF-Leitlinie Nr. 053-010, Stand 2009 www.awmf.org
  10. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Entzündliche Erkrankungen der Gaumenmandeln/Tonsillitis, Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 017-024, Stand 2015. www.awmf.org
  11. Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz. Erweiterung der Meldepflicht für übertragbare Krankheiten und Krankheitserreger nach dem Infektionsschutzgesetz. Zugriff 22.05.2018 www.revosax.sachsen.de