HIV-Infektion, Behandlung

Bis heute ist HIV eine unheilbare Krankheit. Allerdings hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Neue Medikamente stehen zur Verfügung, die aus der einst tödlichen Erkrankung eine Krankheit gemacht haben, mit der lange und gut leben kann.

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Wie wird eine HIV-Infektion behandelt?

Mit einer medikamentösen Behandlung bleiben HIV-Infizierte länger gesund. Die Behandlung ist allerdings kompliziert und muss ein Leben lang fortgeführt werden. Es gibt eine große Auswahl an Medikamenten, die im Zusammenhang mit HIV zum Einsatz kommen können.

Eine Heilung für HIV gibt es allerdings nicht. Die eingesetzten Wirkstoffe sind sogenannte antiretrovirale Mittel. Sie verhindern, dass HIV dem Immunsystem zu viel Schaden zufügt. Die Einnahme von Medikamenten beginnt, sobald HIV anfängt, das Immunsystem anzugreifen, und die Therapie muss lebenslang fortgeführt werden. Der geeignete Zeitpunkt für den Beginn einer Therapie mit der richtigen Medikamentenkombination muss im Einzelfall von Spezialisten bestimmt werden und im Verlauf  angepasst werden.

Es kommt zwar häufig zu Nebenwirkungen, diese sind aber selten schwerwiegend. Manchmal muss nach einer gewissen Zeit die Kombination der antiretroviralen Medikamente geändert werden, weil das Virus gegen einen Wirkstoff resistent geworden ist, sodass das entsprechende Medikament nicht mehr wirkt. Möglicherweise sind auch andere Medikamente notwendig, um zu verhindern, dass sich opportunistische Infektionen entwickeln, falls das Immunsystem stark angegriffen ist. Es gibt auch Medikamente, die in der Schwangerschaft verhindern, dass das Virus auf das Kind übertragen wird. Die meisten Betroffenen, die Medikamente anwenden, erleben eine sehr starke Verbesserung ihres Zustands, sodass die Nebenwirkungen im Vergleich zum Therapieerfolg in vielen Fällen eine untergeordnete Rolle spielen.

Antiretrovirale Medikamente

HIV gehört zu einem als Retrovirus bezeichneten Virustyp. Antiretrovirale Medikamente sind Präparate, die wirksam gegen diesen Virustyp sind. Der aktuelle Stand der Wissenschaft ist, dass die gleichzeitige Einnahme von drei verschiedenen Wirkstoffen (Kombinationstherapie) am wirksamsten ist. Es gibt viele unterschiedliche Präparate und viele mögliche Kombinationen. Es ist wichtig, dass die Therapie sorgfältig und genau eingehalten wird, um der Entwicklung von Resistenzen und damit einem Wirksamkeitsverlust der Behandlung entgegenzuwirken. Derzeit wird empfohlen, auf jeden Fall mit der antiretroviralen Therapie zu beginnen, wenn die Zahl der CD4-Zellen auf 350 pro Mikroliter gefallen ist.

Es gibt fünf Haupttypen antiretroviraler Medikamente:

  1. Nukleosidanaloga
  2. Proteaseinhibitoren
  3. Nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren
  4. Integraseinhibitoren
  5. Entry-Inhibitoren.

In jeder Gruppe gibt es viele verschiedene Präparate. Die üblichsten Kombinationen in einer Dreifachtherapie sind:

  • ein Proteaseinhibitor und zwei Nukleosidanaloga
  • zwei Nukleosidanaloga und ein nichtnukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor.

Ein Wechsel zu anderen Medikamenten ist dann nötig, wenn zu starke Nebenwirkungen auftreten oder die Kombination der Wirkstoffe nicht effektiv ist. Wenn die Therapievorgaben nicht genau eingehalten werden, kann das schwerwiegende Folgen haben und sowohl die Möglichkeiten einschränken, gute Alternativpräparate zu finden, als auch das Risiko erhöhen, dass die Therapie nicht richtig anschlägt.

Mit der medikamentösen Behandlung wird der Angriff von HIV auf das Immunsystem stark verzögert, sodass Betroffene viel länger gesund bleiben. Dadurch wird der Ausbruch einer Immundefizienz, also AIDS, verhindert und dadurch die Lebensqualität in ähnlich gutem Maße beibehalten, wo noch vor einigen Jahre die Krankheit tödlich verlief.

Wie wirken die antiretroviralen Medikamente?

Die antiretroviralen Präparate hemmen HIV und reduzieren die Auswirkungen des Virus auf das Immunsystem. Mit den Medikamenten kann man das Virus zwar nicht zerstören, sie hindern es aber daran, weitere Viruskopien herzustellen. Somit befinden sich weniger Viren im Körper, die dem Immunsystem schaden könnten.

HIV bildet Enzyme, mit deren Hilfe das Virus in die Zellen eindringen und dort die Produktion von Viruskopien veranlassen kann. Die antiretroviralen Medikamente wirken, indem sie diese Enzyme daran hindern, diesen Prozess in Gang zu setzen. Die Medikamente sind also darauf abgestimmt, HIV zu hemmen.

Nebenwirkungen

Bei vielen Personen, die antiretrovirale Medikamente nehmen, treten Nebenwirkungen auf. Es ist dennoch sehr wichtig, dass Sie die Medikamente auch beim Auftreten von Nebenwirkungen weiterhin konsequent und korrekt einnehmen, denn sonst kann HIV das Immunsystem wieder unkontrolliert angreifen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie Ihre Medikamententherapie ändern sollten.

Übelkeit ist die häufigste Nebenwirkung und tritt bei einer von vier Personen auf. Durchfall, Erbrechen und Müdigkeit betreffen eine von zehn Personen. Seltener sind Taubheitsgefühle in Händen und Füßen, Kopfschmerzen, Juckreiz und verminderter Appetit. Die Einnahme von Proteaseinhibitoren über einen langen Zeitraum kann dazu führen, dass Arme, Beine und Gesicht dünner werden, sich dafür aber mehr Fettgewebe an Bauch, Rücken und Nacken bildet. Bei einer von zehn Personen kommt es zu einer Schädigung der Leber. Daher muss mit regelmäßigen Blutuntersuchungen die Leberfunktion kontrolliert werden.

Kontinuierliche Forschung

Es werden fortlaufend neue Medikamente gegen HIV entwickelt. Außerdem werden die vorhandenen Medikamente kontinuierlich weiterentwickelt. So wird z. B. die Wirkungsdauer der Medikamente erhöht, sodass nicht mehr so viele Medikamente pro Tag eingenommen werden müssen. Zwei oder mehr Wirkstoffe können in einer Tablette kombiniert werden, sodass sich auch die Anzahl der täglichen Tabletten reduziert.

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Patientenorganisationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel HIV-Infektion und AIDS. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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