Syphilis

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die durch Bakterien verursacht wird. Eine unbehandelte Syphilis kann zu einem langwierigen und schwerwiegenden Krankheitsverlauf führen. Die Erkrankung kann vor allem im Frühstadium mit Antibiotika geheilt werden, weswegen eine Früherkennung wichtig ist.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Syphilis?

Die Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die vom Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Sie wird auch als Lues bezeichnet. Eine unbehandelte Syphilis kann einen langwierigen Verlauf über Jahre hinweg nehmen und dauerhafte Schäden nach sich ziehen, z. B. des Gehirns oder der Gefäße. Die Krankheit verläuft in Stadien. Die Symptome können je nach Stadium unterschiedlich und auch nur gering ausgeprägt sein, sodass die Erkrankung in manchen Fällen nicht bemerkt wird. Da die Syphilis insbesondere in frühen Stadien mit Antibiotika wie Penicillin geheilt werden kann, sollte sie frühzeitig erkannt und behandelt werden. Deshalb ist es wichtig, die Symptome der Erkrankung zu kennen und bei einem Krankheitsverdacht den Arzt aufzusuchen.

Treponema pallidum
Treponema pallidum

Die Syphilis ist keine seltene Erkrankung. 2016 wurden in Deutschland 7.178 Syphilis-Fälle gemeldet, Tendenz steigend. Dies entspricht einer Fallzahl von 8,7 pro 100.000 Einwohnern.

Syphilis tritt um ein Vielfaches häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Zur Gruppe mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko zählen Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben. Nicht selten tritt eine Syphilis bei gleichzeitig HIV-infizierten Personen auf.

Ansteckung

Die Bakterien befinden sich bei infizierten Personen in Flüssigkeiten, auf Schleimhäuten und im Blut. Meist erfolgt die Ansteckung durch sexuellen Kontakt, z. B. bei Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr. Durch kleine Wunden in der Haut oder Schleimhaut kann der Erreger in den Körper eindringen. Das Risiko, an einer Syphilis zu erkranken, beträgt nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer an Syphilis erkrankten Person ca. 30 %.

Der Übertragungsweg durch verunreinigte Nadeln oder andere Gegenstände ist selten. Da Blutprodukte viele Tests durchlaufen, ist die Übertragung durch Bluttransfusionen extrem selten. In Deutschland ist seit über 20 Jahren keine Übertragung auf diesem Wege bekannt. Wichtig ist, dass die Syphilis in der Schwangerschaft über die Plazenta von der werdenden Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden kann. Man spricht dann von einer angeborenen Syphilis.

Stadien und Symptome

Die Syphilis verläuft in mehreren Stadien, zwischen denen Monate bis Jahre mit nur geringen oder gar keinen Symptomen vergehen können. Die einzelnen Stadien haben charakteristische Anzeichen. Zu beachten gilt außerdem, dass etwa die Hälfte der Infektionen komplett ohne Symptome verlaufen. In diesem Fall kann es zur unbemerkten Weiterverbreitung der Erkrankung kommen. Ungefähr 30 % der unbehandelten Syphilisfälle heilen spontan ab.

Syphilis im Primärstadium (Lues I)

In der ersten Phase der Erkrankung kann zunächst ein hirsekorngroßes Knötchen an der Eintrittsstelle auftreten, z. B. in der Scheide, an den Schamlippen, am Penis, am Darmausgang oder im Mund. Anschließend entsteht daraus eine schmerzarme Wunde mit randständiger Verhärtung. Dieser sogenannte harte Schanker (Ulcus durum) tritt ca. 10 Tagen bis 10 Wochen, meist ca. 3 Wochen nach der Infektion auf. Bei 70–80 % der Betroffenen sind die benachbarten Lymphknoten vergrößert, aber schmerzarm. Der Hautdefekt heilt meist innerhalb von 4–6 Wochen ab.

Flüssigkeit, die aus der Wunde austritt, enthält die bakteriellen Erreger, die sich mit einem Abstrich aus der Wunde nachweisen lassen (z. B. mittels Mikroskopie oder PCR-Test). Serologische Tests, die Antikörper gegen den Erreger nachweisen, sind häufig positiv. Somit wird bestätigt, dass die betroffene Person Kontakt zum Erreger hatte. Das Ergebnis hängt allerdings vom zeitlichen Verlauf der Erkrankung ab und kann zunächst negativ ausfallen. Unter Umständen muss der Test nach zwei Wochen wiederholt werden.

Syphilis im Sekundärstadium (Lues II)

Wenn die Syphilis im Primärstadium nicht behandelt wird, kann sich das Bakterium im Laufe der folgenden Wochen und Monate über den Blutweg ausbreiten und im Sekundärstadium vielfältige, manchmal auch nur unspezifische Symptome verursachen. Die Syphilis wird deshalb auch als Chamäleon der Medizin bezeichnet. Die Betroffenen haben eventuell erkältungsähnliche Symptome, wie Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen. Dies kann mit einer Lymphknotenschwellung am ganzen Körper einhergehen. Anschließend kann ein Hautausschlag am ganzen Körper, klassischerweise an Hand- und Fußinnenflächen auftreten. Die Rachenmandeln können anschwellen sowie rötlich verfärbt sein und es kann zu Haarausfall kommen. Im Bereich von Vagina, Penis oder Enddarm können warzenähnlichen Veränderungen, sogenannte Condylomata lata, entstehen. Unter Umständen sind weitere Organe von der Infektion betroffen, beispielsweise die Leber oder die Nieren.

Im Sekundärstadium sind die Patienten äußerst ansteckend. In serologischen Tests wird häufig ein positives Ergebnis festgestellt. Innerhalb von 6 Monaten nach der Erstinfektion können die Symptome auch ohne Therapie zurückgehen.

Latente Syphilis

Treten keine Symptome auf, wird die Syphilis als latent bezeichnet. Der Bluttest fällt jedoch weiterhin positiv aus. Ein bis zwei Jahre nach der Infektion spricht man von einer frühen latente, anschließend von einer späten latente Syphilis vor. Das latente Stadium kann zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren dauern.

Spätsyphilis (Lues III/IV)

Eine latente Syphilis kann nach einem bis zu mehreren Jahren erneut zu Krankheitssymptomen führen. Ohne vorherige Behandlung besteht hierfür ein Risiko von 30 %. Diese sogenannte Spätsyphilis wird oft in ein Tertiär- und Quartärstadium unterteilt. Dank der oft frühzeitigen Behandlung sind diese Stadien eher selten.

Bei einer Syphilis im Tertiärstadium können sich gummiartige Geschwülste auf der Haut oder an anderen Organen bilden, welche auch als Gummen bezeichnet werden. Die Blutgefäße können von der Syphilis beeinträchtigt sein und sich aussacken, wodurch Aneurysmen, z. B. ein Aortenaneurysma, entstehen. Diese können aufplatzen (Aneurysmaruptur), was lebensgefährliche Blutungen verursachen kann.

Eine der schwerwiegendsten Ausprägungen der Syphilis ist die Neurosyphilis, auch als Syphilis im Quartärstadium bezeichnet. In diesem Stadium kann es unter anderem zu einschießenden Schmerzen in Bauch und Beinen, Empfindungsstörungen, Krampfanfällen, psychischen Störungen und Demenz kommen.

HIV-Infektion und Syphilis

Die Schleimhautwunde, die klassischerweise im Primärstadium der Syphilis entsteht, begünstigt eine Infektion mit dem HI-Virus. Ein effektiver Schutz durch Kondome ist deshalb besonders wichtig.

Besteht bereits vor der Infektion mit dem Syphiliserreger eine HIV-Infektion, kann die Syphilis einen schwereren Verlauf nehmen. Ebenso kann sich eine vorbestehende HIV-Erkrankung durch eine Syphilis verschlimmern.

Diagnose

Bei der Vorstellung beim Arzt wird zunächst die Krankengeschichte erörtert und eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Besteht der Verdacht auf eine Syphilis-Infektion, wird meist Blut abgenommen. Im Blut können mit serologischen Tests Antikörper nachgewiesen werden, die darauf hinweisen, dass Kontakt mit dem Erreger bestand bzw. besteht. Der Erreger lässt sich manchmal auch durch einen Abstrich aus der Wundflüssigkeit nachweisen, z. B. im Mikroskop oder durch einen PCR-Test. Fallen die serologischen oder anderen Tests positiv aus, wird die Therapie eingeleitet. Syphilisinfektionen werden an das Robert Koch-Institut gemeldet, allerdings, ohne den Namen der betroffenen Person zu nennen.

Therapie

Die Syphilis ist durch eine Behandlung mit Antibiotika heilbar. Bereits bestehende Organschäden können allerdings nicht mehr geheilt werden. Meist wird Penicillin in den Muskel gespritzt oder bei schweren Verläufen auch über die Vene verabreicht. Wenn Patienten auf Penicillin allergisch sind, können auch andere Antibiotika gegeben werden.

Manche Patienten reagieren auf die Behandlung mit einer sog. Jarisch-Herxheimer-Reaktion, die bereits einige Stunden nach der Antibiotikagabe auftreten kann. Hierbei entsteht eine Entzündungsreaktion auf die abgestorbenen Bakterienbestandteile. Die Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopf- oder Muskelschmerzen. Da es sich um keine Allergie auf das Antibiotikum handelt, wird die Antibiotikatherapie fortgesetzt. Allerdings werden die betroffenen Patienten in einer Klinik überwacht.

Vorsichtsmaßnahmen

Da Syphilis eine sexuell übertragbare Krankheit ist, sollte solange auf Sex verzichtet werden, bis die Therapie beendet ist. Das ärztliche Personal kann Auskunft darüber geben, wann Sex ohne Übertragungsgefahr wieder möglich ist. Es ist zudem wichtig, bisherige Sexualpartner über die Erkrankung zu informieren. Diese sollten sich auf Syphilis untersuchen lassen, um eine mögliche Infektion frühzeitig behandeln zu können.

Zur Vorbeugung von Syphilis und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bieten Kondome einen sehr guten Schutz. Sie reduzieren das Risiko einer Übertragung deutlich, schützen allerdings nicht vollständig vor Syphilis.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie auch auf andere sexuell übertragbare Krankheiten (einschließlich HIV) getestet werden wollen.

Prognose

Wird die Erkrankung frühzeitig behandelt, ist die Prognose gut.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Syphilis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Brown DL, Frank JE. Diagnosis and management of syphilis. Am Fam Physician 2003; 68: 283-90. PubMed
  2. Workowski KA and Berman SM. Sexually transmitted diseases treatment guidelines, 2006. MMWR Recomm Rep 2006; 55: 1-94. PubMed
  3. Wõhrl S, Geusau A. Clinical update: syphilis in adults. Lancet 2007; 369: 1912-4. PubMed
  4. Donovan B. Sexually transmissible infections other than HIV. Lancet 2004; 363: 545-56. PubMed
  5. Nicoll A and Hamers FF. Are trends in HIV, gonorrhoea, and syphilis worsening in western Europe? BMJ 2002; 324: 1324-7. British Medical Journal
  6. Simms I, Fenton KA, Ashton M, et al. The re-emergence of syphilis in the United Kingdom: the new epidemic phases. Sex Transm Dis 2005; 32: 220-6. PubMed
  7. Marcus U, Kollan C, Bremer V and Hamouda O. Relation between the HIV and the re-emerging syphilis epidemic among MSM in Germany: an analysis based on anonymous surveillance data. Sex Transm Infect 2005; 81: 456-7. PubMed
  8. Chen ZQ, Zhang GC, Gong XD, et al. Syphilis in China: results of a national surveillance programme. Lancet 2007; 369: 132-8. PubMed
  9. Robert Koch Institut Berlin. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten 2016 www.rki.de
  10. Reynolds SJ, Risbud AR, Shepherd ME, et al. High rates of syphilis among STI patients are contributing to the spread of HIV-1 in India. Sex Transm Infect 2006; 82: 121-6. PubMed
  11. Goh BT and van Voorst Vader PC. European guideline for the management of syphilis. Int J STD AIDS 2001; 12 (suppl 3): 14-26. www.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Robert Koch Institut, RKI Ratgeber, Syphilis, Stand: 11.12.2007 www.rki.de
  13. Larsen SA, Steiner BM, Rudolph AH. Laboratory diagnosis and interpretation of tests for syphilis. Clin Microbiol Rev 1995; 8: 1-21. PubMed
  14. Antal GM, Lukehart SA and Meheus AZ. The endemic treponematoses: microbes and infection. Microbes Infect 2002; 4: 83-94. PubMed
  15. Deutsche STI-Gesellschaft e. V. (DSTIG), Syphilis, Diagnostik und Therapie, AWFM -Leitlinie Nr.059 - 002,2014. www.awmf.org
  16. Luger AF. Serological diagnosis of syphilis: current methods. In: Young H, McMillan A, eds. Immunological diagnosis of sexually transmitted diseases. New York: Dekker, 1988: 250-9.
  17. Deutsche STI-Gesellschaft e. V. (DSTIG) – Ges. z. Förderung der Sexuellen Gesundheit, Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. Syphilis – mikrobiologisch-infektiologische Qualitätsstandards. AWMF-Leitlinie Nr. 059-003, Stand 2015. www.awmf.org
  18. Geusau A, Kittler H, Hein U, Dangl-Erlach E, Stingl G and Tschachler E. Biological false-positive tests comprise a high proportion of Venereal Disease Research Laboratory reactions in an analysis of 300,000 sera. Int J STD AIDS 2005; 16: 722-6. PubMed
  19. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN),Neurosyphilis, AWFM Leitlinie Nr. 030 - 101,2012 www.awmf.org
  20. Clark EG, Danbolt N. The Oslo study of the natural course of untreated syphilis. Med Clin North Am 1964; 48: 613-21. PubMed