Listeriose

Listeriose ist eine seltene, aber manchmal schwere Bakterieninfektion, die hauptsächlich für Personen mit reduzierter Immunabwehr, Schwangere und Neugeborene gefährlich werden kann.

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Was ist Listeriose?

Listeriose ist eine lebensmittelbedingten Zoonose – eine Tierkrankheit, die auf Menschen übertragen werden kann. Die Krankheit wird durch das Bakterium Listeria monocytogenes verursacht. Das Bakterium ist in der Natur weit verbreitet und bei vielen Tierarten vorzufinden.

Listeria monocytogenes kann sich in Lebensmitteln bei Kühlschranktemperatur bilden. Es wird angenommen, dass die meisten Menschen, die Träger von Listerien sind, nicht krank werden. Doch bei Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, besteht ein erhöhtes Risiko, nach der Ansteckung zu erkranken. Beispiele für ein geschwächtes Immunsystem sind Schwangerschaft, Alkoholismus, hohes Alter und Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes.

Das jährliche Vorkommen von Fällen von invasiver Listeriose in Deutschland schwankt zwischen einem Minimum seit 2005: 308 Fälle im Jahr 2008 und einem Maximum: 608 im Jahr 2014.
Schwangerschaftassoziierte Listeriosen sind 10 % aller gemeldeten Listeriose-Fälle.
Die nicht-schwangerschaftsassoziierten invasiven Listeriosen kommen vor allem in der Altersgruppe ab 50 vor. Viele der Betroffenen sind durch eine Grund­er­kran­kung immunsupprimiert. Männer sind häufiger betroffen (65 %) als Frauen.
In Paderborn gab es im Jahr 2015 einen großen Ausbruch von Listeriose-Gastro­enteritis in 6 Gemeinschaftseinrichtungen (144 Kinder und 10 Personal).

Ansteckung

Listeria monocytogenes ist ein häufiger Erreger, der in vielen Tierarten und in der Umwelt vorkommt, unter anderem in der Erde, in Pflanzenresten, Tierfutter, Wasser oder Abwasser. Der Übertragungsweg ist am häufigsten kontaminierte Nahrung, besonders unpasteurisierte Milchprodukte, Weichkäse, Wurstaufschnitt, Gemüse sowie verarbeitete Fischprodukte.
Die meisten Infektionsherde sind langhaltbare Lebensmittel, die in gekühltem Zustand aufbewahrt und ohne weitere Wärmebehandlung zubereitet werden – Lebensmittel also, in denen sich Listerien auch bei Kältelagerung vermehren können.
Listerien finden sich öfter auch in Gemüse, z. B. in bereits geschnittenen/geraspelten Salaten. Schwangere und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem sollten deshalb diese Lebensmittel meiden.
Warum dieses Bakterium, das in der Regel keine Krankheit verursacht, auch bei ansonsten gesunden Menschen gelegentlich zu lebensbedrohlichen Infektionen führt, ist nicht bekannt.

Symptome

Die meisten Menschen, die mit Listerien infiziert sind, entwickeln innerhalb von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen Symptome. Die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten von Symptomen kann bis zu 70 Tage betragen. Die Symptome sind meist Fieber und Gliederschmerzen. Kopfschmerzen, Müdigkeit und neurologische Symptome können ebenfalls auftreten.

Bei gesunden Menschen tritt die Erkrankung oft ohne Symptome auf, manchmal mit den oben beschriebenen, grippeähnlichen Symptomen. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann eine Infektion zu einer schweren Erkrankung führen. Außerhalb der Schwangerschaft verursacht die Infektion häufig eine Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Sepsis (Blutvergiftung).
Die Krankheit beginnt langsam mit allgemeinen Symptomen wie Fieber, Müdigkeit und Schüttelfrost. Nach einer Weile treten Symptome einer Meningitis auf, wie z. B. Bewusstseinsstörungen und Kopfschmerzen. Allerdings sind 40 % der Patienten zum Zeitpunkt der Krankenhauseinweisung ohne Symptome.

Schwangere können ihre Kinder anstecken, ohne selbst zu erkranken. Eine Infektion des Fetus in der Gebärmutter kann zu dessen Tod führen. Wenn die Infektion im Mutterleib erfolgt, kann die Listeriose zu einer Frühgeburt mit eingeschränktem Allgemeinzustand und Symptomen eines Multiorganversagens führen. Wenn die Infektion während der Geburt erfolgt, treten die Symptome nach drei oder mehr Tagen in Form einer Meningitis auf. Bei der Infektion von Neugeborenen ist die Sterblichkeit hoch.

Diagnostik

Wenn das Neugeborene an einer Meningitis, Sepsis oder schweren Infektion erkrankt ist, besteht der Verdacht auf eine Listeriose. Bakterienkulturen und die Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit (Lumbalpunktion) bestätigen die Diagnose.

Behandlung

Der Patient ist schwer krank und muss im Krankenhaus behandelt werden. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Sie dauert mindestens drei Wochen, oft aber auch bis zu sechs Wochen oder mehr. In der Regel ist eine weitere intensive Therapie mit Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr direkt in den Blutkreislauf erforderlich.

Vorbeugung

Mitglieder von Risikogruppen – schwangere Frauen und Personen mit geschwächtem Immunsystem – sollten es vermeiden, Weichkäse und nicht pasteurisierte Milchprodukte zu sich zu nehmen. Gebeizter oder geräucherter Fisch, zum Beispiel Räucherlachs, sollte so frisch wie möglich und niemals nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verzehrt werden. Roher Fisch sollte vermieden werden. Aufschnitt sollte, ebenso wie gebeizter oder geräucherter Fisch, so frisch wie möglich gegessen werden und nie nach dem Ablauf des Verfallsdatums. Schwangeren wird abgeraten, rohes Fleisch (z.B. Tatar), gebeiztes Fleisch und Pökelfleisch zu essen (z. B. Pökelwurst und roher Schinken).

Prognose

Eine frühe Antibiotikabehandlung ist entscheidend für das Überleben ohne Hirnschäden. Die Sterblichkeit für Listeriose liegt bei etwa 25 %.

Eine Infektion in der Schwangerschaft bedeutet in den meisten Fällen eine gutartige Erkrankung sowohl für die Mutter als auch für den Fetus. Die Krankheit kann ohne spezifische Therapie abklingen, aber auch zu einer schweren Infektion des Fetus führen.

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Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Listeriose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Southwick FS, Purich DL. Intracellular pathogenesis of listeriosis. N Engl J Med 1996; 334: 770-6 New England Journal of Medicine
  2. Robert-Koch-Institut. Listeriose. RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand 2015. www.rki.de
  3. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Meningoenzephalitis, ambulant erworbene bakterielle (eitrige). AWMF-Leitlinie Nr. 030-089. Stand 2012. www.awmf.org
  4. Mylonakis E, Hohmann EL, Calderwood SB. Central nervous system infection with Listeria moncytogenes. 33 years experience at a generel hospital and review of 776 episodes from the literature. Medicine, Baltimore, 1998; 77:313-36. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Tunkel AR, Scheld WM. Issues in the Management of Bacterial Meningitis. Am Fam Phys 1997; 56: 1355 PubMed
  6. Schuchat A, Swaminathan B, Broome CV. Epidemiology of human listeriosis. Clin Microbiol Rev 1991; 4: 169-83 PubMed