Borreliose nach Zeckenstich

Die Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Ungefähr 1 von 100 Zeckenstichen führt in Deutschland zu einer Erkrankung. Durch einen aufmerksamen Schutz vor und vernünftigen Umgang mit Zeckenstichen kann das Risiko minimiert werden. Kommt es zur Erkrankung, stehen wirksame Antibiotika zur Verfügung. Die Wanderröte, ein sich ausbreitender roter Fleck oder Kreis um die Zeckenstichstelle herum, ist ein frühes und sicheres Zeichen einer Borreliose.

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Was ist Borreliose?

Die Borreliose (oder Lyme-Borreliose) ist eine Infektion mit Bakterien des Stammes Borrelia. Sie wird durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Borrelien vermehren sich in vielen Tieren in freier Wildbahn wie auch in Haus- und Nutztieren. Die blutsaugenden Zecken nehmen die Bakterien während der Blutmahlzeit in sich auf und verbreiten sie auf demselben Weg auch weiter.

Die Durchseuchung der Zecken mit Borrelien unterscheidet sich je nach Region. Süddeutschland ist besonders stark betroffen, hier ist zum Teil jede dritte Zecke Träger des Bakteriums. Eine Infektion mit Borrelien kann jedoch bundesweit auftreten.

Die Übertragung der Borrelien auf den Menschen erfolgt bei einem Zeckenstich in aller Regel erst nach 12 Stunden. Daher ist das frühzeitige Auffinden und Entfernen der Zecke nach einem Aufenthalt im Freien der wirksamste Schutz vor einer Infektion.

In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise 214.000 Personen. Nach einem Zeckenstich lassen sich bei 2,6–5,6 % der Betroffenen Antikörper gegen Borreliose im Blut nachweisen. Nur ein kleiner Teil dieser Infizierten erkrankt. Insgesamt ist bei 0,3–1,4 % der Zeckenstiche mit Krankheitssymptomen zu rechnen. 

Das heißt, bei 100 Personen mit Zeckenstich kommt es bei gerundet bis zu 5 Personen (5/100 =5 %) zu einem Kontakt mit Borrelien und zur Bildung von Antikörpern.

  • Bei nur rund 1 Person kommt es zu Krankheitssymptomen (1 %).
  • Mindestens 95 Personen (95 %) erleben den Zeckenstich ohne jegliche Folgen.

Kommt es doch einmal zu einer Infektion, ist die Borreliose mit unterschiedlichen Symptomen verbunden. Sie wird in verschiedene Stadien unterteilt: Eine lokale Infektion der Haut um die Einstichstelle herum, eine allgemeine Infektion des Organismus, die sich im Nervensystem oder in den Gelenken bemerkbar macht, und eine späte Phase der Infektion, die zu Hautveränderungen oder Nervenbeteiligungen führt.

In allen Stadien der Erkrankung werden Antibiotika verabreicht. Nur so kann ein Fortschreiten und Ausbreiten der Infektion sicher verhindert werden. Unter antibiotischer Behandlung kommt eine Borreliose in den meisten Fällen zur kompletten Ausheilung. Wird die Behandlung erst in fortgeschritteneren Stadien begonnen, können Restsymptome länger bestehen bleiben.

Frühes Stadium: lokale Hautinfektion

Die Borreliose beginnt in den meisten Fällen (ca. 90 %) mit der Wanderröte (Erythema migrans). Hierbei tritt rund 1 Woche (3–30 Tage) nach einem Zeckenstich ein typischer roter, ringförmiger Hautausschlag von mindestens 5 cm Durchmesser auf, der sich von der Einstichstelle aus langsam ausbreitet (in die Peripherie „wandert“, daher die Bezeichnung Wanderröte) und im Zentrum häufig abblasst. Der Ausschlag juckt meist nicht, kann aber manchmal etwas überempfindlich sein. Manchmal kommen begleitend ein allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, leichtes Fieber und Lymphknotenschwellungen dazu. Nach wenigen Wochen verschwindet der Ausschlag wieder. Die Wanderröte muss unterschieden werden von einer unspezifischen lokalen Entzündungsreaktion, die nach jedem Insektenstich in den ersten Tagen auftreten kann.

Nicht immer wird der Zeckenstich selbst bemerkt. Dann kann die Wanderröte der erste Hinweis auf eine Borreliose sein.

In seltenen Fällen und bevorzugt bei Kindern kann sich nach der Wanderröte ein sogenanntes Borrelien-Lymphozytom bilden. Das ist ein rot-bläuliches, schmerzunempfindliches Knötchen am Ohrläppchen, an der Brustwarze oder am Hodensack.

Ringförmiger Hautausschlag nach einem Zeckenstich
Ringförmiger Hautausschlag nach einem Zeckenstich

Frühes Stadium: Streuung des Erregers im gesamten Organismus

Wird die Borreliose nicht behandelt, können sich die Bakterien über die Blutbahn auf andere Teile des Körpers ausbreiten und nach einigen Wochen bis Monaten zu Beschwerden am Nervensystem, an den Gelenken oder am Herzen führen. Den Symptomen dieses Stadiums geht meist eine Wanderröte voraus. In etwa der Hälfte der Fälle bildet sich keine Wanderröte aus, teilweise bleibt die Rötung auch unbemerkt. In solchen Fällen sind die Beschwerden der bakteriellen Ausbreitung die ersten Zeichen einer Borreliose.

Die Infektion des Nervensystems äußert sich bei Kindern meistens als Hirnhautentzündung mit Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und einem steifen Nacken. Angegriffene Nervenwurzeln können auch Schmerzen verursachen. Typisch ist überdies eine Lähmung des Gesichtsnerven (Fazialisparese) mit hängendem Augenlid und Mundwinkel, nicht selten auf beiden Seiten.

Neben dem Nervensystem können auch die Gelenke betroffen sein, meist in Gestalt eines einzelnen geschwollenen, überwärmten und schmerzhaften Gelenks, zum Beispiel des Kniegelenks.

Selten verursacht die Borreliose auch eine Entzündung des Herzbeutels oder des Herzmuskels. Hinweise darauf sind allgemeine Erschöpfung, Fieber und Schmerzen in der Brust. Ebenfalls selten äußert sich die Borreliose in diesem Stadium durch mehrere Hautrötungen, die über den ganzen Körper verteilt sind. Um Komplikationen und Spätschäden zu vermeiden, werden alle diese Symptome antibiotisch behandelt.

Spätphase

Erkrankte Personen, die im Frühstadium nicht oder nicht richtig behandelt wurden, können längerfristig an Symptomen leiden. Das klassische Krankheitsbild des Spätstadiums sind bleibende Hautveränderungen (Acrodermatitis chronica atrophicans). Sie beginnen meist an den Beinen und führen zu bläulich-roten Verfärbungen sowie zu dünner und rissiger Haut an diesen Stellen. Auch die Gelenk- und die Hirnhautentzündung des frühen Stadiums können in seltenen Fällen über lange Zeit anhalten. Insbesondere eine neurologische Spätmanifestation gilt es zu vermeiden.

Manche Patient*innen mit einer diagnostizierten Borreliose, die erfolgreich mit Antibiotika behandelt wurden, klagen über länger anhaltende Symptome wie Müdigkeit, Schmerzen in Gelenken und Muskeln und Konzentrationsschwierigkeiten. Diese Beschwerden sind meist milde und verschwinden nach einiger Zeit von selbst.

Langwierige Erschöpfungs- oder Schmerzsymptome nach einer adäquat behandelten Borreliose werden heute in aller Regel nicht als Borreliose-Folgezustand (Post-Lyme-Syndrom) akzeptiert, und es sollen andere Ursachen abgeklärt werden. Manchmal werden wiederholte oder Dauer-Antibiotikatherapien gefordert, von diesen ist nach dem aktuellen Kenntnisstand unbedingt abzuraten. Die Gefahr von Nebenwirkungen überschreitet den nicht bewiesenen Nutzen bei weitem.

Diagnose

Nach einem Zeckenstich und dem zügigen Entfernen der Zecke von der Haut sollten Sie Ihre Hausarztpraxis kontaktieren, um Ihren Tetanusschutz zu überprüfen.

Da das Risiko in Deutschland, nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken, bei ca. 1 % liegt, ist es nicht sinnvoll, bei jedem Zeckenstich eine antibiotische Behandlung zu beginnen. Beobachten Sie die Einstichstelle über die nächsten 6 Wochen und suchen Sie ärztlichen Rat, wenn sich eine Rötung bildet, die den Kriterien einer Wanderröte entspricht. Auch Symptome wie Gelenkschmerzen und Zeichen einer Hirnhautentzündung sollten abgeklärt werden. Den mit einer Borreliose verbundenen Beschwerden liegt immer ein Zeckenstich zugrunde, nicht immer ist ein solcher aber erinnerlich, vor allem wenn er an einer schwer einsehbaren Stelle lag.

Die Wanderröte ist ein ausreichendes Kriterium für den Beginn einer Antibiotikatherapie, Bluttests können erst in späteren Krankheitsstadien verwendet werden. Zu frühe Blutabnahmen bringen keinen Erkenntnisgewinn, da zu Beginn noch keine messbare Antikörperreaktion zu erwarten ist.

Bei Symptomen der bakteriellen Ausbreitung sollte aber eine Blutuntersuchung erfolgen bzw. bei Verdacht auf eine Neuroborreliose zusätzlich eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor). Nach 6–8 Wochen ist so gut wie bei allen Erkrankten eine Antikörperreaktion nachweisbar.

Diese Antikörper können viele Jahre im Blut und ggf. im Liquor nachweisbar bleiben und eignen sich nicht, den Erfolg der Therapie zu bewerten. Hinzu kommt, dass bis zu 25 % aller Menschen in Deutschland, die älter als 70 Jahre sind, positive Antikörpertests auf Borrelien im Blut haben; nur ein kleiner Teil dieser Personen war jemals an einer Borreliose erkrankt, viele hatten jedoch irgendwann Kontakt, und das eigene Immunsystem hat die Erreger selbst erfolgreich abgewehrt.

Therapie

Zeckenstiche ohne weitere Krankheitssymptome werden nicht mit Antibiotika behandelt. Gegen Borreliose in allen Stadien gibt es wirksame Antibiotika wie zum Beispiel Doxycyclin und Amoxicillin. Bei der Wahl des Wirkstoffs werden neben dem Infektionsstadium das Patientenalter sowie eine mögliche Schwangerschaft berücksichtigt.

Die Länge der Behandlung hängt vom Krankheitsstadium ab. Bei einer Wanderröte sind in den meisten Fällen 10–14 Tage ausreichend, wenn weitere Symptome bestehen erfolgt eine Behandlung über 21 Tage. Das Spätstadium mit Nervenbeteiligung wird 2–3 Wochen behandelt. In aller Regel reicht die Einnahme von Tabletten, manchmal werden auch Infusionen empfohlen.

Liegen nach der antibiotischen Therapie weiterhin Symptome vor, hilft eine verlängerte Antibiotikatherapie wahrscheinlich nicht. Die Ausheilung einiger Beschwerden wie etwa eine Gelenkbeteiligung kann trotz richtiger Antibiotikagabe lange Zeit in Anspruch nehmen.

So beugen Sie einer Borreliose-Erkrankung vor

Im Unterschied zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die ebenfalls über Zeckenstiche übertragen wird, gibt es keine Impfung gegen Borreliose. Umso wichtiger ist ein aufmerksamer Schutz vor und Umgang mit Zeckenstichen:

  • Da die Borrelien fast nie innerhalb der ersten 12 Stunden übertragen werden, ist es wichtig, vorhandene Zecken schnell von Haut und Kleidung zu entfernen.
  • Nach einem Aufenthalt in der Natur sollten vor allem Kinder gründlich nach Zecken abgesucht werden.
  • So entfernen Sie eine Zecke richtig und sicher:
    • Es sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden. Wenn aber die Mundwerkzeuge der Zecke stecken bleiben, können diese auch später entfernt werden. Sie sind ohne Bedeutung für eine Infektion und werden wie andere Fremdkörper in der Haut abgestoßen.
    • Zecken werden mit einer Pinzette, einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument oder – wenn kein Instrument zur Hand ist – mit den Fingernägeln nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) gegriffen und langsam und gerade, ohne zu drehen, aus der Haut gezogen.
    • Auf keinen Fall darf die Zecke vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Unter solchen Stress gesetzt, sondert die Zecke vermehrt mit Borrelien kontaminierte Flüssigkeit ab.
    • Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde erforderlich. Passende Sprays finden Sie in der Apotheke.
  • Im Freien lange Hosen und Socken tragen, die Fußknöchel bedecken.
  • Bleiben Sie auf Wegen und Pfaden und meiden Sie hohes Gras und Gestrüpp.
  • Es empfiehlt sich, nach einem Aufenthalt im Freien zu duschen.
  • Verwenden Sie insektenabweisende Mittel z. B. mit dem Wirkstoff DEET (Diethyltoluamid), auf Haut und Kleidung. Die Anwendung sollte nach wenigen Stunden aufgefrischt werden.

Prognose

Die Borreliose hat bei richtiger Diagnose und Therapie gute Heilungschancen. Ohne antibiotische Therapie kommt es häufig zu einer Ausbreitung der Errreger und Spätkomplikationen.

Auch bei Neuroborreliose kann von einer guten Prognose ausgegangen werden. Einige Patient*innen berichten jedoch von Restsymptomen noch Jahre nach der Therapie, wobei diese aber nur selten den Alltag beeinträchtigen.

Eine durchgemachte Borreliose stellt in der Regel keinen Schutz gegen eine erneute Infektion dar.

Entfernen der Zecke

Leitlinie: Patienteninformation über das Vorgehen bei Zeckenstichen1

  1. Entfernen Sie die Zecke so bald wie möglich.
    • Am besten geeignet sind spezielle Zeckenpinzetten oder Zeckenkarten.
    • Ziehen oder schieben Sie die Zecke langsam mit Geduld aus der Haut heraus – ohne Drehen oder Vorbehandlung mit Öl oder Klebstoff. Vermeiden Sie das Quetschen des Körpers.
    • Falls ein Rest des Stechapparates (häufig fehlinterpretiert als „Kopf“) in der Haut verbleibt, können Sie ihn mit einer sterilen Nadel oder Kürette entfernen oder auch von einer/m Ärzt*in entfernen lassen. Hinsichtlich einer Übertragung von Borrelien ist das Verbleiben des Stechapparates in der Haut unbedenklich.
  2. Suchen Sie sorgfältig den Körper und bei Kindern vor allem auch den Kopf nach weiteren Zecken ab.
  3. Beobachten Sie die Haut in der Umgebung der Einstichstelle 6 Wochen lang.
    • Eine unmittelbar nach dem Stich auftretende Rötung durch die Zeckenspeichelstoffe bildet sich innerhalb einiger Tage zurück. Tritt danach erneut eine Rötung auf oder vergrößert sich die anfängliche Rötung auf ≥ 5 cm, sollten Sie unbedingt ärztliche Hilfe suchen. Es kann sich um die Frühmanifestation der Lyme-Borreliose, das Erythema migrans (Wanderröte), handeln.
  4. Bei einer typischen Wanderröte in der Umgebung des Zeckenstiches soll auch ohne Blutuntersuchung und auch bei noch fehlendem Antikörpernachweis im Blut bereits eine Antibiotikabehandlung vorzugsweise mit Doxycyclin (bei Kindern erst ab 9. Lebensjahr) oder mit Amoxicillin durchgeführt werden.
  5. Die Verbreitung der Borrelien über den Blutweg kann sich – auch ohne Rötung der Haut – durch ein grippeartiges Krankheitsgefühl ohne Beschwerden in den Atemwegen bemerkbar machen. Es können die Vorboten einer Organerkrankung sein, z. B. der Gelenke oder des Nervensystems. Suchen Sie dann eine/n Ärzt*in auf, die/der über die Notwendigkeit einer Blutuntersuchung auf Borrelienantikörper entscheidet.
  6. Die Lyme-Borreliose ist im Frühstadium durch die leitliniengerechte Antibiotikatherapie vollständig heilbar. Spätmanifestationen werden dadurch verhindert.
  7. Eine Untersuchung der Zecke auf Borrelien ist nicht sinnvoll, da bei positivem Nachweis nicht sicher ist, ob die Borrelien überhaupt in die Haut übertragen wurden und ob sie im Falle der Übertragung zu einer Erkrankung führen. Ein negatives Ergebnis schließt eine Übertragung nicht aus.
  8. Nur ein kleiner Teil der mit Borrelien infizierten Menschen erkranken! Aus diesem Grund ist von einer vorbeugenden oralen Antibiotikatherapie abzuraten.

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Kutane Lyme Borreliose. AWMF-Leitlinie Nr. 013-044. S2k. Stand 2016. www.awmf.org

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg
  • Dorit Abiry, Doktorandin Allgemeinmedizin, Hamburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lyme-Borreliose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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