Legionärskrankheit

Bei der Legionärskrankheit handelt es sich um eine Lungenentzündung, die durch eine besondere Gruppe von Bakterien namens Legionellen verursacht wird. Die Symptome der Legionärskrankheit unterscheiden sich anfänglich nicht von denen anderer Lungenentzündungen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist die Legionärskrankheit?

Die Infektion mit Legionellen kann sich nur mit leichten Beschwerden wie bei einer Erkältung ohne Lungenentzündung äußern und wird dann als Pontiac-Fieber bezeichnet. Die Legionärskrankheit hingegen ruft eine schwere Krankheit mit einer unter Umständen lebensbedrohlichen Lungenentzündung hervor. Die meisten Patienten haben hohes Fieber, fühlen sich müde und erschöpft und husten (mit oder ohne Auswurf). Häufig klagen sie über Schmerzen im Brustraum. Typisch für die Legionärskrankheit ist, dass die meisten Betroffenen desorientiert bzw. verwirrt sind. Auch Kopf- und Gliederschmerzen sowie Durchfall können vorkommen. Insgesamt unterscheiden sich die Symptome aber oft nicht deutlich von einer Lungenentzündung durch andere Bakterien.

Die Krankheit bekam ihren Namen 1976 durch den ersten großen dokumentierten Ausbruch bei einer Konferenz der US-Kriegsveteranenvereinigung „American Legion“ in Philadelphia. Legionellen verbreiten sich in Wasser einer Temperatur von 20–50°C, Menschen stecken sich zum Beispiel über kontaminierte Wasserhähne, Whirlpools oder auch Aerosole, evtl. auch über Klimaanlagen an. Die Infektion kann endemisch, also viele Menschen zur gleichen Zeit (etwa Gäste eines betroffenen Hotels) befallen, oder auch sporadisch auftreten (einzelne Fälle).

In Deutschland erkrankten 1,1 von je 100.000 Personen im Jahr 2014. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Infektion sehr schwer verlaufen; insgesamt sterben 4,2% derjenigen mit der Diagnose Legionärskrankheit. Allerdings bleiben wahrscheinlich viele Erkrankungen unerkannt, weil die Beschwerden eher untypisch sind und der Erreger oft wohl nicht nachgewiesen wird.

Ursache

Elektronenmikroskop-Bild des Legionellen-Bakteriums (grün)
Elektronenmikroskop-Bild des Legionellen-Bakteriums (grün)

Eine potenzielle Gefahrenquelle für den Menschen sind in Wassersystemen siedelnde Legionellen, die sich bei einer Wassertemperatur zwischen 35 °C und 45 °C besonders stark vermehren können. Große Wassersysteme mit umfangreichen Rohrleitungen, wie sie beispielsweise in Hotels, Krankenhäusern oder anderen vergleichbaren Einrichtungen vorkommen, sind besonders anfällig für Kontaminationen. Die Bakterien sind grundsätzlich übertragbar durch Duschen und Whirlpools sowie andere Wasserquellen, die Aerosole abgeben (zum Beispiel Sprinkleranlagen, Luftbefeuchter, Brandschutzanlagen, Zimmerspringbrunnen und Sprühnebelanlagen für Obst und Gemüse). Die Bakterien gelangen durch Einatmen von kontaminiertem Wasserdampf in den Körper; dies ist der wahrscheinlichste Weg der Ansteckung. Die Krankheit ist, soweit bekannt, aber nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

In der Regel ist eine hohe "Dosis" an Bakterien notwendig, um infiziert zu werden; gesunde Personen stecken sich in der Regel also erst beim Einatmen einer sehr hohen Bakterienmenge an, Immungeschwächte jedoch sind deutlich empfindlicher.

Neben der Immunschwäche durch bestimmte Krankheiten oder allgemein chronische Krankheiten (der Lunge, der Leber, der Nieren, Krebs etc.) sind weitere Risikofaktoren für eine Infektion und Erkrankung Rauchen, Alkoholmissbrauch und hohes Alter. 

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, kann 2–10 Tage betragen, meist jedoch 5–6 Tage.

Diagnostik

Die Diagnosestellung ist nicht so einfach. Die Untersuchung des Patienten ergibt Hinweise wie bei einer "üblichen" Lungenentzündung, auch beim Abhören der Lungen zeigen sich keine speziellen Geräusche. Wie oben beschrieben, können die Beschwerden auch zu „gewöhnlichen" Erkältungen oder Lungenentzündungen passen. Der Verdacht auf eine Legionelleninfektion kann dann entstehen, wenn eine Lungenentzündung ohne Erfolg mit Penicillin behandelt wird und der Patient erst kurze Zeit vorher aus dem Ausland zurückgekehrt ist (wegen der dort oft erhöhten Ansteckungsgefahr). Auch bei Personen mit Immunschwäche wird der Arzt bei einer Lungenentzündung als Verursacher auch Legionellen in Betracht ziehen.

Die Diagnose ist durch eine Bakterienkultur des Hustenschleims möglich, wobei die Untersuchung einige Tage dauert. Sicherer als der Nachweis in Kulturen ist der direkte Nachweis von Genmaterial des Bakteriums mittels einer Labormethode namens Polymerasekettenreaktion. Spuren von Legionellenbakterien sind auch im Urin nachweisbar. Die Röntgenbilder der Lungen können ebenfalls hilfreich sein.

Behandlung

Eine Legionellenpneumonie muss mit Antibiotika behandelt werden. Um eine rasche Wirkung zu erzielen, wird das Medikament zunächst in der Klinik über die Vene verabreicht. Sobald sich die Beschwerden deutlich bessern, kann die Therapie auf Tabletten umgestellt werden. Insgesamt sollte der Patient die Antibiotika 7–10 Tage einnehmen. Personen mit Immunschwäche oder sonst schwerkranke Patienten erhalten zusätzlich andere Antibiotika und es wird eine Therapie bis zu 3 Wochen verordnet.

Die Legionelleninfektion gehört nach der Definition des Infektionsschutzgesetzes zu den hochinfektiösen und deshalb meldepflichtigen Krankheiten.

Prognose

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen, kann 2–10 Tage betragen. Mit der richtigen Behandlung werden die meisten geheilt. Die Krankheit kann jedoch gefährlich sein – vor allem für Personen, deren Gesundheit bereits vorher angegriffen war. Hier können neben der Lunge weitere Organe erkranken.

Prävention

Zur Vorbeugung von Legionelleninfektionen müssen wasserführende Systeme sauber gehalten werden; dies ist durch Hitze (Legionellen können sich bei > 60 °C nicht mehr vermehren) oder desinfizierende Chemikalien möglich. Zuhause ist die Ansteckungsgefahr in der Regel sehr gering, dennoch sollte man auf saubere Wasserleitungen, Duschköpfe etc. achten. Wichtig sind Temperaturen von etwa 70 °C in Warmwasserbehältern; Duschköpfe und Waserhähne sollten etwa 4-mal im Jahr mit 70 °C heißem Wasser durchgespült oder mit chlorhaltigem Reinigungsmittel desinfiziert werden (Einzelteile ausbauen und 30 Minuten einweichen). Luftbefeuchter sind am besten wöchentlich zu reinigen; für Whirlpools gelten ebenfalls genaue Richtlinien (regelmäßige Spülung des Systems mit chlorhaltigem Wasser). Nach der Nutzung eines Hochdruckreinigers sollte dieser entleert und bis zum nächsten Gebrauch kühl gelagert werden.

Auch auf Reisen ist das Risiko einer Ansteckung in der Regel gering; gefährdet sind aber immungeschwächte Personen. Entwickelt ein Mensch mit erhöhtem Ansteckungsrisiko auf Reisen (besonders bei Aufenthalt in Hotels, größeren Gebäuden) Fieber und Husten, ist es stets sinnvoll, einen Arzt zu konsultieren.

Eine bestimmte Legionellenart kann auch in Blumenerde vorkommen; lagern Sie daher Pflanzerde stets kühl und achten Sie darauf, dass beim Pflanzen kein Staub entsteht oder tragen Sie eine Staubmaske.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Legionellose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Robert Koch Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2014. www.rki.de
  2. Fang GD, Fine M, Orloff J, Arisumi D, Yu VL, Kapoor W et al. New and emerging etiologies for community-acquired pneumonia with implications for therapy: a prospective multi-center study of 359 cases. Medicine 1990; 69: 307-16. PubMed
  3. File TM Jr, Tan JS, Plouffe JF. The role of atypical pathogens: Mycoplasma pneumoniae, Chlamydia pneumoniae, and Legionella pneumophila in respiratory infection. Infect Dis Clin North Am 1998;12:569-92,vii.
  4. Shands KN, Ho JL, Meyer RD, Gorman GW, Edelstein PH, Mallison GF, et al. Potable water as a source of Legionnaires' disease. JAMA 1985;253:1412-6. Journal of the American Medical Association
  5. Butler JC, Fields BS, Breiman RF. Prevention and control of Legionellosis. Infect Dis Clin Pract 1997;6/7:458-64.
  6. Straus WL, Plouffe JF, File TM Jr, Lipman HB, Hackman BH, Salstrom SJ, et al. Risk factors for domestic acquisition of legionnaires disease. Ohio Legionnaires Disease Group. Arch Intern Med 1996;156:1685-92. PubMed
  7. Roig J, Aguilar X, Ruiz J, Domingo C, Mesalles E, Manterola J et al. Comparative study of Legionella pneumophila and other nosocomial-acquired pneumonias. Chest 1991; 99: 34-50. PubMed
  8. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Husten. DEGAM-Leitlinie Nr. 11. AWMF-Leitlinie Nr. 053/013, Stand 2014. www.awmf.org
  9. Murdoch DR, Podmore RG, Anderson TP, et al. Impact of routine systematic polymerase chain reaction testing on case finding for Legionnaires' disease: A pre–post comparison study. Clin Infect Dis 2013; 57: 1215. doi:10.1093/cid/cit504
  10. Stout JE, Yu VL. Legionellosis. N Engl J Med 1997;337:682-7. New England Journal of Medicine
  11. Robert Koch Institut. RKI-Ratgeber für Ärzte: Legionellose. Berlin, Stand 2013 www.rki.de
  12. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI), Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V. (PEG). Pneumonie, ambulant erworben, Behandlung und Prävention von erwachsenen Patienten. AWMF-Leitlinie NR.020-020, Stand 2015. www.awmf.org
  13. VDI-Richtlinie 6023: Hygiene in Trinkwasserinstallationen – Anforderungen an Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung (2006; zu beziehen über Beuth-Verlag, Berlin)
  14. Fine MJ, Smith MA, Carson CA, Mutha SS, Sankey SS, Weissfeld LA, et al. Prognosis and outcomes of patients with community-acquired pneumonia. A meta-analysis. JAMA 1996; 275:134-41. Journal of the American Medical Association