Mycoplasma genitalium

Mycoplasma genitalium stellt eine wichtige Ursache von Harnröhrenentzündungen (Urethritis) bei Frauen und Männern dar.

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Was ist eine Infektion mit Mycoplasma genitalium?

Eine Infektion mit dem Bakterium Mycoplasma genitalium ist sexuell übertragbar und stellt eine wichtige Ursache für eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) bei Frauen und Männern dar.

Mycoplasma genitalium findet man bei 1,3 % der Allgemeinbevölkerung in Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen und bei 5–50 % aller infektiösen Harnröhrenentzündungen. Besonders bei Frauen verläuft eine Infektion oft asymptomatisch, kann aber auch eine akute Unterleibsentzündung auslösen.

Das Bakterium Mycoplasma genitalium wurde zum ersten Mal im Jahr 1980 isoliert. Das Wissen über dieses Bakterium und die Symptome und Krankheiten, zu denen es führen kann, ist immer noch begrenzt.

Das Bakterium Mycoplasma genitalium

Mycoplasma-Bakterien gehören zu den kleinsten frei lebenden Bakterien, die es gibt. Sie sind sehr schwer im Labor zu kultivieren und waren damit lange Zeit schwer zugänglich für Forschung und Diagnostik. Mycoplasma ist ein sogenanntes intrazelluläres Bakterium, das heißt, es dringt in Zellen des Körpers ein und lebt dort. Mycoplasma-Bakterien unterscheiden sich von anderen Bakterien auch dadurch, dass ihnen eine Zellwand fehlt. Somit lassen sie sich nicht durch gewöhnliche Arten von Antibiotika wie Penicillin behandeln.

Eine wachsende Zahl von Studien dokumentiert den Zusammenhang zwischen nachgewiesenem Mycoplasma genitalium und einer Infektion des unteren Harntrakts. Das Bakterium scheint sexuell genauso leicht übertragbar wie Chlamydien und zählt zu den sexuell übertragbaren Infektionen. Eine Infektion mit Mycoplasma genitalium kann unabhängig einer Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis auftreten.

Symptome

Infektionen mit M. genitalium sind bei Frauen meist ohne Beschwerden. Bei Frauen wurde Mycoplasma genitalium bei Infektionen der Harnröhre (Urethritis) und Entzündungen des Gebärmutterhalses (Zervizitis) nachgewiesen.  Symptome bei Frauen sind Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und manchmal vermehrter Ausfluss aus der Scheide.

Bei Männern kann eine Infektion mit Mycoplasma genitalium Symptome einer Urethritis verursachen, also Brennen beim Wasserlassen und Ausfluss. Die Bakterien können auch zu chronischer oder ständig wiederkehrender Harnröhrenentzündung führen. Es ist noch unklar, in welchem ​​Umfang Mycoplasma genitalium Komplikationen wie Infektionen der Nebenhoden (Epididymitis), der Prostata (Prostatitis) und Gelenkentzündungen (reaktive Arthritis) verursachen kann.

Diagnostik

Bei Urethritis-Symptomen wird üblicherweise zuerst untersucht, ob Gonorrhö oder eine Chlamydien-Infektion vorliegen. Es werden Proben aus der Harnröhre genommen und/oder Urinuntersuchungen durchgeführt. Vor allem wenn diese Untersuchungen negativ ausfallen, die Probleme aber bestehen bleiben, ist eine Untersuchung auf Mycoplasma genitalium zu empfehlen.

Die Untersuchung erfolgt mithilfe von Urinuntersuchungen und Abstrichen aus der Harnhöhre. Die Probe muss ggf. in ein Speziallabor zur Untersuchung auf Antibiotikaresistenzen geschickt werden, deshalb kann es einige Tage dauern, bis das Resultat vorliegt. Bei Frauen kann auch ein Vaginal- oder Zervixabstrich verwendet werden. Liegt eine symptomatische Infektion vor, sollten alle Sexualpartner der letzten 8 Wochen mituntersucht und gegebenenfalls -behandelt werden, bei asymptomatischer Infektion alle Sexualpartner der letzten 6 Monate.

Therapie

Eine Infektion Mycoplasma genitalium wird Antibiotika behandelt. Azithromycin wirkt bei den meisten Patienten besser als Doxycyclin und Erythromycin. Mit der zunehmenden Entwicklung von Resistenzen steigt die Rate wiederkehrender Infektionen. Deswegen soll nach 4–5 Wochen eine weitere Behandlung mit einem anderen Antibiotikum erfolgen.

Eine Nachkontrolle mit erneuter Urinuntersuchung und Zervix-/Vaginaluntersuchung sollte 3–5 Wochen nach der Behandlung erfolgen.

Prognose

Mit der richtigen Therapie ist die Prognose gut. Die Gefahr von Komplikationen scheint nach heutigem Wissensstand gering zu sein.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mycoplasma genitalium. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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