Psoasabszess

Der Psoas ist ein starker Muskel, der von den Wirbeln im unteren Rückenbereich bis zum oberen Teil des Oberschenkelknochens verläuft. Bisweilen kommt es zu einer Infektion, die von Bakterien im Psoas verursacht wird.

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Was ist ein Psoasabszess?

Der Psoas ist ein starker Muskel, der von den Wirbeln im unteren Rückenbereich bis zum oberen Teil des Oberschenkelknochens verläuft. Der Psoasmuskel stellt vor allem sicher, dass das Hüftgelenk gebeugt werden kann. Der Muskel befindet sich an der Rückwand der Bauchhöhle und verläuft durch das Becken, bevor er direkt unterhalb des Hüftgelenks endet. Er liegt in unmittelbarer Nähe vieler Organe wie Dickdarm, Dünndarm, Blinddarm, Harnleiter, Hauptschlagader, Nierenbecken, Bauchspeicheldrüse sowie der Lymphknoten in Becken und Wirbelsäule. Infektionen in diesen Organen können direkt in den Psoasmuskel übertragen werden. Da der Muskel reichlich mit Blut versorgt wird, können sich Bakterien aus anderen Körperpartien in den Muskel ausbreiten und dort ansiedeln.

Bisweilen kommt es zu einer Infektion, die von Bakterien im Psoas verursacht wird. Eine solche Infektion kann sich zu einer Geschwulst entwickeln. In der Fachsprache nennt man dies einen Abszess. Wenn die Infektion auf die direkte Übertragung von einem benachbarten Organ zurückzuführen ist, nennt man dies sekundäre Infektion. Erfolgt die Infektion über das Blut von einer unbekannten Quelle an einer anderen Stelle im Körper, handelt es sich um eine primäre Infektion.

Die Diagnose Psoasabszess ist leicht zu übersehen, da es eine relativ seltene Krankheit ist. Studien zeigen, dass jedes Jahr pro 100.000 Personen etwa zwölf neue Fälle auftreten. Um einen primären Psoasabszess handelt es sich in Asien und Afrika bei 99,5 % aller Fälle, in den USA und Kanada bei ca. 50 % aller Fälle und in Europa bei knapp 20 % aller Fälle.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts, als die meisten Fälle noch durch Tuberkulose verursacht wurden, ist in der westlichen Welt eine erhebliche Ursachenverschiebung zu verzeichnen. Laut einer neueren amerikanischen Forschungsstudie waren unter den Menschen mit primärem Psoasabszess 86 % drogenabhängig und verwendeten intravenöse Substanzen, und 57 % waren HIV-infiziert.

Ursache

Früher wurden Psoasabszesse vor allem durch Tuberkulose in der Wirbelsäule (Pottsche Erkrankung) ausgelöst, aber durch den Rückgang der Tuberkulose sind heute in erster Linie von Magen-Darm-Erkrankungen herrührende Bakterien für Psoasabszesse verantwortlich. Häufige Sekundärursachen für Psoasabszesse sind Morbus Crohn (60 %), Blinddarmentzündungen (16 %), Colitis ulcerosa, Divertikulitis, Darmkrebs (11 %) und Knocheninfektionen im Rücken (vertebrale Osteomyelitis, (10 %).

Menschen mit geschwächtem Immunsystem, HIV-Infektionen, Diabetes oder Nierenversagen neigen eher zu Psoasabszessen.

Symptome und Beschwerdebilder

Die Symptome sind in der Regel unspezifisch. Die Erkrankung kann sich durch Rückenschmerzen, Schmerzen in der Seite, Fieber ohne ersichtlichen Grund, Leistenschmerzen (dadurch gegebenenfalls Verdacht auf Hüftgelenkserkrankung), häufiges Wasserlassen oder Bauchschmerzen äußern. Der Schmerz kann in die Vorderseite von Hüfte und Oberschenkel ausstrahlen. Andere allgemeine Symptome sind Übelkeit, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust. Häufig beginnt die Erkrankung vage und die Symptome sind bereits mehrere Wochen vorhanden, wenn ein Arzt aufgesucht wird.

Bei Kindern kann sich ein Psoasabszess durch Fieber, Lahmheit und Hüftschmerzen äußern.

Diagnose

In der frühen Phase der Erkrankung kann eine Diagnose schwierig sein. Da die Krankheit sehr selten ist, wird sie von den Ärzten mitunter nicht als mögliche Erklärung für die Symptome einer Person miteinbezogen.

Patienten mit Psoasabszess ziehen es vor, mit gebeugtem Knie zu schlafen, wobei die Hüfte ebenfalls gebeugt und leicht nach außen gedreht wird. Wenn bei einer Untersuchung des Hüftgelenks die Bewegungsfähigkeit getestet wird, verursacht dies den Patienten kein nennenswertes Unbehagen. Dies ist eine wichtige Beobachtung, da einige mit dem Hüftgelenk verknüpfte Erkrankungen bei einem solchen Test starke Schmerzen verursachen. Wenn der Arzt die betroffene Person jedoch bittet, das Hüftgelenk zu beugen, und gleichzeitig Gegendruck auf den Oberschenkel ausübt, sodass die Person Kraft aufwenden muss, wird ein Schmerz ausgelöst. Auch wenn der Arzt den Enddarm der Person mit dem Finger untersucht, können Schmerzen auftreten.

Blutuntersuchungen zeigen, ob eine Infektion vorliegt. Mithilfe einer CT oder MRT lässt sich bestätigen, dass es sich um einen Psoasabszess handelt.

Therapie

Ziel der Behandlung ist es, die Infektion zu beseitigen und sicherzustellen, dass der Hohlraum mit dem Abszess vollständig entleert wird. In erster Linie wird der Abszess punktiert und eine Drainage gelegt, die so lange verbleibt, bis der Abszess entleert ist. Gleichzeitig wird ein Antibiotikum gegeben. Die Dauer der Antibiotikabehandlung ist individuell zu bestimmen, wobei die Dosierung vom Zustand und einer eventuellen Infektion in anderen Bereichen abhängt.

Prognose

Mit einer Sterblichkeit von 2–3 % gegenüber knapp 20 % hat ein primärer Psoasabszess eine bessere Prognose als ein sekundärer. Eine verspätete oder unzureichende Behandlung ist die hauptsächliche Todesursache.

Ein Psoasabszess kann leicht wieder auftreten. Daher ist es wichtig, dass Patienten mit dieser Erkrankung in den ersten Jahren nach einer solchen Infektion regelmäßig kontrolliert werden.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Psoasabszess. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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