Lungenentzündung durch Pneumocystis (Pneumocystis-Pneumonie)

Eine Pneumonie mit Pneumocystis jiroveci ist oft die Krankheit, die den Verdacht zulässt, dass sich eine HIV-Infektion zu AIDS entwickelt hat.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Pneumocystis?

Pneumokokken
Pneumokokken

Pneumocystis jiroveci (bisher unter dem Namen P. carinii bekannt) ist ein Pilz, der die häufigste, opportunistische Infektion unter Patienten bildet, die mit HIV infiziert sind. Opportunistische Infektionen sind eine Bezeichnung für Infektionen, die man bei einem geschwächten Immunsystem bekommen kann. Eine Pneumonie mit Pneumocystis jiroveci ist oft die Krankheit, die den Verdacht zulässt, dass sich eine HIV-Infektion zu Aids entwickelt hat.

Eine Pneumonie mit Pneumocystis findet man fast ausschließlich bei HIV-Infizierten und bei Patienten mit hoher Immunschwäche – zum Beispiel bei Krebspatienten oder anderen Patienten, denen aus bestimmten Gründen für lange Zeit hohe Dosen Kortikosteroide verabreicht werden.

Ansteckung

Ein stark herabgesetztes Immunsystem ist Voraussetzung für eine Ansteckung und Erkrankung.

Wie eine Pneumocystis übertragen wird, ist nicht klar belegt. Wahrscheinlich ist eine Ansteckung von Person zu Person am häufigsten bei einer Neuinfektion, aber es gibt auch Ansteckungen aus Umweltquellen. Am wahrscheinlichsten ist eine Ansteckung über die Luft. Dabei können Nichtinfizierte asymptomatische Träger der Pneumocystis sein.

Diagnostik

In der Regel hat der Patient eine bekannte HIV-Infektion oder Aids. Häufige Symptome sind ansteigende Atemnot, Reizhusten und niedriges Fieber. Nach einer Lungenpunktion (Pneumothorax) kann es zu akuter Atemnot mit atemabhängigen Brustschmerzen kommen. Patienten ohne Aids bekommen oft akute Atembeschwerden, nachdem die Dosis der immunsupprimierenden Medikamente verringert oder erhöht wurde.

Eine ärztliche Untersuchung erbringt nichts, was die Diagnose bestätigen oder ausschließen kann.

Der Zustand ist schwer zu diagnostizieren, denn er wird beeinflusst durch unspezifische Symptome und Zeichen, die Verwendung von vorbeugenden Medikamenten in der HIV-Behandlung und durch gleichzeitige Infektion mit einer Reihe von Mikroben, die eine Person mit Immunschwäche hat. Die Diagnose gründet sich daher auf den mikroskopischen Nachweis von Pneumocystis-Organismen aus Speichelproben, mithilfe bronchoalveolärer Lavage oder Lungengewebeproben.

Wenn die Speichelprobe die Mikrobe nicht enthält, erfolgt eine Bronchoskopie, wobei der Arzt die Luftröhre mit einer Kochsalzlösung spült, diese wieder absaugt und mikroskopiert, um Pneumocystis jiroveci nachzuweisen.

Mittels Röntgen oder Computertomografie der Lungen können typische Veränderungen erkennbar sein, aber manchmal sind die Röntgenbilder auch völlig normal.

Behandlung

Die Mikroorganismen werden bei der Behandlung entfernt, wodurch man die Infektion heilt und sicherstellt, dass der Patient überlebt. Patienten mit geringfügigen Symptomen für eine Pneumonie aufgrund von Pneumocystis können mit Tabletten behandelt werden und müssen bei regelmäßiger ärztlicher Kontrolle nicht ins Krankenhaus. Sind die Symptome schwerwiegender, muss der Patient im Krankenhaus behandelt werden. Behandelt wird mit Antibiotika, dies fällt aber nicht immer zufriedenstellend aus. Ebenso sind Nebenwirkungen möglich.

Um zu verhindern, dass Risikopatienten an der Pneumonie erkranken, werden die Betroffenen vorbeugend (prophylaktisch) behandelt. HIV-Infizierte erhalten diese Behandlung, wenn der CD4-Wert unter 200 liegt oder wenn der Patient eine Pilzinfektion in der Mundhöhle hat. Patienten, die eine Pneumonie mit Pneumocystis bereits hatten, erhalten eine lebenslange, vorbeugende Behandlung, die man aber bei Verbesserung des Immunsystems durch Behandlungen mit HIV-Medikamenten absetzen kann. Für Patienten, die keine HIV-bedingte Immunschwäche haben, wird eine vorbeugende Behandlung ebenso in Erwägung gezogen.

Prognose

Der Verlauf variiert sehr stark. Die Krankheit kann in bestimmten Fällen bei Personen mit Immunschwäche oder bei Aids-Patienten tödlich verlaufen.

Die Sterblichkeit für Aids-Patienten, die zum ersten Mal an einer Pneumonie aufgrund von Pneumocystis erkranken, liegt bei 10 bis 20 %, steigt aber stark bei Bedarf an künstlicher Beatmung. Die Sterblichkeit für Patienten ohne Aids liegt bei 30 bis 60 %, je nach der eventuell dahintersteckenden Krankheit. Krebspatienten haben eine höhere Sterblichkeit als Personen mit einer Transplantation oder einer Bindegewebekrankheit.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pneumocystis-Pneumonie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Thomas CF, Limper AH. Pneumocystis pneumonia. N Engl J Med 2004; 350: 2487-98. PubMed
  2. Sepkowitz KA. Opportunistic infections in patients with and patients without acquired immunodeficiency syndrome. Clin Infect Dis 2002; 34: 1098-1107. PubMed
  3. Masur H, Kaplan JE, Holmes KK. Guidelines for preventing opportunistic infections among HIV-infected persons -- 2002: recommendations of the U.S. Public Health Service and the Infectious Diseases Society of America. Ann Intern Med 2002; 137: 435-478. PubMed
  4. Fillatre P, Decaux O, Jouneau S, et al. Incidence of Pneumocystis jiroveci pneumonia among groups at risk in HIV-negative patients. Am J Med 2014; 127:1242.e11. doi: 10.1016/j.amjmed.2014.07.010 DOI
  5. Kaplan JE, Hanson D, Dworkin MS, et al. Epidemiology of human immunodeficiency virus-associated opportunistic infections in the U.S. in the era of highly active antiretroviral therapy. Clin Infect Dis 2000;30(suppl 1): 5S-14S.
  6. Ewald H, Raatz H, Boscacci R, et al. Adjunctive corticosteroids for Pneumocystis jiroveci pneumonia in patients with HIV infection. Cochrane Database Syst Rev 2015; (4): CD006150. doi:10.1002/14651858.CD006150 DOI
  7. Kim JH, Psevdos G Jr, Gonzalez E, et al. All-cause mortality in hospitalized HIV-infected patients at an acute tertiary care hospital with a comprehensive outpatient HIV care program in New York City in the era of highly active antiretroviral therapy (HAART). Infection 2013;41:545-551 PubMed
  8. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Krankheiten allgemein, Diagnosedaten der Krankenhäuser, E59 Pneumozytose (Zugriff 15.12.2015) www.gbe-bund.de
  9. Morris A, Beard CB, Huang L. Update on the epidemiology and transmission of Pneumocystis carinii. Microbes Infect 2002; 4: 95-103. PubMed
  10. Wakefield AE, Lindley AR, Ambrose HE, Denis CM, Miller RF. Limited asymptomatic carriage of Pneumocystis jiroveci in human immunodeficiency virus-infected patients. J Infect Dis 2003; 187: 901-8. PubMed
  11. Manoloff ES, Francioli P, Taffe P, Van Melle G, Bille J, Hauser PM. Risk for Pneumocystis carinii transmission among patients with pneumonia: a molecular epidemiology study. Emerg Infect Dis 2003; 9: 132-4. PubMed
  12. Cushion MT, Beck JM. Summary of Pneumocystis research presented at the 7th International Workshop on Opportunistic Protists. J Eukaryot Microbiol 2001;48 (Suppl): 101S-105S.
  13. Afessa B, Green W, Chiao J, Frederick W. Pulmonary complications of HIV infection: autopsy findings. Chest 1998; 113: 1225-9. PubMed
  14. Morrison A, Gingo M. Pneumocystis jirovecii pneumonia. BestPractice, last updated June 10, 2013 . bestpractice.bmj.com
  15. Shelhamer JH, Gill VJ, Quinn TC, et al. The laboratory evaluation of opportunistic pulmonary infections. Ann Intern Med 1996; 124: 585-599. Annals of Internal Medicine
  16. Ebner L, Walti LN, Rauch A, Furrer H, Cusini A, Meyer AM, et al. Clinical Course, Radiological Manifestations, and Outcome of Pneumocystis jirovecii Pneumonia in HIV Patients and Renal Transplant Recipients. PLoS One 2016; 11: e0164320.
  17. Chou CW, Chao HS, Lin FC, Tsai HC, Yuan WH, Chang SC. Clinical Usefulness of HRCT in Assessing the Severity of Pneumocystis jirovecii Pneumonia: A Cross-sectional Study. Medicine (Baltimore) 2015; 94: e768. PubMed
  18. Limper AH, Offord KP, Smith TF, Martin WJ II. Pneumocystis carinii pneumonia: differences in lung parasite number and inflammation in patients with and without AIDS. Am Rev Respir Dis 1989; 140: 1204-1209. PubMed
  19. Limper AH, Knox KS, Sarosi GA, et al. An official american thoracic society statement: treatment of fungal infections in adult pulmonary and critical care patients. Am J Respir Crit Care Med 2011;183:96-128. PubMed
  20. Kaplan JE, Benson C, Holmes KH, , et al. Guidelines for prevention and treatment of opportunistic infections in HIV-infected adults and adolescents, the National Institutes of Health (NIH), the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), and the HIV Medicine Association of the Infectious Diseases Society of America. MMWR Recomm Rep 2009 Apr 10;58(RR-4):1-207.
  21. Randall Curtis J, Yarnold PR, Schwartz DN, Weinstein RA, Bennett CL. Improvements in outcomes of acute respiratory failure for patients with human immunodeficiency virus-related Pneumocystis carinii pneumonia. Am J Respir Crit Care Med 2000; 162: 393-398. PubMed
  22. Pareja JG, Garland R, Koziel H. Use of adjunctive corticosteroids in severe adult non-HIV Pneumocystis carinii pneumonia. Chest 1998; 113: 1215-1224. PubMed