Tularämie ist eine Infektion, die von Nagetieren, insbesondere Lemmingen, Hasen und Bibern übertragen wird

Tularämie

Tularämie ist eine Infektion bei Nagetieren, die auch auf Menschen übertragen werden kann.

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Was ist Tularämie?

Tularämie ist eine sogenannte Zoonose, also eine Erkrankung bei Tieren, die auch auf Menschen übertragbar ist. Umgangssprachlich wird Tularämie Hasenpest genannt. Die Erkrankung wird durch das Bakterium Franciscella tularensis ausgelöst. Sie wird hervorgerufen, wenn der Patient in Kontakt mit Nagetieren wie Mäusen und Lemmingen oder auch mit Zecken kommt, in einem Gebiet, wo die Krankheit vorkommt.

Der Zeitraum, ab dem der Infektionserreger in den Körper gelangt bis zur Entstehung der Krankheit beträgt in der Regel drei bis fünf Tage, kann aber auch im Bereich von 1 bis 21 Tagen liegen.

Die Infektion kann ohne Symptome verlaufen. Bei Ausbruch äußert sich die Erkrankung in der Regel mit plötzlich auftretendem Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Übelkeit. Die Krankheit erscheint danach gewöhnlich als Angina mit deutlich geschwollenen Drüsen am Hals oder als Hautwunde, die nicht heilt und mit Schwellung in einem der nächsten Lymphknoten – beispielsweise in der Achselhöhle, wenn sich die infizierte Wunde an der Hand oder am Arm befindet.

Die Krankheit kann auch als Lungenentzündung oder eventuell als Mageninfektion auftreten. In einigen Fällen hat man nur Fieber und allgemeine Symptome ohne lokale Anzeichen einer Infektion.

Häufigkeit

In Deutschland gibt es in der Regel zwischen 10 bis 30 Fälle pro Jahr.

Ursache

Tularämie ist eine Infektion bei Kaninchen und Hasen oder kleinen Nagetiere wie Lemmingen und Mäusen. Der Mensch kann auf drei verschiedene Arten infiziert werden:

  • In direktem Kontakt mit Nagetieren oder deren Kot.
  • Indirekt über kontaminiertes Trinkwasser.
  • Insekten wie Stechmücken und Zecken können Krankheitsüberträger sein, die die Krankheit durch Stiche oder Bisse auf den Menschen übertragen:
    • Eine Infektionsübertragung zwischen Menschen ist noch nie vorgekommen.

Lokale Krankheitsausbrüche liegen vor allem daran, dass Menschen nicht desinfiziertes Wasser trinken, in dem tote Tiere gelegen haben oder auch Wasser, das durch infizierte Tiere verunreinigt wurde. Infektionen können auch durch die Inhalation von Bakterien auftreten, beispielsweise bei der Entfernung von Nagetierkot in staubiger Umgebung. In Jahren und Regionen mit besonders hohem Nagetieraufkommen tritt die Erkrankung vermehrt auf.

Diagnostik

Die Anamnese reicht vom typischen Krankheitsverlauf mit anhaltendem Fieber, Abszessbildung in der Haut und entzündetem Hals sowie geschwollenen Lymphknoten bis zu einem Verlauf ohne jegliche Symptome. Bei einer ärztlichen Untersuchung findet man oft wunde und vergrößerte Lymphknoten, in denen sich Eiter gebildet haben kann. Alle Varianten der Erkrankung können von einer vergrößerten Milz, Hautausschlag, Muskelschmerzen und Schwäche begleitet sein.

Proben von infiziertem Gewebe oder Proben aus der Umwelt können zu einer schnellen Diagnose führen. Sogar Bluttests für den Nachweis von Antikörpern gegen das Bakterium bestätigen die Diagnose, aber es kann bis zu sechs Wochen dauern, bis sich Antikörper im Blut nachweisen lassen.

Prophylaxe

Die Erkrankung kann häufig durch eine Vorbeugung der Infektion verhindert werden. Brunnen müssen abgedichtet werden, so dass Nagetiere nicht hineingelangen können. Bei Verdacht auf verunreinigtes Wasser können die Bakterien durch Kochen des Wasser entfernt werden. Auch Wasser von schmelzendem Schnee kann verunreinigt sein. Kot von Nagetieren sollte nicht trocken weggekehrt, sondern feucht weggewischt werden. Kontakt mit kranken oder toten Kaninchen und kleinen Nagetieren ist zu vermeiden, und man sollte sich auch nicht von Hunden und Katzen lecken lassen, die in Kontakt mit toten oder kranken Tieren gewesen sein können.

Therapie

Die Infektion wird wirksam mit Antibiotika behandelt, Ciprofloxacin wird empfohlen. Ein weiteres wirksames Mittel ist Chinolon. Gewöhnliches Penicillin ist wirkungslos.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tularämie (Hasenpest). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Robert Koch Institut, Berlin. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2014. (Zugriff 27.11.2015) www.rki.de
  2. Dahlstrand S, Ringertz O, Zetterberg B. Airborne tularemia in Sweden. Scand J Infect Dis 1971; 3: 7-16. PubMed
  3. Scheel O, Hoel T, Sandvik T et al. Susceptibility pattern of Scandinavian Francisella tularensis isolates with regard to oral and parenteral antimicrobial agents. APMIS 1993; 101: 33-6. PubMed
  4. BfArM: Fluorchinolone: Einschränkungen in der Anwendung aufgrund von möglicherweise dauerhaften und die Lebensqualität beeinträchtigenden Nebenwirkungen 16.11.18. www.bfarm.de
  5. Scheel O, Hoel T, Sandvik T, Berdal BP. Susceptibility pattern of Scandinavian Franscisella tularensis isolates with regard to oral and parenteral antimicrobial agents. APMIS 1993; 101:33-6. PubMed
  6. Scheel O, Reiersen R, Hoel T. Treatment of tularemi with ciprofloxacin. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 1992; 447-8.
  7. World Health Organization. WHO Guidelines on Tularaemia. Geneva; 2007. ISBN 978 92 4 154737 6. www.who.int