Toxisches Schocksyndrom (TSS)

Das toxische Schock-Syndrom (TSS) ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung, die durch Giftstoffe von verschiedenen Bakterien verursacht wird.

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Was ist das toxische Schocksyndrom?

Das Schocksyndrom (TSS) äußert sich durch folgende Symptome: schnell einsetzendes hohes Fieber, Erbrechen, wässrigen Durchfall, Halsschmerzen, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. TSS kann die meisten Organe im Körper angreifen und dann lebensbedrohlich werden, wenn die betroffene Person nicht umgehend behandelt wird.

Ursache

Uraschen des TTS sind giftproduzierende gelbe Staphylokokken (Staphylococcus aureus) oder A-Streptokokken im Körper, die bei vielen Menschen auf der Haut und im Rachen vorkommen und in der Regel nicht zur Erkrankungen führen.

Früher kam die Erkrankung vor allem bei menstruierenden Frauen vor, die einen Tampon über einen längeren Zeitraum nicht gewechselt hatten. Tampons sollten mindestens alle 8 Stunden gewechselt und nie länger als 12 Stunden getragen werden. Nachdem hochabsorbierende Tampons vom Markt genommen und Tamponverpackungen mit Packungsbeilagen versehen wurden, die vor TSS warnten und über den richtigen Gebrauch von Tampons informierten, ist die jährliche Erkrankungshäufigkeit auf 5 Fälle pro 1 Mill. der Bevölkerung gesunken.

Ungefähr die Hälfte der Fälle steht in keiner Beziehung zur Menstruation.

Solche Fälle können auftreten nach Operationen, durch Wundinfektionen, Entzündungen im Kopf- und Rachenbereich, Knochenentzündungen,  Brandverletzungen. Die Krankheit ist in der Regel nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Diagnose

Die Erkrankung tritt meist akut bei jungen Frauen auf, die Tampons verwenden und dann vergessen, diese zu wechseln. Die Symptome sind in erster Linie auf die Folgen der Infektion und nicht auf die Infektion selbst zurückzuführen. Wenn Giftstoffe von Bakterien in die Blutbahn gelangen, können sie zu sinkendem Blutdruck und zum Versagen mehrerer lebenswichtiger Organe führen. Frühe Anzeichen des toxischen Schocksyndroms sind: hohes Fieber, Erbrechen und wässriger Durchfall, Halsschmerzen, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen.

Auch bevor erste Anzeichen für TSS zu erkennen sind, kann der Arzt unspezifische Veränderungen wahrnehmen, z. B. ein diffuser roter Hautausschlag, gerötete Augen, Eiterbildung und bei einer gynäkologischen Untersuchung eine gerötete Scheidenschleimhaut.

 

In schweren Fällen sinkt der Blutdruck, und es kann zu Nieren- und Herzversagen kommen.

Gelbe Staphylokokken können aus Scheidenausfluss gezüchtet werden. Aus Blut angelegte Bakterienkulturen zeigen bei einem tamponbedingten toxischen Schocksyndrom in der Regel keine Ergebnisse.

Die Erkrankung kann auch durch A-Streptokokken ausgelöst werden (Streptokokken-induziertes toxisches Schocksyndrom). Es können niedriger Blutdruck, Nierenversagen, Lebererkrankungen, Herzinsuffizienz, Lungenprobleme, Hautausschläge und Flüssigkeitsansammlungen auftreten. Oft können die Bakterien in Proben von Blut oder Körpergewebe kultiviert werden.

Therapie

Wenn Patienten aufgrund der Infektion einen Schock entwickeln, führt dies dazu, dass einige Organe wie Nieren und Lunge nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren. Daher muss zuerst eine lebensrettende Behandlung durchgeführt werden, die auf die beim toxischen Syndrom entstehenden Komplikationen abzielt. Diese Behandlung erfolgt im Krankenhaus. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Korrektur eines eventuellen Schocks und des Ungleichgewichts in der Flüssigkeitszusammensetzung. Die eigentliche Infektion wird mit Antibiotika behandelt; in der Regel dauert dies ein bis zwei Wochen. In seltenen Fällen kann es notwendig sein, infiziertes Gewebe chirurgisch zu entfernen. Die Dauer des Krankenhausaufenthalts hängt davon ab, wie ernst die aufgetretenen Komplikationen sind.

Prognose

Bis zu 30 % aller menstruierenden Frauen mit toxischem Schocksyndrom erleiden einen Rückfall. Frauen, die ein toxisches Schocksyndrom erlitten haben, müssen beim Gebrauch von Tampons besonders vorsichtig sein (Binden sind in diesem Fall besser). Die Rückfälle sind in der Regel milder. Trotz der schweren und gefährlichen Infektion genesen die allermeisten Frauen nach der Therapie, und die Sterblichkeit dieser Patientinnen ist glücklicherweise gering.

Schwerwiegender ist das durch A-Streptokokken ausgelöste toxische Schocksyndrom. Hier muss schnell gehandelt werden, um lebensgefährlicher Schäden zu verhindern. Die Sterblichkeit liegt bei 15–30 %.

Weitere Informationen

Autoren

 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Toxic Shock Syndrome. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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