Hörschäden nach Meningitis

Durch eine Meningitis werden die Hirnhäute erheblich gereizt. Dies führt auch zur Reizung umgebender Strukturen, wie etwa der Hirnnerven oder des Innenohrs, was zu Schwerhörigkeit bis hin zu Taubheit eines oder beider Ohren führen kann.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Bis zu 30 % der Patienten können nach einer bakteriellen Meningitis einen Hörverlust erleiden, von leichten Hörschäden bis hin zur Taubheit.

Meningitis

Bei einer Meningitis handelt es sich um eine Infektion der Häute, die das Gehirn und Rückenmark umgeben. Die Meningitis kann durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten verursacht werden. Eine Infektion durch Viren ist die häufigste Ursache einer Meningitis. Sie führt seltener als Infektionen durch andere Krankheitserreger zu bleibenden Schäden, wie beispielsweise dem Hörverlust.

Da die Meningitis ein lebensbedrohliches Krankheitsbild darstellt, werden Patienten bei dem Verdacht auf eine bakterielle Ursache mit starken Antibiotika behandelt. Ebenso wie die Meningitis können auch einige Antibiotika Hörschäden verursachen. Diese Medikamente werden als ototoxisch bezeichnet – sie schädigen das Innenohr. Die Antibiotika, die üblicherweise bei erwachsenen Patienten mit Meningitisverdacht verabreicht werden, gehören jedoch nicht zu den ototoxischen Medikamenten.

Gehörschäden

Die Entzündungsreaktion, die an den Hirnhäuten als Reaktion auf die eingedrungenen Bakterien oder andere Krankheitserreger stattfindet, kann auf umgebende Strukturen übergreifen und zu einer vorübergehenden oder permanenten Schädigung führen. Die Struktur, die am häufigsten von einer Meningitis angegriffen wird, ist die Hörschnecke (Cochlea). Diese ist Teil des Innenohrs und beherbergt feine Haarzellen, die für die Tonwahrnehmung zuständig sind, indem sie Töne in elektrische Signale umwandeln. Werden die Haarzellen geschädigt, so tritt ein Hörverlust ein. Eine andere mögliche Ursache für einen Hörverlust durch eine Meningitis ist die Schädigung des Hörnervs, der Kontakt zu den Haarzellen hat und die elektrischen Impulse zum Hirn weiterleitet.

Bei Kindern mit einem Hörverlust nach einer Meningitis besteht in den Wochen und Monaten nach der akuten Erkrankung ein erhöhtes Risiko für eine übermäßige Knochenneubildung in der Cochlea, Ossifikation genannt. Diese kann den Hörverlust verschlimmern, wodurch die Behandlung des Hörverlusts erschwert wird oder weniger erfolgreich ist.

Neben dem Hörverlust können die Schäden im Innenohr auch zu Gleichgewichtsstörungen, Schwindel oder Tinnitus führen.

Schnelle Behandlung hilft

Eine frühzeitige Behandlung der Meningitis kann einen Hörverlust verhindern oder reduzieren. Sollte eine Beeinträchtigung des Hörvermögens eingetreten sein, macht sich diese meist in den ersten Krankheitstagen bemerkbar. Je schwerer der Hörverlust zu Beginn ausgeprägt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine bleibende Einschränkung des Hörvermögens. Im Verlauf werden mehrere Hörtests durchgeführt, da die Hörstörung auch erst verzögert auftreten kann. Bei einer bleibenden Hörstörung kann der HNO-Arzt weitere Tests durchführen, um den Bedarf für ein Hörgerät oder eine Hörprothese (Cochlea-Implantat) festzustellen. Dies ist vor allem bei Kindern frühzeitig wichtig, um eine möglichst uneingeschränkte Entwicklung zu gewährleisten.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Meningitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Lohnstein M, Eras J, Hammerbacher C. Der Prüfungsguide Allgemeinmedizin - Aktualisierte und erweiterte 3. Auflage. Augsburg: Wißner-Verlag, 2018.
  2. Van de Beek D, Drake JM, Tunkel AR. Nosokomial Bacterial Meningitis. N Engl J Med 2010;362:146. New England Journal of Medicine
  3. Kim KS. Acute bacterial meningitis in infants and children. Lancet Infect Dis 2010;10: 32-42. PubMed
  4. Thigpen MC, Whitney CG, Messonnier NE, et al. Bacterial meningitis in the United States 1998-2007. N Engl J Med 2011; 364: 2016. PubMed
  5. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter, ambulant erworbene bakterielle (eitrige). AWMF-Leitlinie Nr. 030-089. Stand 2015. www.awmf.org
  6. Watt JP, Wolfson LJ, O`Brien KL, et al: Burden of disease caused by Haemophilus influenzae type b in children younger than 5 years: global estimates. Lancet 2009; 374: 903. PubMed
  7. Yazdankhah SP, Caugant DA. Neisseria meningitidis: an overview of the carriage state. J Med Microbiol. 2004; 53: 821. PubMed
  8. Reis O, Sousa S, Camejo A, et al. LapB, a novel Listeria monocytogenes LPXTG surface adhesin, required for entry into eukaryotic cells and virulence. J Infect Dis. 2010; 202: 551. PubMed
  9. Phares CR, Lynfield R, Farley MM, et al. Epidemiology of invasive group B streptococcal disease in the United States, 1999-2005. JAMA 2008; 299 :2056. www.ncbi.nlm.nih.gov
  10. Stoll BJ, Hansen NI, Sánchez PJ, et al. Early onset neonatal sepsis: the burden of group B Streptococcal and E. coli disease continues. Pediatrics. 2011;127: 817. PubMed
  11. Van de Beek D, de Gans J, Spanjaard L, et al. Clinical features and prognostic factors in adults with bacterial meningitis. N Engl J Med 2004;351:1849-59. PubMed
  12. Nudelman Y, Tunkel AR. Bacterial Meningitis. Drugs 2009; 69: 2577. PubMed
  13. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Atypische erregerbedingte Meningoenzephalitiden. Stand 2012. www.dgn.org
  14. De Gans J, van de Beek D. Dexamethasone in adults with bacterial meningitis. N Engl J Med 2002; 347:1549. PubMed
  15. Durand ML, Calderwood SB, Weber DJ, et al. Acute bacterial meningitis in adults. A review of 493 episodes. N Engl J Med 1993;328:21. PubMed
  16. Pong A, Bradley JS . Bacterial meningitis and the newborn infant. Infect Dis Clin North Am 1999;13:711. PubMed
  17. Antal EA, Dietrichs E, Løberg EM, et al. Brain stem encephalitis in listeriosis. Scand J Infect Dis 2005;37:190. PubMed
  18. Ellenby MS, Tegtmeyer K, Lai S et al. Lumbar puncture. N Engl J Med 2006;355:e12. PubMed
  19. Saravolatz LD, Manzor O, VanderVelde N, et al. Broad range bacterial polumerase chain reaction for early detection of bacterial meningitis. Clin Infect Dis 2003;36:40-5. PubMed
  20. Brouwer MC, McIntyre P, de Gans J. Corticosteroids for acute bacterial meningitis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010 9: CD004405. The Cochrane Library
  21. Proulx N, Fréchette D, Toye B, et al. Delays in the administration of antibiotics are associated with mortality from adult acute bacterial meningitis. QJM 2005;98:291. PubMed
  22. Kramer AH, Bleck TP. Neurocritical care of patients with central nervous system infections. Curr Infect Dis Rep 2007;9:308. PubMed
  23. Scheifele DW, Bettinger JA, Halperin SA. Ongoing control of Haemophilus influenzae type B infections in Canadian children, 2004-2007. Pediatr Infect Dis J 2008;27:755. PubMed
  24. Ständige Impfkommission: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Epid Bull 2017;34:333-80. DOI 10.17886/EpiBull-2017-044.1 www.rki.de
  25. CDC. Progress toward elinination of Haemophilus influenzae type B invasive diease among innts and children- United States, 198-2000. MMWR Morb Mort Wkly Rep 2000;51:234-37. PubMed
  26. CDC. Direct and indirect effects of routine vaccination of children with 7-valent pneumococcal conjugate vaccine on the incidence of invasive pneumococcal disease – United States, 1998-2003. MMWR Morb Wkly Rep 2005;54:893. PubMed
  27. Tsai CJ, Griffin MR, Nuorti JP, et al. Changing epidemiology of pneumococcal meningitis after the introduction of pneumococcal conjugate vaccine in the United States. Clin Infect Dis 2008:46:1664. www.ncbi.nlm.nih.gov
  28. Hsu HE, Shutt KA, Moore MR, et al. Effects of pneumococcal conjugate vaccine on pneumococcal meningitis. N Engl J Med 2009;360:244. New England Journal of Medicine
  29. Hicks LA, Harrison LH, Flannery B, et al. Incidence of pneumococcal disease due to non-pneumococcal conjugate vaccine (PCV7) serotypes in the United States during the era of widespread PCV7 vaccination, 1998-2004. J Infect Dis 2007;196:1346. PubMed
  30. Aktualisierte Stellungnahme der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI). Stand der Bewertung einer Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B. Epid Bull 2018; 3:35-44. DOI 10.17886/EpiBull-2018-003.1 www.rki.de