Bei Tierbissen besteht das Risiko an Wundstarrkrampf (Tetanus) zu erkranken.

Wundstarrkrampf (Tetanus)

Tetanus ist eine Infektion durch das Bakterium Clostridium tetani. In Deutschland werden Kinder grundsätzlich gegen Tetanus geimpft. Die Immunisierung schützt aber nur ein paar Jahre.

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Was ist Tetanus?

Tetanus ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht wird. Es kommt im Erdreich, im Magen von vielen Tieren und bei manchen gesunden Menschen vor. Dieses Bakterium produziert einen Giftstoff, der eine gefährliche Krankheit verursacht. Die Infektion äußert sich durch heftige Krämpfe in den Muskeln, die auf die Atemmuskulatur übergehen und zum Tod führen können.

Weltweit gibt es über eine Million Neuerkrankungen pro Jahr. Am häufigsten kommt die Erkrankung bei Neugeborenen in Entwicklungsländern und älteren Menschen, die nicht ausreichend geimpft sind, vor. Die Erkrankung tritt in den Industrieländern selten auf, ist aber in vielen Entwicklungsländern eine häufige Todesursache. In Deutschland ist die Krankheit sehr selten, vor allem aufgrund der bestehenden Impfprogramme.

Ursache

Das Tetanusbakterium kann sich im Erdreich befinden, im Darm einiger Tiere und bei manchen gesunden Menschen. Tetanusbakterien können Sporen bilden. Diese sind eine sehr robuste Form von Bakterien, die lange im Boden überleben können. Die Sporen können sich in Wunden festsetzen und die Bakterien werden wieder lebendig. Wenn Sie sich mit Tetanusbakterien infizieren, bilden die Bakterien einen Giftstoff. Dieser greift das Nervensystem des Menschen an und verursacht die typischen Krämpfe.

Ansteckung

Die Bakterien können nicht durch intakte Haut in unseren Körper gelangen. Es muss eine Verletzung vorliegen, durch die das Bakterium in den Körper eindringen kann. Am häufigsten gelangt das Bakterium über Wunden, die mit Erde oder tierischen Fäkalien verunreinigt sind, in den Körper. Das größte Risiko stellen großflächige, verschmutzte Wunden dar. Aber auch kleine Verletzungen können Eintrittspforten für Tetanuserreger oder -sporen sein. Weitere Risikofaktoren sind eine entzündete Wunde, ein unzureichender Impfschutz (auch nach erfolgter Grundimmunisierung wird eine Auffrischungs-Impfung alle zehn Jahre empfohlen), intravenöser Drogenkonsum und Verbrennungen oder Wunden nach Operationen. Des Weiteren kann die Erkrankung nach einer Geburt bei der Mutter auftreten oder beim Neugeborenen bei einer Verschmutzung oder Entzündung der Nabelschnur. 

Symptome

Die ersten Anzeichen treten rund um die Stelle auf, wo die Bakterien in den Körper eingedrungen sind. Die Patienten spüren ein Kribbeln und Schmerzen, gefolgt von Krämpfen in den umliegenden Muskeln. Im weiteren Verlauf kommt es zu Steifheit und Krämpfen in der Kaumuskulatur und Krämpfen der Gesichtsmuskeln, außerdem können Schluckstörungen und Schweißausbrüche auftreten und es kann zur Steifheit von Nacken und anderen Muskeln kommen. In späteren Stadien werden durch die kleinsten Anlässe schmerzhafte Krämpfe ausgelöst. In schweren Fällen ist die Atemmuskulatur betroffen, wodurch die Betroffenen sterben können. Die Körpertemperatur ist normal oder leicht erhöht.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf der Grundlage der beschriebenen Symptome und Befunde gestellt. Bei Verdacht auf Tetanus werden Sie sofort in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort besteht die Möglichkeit, die Bakterien nachzuweisen und die Infektion und die Krämpfe zu behandeln. Die Heilung hängt von einem schnellen Behandlungsbeginn ab, daher wird die Behandlung begonnen, bevor Laborergebnisse vorliegen.

Behandlung

Tetanus gilt grundsätzlich als gefährliche Erkrankung. Damit Patienten mit Tetanus bei Bedarf an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden können, werden sie zur Beobachtung im Krankenhaus stationär aufgenommen. Die Patienten erhalten Tetanus-Immunglobuline und Impfstoff. Außerdem wird die Wunde (Eintrittsort des Bakteriums) sorgfältig gereinigt. Zusätzlich können muskelentspannende Medikamente und Antibiotika gegeben werden.  

Vorbeugung

In Deutschland ist die Tetanusimpfung Bestandteil des Impfprogramms für Kinder. Der Impfstoff wird normalerweise dreimal im Laufe des ersten Lebensjahrs verabreicht, nach der vierten Impfung im Alter von 11–14 Monaten ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Weitere Auffrischungen erfolgen im Alter von 5–6 Jahren und im Alter von 9–17 Jahren. Danach werden Auffrischungen alle zehn Jahre empfohlen. Dies gilt auch für die Impfungen gegen Diphterie, Keuchhusten und Polio, die alle mit einem einzigen Impfstoff abgedeckt werden. Besonders wichtig ist ein aktueller Impfschutz für ältere Menschen mit gestörter Durchblutung, Patienten mit Diabetes oder mit Erkrankungen der Hautoberfläche.

Eine gründliche Wundreinigung kann einer Tetanus-Erkrankung vorbeugen. Bei unzureichendem Impfschutz und größeren, verunreinigten Wunden sollten Sie sich erneut impfen lassen. Zusätzlich können Antikörper gegeben werden. Eine überstandene Tetanus-Infektion führt nicht zu Immunität, deshalb sollten sich auch Personen nach einer Erkrankung impfen lassen.

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Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Lara-Marie Reißmann, Dr. med., Ärztin und Journalistin, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tetanus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Harrisons Innere Medizin. – Dt. Ausg. der 19. Aufl./in Zusammenarbeit mit der Charité. Hrsg. der dt. Ausg. Vogtmann M, Suttorp N. Thieme Verlag 2017, S.1200ff
  2. Robert Koch Institut. RKI-Ratgeber für Ärzte: Tetanus. Berlin, Stand 2017. Zugriff 26.01.2018 www.rki.de
  3. Ständige Impfkommission: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epid. Bull 2018;34: 335-82. DOI 10.17886/EpiBull-2018-042.3 www.rki.de
  4. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Tetanus. AWMF-Leitlinie Nr. 030-104, Stand 2017. www.awmf.org